Startseite

Lebenslang in derselben Entgeltgruppe bleiben - normal?

TVöD VKA, TV-V, TV-N
TVöD Sozial- und Erziehungsdienst

Lebenslang in derselben Entgeltgruppe bleiben - normal?

Beitragvon Comenius am 06.04.2018, 14:33

Hallo zusammen,
ich wollte mal fragen, was ihr darüber denkt:

Ich unterrichte seit 2000 an einer kommunalen Musikschule (in Bayern), die Stelle war ursprünglich in BAT Vb ausgeschrieben, inzwischen wurde sie in TVöD EG 9b übergeleitet.

Für eine Musikschul-Lehrkraft gibt es bei uns keinerlei Karriere-Möglichkeit, weil unsere Musikschule keine Fachgruppenleiter oder Ähnliches hat. Die einzige Möglichkeit, so etwas wie "Karriere" zu machen, wäre die Leitung der Musikschule zu übernehmen, aber das wird für mich unmöglich sein, da der bisherige Schulleiter noch ungefähr so lange im Dienst bleiben wird wie ich.

Ist das nicht ungerecht, dass wir Musiklehrer keinerlei Aufstiegs-Chancen haben? Wir sind dadurch gezwungen, lebenslang in derselben Entgeltgruppe zu bleiben, die sowieso nicht unserem schwierigen Studium angemessen ist?

Den möglichen Stufenaufstieg habe ich schon bis zur Stufe 6 vollzogen, und das war's jetzt für mich? Ich habe noch 20 Berufsjahre vor mir, und keine Möglichkeit einer Gehaltserhöhung? Bin etwas frustriert darüber.

Danke schon mal für eure Meinungen dazu.
Comenius
 
Beiträge: 15
Registriert: 06.04.2018, 13:58

Re: Lebenslang in derselben Entgeltgruppe bleiben - normal?

Beitragvon tkr104 am 06.04.2018, 14:37

Comenius hat geschrieben:Für eine Musikschul-Lehrkraft gibt es bei uns keinerlei Karriere-Möglichkeit, weil unsere Musikschule keine Fachgruppenleiter oder Ähnliches hat.


Gibt es in Bayern (oder wahlweise Deutschland) keine anderen Musikschulen?
tkr104
 
Beiträge: 72
Registriert: 09.12.2017, 22:40

Re: Lebenslang in derselben Entgeltgruppe bleiben - normal?

Beitragvon Spid am 06.04.2018, 14:44

Es gibt da ein interessantes Konzept, das könnte vielleicht etwas sein: Arbeitgeber schreiben zu besetzende Stellen aus und man kann sich darauf bewerben. Klingt komisch, ist aber so - und wenn man dann sogar noch darauf achtet, daß die neue Tätigkeit besser vergütet wird als die alte, dann verbessert man sich sogar!!!!1111!!
Spid
 
Beiträge: 8959
Registriert: 03.08.2014, 11:27

Re: Lebenslang in derselben Entgeltgruppe bleiben - normal?

Beitragvon burnerle am 06.04.2018, 14:52

Freitagnachmittag, Spid at it's best :-).

Grüße
burnerle
 
Beiträge: 606
Registriert: 03.04.2012, 14:59

Re: Lebenslang in derselben Entgeltgruppe bleiben - normal?

Beitragvon Buerohengst am 06.04.2018, 15:22

Das ist doch allgemein ein Problem im öffentlichen Dienst, dass es sehr viele Stellen ohne jegliche Entwicklungsperspektive gibt. Das hören wir immer wieder von scheidenden Angestellten, wenn wegen des Kündigungsgrundes nochmal nachgefasst wird. Wir haben jetzt erst wieder jemanden aus der IT an die freie Wirtschaft verloren. Wir verstehen die Beweggründe und können sie doch nicht ändern. Aufgrund der neuen Entgeltordnung haben bei uns viele Kundenberater im 9er-Bereich zumindest den Sprung nach E9c geschafft. Das hätte vor 2-3 Jahren auch keiner gedacht.
Andererseits kann es natürlich nie genauso viele Häuptlinge wie Indianer geben, das liegt in der Natur der Sache. Manchmal braucht es etwas mehr Geduld, manchmal etwas mehr Glück, manchmal beides. Manchmal kann es ganz schnell gehen und manchmal geschieht nie etwas.

Ich meine aber auch, dass es auf dem deutschen Arbeitsmarkt schlimmeres gibt, als unbefristet auf einer E9a/b/c zu sitzen, alle 1-2 Jahre eine Tariferhöhung mitzunehmen, einen krisensicheren Arbeitsplatz zu haben und später noch eine nette Zusatzversorgung zu erhalten - aber das ist ein anderes Thema.
Buerohengst
 
Beiträge: 46
Registriert: 17.02.2015, 22:06

Re: Lebenslang in derselben Entgeltgruppe bleiben - normal?

Beitragvon Skedee Wedee am 06.04.2018, 15:50

So ist halt der öffentliche Dienst und der TVöD im Besonderen.

Wenn Du mehr verdienen möchtest, bewirb´ Dich auf eine andere - höher dotierte - Stelle oder wechsle in die Privatwirtschaft. Es ist halt eben so, dass sich die Entgeltgruppe nicht ändert, sofern die auszuübende Tätigkeit beibehalten wird.

Der öffentliche Dienst hat Vor- und Nachteile. Dein Job ist krisensicherer als in der Privatwirtschaft, dafür hängst Du halt eben in der 9b fest. Und schließlich kann keiner etwas dafür, dass Dein Chef (Musikschulleiter) ebenfalls noch 20 Jahre bis zur Rente hat und Deine Chancen auf seinen Posten somit äußerst gering sind.

Comenius hat geschrieben:Wir sind dadurch gezwungen, lebenslang in derselben Entgeltgruppe zu bleiben, die sowieso nicht unserem schwierigen Studium angemessen ist?


Das ist jetzt ein Witz, oder?! Es hat Dich damals niemand gezwungen, die Stelle im öffentlichen Dienst anzunehmen. Immer dieses Geflenne über zu wenig Gehalt. Dann hab´ einen Arsch in der Hose und gehe in die freie Wirtschaft. Verdienst dort bestimmt mehr...
Skedee Wedee
 
Beiträge: 84
Registriert: 18.05.2016, 15:44
Wohnort: in Baden-Württemberg

Re: Lebenslang in derselben Entgeltgruppe bleiben - normal?

Beitragvon atatat am 06.04.2018, 16:59

Comenius hat geschrieben:Den möglichen Stufenaufstieg habe ich schon bis zur Stufe 6 vollzogen, und das war's jetzt für mich? Ich habe noch 20 Berufsjahre vor mir, und keine Möglichkeit einer Gehaltserhöhung? Bin etwas frustriert darüber.

Danke schon mal für eure Meinungen dazu.

Also Gehaltserhöhung gibt es fast immer im öD. Auch für Menschen in der Stufe 6!
Skedee Wedee hat geschrieben:So ist halt der öffentliche Dienst und der TVöD im Besonderen.

Mal im Ernst:
Glaubt ihr wirklich, dass man durch absitzen in der freien Wirtschaft alle Jahre mal zusätzlich zum Inf Ausgleich nen 10% Aufschlag bekommt?
Ne, da muss man sich bewegen, da muss man auch höherwertige Tätigkeiten machen um nen saftigen Aufschlag zu bekommen.
Das alles ist selbst im öD möglich!
Aber man muss sich bewegen.
atatat
 
Beiträge: 5953
Registriert: 13.11.2009, 10:44

Re: Lebenslang in derselben Entgeltgruppe bleiben - normal?

Beitragvon Comenius am 06.04.2018, 17:22

Tja, hier ist es wie im richtigen Leben, von manchen wird man verstanden, von manchen nicht, andere wollen einen nicht verstehen, wieder andere giften einen an, obwohl man ihnen nichts getan hat.

Ok, danke für eure (so unterschiedlichen) Antworten. Ich möchte mal einige Dinge erklären, die anscheinend niemand weiß.

Ich kann mich nicht auf eine andere (höher dotierte) Stelle bewerben, denn ich habe nun mal Musik studiert, mein Beruf ist Diplom-Musiklehrer. An sämtlichen Musikschulen in Deutschland werden wir in EG 9 eingestuft, falls es dort überhaupt noch den TVöD gibt, denn vielerorts wurden solche Stellen schon in Honorar-Stellen umgewandelt (das bedeutet, man bekommt kein festes durchbezahltes Gehalt, sondern es werden nur die gehaltenenen Stunden vergütet, ohne weitere Sozialleistungen).

Wenn man sich mal dafür entschieden hat, Musik zu studieren, dann ist das aus dem tiefsten Inneren heraus geschehen, weil man einfach nicht anders kann. Man hat sich ja schon seine ganze Jugend mit dem Musikinstrument beschäftigt, in jeder freien Minute, daher kam ganz zwangsläufig die Entscheidung, das zum Beruf zu machen. Allerdings kann man sich als junger Mensch nicht im Entferntesten vorstellen, wie das später mal wird und ob das Gehalt fürs Leben reicht.

Jedenfalls beantwortet das die Frage, ob ich mir eine andere Tätigkeit vorstellen könnte; nein, kann ich nicht.
Ich bin glücklich damit, meine Kenntnisse an andere weitergeben zu können, Kindern und Jugendlichen eine sinnvolle Freizeitgestaltung eröffnen zu können, die sie im günstigsten Fall lebenslang erfüllt.
Ich bin bloß nicht glücklich darüber, dass meine Tätigkeit eine so geringe Wertschätzung erfährt, dass man uns viele Stufen unterhalb eines Diplom-Ingenieurs einstuft, der genauso wie ich 5 Jahre studiert und eine Diplomarbeit geschrieben hat. Das ist einfach ungererecht!


Zitat:
"Das ist jetzt ein Witz, oder?! Es hat Dich damals niemand gezwungen, die Stelle im öffentlichen Dienst anzunehmen. Immer dieses Geflenne über zu wenig Gehalt. Dann hab´ einen Arsch in der Hose und gehe in die freie Wirtschaft. Verdienst dort bestimmt mehr..."


Mit "Wirtschaft" hat mein Beruf so gar nichts zu tun, denn Musiklehrer werden ja für die Industrie nicht wirklich benötigt... Die städtischen Musikschulen sind eine freiwillige Leistung der Stadt, sie müsste sich das nicht unbedingt antun. Wenn damit eine private Musikschule gemeint sein soll, dort verdient man noch weniger.

Viele Grüße!
Comenius
 
Beiträge: 15
Registriert: 06.04.2018, 13:58

Re: Lebenslang in derselben Entgeltgruppe bleiben - normal?

Beitragvon Miau! am 06.04.2018, 18:08

Lebenslang in 9b... Da MUSS man ja wirklich einen Bornout kriegen!
Von meinem Desktop-PC gesendet.
Miau!
 
Beiträge: 764
Registriert: 24.09.2016, 18:53

Re: Lebenslang in derselben Entgeltgruppe bleiben - normal?

Beitragvon Spid am 06.04.2018, 18:08

Wer sich ohne auf den Marktwert zu schauen selbst verwirklicht, hat halt ggfs. das Nachsehen - wobei das bei Musikschullehrern eher nicht der Fall ist. Die speziellen Tätigkeitsmerkmale in Teil B Abschnitt XX gehen bis E15 - und da es Stellenausschreibungen für solche Stellen gibt, z.B. http://www.lvdm-nrw.de/job/22032018-lei ... ule-bochum, ist das auch nicht theoretisch. Man muß sich halt bewegen.
Spid
 
Beiträge: 8959
Registriert: 03.08.2014, 11:27

Nächste

Zurück zu TVöD Kommunen

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: Google [Bot], Majestic-12 [Bot] und 21 Gäste