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[HH] GKV -Öffnung für Beamte

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Re: [HH] GKV -Öffnung für Beamte

Beitragvon Kingrakadabra am 11.01.2018, 17:20

Bei welcher PKV ist denn der gute Mann? 200 € sind ja quasi nichts. ;))
Soll er ätzen, so viel Privilegien sehe ich da nicht...
Kingrakadabra
 
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Re: [HH] GKV -Öffnung für Beamte

Beitragvon Karsten am 11.01.2018, 18:26

maxabat hat geschrieben:Guter Artikel zum Thema:

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/k ... 82738.html


Den heutigen Handelsblatt Artikel finde ich bei weitem aussagekräftiger! http://handelsblatt.com/politik/deutsch ... 36682.html

11.01.2018
"... Ausgerechnet am letzten Verhandlungstag der GroKo-Sondierer in der SPD-Zentrale in Berlin schert der gewichtige Hausarztverband aus der Phalanx der Kassenärzte aus. „Wir, die deutschen Hausärzte, sind nicht ideologisch gegen eine Bürgerversicherung“, sagte der Verbandsvorsitzende Ulrich Weigeldt vor Journalisten in Berlin. „Ganz im Gegenteil: Ich kann der Grundidee eines Versicherungssystems für alle Bürger durchaus positive Seiten abgewinnen.“ Naiv seien die Hausärzte bei dem Thema aber auch nicht, führte er hinzu. Es kommt am Ende sehr auf die Ausgestaltung an, ob eine Bürgerversicherung den Patienten unter dem Strich Verbesserungen bringt“, so Weigeldt. Dies gelte auch für die Frage der Sicherstellung einer guten ambulanten Versorgung. Die setzte zweifellos eine angemessenen Vergütung der Hausärzte und Fachärzte, aber auch der Physiotherapeuten und anderen freien Gesundheitsberufen wie etwa der Hebammen voraus. Hier müsse die Bezahlung auch in Zukunft auskömmlich sein. „Wir als Hausärzte bieten daher an, bei der konkreten Ausgestaltung einer Bürgerversicherung, sollte es dazu kommen, konstruktiv mitzuarbeiten. Praxisschließungen sind für uns keine Option. Auch nicht die Drohung damit“, fügte er mit Blick auf den Facharztverband hinzu.

Für Ärzte und andere Leistungsanbieter im ambulanten Bereich zahlen die privaten Kassen für gleiche Leistungen heute bis zu drei Mal höhere Honorare. Der bisher erbitterte Widerstand der Ärzte gegen die SPD-Pläne nährt sich mithin vor allem aus der Furcht, sie könnten bei einer schrittweisen Abschaffung der privaten Krankenversicherung in ihrer heutigen Form viel Geld verlieren.
Genau diese Furcht ist bei Weigeldt deutlich geringer ausgeprägt. „Alle reden immer davon, dass die privaten Versicherungen mit ihren hohen Arzthonoraren die deutsche Gesundheitsversorgung subventionieren. Ich kann dieses Bild für die Hausärzte nicht bestätigen. Fünf bis zehn Prozent unserer Patienten sind privat versichert. Ungefähr genauso hoch ist auch der Anteil der von privaten Versicherungen gezahlten Honorare an unseren Gesamteinnahmen.“

Dafür gebe es einen plausiblen Grund: Die Gebühren in der privatärztlichen Gebührenordnung seien vor allem für technische Leistungen und Laborleistungen deutlich höher als die Zahlungen der gesetzlichen Kassen. „Bei persönlichen Leistungen, wie sie vor allem wie Hausärzte erbringen, sind die Unterschiede gar nicht so groß.“ Das gleiche Problem hätten auch Fachärzte, bei denen die sprechende Medizin dominiert und technische Leistungen wie Ultraschall, Röntgen oder MRT nicht so oft vorkommen. ..."
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Re: [HH] GKV -Öffnung für Beamte

Beitragvon librarian31 am 11.01.2018, 19:43

Wobei man ehrlicherweise auch die Seite 2 des Artikels erwähnen sollte. Und da sagt Herr Weigeldt etwas verkürzt zusammengefasst im Grunde: Eine Bürgerversicherung die zu einer allgemeinen Honorarsteigerung führt und in deren Fahrwasser die Hausärzte eine Honorarsteigerung für ihre Ärztegruppe erreichen könnten wäre aus seiner Sicht ziemlich positiv und das würde man voll unterstützen.

Aber letztlich meint er sinngemäß gleichzeitig: Ein derart umfassendes Projekt, dass dann selbstverständlich auch noch die Interessen der therapeutischen Berufe (Physio, Ergo, Logo,Hebammen) ausreichend berücksichtigen muss muss wird sich wohl kaum tatsächlich umsetzen lassen, realistisch betrachtet.

Wörtlich heißt es unter anderem:

[...]"Nach den Plänen der SPD soll eine neue gemeinsame Gebührenordnung für gesetzliche und privat Versicherte das Problem lösen. [...] Das sei ein sehr ehrgeiziges Projekt, sagt Weigeldt. Immerhin wird seit mehreren Legislaturperioden vergeblich versucht, die bestehende privatärztliche Gebührenordnung zu reformieren, die zuletzt in den 1990er-Jahren geändert wurde und völlig veraltet ist. „Ich frage mich, wer es angesichts dieser Dauerbaustelle schaffen soll, nun beide Honorarsysteme sogar noch zusammenzuführen. Ich sehe das noch nicht, zumal es ja auch entsprechende gemeinsame neue Vergütungssysteme für Physiotherapeuten und Hebammen geben müsste.

Auch hier zahlen die Privatkassen deutlich mehr Honorar für die einzelne Therapie. Privatpatienten können sich zudem vom Arzt öfter eine Behandlung verordnen lassen. Bei gesetzlich Versicherten gibt es da Begrenzungen. Daher können viele Physiotherapeuten vor allem in teuren Innenstadtlagen ihren Betrieb nur Dank eines Anteils an Privatversicherten aufrechterhalten.“[...]

[...] "Eine gemeinsame Gebührenordnung werde den Hausärzten aber auf keinen Fall automatisch mehr Geld bringen, meint Weigeldt. Der Teufel steckt hier im Detail. Daher dringt der Hausärzteverband nun so heftig darauf, bei der Umsetzung entsprechender Pläne einbezogen zu werden.[...]"

[...]Für die SPD wäre eine gemeinsame Honorarordnung für alle ein wichtiger Schritt in eine Bürgerversicherung. Sie müsste nach Ansicht der Gesundheitsexpertin der SPD, Hilde Mattheis, allerdings flankiert werden durch eine höhere Beitragsbemessungsgrenze in der Krankenversicherung, auch um die anfallenden Mehrkosten stemmen zu können. Weigeldt glaubt nicht, dass die dadurch entstehende deutliche Beitragserhöhung für Besserverdiener beim Wähler besonders gut ankommen würde. Am Ende sei es vielleicht besser, die Große Koalition würde ihre Kräfte nicht beim schwierigen Bau einer Bürgerversicherung ermüden und sich stattdessen lieber um eine Verbesserung der ärztlichen Versorgung an anderer Stelle kümmern.

Konkret meint er die immer noch schlechte Kooperation zwischen Krankenhäusern und niedergelassenen Fachärzten. Sie führe nämlich dazu, dass vor allem schwererkrankte Patienten oft nicht optimal versorgt werden. „Die Mauer zwischen Krankenhaus und Facharztschiene steht immer noch. Sie wenigstens ein wenig durchlässiger zu machen, wäre auch ein lohnendes Projekt“, sagte der Chef der Hausmediziner.[...]
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Re: [HH] GKV -Öffnung für Beamte

Beitragvon Kingrakadabra am 12.01.2018, 07:19

Wie soll das denn gehen?
Werden die Privatversicherten dann in die GKV überführt? Werden die Beiträge tatsächlich jeweils hälftig getragen oder gibt es hier auch wieder Schlupflöcher? Was passiert mit den Altersrückstellungen? Was passiert mit den PKV-Kunden, wenn keine Jungen mehr in die Tarife kommen? Fragen über Fragen...
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Re: [HH] GKV -Öffnung für Beamte

Beitragvon librarian31 am 12.01.2018, 09:23

Kingrakadabra hat geschrieben:Wie soll das denn gehen?
Werden die Privatversicherten dann in die GKV überführt? Werden die Beiträge tatsächlich jeweils hälftig getragen oder gibt es hier auch wieder Schlupflöcher? Was passiert mit den Altersrückstellungen? Was passiert mit den PKV-Kunden, wenn keine Jungen mehr in die Tarife kommen? Fragen über Fragen...


Nun ja, im extrem unrealistischen Fall, dass sich eine klare politische Mehrheit für eine "universelle Radikalreform" bilden würde, müsste es eben sehr aufwendige gesetzliche Änderungen an allem möglichen Stellen geben, durchgeplante Übergangsszenarien, finanzielle Mittel um Nachteile für bestimmte Gruppen zu verhindern usw.
Das wäre nur mit absoluter politischer Rückendeckung einer sehr breiten Mehrheit möglich und würde mit Sicherheit zu massiven Protesten verschiedener Interessengruppen führen usw.

Ein gesetzlicher Zwangswechsel von PKV Versicherten in die GKV wird meiner Kenntnis nach ohnehin als nicht machbar gesehen, da er weithin als verfassungswidrig eingeschätzt wird. Daher würde es selbst im Radikalfall eben auf Übergangsszenarien, Spezialregelungen usw. hinauslaufen.

Realistischer erscheinen, auch im Kontext der voraussichtlich kommenden Koalitionsverhandlungen, Reformkompromisse die manches ändern, das Gesamtsystem aber nicht grundlegend in Frage stellen.

Soweit meine persönliche Einschätzung!
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Re: [HH] GKV -Öffnung für Beamte

Beitragvon Buccaneer am 12.01.2018, 09:36

Es gibt eben (vorausgesetzt, man argumentiert redlich) nie eine simple Lösung, wenn gegensätzliche Interessenlagen vorliegen...
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Re: [HH] GKV -Öffnung für Beamte

Beitragvon Landsknecht69 am 16.01.2018, 11:40

und wer es sich leisten kann/will, der wird sich Zusatzleistungen eben versichern lassen, da machen die Versicherungen dann halt da ihr Geschäft. Ich sehe im Fall der Bürgerversicherung keine Verbesserung hinsichtlich der sog. "Zwei Klassen Medizin"...
Mit schlechten Gesetzen und guten Beamten läßt sich immer noch regieren. Bei schlechten Beamten aber helfen uns die besten Gesetze nichts.
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Re: [HH] GKV -Öffnung für Beamte

Beitragvon Karsten am 07.02.2018, 11:48

Damit dürfte die Verschmelzung von PKV und GKV weiter voranschreiten bzw. die PKV wird weiter an Eigenständigkeit verlieren. Leider gibt's noch keine Infos, ob die GKV für die Beamten geöffnet wird. Der kleine PKV Markt wird aber nicht einfacher...

http://www.fr.de/politik/bundestagswahl ... -a-1443033

Ich bin gespannt was die PKV Lobby sich für neue "Zusatzverdienste" an Ärzte ausdenkt, um ihre Kunden weiterhin bevorzugt bzw. mit allen Behandlungsmethoden anstatt medizinisch notwendigen Methoden behandeln zu lassen.
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Re: [HH] GKV -Öffnung für Beamte

Beitragvon aremorica am 07.02.2018, 12:00

Ich begrüße das.

Und ich hoffe auch sehr auf eine Öffnung der GKV für Beamte (glaube aber noch nicht wirklich daran).
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Re: [HH] GKV -Öffnung für Beamte

Beitragvon atatat am 07.02.2018, 12:47

Karsten hat geschrieben:Ich bin gespannt was die PKV Lobby sich für neue "Zusatzverdienste" an Ärzte ausdenkt, um ihre Kunden weiterhin bevorzugt bzw. mit allen Behandlungsmethoden anstatt medizinisch notwendigen Methoden behandeln zu lassen.

Nun, zum einen die schnellere Auszahlung und die fehlende Deckelung. Und natürlich, dass sie beim Faktor nicht kleinlich sind, also weiterhin einen 3,5fachen Satz akzeptieren, ohne da eine ausführliche Begründung geschrieben werden muss.
Auch innerhalb einer einheitlichen GOÄ gibt es ja noch Gestaltungsspielraum.

Hat bei mir neulich ein Arzt tatsächlich korrigiert, nachdem ich ihm mitgeteilt habe, dass ich die besondere Schwierigkeit nicht sehe und ich persönlich Zahlen muss und nicht meine KV, da innerhalb meines Selbstbehaltes.
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