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[allg] Dienstliche Anfragen im Urlaub

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[allg] Dienstliche Anfragen im Urlaub

Beitragvon Beelzebub am 09.12.2017, 08:24

Nachfolgendes ist mir in meinem diesjährigen Urlaub passiert.
Mein Sommerurlaub betrug in diesem Jahr 10 Arbeitstag, begann an einem Donnerstag, mit 2 dienstfreien Tagen nach einem Wochenenddienst und endeten an einem Mittwoch mit anschließenden 2 Tagen dienstfrei, da wiederum das darauf folgende Wochenende gearbeitet wurde.
Dieser "Deal" war mit dem Dienstplaner beim Erstellen der Jahresurlaubsplanung so abgesprochen, weil in den Ferien nur 1 Kollege im Urlaub sein darf, mit max. 3 Tagen Überschneidung. Damit jeder mit schulpflichtigen Kindern 2 Wochen Urlaub machen kann, sind wir diesen Kompromiss eingegangen.

Nach 6 Urlaubstagen bekam ich eine Whatsapp von meinem Dienstvorgesetzten, mit der Information, es herrsche Personalnotstand und da ich ja "nur" dienstfrei habe, bestünde doch die Möglichkeit, dass ich statt der beiden dienstfreien Tage Donnerstag/Freitag zum Spätdienst kommen könne. Da ich erst am Donnertag früh, mit dem Nachtzug aus dem Urlaub kommen würde, ging Donnerstag nicht, Freitag habe ich übernommen. Mein Dienstplaner meldetet sich dann mit dem selben Anliegen am Montag, ebenfalls per Whatsapp. Nachdem ich meinem Unmut über diese Art der Urlaubsfreuden kundgetan habe , gab er an, er hätte sich diesbezüglich nicht bei mir melden wollen, aber er müsse Weisungen seiner Vorgesetzten Umsetzen.

Nach Rückkehr aus dem Urlaub habe ich meinem Unmut über diese Vorgehensweise bei meiner Vorgesetzten kundgetan, mehrfach wurde ein Gespräch über den Sachverhalt versprochen, bis heute aber nie durchgeführt. Gestern wurde mir dann auf Nachfrage erklärt, dieses Gespräch würde es nicht geben, in Absprache mit der Geschäftsleitung. Man wies mich auf meinen Eid hin, den ich bei Ernennung geleistet habe und erklärte, als Beamter müsse man ständig damit rechnen zum Dienst gerufen zu werden, egal ob frei oder Urlaub. Meinen Hinweis auf die Fürsorgepflicht hat man als nicht relevant beiseite gewischt.

Meine Frage, hat hier jemand ähnliche Erfahrungen gemacht? Muss ich diese "Störung" im Urlaub hinnehmen? Ein Erholungseffekt konnte sich bei mir nicht einstellen...

Ich habe diesbezüglich ein Urteil und Kommentar gefunden, welcher sich allerdings "nur" auf Arbeitnehmer bezieht:

...Im Urlaub erreichbar zu bleiben, darf der Arbeitgeber nicht von seinen Mitarbeitern verlangen – auch nicht von den Führungskräften. Schließlich soll Urlaub der Erholung dienen – und die kann sich nicht recht einstellen, wenn sich der Chef jederzeit melden kann. Das hat auch das Bundesarbeitsgericht bestätigt: Demzufolge darf der Arbeitgeber nur bei „zwingenden Notwendigkeiten, welche einen anderen Ausweg nicht zulassen“ anrufen (Az. 9 AZR – 405/99). „Betriebliche Engpässe allein reichen hierfür sicher nicht, es müsste sich schon um eine Art Existenzbedrohung des Arbeitgebers handeln, die nur der Arbeitnehmer abwenden kann...“
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Re: Dienstliche Anfragen im Urlaub

Beitragvon Tagelöhner am 09.12.2017, 10:08

Natürlich ist dieses Verhalten der Dienststelle bzw. des Vorgesetzten in diesem Fall ärgerlich, aber ich sehe das eindeutig wie die Führungsriege.

Es besteht das gegenseitige Dienst- und Treueverhältnis mit allen Vor- und Nachteilen. Du hast darauf einen Eid geschworen und Dir mit Übernahme der Ernennungsurkunde eine Menge Privilegien gesichert, als auch Verpflichtungen aufgeladen. Die Nachteile werden irgendwann halt gerne ausgeblendet und als nicht mehr zumutbar empfunden. Die Vorteile hingegen sind selbstverständlich geworden...so ticken halt die allermeisten Menschen (also bitte nicht persönlich nehmen).

Erst wenn derartige Vorfälle zur Regel werden (und damit auch eher als Verletzung der sog. Fürsorgepflicht des Dienstherrn zu werten sind), kann man sich meiner Meinung als Beamter zu Recht darüber beschweren.
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Re: Dienstliche Anfragen im Urlaub

Beitragvon Miau! am 09.12.2017, 11:49

WhatsApp-Aktivitäten im dienstlichen Umfeld sind der Anfang allen Übels.
Von meinem Desktop-PC gesendet.
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Re: Dienstliche Anfragen im Urlaub

Beitragvon atatat am 09.12.2017, 13:10

In solchen Fällen kann man natürlich die Problematik ganz einfach umschiffen:
Nicht erreichbar sein, nicht auf SMS/What Up/Telefonanrufe/Brieftauben reagieren. Einfach das Handy auslassen (und falls nötig halt eine Zweite SIM Karte im Urlaub einstecken oder das alte Handy reaktivieren.)
Ich persönlich hatte bisher allerdings keine Probleme auch im Urlaub hier und da mit dienstlichen Dingen beschäftigt zu werden, allerdings herrscht da bei mir auch ein anderes Klima zwischen den Chefs und meiner einer.
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Dienstliche Anfragen im Urlaub

Beitragvon Nr.3 am 09.12.2017, 15:59

Man muss hier zwischen Dienstfrei und Erholungsurlaub unterscheiden. Dienstfrei ist kein Urlaub!

Erholungsurlaub dient - wie der Name schon sagt - der Erholung und damit der Sicherstellung der dauerhaften Dienst-/Arbeitsfähigkeit eines Mitarbeiters (so auch die laufende Rechtsprechung).

Dienstfrei dient nicht dem Zweck der Erholung und Sicherung der Dienstfähigkeit, sondern ist gesetzlich grundsätzlich zustehender Freizeitanspruch resultierend aus der geleisteten Arbeit bzw. dem geleisteten Dienst, ähnlich dem freien Wochenende bei einem "normalen" Arbeitnehmer.

Dies hat zur Folge, dass Dienstfrei rechtlich ein sog. "Minus" zum Erholungsurlaub ist und in besonderen unvorhergesehenen und unabwendbaren Lagen oder Belastungsspitzen gestrichen werden kann, wenn keine anderweitige Möglichkeit der Abdeckung des Dienstes besteht. Dies kann aber nicht fortlaufend geschehen, da ein "Holen aus dem Frei" arbeitszeitrechtlich an hohe Hürden geknüpft ist (es müssen zunächst alle anderen Möglichkeiten der Abdeckung des Dienstes ausgeschöpft sein).

Noch höher sind die Hürden in der Begründung, wenn man jemanden seinen Urlaub streichen oder jemanden gar aus dem Urlaub in den Dienst holen möchte. Dies ist faktisch fast gar nicht möglich. Die Rechtsprechung sagt hier kurz gesagt, dass der gesetzliche Urlaub und die Erholung vom Dienst ein so hohes Gut ist, dass die Dienststelle hier zusätzlich regelmäßig - im Gegensatz zum Dienstfrei - in der Nachweispflicht ist, es greift also eine Beweislastumkehr. D.h. die Dienststelle muss gegenüber dem Mitarbeiter nachweisen, dass es organisatorisch trotz Ausschöpfen aller Möglichkeiten nicht möglich war, die Urlaubsabwesenheiten abzudecken und selbst wenn alle Möglichkeiten ausgeschöpft wurden, lasten Gerichte entstandene "Schäden" daraus, dass jemand aus dem Urlaub geholt werden musste oder Urlaub gestrichen wurde (z.B. zusätzliche Reisekosten, Stornierungen von Urlaubsreisen, etc.) regelmäßig der Dienststellen/dem Arbeitgeber an, da dann so die Rechtsprechung offensichtlich eine organisatorische Fehlplanung vorlag bzw. von einem Organisationsversagen der Dienststelle/des Arbeitgebers ausgegangen werden kann. Der hieraus entstandene Schaden ist dem betroffenen Mitarbeiter dann zu ersetzen. Ebenso besteht der Urlaubsanspruch fort, da der Urlaub nicht angetreten werden kann oder konnte.

Aus praktischer Sicht wäre ich im Urlaub einfach nicht erreichbar und auch im Dienstfrei würde ich mir drei mal überlegen, ob ich an mein Handy gehe, wenn die Dienststelle anruft...
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Re: Dienstliche Anfragen im Urlaub

Beitragvon Beelzebub am 10.12.2017, 08:07

Vielen Dank für Eure Antworten.
Ja, es hätte Alternativen gegeben, es standen andere Kollegen zur Verfügung, die laut Verfügung im Falle eines Engpasses einspringen müssen. Dann hätten deren Arbeiten bzw. Maßnahmen warten müssen. Ich will das jetzt aber nicht weiter ausführen, weil ich mir sicher bin, dass man seitens der Dienststelle hier mit liest. Siehe dazu meinen Beitrag zur Rumschnüffelei im Privaten, bzw meiner "nichtgenehmigten" Nebentätigkeit.

Es ist aber schon die Regel, dass im Urlaub und im Dienstfrei, aus den unterschiedlichsten Gründen angerufen wird. Whatsapp, SMS und E-Mail habe ich mir seit den Vorfall im Sommer verbeten, nur Anrufe vom Dienstapparat, das ist die einzige Möglichkeit die ich (und auch andere Kollegen) der Dienststelle lassen.

Die Quittung habe ich jetzt erhalten, in der Regelbeurteilung wurde ich in um eine Kategorie nach unten abgestuft, bei Verhalten gegenüber Vorgesetzten sogar um 2 - ohne aktenkundige Belehrungen, weil sich meine Leistung verschlechtert hat - aber das wird dann Gegenstand der nächsten Auseinandersetzung sein...
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Re: [allg] Dienstliche Anfragen im Urlaub

Beitragvon mathiasla am 11.12.2017, 10:03

was sagt denn euer Datenschutzbeauftragte dazu, dass ihr Whats app benutzt?

Einmal die Whats App AGB lesen und das müsste folgerichtig von jedem dienstlichen Smartphone verschwinden.
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Re: [allg] Dienstliche Anfragen im Urlaub

Beitragvon Kurbalin am 11.12.2017, 11:46

Wer hat denn von einem dienstlichen Handy geredet? Der Alltag sieht heutzutage so aus, dass sich Mitarbeiter eines gemeinsamen Schichtplans mitsamt Führungskraft eine Whatsapp-gruppe mit privaten Handys gründen, um da die Kompensation von Ausfällen zu regeln. Man versteht sich ja so gut und will sich auf diesem Kanal austauschen, da kann sowas natürlich auch noch nebenbei geregelt werden. Das sind eben Folgeerscheinungen, wenn die Grenzen zwischen Privat und dienstlich immer weiter verschmelzen...
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Re: [allg] Dienstliche Anfragen im Urlaub

Beitragvon was_guckst_du am 11.12.2017, 12:16

...dann muss man das auf "kaltem Wege" regeln...auch bei WhatsApp kann ich bestimmte Dinge abschalten (z.B. wann man zuletzt online war oder die blauen Häkchen als Nachweis, dass man die Nachricht gelesen hat)..
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Re: [allg] Dienstliche Anfragen im Urlaub

Beitragvon mathiasla am 11.12.2017, 15:23

Der Alltag sieht heutzutage so aus, dass sich Mitarbeiter eines gemeinsamen Schichtplans mitsamt Führungskraft eine Whatsapp-gruppe mit privaten Handys gründen, um da die Kompensation von Ausfällen zu regeln.


Echt?! Fahrt ihr auch mit eigenem Auto auf Dienstreise....mein AG bekommt meine private Telefonnummer nicht.
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