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Politisches Interesse als Beamter

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Politisches Interesse als Beamter

Beitragvon DickerBandit am 09.04.2017, 20:23

Hallo,

ich wollte mal fragen, wie wichtig (tiefgreifendes) Interesse an Politik als Beamter ist bzw fürs Studium.. Geht es da viel um politische Themen? Oder kann man das als politisch nicht besonders interessierter Mensch trotzdem machen? Und im Berufsalltag?
Danke
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Re: Politisches Interesse als Beamter

Beitragvon Relham am 09.04.2017, 21:08

Das kommt vor allem auf die Fachrichtung an. Wer Anwärter beim Verfassungsschutz ist, sollte sich einigermaßen für aktuelle Themen begeistern können. Wer jedoch beim Finanzamt arbeiten will, muss sich weniger mit den aktuellen islamistischen Bedrohungen auseinadersetzen, als mit der Abgabenordnung.
Relham
 
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Re: Politisches Interesse als Beamter

Beitragvon DickerBandit am 09.04.2017, 21:32

Ah ok, danke.

Ja ich hätte vielleicht noch dazuschreiben sollen, dass es sich um den Allgemeinen nicht-technischen Verwaltungsdienst handeln würde.
Aber kommen solche Themen im Studium gezielt dran?
Ich schau eigentlich nie Nachrichten, höre sie wenn dann nebenbei im Radio, aber bin jetzt ehrlich gesagt nie wirklich up to date. Klar, wenn was Schlimmes passiert kriegt mans ja unweigerlich mit. Aber was jetzt der Minister gesagt hat und der andere zu diesem und jenen Thema.. Hmmm. Kann diese Leute auch nie wirklich auseinander halten .. peinlich vielleicht, aber ist nun mal so..

Aber sollte jetzt kein KO-Kriterium sein, oder?
DickerBandit
 
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Re: Politisches Interesse als Beamter

Beitragvon prediger am 09.04.2017, 22:11

Bei Dienstposten im normalen Verwaltungsdienst wird fehlendes politisches Interesse kein k.O. Kriterium sein, es sei denn es handelt sich um eine Führungsposition.

Gleichzeitig bin ich persönlich der Meinung, dass Menschen, die gar kein Interesse an Politik haben, Ihre Motivation Beamter oder Beamtin zu werden, hinterfragen müssen. Die/der Beamte/in steht im "Dienst- und Treueverhältnis zum Staat", leistet einen Eid auf die Verfassung und soll jederzeit für die freiheitlich demokratische Grundordnung einstehen. Gleichzeitig habe ich an den demokratischen Organen, den aktuellen Diskussionen in Parlamenten sowie grundlegenden demokratischen Entscheidungen kein Interesse? Passt für mich nicht zusammen.
Ich spreche in den praktischen Phasen regelmäßig mit unseren Anwärtern über allgemeine politische Themen. Dabei geht es mir nicht darum, dass ich irgendwelche auswendiggelernten Parteifloskeln oder Ministernamen aufgesagt bekomme. Aber ich erwarte schon, das mit jemand z.B. erklären kann, wie die Pressefreiheit in den USA, in der Türkei, in Ungarn oder in Polen angegriffen wird und teilweise ausgehölt worden ist. Und ich erwarte, dass ein Anwärter eine Meinung dazu hat, wie er/sie sich verhalten wird, wenn soetwas in Deutschalnd versucht wird. Wie weit darf man als Beamtin oder Beamter da stillhalten und ab wann der Zeitpunkt gekommen ist, die freiheitlich demokratische Grundordnung zu verteidigen. Dazu muss ein Beamter eine Sensibilität entwickeln und eine Meinung haben, egal ob er im Vermessungsamt sitzt, im Finanzamt oder in der Staatskanzlei.
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Re: Politisches Interesse als Beamter

Beitragvon yamato am 10.04.2017, 05:30

prediger hat geschrieben:Ich spreche in den praktischen Phasen regelmäßig mit unseren Anwärtern über allgemeine politische Themen. Dabei geht es mir nicht darum, dass ich irgendwelche auswendiggelernten Parteifloskeln oder Ministernamen aufgesagt bekomme. Aber ich erwarte schon, das mit jemand z.B. erklären kann, wie die Pressefreiheit in den USA, in der Türkei, in Ungarn oder in Polen angegriffen wird und teilweise ausgehölt worden ist. Und ich erwarte, dass ein Anwärter eine Meinung dazu hat, ....


Na da wäre ich vorsichtig, m.E. ist das bereits ein Abfragen politischer Meinungen die einen Vorgesetzten nichts angehen. Denn allein ob die Pressefreiheit in einem der o.g. Länder angegriffen wird hängt schon von der politischen Meinung ab.
Solche Gespräche sollten also wenn überhaupt nur einen fiktiven Hintergrund haben.

Zum TE: wenn man in einer Kommunalverwaltung Karriere machen will werden Kenntnisse des kommunalpolitischen Geschehens hilfreich sein. In einem Ministerium ab einer gewissen Stufe das richtige Parteibuch (ggf. auch in der Kommune)
In den meisten "Massenverwaltungen" (z.B. Agentur für Arbeit, Rentenversicherung, Sozialämter u.ä.) wird das eher keine Rolle spielen.
In Vorstellungsgesprächen kann das natürlich immer wieder mal vorkommen.
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Re: Politisches Interesse als Beamter

Beitragvon frodobeutlin100 am 10.04.2017, 05:37

hier bei uns (Bund - nachgeordnete Behörde) spielt Politik keine Rolle - außer in der Form , dass man die neusten Ideen der Politiker bitte möglichst über Nacht umsetzen soll - bei unseren Nachwuchskräften interessiert mich auch nicht deren persönliche politische Meinung, soweit die Kollegen auf dem Boden der FdGO unterwegs sind ... wichtig ist vielmehr das GG zu kennen und welchen Einfluss es auf die tägliche Arbeit und die zu beachtenden Gesetze hat ...
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Re: Politisches Interesse als Beamter

Beitragvon Casiopeia1981 am 10.04.2017, 08:42

Politisches Interesse ist erst mal nicht Grundvoraussetzung, kann aber hilfreich sein, wenn es darum geht, Gewisse Prozesse und Handlungsalternativen zu verstehen. Das hängt aber ganz klar vom jeweiligen Dienstposten ab.

Ein politisches Grundverständnis ist sehr hilfreich, wenn man den Haushaltsvoranschlag erstellt, Personalforderungen macht oder ein Orga-Konzept vorbereitet. Wer bspw. ein guter Haushaltssachbearbeiter werden will, sollte sich daher etwas mit Politik beschäftigen.
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Re: Politisches Interesse als Beamter

Beitragvon prediger am 10.04.2017, 20:32

yamato hat geschrieben:
prediger hat geschrieben:Ich spreche in den praktischen Phasen regelmäßig mit unseren Anwärtern über allgemeine politische Themen. Dabei geht es mir nicht darum, dass ich irgendwelche auswendiggelernten Parteifloskeln oder Ministernamen aufgesagt bekomme. Aber ich erwarte schon, das mit jemand z.B. erklären kann, wie die Pressefreiheit in den USA, in der Türkei, in Ungarn oder in Polen angegriffen wird und teilweise ausgehölt worden ist. Und ich erwarte, dass ein Anwärter eine Meinung dazu hat, ....


Na da wäre ich vorsichtig, m.E. ist das bereits ein Abfragen politischer Meinungen die einen Vorgesetzten nichts angehen. Denn allein ob die Pressefreiheit in einem der o.g. Länder angegriffen wird hängt schon von der politischen Meinung ab.
Solche Gespräche sollten also wenn überhaupt nur einen fiktiven Hintergrund haben.


@ yamato: Ich habe den Eindruck, dass Du hier von "Abfragen politische Meinungen" redest, weil in Deinem Beitrag der Unterschied zwischen Faktum und Meinung durcheinander gerät.
Das z.B. in Polen ein neues Mediengesetz erlassen wurde, wodurch eine politische Besetzung der Leitungspositionen in öffentlichen Sendern ermöglicht wurde, ist ein Faktum. Das in der Folge die Zahl an Nachrichtensendungen abgenommen hat, ist duzendfach belegt.
Weiter kritisieren polnische und internationale Journalistenverbände, dass die Hauptnachrichtensendung "Wiadomosci" nach der Neubesetzung der Hausleitung die jounalistischen Mindestanforderungen an Pluralismus und Unparteilichkeit nicht mehr erfüllt. Die Sendung konzentriere sich auf Regierungsberichterstattung, das übrige politische Spektrum werde vernachlässigt. Es werde moralisiert, nicht berichtet. Auch das (nämlich die Kritik der Journalisten), ist ein Faktum.
Die andere Seite ist natürlich, dass es weiterhin auch unabhängige Presseorgane in Polen gibt - sowohl Zeitungen als auch private Fernsehsender, und das die auch regierungskritisch berichten. Auch das ist ein Faktum.

Und dann beginnt der Bereich der Meinung, nämlich die Einschätzung, für wie gravierend man das hält, ob man das als ehr unbedeuten Eingriff wertet oder als gravierenden Angriff auf die Pressefreiheit. Da gibt es inder Tat unterschiedliche Positionen, die gut begründet werden können.

Wer hier jedoch meint (und das gibt es), dass er/sie sich nicht für Politik interessiere, ihm/ihr das total egal sei und die Tätigkeit als Beamter/in als technokratischen Vollzug von Anordnungen und Weisungen begreift, der ist meiner Meinung nach im gehobenen Dienst aufwärts fehl am Platze!
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Re: Politisches Interesse als Beamter

Beitragvon yamato am 11.04.2017, 05:28

@prediger: Mich hat vor allem die USA in der Aufzählung gestört, da ich dort nicht die geringste Einschränkung der Pressefreiheit erkennen kann, im Gegenteil es gab wohl nie vorher (außer vielleicht bei Nixon) eine kritischere und sogar gegen den eigenen Präsidenten feindseligere Presse als derzeit. Ohne dass dies Konsequenzen für die entsprechenden Presseorgane hätte.
@frodobeutlin
Manchem in Deutschland gilt ja schon eine Pro Trump Position als außerhalb der FDGO.
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Re: Politisches Interesse als Beamter

Beitragvon frodobeutlin100 am 11.04.2017, 05:47

yamato hat geschrieben:@prediger: Mich hat vor allem die USA in der Aufzählung gestört, da ich dort nicht die geringste Einschränkung der Pressefreiheit erkennen kann, im Gegenteil es gab wohl nie vorher (außer vielleicht bei Nixon) eine kritischere und sogar gegen den eigenen Präsidenten feindseligere Presse als derzeit. Ohne dass dies Konsequenzen für die entsprechenden Presseorgane hätte.
@frodobeutlin
Manchem in Deutschland gilt ja schon eine Pro Trump Position als außerhalb der FDGO.


für mich nicht ... seine Haltung mag einem in vielen Fällen nicht passen .. aber er wurde in freien Wahlen zum Präsidenten der USA gewählt, das müssen wir wohl hinnehmen und auf den Zeitablauf warten ...

wieso man die Politik in anderen Ländern mit dem Nachwuchs diskutieren muss, finde ich sowieso merkwürdig .. ich diskutiere auch nicht die deutsche Politik, außer ich werde von einer Nachwuchskraft gefragt und die Entscheidung hat etwas mit unserer Arbeit zu tun ...
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