Startseite

Tarifrunde 2018 - Diskussion

TVöD VKA, TV-V, TV-N
TVöD Sozial- und Erziehungsdienst

Re: Tarifrunde 2018

Beitragvon Motorhead am 16.11.2017, 08:22

Es ist doch nicht Aufgabe der Gewerkschaften oder der Arbeitnehmer sich um die Auslastung bzw. Ausstattung der Arbeitsstätte zu sorgen.

Arbeitszeitreduzierungen sind auch ein Mittel, die vorhandene Arbeit auf mehr Kräfte zu verteilen, also ein soziales Instrument. Es muss jedoch aus der Praxiserfahrung her mehr Möglichkeiten zur Arbeitsflexibilisierung angeboten werden. In diesem Punkt gibt es jedoch veraltete Strukturen.
Motorhead
 
Beiträge: 1333
Registriert: 05.01.2010, 14:21

Re: Tarifrunde 2018

Beitragvon Kaiser80 am 16.11.2017, 09:03

Motorhead hat geschrieben: Es muss jedoch aus der Praxiserfahrung her mehr Möglichkeiten zur Arbeitsflexibilisierung angeboten werden. In diesem Punkt gibt es jedoch veraltete Strukturen.


Tja. Ich vertrete auch diese Auffassung. Aber ich zitiere mal aus "spiegel online":

67,8 Prozent der mehr als 5000 Befragten gaben demnach an, selbst lieber an festen Arbeitszeiten festzuhalten. Die Unterschiede unter den Arten der Beschäftigung sind groß. Während sich bei Studenten mit 53,1 Prozent nur etwas mehr als die Hälfte fest geregelte Arbeitszeiten wünschen, sind es bei den Selbstständigen mit 60,9 Prozent bereits deutlich mehr, gefolgt von abhängig Beschäftigten (70,1 Prozent), Rentnern (70,3) und Arbeitslosen (74,4).
Kaiser80
 
Beiträge: 913
Registriert: 27.07.2015, 09:02

Re: Tarifrunde 2018

Beitragvon Motorhead am 16.11.2017, 09:07

Ich sprach nicht von Arbeitszeitflexibilisierung...

Ist auch ein Thema, aber bei der angesprochenen Raumproblematik, die wir hier auch massiv haben, wäre auch die Telearbeit, also der Ort der Arbeitserbringung ein Thema.

Davon ab, ist das Kernproblem, die ausufernde Bürokratie. Die gehört mal ausgemistet und nicht ständig erweitert.
Motorhead
 
Beiträge: 1333
Registriert: 05.01.2010, 14:21

Re: Tarifrunde 2018

Beitragvon Controller am 16.11.2017, 12:05

Wenn ständig neue Gesetze, Verordnungen und Satzungen dazukommen, dann muss es auch neue "Bürokraten" geben, um den politischen Auftrag mit Leben zu füllen. Der Paragraph einer Rechtsvorschrift wie: "Jedem Bürger über 18 werden monatlich 100 Euro in bar ausgehändigt" macht solange keinen Sinn, wie niemand für die Auszahlung für zuständig erklärt wird.
Leider wird die Anzahl der Rechtsvorschriften tendenziell in einer Form erhöht oder ständig spezifiziert, dass das Wachstum der "Bürokratie", trotz Automatisierung, nicht schritt halten kann und die Arbeitsverdichtung im Öffentlichen Dienst überall zunimmt.

Es gibt mittlerweile über 10.000 Berichtspflichten der Wirtschaft gegenüber der Öffentlichen Hand, was manchem Kleinunternehmer die Freude am arbeiten nimmt. Die Überlastung von Kranken- und Pflegekräften hängt extrem mit den vorgeschriebenen Berichts- und Dokumentationspflichten zusammen, durch die die eigentliche Arbeit nicht mehr erledigt wird.

Der Blick über den Tellerrand ins umliegende Ausland nutzt da nicht viel, weil unsere Nachbarn es genauso, oder noch schlimmer treiben, z. B. in Südeuropa. Der Unterschied hierzu ist halt, dass der grundsätzliche Respekt vor dem Staat und seinen Vorschriften nicht so tief greift und so Gesetze auch schon einmal einfach ignoriert werden; in Deutschland undenkbar.

Gäbe es in der Tat einen Bürokratieabbau, der nur durch ein Umdenken erfolgen kann, wäre für eine gerechte Bezahlung der Verbliebenen auch genug Geld da und die Akzeptanz in der Bevölkerung für den Öffentlichen Dienst wäre auch erheblich höher.
Controller
 
Beiträge: 351
Registriert: 03.11.2011, 13:40

Re: Tarifrunde 2018

Beitragvon Kaiser80 am 16.11.2017, 12:14

Controller hat geschrieben:Es gibt mittlerweile über 10.000 Berichtspflichten der Wirtschaft gegenüber der Öffentlichen Hand, was manchem Kleinunternehmer die Freude am arbeiten nimmt. Die Überlastung von Kranken- und Pflegekräften hängt extrem mit den vorgeschriebenen Berichts- und Dokumentationspflichten zusammen, durch die die eigentliche Arbeit nicht mehr erledigt wird.


Und nicht nur in der Wirtschaft! Wir verwalten uns ja hervorragend selber.

Ich arbeite im Bereich der Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung. Von Maßnahmen i.R. Wasserrechlicher Verfahren, Einleitgenehmigungen, BWK Nachweise bliblablubb kann der ÖD ja selbst auch ein Lied singen. On Top: Ich habs mal aufgeschrieben: Alleine in den Jahren 2015 und 2016 hatte ich an destatis, it.nrw und co. je knapp 20 Statistikmeldungen abzugeben. Da gehen rund 2-4 Arbeitstage im Jahr für drauf. Furchtbar.

Was die Berichts und Dokupflichten angeht, können wir gerne noch den ganzen kibiz Kack obendrauf packen! Betreuungsschlüssel scheißegal, hauptsache ein schönes Portfolio für unsre Kleine. Aber irgendwo für müssen meine 2.500€ p.a. Kita-Gebühren in NRW ja auch gut sein... 7 KM weiter in RLP kostet es dann nix. Ist schon witzig was im Rahmen der Bürokratie und des Föderalismus so abgeht
Kaiser80
 
Beiträge: 913
Registriert: 27.07.2015, 09:02

Re: Tarifrunde 2018

Beitragvon Motorhead am 16.11.2017, 12:20

Wobei es sicher eine politische Aufgabe ist, hier etwas zu ändern. Aber was würde passieren, wenn es einfache Regelungen gibt, die nun mal jeden gleich behandeln? Jeder Einzelne würde sich durchklagen und mangelnde gesetzliche Regelungen würden durch höchstrichterliche Rechtsprechung ersetzt. Also muss das Gesamtsystem auf Links gezogen werden. Das ist aber utopisch.

Die Entropie ist ein Naturgesetz.
Motorhead
 
Beiträge: 1333
Registriert: 05.01.2010, 14:21

Re: Tarifrunde 2018

Beitragvon Kryne am 16.11.2017, 12:56

Irgendwann verwalten wir uns tot. Das ist aber wie ja schon gesagt eine politische Aufgabe hier mal etwas zutun. Aber der Wagen wird nur gegen die Wand gefahren.

Bei uns gab es gerade eine Infoveranstaltung bzgl. neuer Müllgesetze. Gewerbetreibende sind jetzt verpflichtet ALLES an Müll zu trennen. Wer das nicht tut riskiert bis zu 100.000€ Strafe. Wenn also ein Steuerbüro ein neues Regalbrett bekommt und das alte Regalbrett kleinsägt und in den Restmüll wirft, dann macht es sich strafbar.

Ein hohes Tier vom RP hat hier einen Vortrag dazu gehalten. Auf die Frage wer dieses neue Gesetz jetzt überwachen würde und quasi "umsetzen" würde sagte er: "Ich dürfte es ihnen eigentlich gar nicht sagen, aber ich gehe bald in den Ruhestand. Wir haben 260.000 gemeldete Gewerbe in unserer Zuständigkeit und haben jetzt vier Stellen dafür beantragt. Wissen sie wie viele wir bekommen haben ? Keine."...
Kryne
 
Beiträge: 181
Registriert: 13.11.2017, 10:17

Re: Tarifrunde 2018

Beitragvon Freidenker am 16.11.2017, 12:58

Gemäß dem Leitsatz "Nur Bares ist Wahres".... sollte die Tariferhöhung für 2018 mindestens bei 3,5% liegen und für 2019 nochmals knapp bei 3,0% sich einpendeln. Eine Arbeitszeitverkürzung mit einer Lohnerhöhung gleichzusetzen ist unsinnig, da die Arbeit erledigt werden muss von denen die noch da sind. Und da sich kaum noch jemand für die Stellen im öffentlichen Dienst interessiert, Stichwort immer niedrigere Eingruppierungen bei Arbeitsbeginn, bleibt das was zu tun ist, an denjenigen hängen, die jetzt noch im Angestelltenverhältnis sind. Im Übrigen boomt die Wirtschaft seit Jahren, wir hören ständig von Rekord Steuereinnahmen, Gelder werden freigegeben für viele Dinge, die vor Jahren noch als unmöglich finanzierbar galten. Wer weismachen möchte, dass es den Kommunen schlecht geht, der hat nur eines im Sinn: Uns ein schlechtes Gewissen einreden damit wir auf uns zustehende Erhöhungen verzichten sollten bzw. stillschweigend wieder einmal alles schlucken. So wie bei der letzten Tariferhöhung die von der Gewerkschaft als super verkauft wurde. Das von der selben Gewerkschaft verschwiegen wurde, dass zb die Sonderzahlungen um 4% verringert wurden, passt da ins Gesamtbild. Ich würde mir mal ein klares Wort der Gewerkschaften wünschen bezüglich der Situation von berufstätigen Menschen im öffentlichen Dienst, die sich die grundliegenden Werte wie bezahlbaren Wohnraum, Aufwendungen für die Ausbildung von Kindern (Fahrkartenpreise) und vieles mehr, nicht mehr leisten können.
Freidenker
 
Beiträge: 12
Registriert: 16.11.2017, 12:47

Re: Tarifrunde 2018

Beitragvon Motorhead am 16.11.2017, 14:34

Thema Lohnerhöhung vs. Arbeitszeit kann doch auch mal kreativ gehandhabt werden, das haben doch selbst die Eisenbahner hinbekommen mittels einer Option auf die Prozente oder alternativ Stundenverkürzung.

Oder mal ganz neu gedacht: eine Option der Erhöhung der Arbeitszeit über eine genau bestimmte tarifliche Norm hinaus. Ist ehe eine Schieflage im TÖVD.
Motorhead
 
Beiträge: 1333
Registriert: 05.01.2010, 14:21

Re: Tarifrunde 2018

Beitragvon Fragender02 am 17.11.2017, 10:38

Kryne hat geschrieben:... Bei uns gab es gerade eine Infoveranstaltung bzgl. neuer Müllgesetze. Gewerbetreibende sind jetzt verpflichtet ALLES an Müll zu trennen. Wer das nicht tut riskiert bis zu 100.000€ Strafe. Wenn also ein Steuerbüro ein neues Regalbrett bekommt und das alte Regalbrett kleinsägt und in den Restmüll wirft, dann macht es sich strafbar.

Ein hohes Tier vom RP hat hier einen Vortrag dazu gehalten. ...


Blödsinn. Du und dein hohes Tier haben das nicht ganz verstanden.
Fragender02
 
Beiträge: 132
Registriert: 15.03.2017, 15:16

VorherigeNächste

Zurück zu TVöD Kommunen

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: ACDSee, Muenchner82 und 51 Gäste