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Weiterbilden oder lassen?

über den Öffentlichen Dienst im Allgemeinen

Re: Weiterbilden oder lassen?

Beitragvon Faunus am 28.04.2017, 12:42

Also mal vol von der
AG-Seite/Wirtschaft:
unbedingt, je mehr Geld Du reinsteckst, desto besser ist Es und Du nutzbar.

AN-Seite ist eine Frage des Alters:
- um die 50 & höher - lohnt nicht mehr, da zu viel Konkurrenz auf dem Markt ist
- um die 40 - könnte vielleicht u.U möglicherweise noch Sinn machen
- 30 und jünger - für was? Es werden die Einäugigen und Lahmen hofiert werden, sobald die 50+ in Rente gehen. Da wäre dann eine ordentliche Berufserfahrung (= vielseitig interessiert mit entsprechenden Tätigkeiten in Arbeitszeugnissen belegbar) sinnvoller.

Aber "Scherz" bei Seite: Fortbildung (in welcher Form auch immer) war und ist für mich eher erst Mal eine persönliche Sache, die mir Spass machen sollte und mein Ego glücklich machen musste. Lernen ist nicht alleine eine Sache von "Arbeitsplatz".
Faunus
 
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Re: Weiterbilden oder lassen?

Beitragvon CVM am 18.06.2017, 11:47

Liebe (angehende) Kolleginnen und Kollegen,

nach über 25 Dienstjahren in Mittel-, Ober- und obersten (Dienst-)Behörden kann ich den kritischen Ausführungen der bisherigen Kommentare zustimmen. Eine Behörde ist eine Organisation eigener Art. Für die Karriere geht es in erster Linie nicht um Qualifikationen oder Weiterbildungen, sondern um die Beziehungen innerhalb von Netzwerken, insb. zu Vorgesetzten und Entscheidern.

Hinzu kommen Punkte, die ich als „Glück“ bezeichnen möchte, wobei Glück für mich eine abhängige Variable von Entscheidungen ist. Dies umfasst „Ausdauer“, Kommunikations- und Intigrationsfähigkeiten (mit i und nicht mit e geschrieben!) sowie Vorgesetztengefälligkeit. Letzteres meint nicht das „Schleimen“ oder „Beschenken“, sondern den bei einem vorgesetzten entstehenden Eindruck, „Die Entscheidung für den Mitarbeiter X oder Y führt für mich (Vorgesetzten) langfristig nicht zu einem Schaden“.

In diesem Kontext sehe ich den Begriff „Leistung“. Ein Mitarbeiter (MA) der „seinen Job macht“ und über Jahre unauffällig arbeitet wird oft systembedingt einem „unbequemen MA mit herausragenden Leistungen, hohen Kosteneinsparungen und hervorragenden Qualifikationen vorgezogen.

Warum ist das so? Vorgesetzte und Entscheider einer Behörde gehören im Regelfall zwar zu den „Überstundenleistern“, sind jedoch nicht vergleichbar mit Managern oder Unternehmern, deren Einkommen vom Gewinn der Behörde abhängt. Sie möchten Ihre verfügbare Woche zwischen freier und beruflicher Zeit optimieren. „Schwierige“ Mitarbeiter kosten Zeit, weil sie Verhandlungen mit Stake- und Shareholdern erzwingen, auch wenn dies Kosteneinsparungen ermöglicht oder Prozesse optimiert. Damit entsteht ein Zielkonflikt.

Nach meiner Meinung kann ferner kein Mensch mehr die Komplexität der Gesellschaft überblicken. Eine mittelgroße Behörde arbeitet unmittelbar an Ordnung und Struktur in dieser Komplexität. Die Vorgesetzten und Entscheider (oft Juristen) sind schlicht überfordert. Sie (übrigens wie auch viele Manager in Unternehmen) wählen daher Personen, die Sie ver- und Ihnen in der Denkstruktur nahestehen.

Eine private Fortbildung ermöglicht Dir neue Denkstrukturen und alternative Problemlösungsstrategien zu erlernen. Die Gefahr, damit dem „einfachen“ Vorgesetzten Angst zu machen ist groß. Daher kann private Fortbildung beruflich auch schaden.

Besten Gruß
CVM
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