Startseite

Wiss.Mitarbeiter EG 12 oder 13?

Länder:
TV-L, TV-H

Wiss.Mitarbeiter EG 12 oder 13?

Beitragvon segelflieger am 08.11.2017, 22:57

Hallo,

neu hier im Forum und Quereinsteiger im öffentlichen Dienst hoffe ich, mir kann hier jemand helfen.
Ich habe seit kurzem eine Stelle an einer Hochschule als wiss. Mitarbeiter. Die Stelle wird aus Projektmitteln (Forschung) bezahlt, war EG 13 ausgeschrieben und ich bearbeite genau das beschriebene Tätigkeitsgebiet.

Dennoch wurde ich EG 12 Stufe 3 eingestuft, mit der Begründung mein FH-Diplom aus den 90er Jahren entspräche nur einem Bachelorabschluss.

Der Notenspiegel meines Studiums belegt, dass ich bis zum Vordiplom dieselben Fächer hatte (Inhalt und Semesterwochenstunden), die heute Grundlage des Bachelors sind. Im Hauptstudium hatte ich so viele Fächer+Prüfungen wie zwei der heutigen Masterstudiengänge. Zusätzlich bin ich als staatlich anerkannte Sachverständige seit Jahren in genau dem Bereich tätig, in dem ich jetzt forsche, habe internationale Kongresse inhaltlich vorbereitet und eigenständig Modellvorhaben im selben Fachgebiet konzipiert, beantragt, abgewickelt, incl. aller End- und Zwischenberichte, Abrechnung mit Projektträger, interner Rechnungsprüfung und dabei Runde Tische mit Experten organisiert, moderiert und geleitet. Die Jahre vorher habe ich nebenberuflich als Dozentin an derselben Fachhochschule ein Wahlpflichtfach angeboten und an mehreren Hochschulen als Zweitprüferin Abschlußarbeiten betreut. (+ 20 Jahre Berufserfahrung in großen Projekten in der freien Wirtschaft)

Auch jetzt vertrete ich das Forschungsprojekt allein, nach außen, auf Kongressen, arbeite selbstständig daran und werde die Zwischen- und Endberichte allein erstellen.

Bei allem was ich zum TV-L gelesen habe, dachte ich dass die Einordnung in die Entgeltgruppe von der Tätigkeit anhängt. Der Kollege, der vor mir das Projekt betreute, war viel jünger, frischer Master und hatte EG 13 (identische Tätigkeitsbeschreibung). Der Professor, der mich an die Hochschule geholt hat, hat mir seine volle Unterstützung zugesagt, sähe mich am liebsten als Professoren-Kollege, wir kennen uns aber beide mit den Entgeltgruppen nicht aus.

Akribisches Googeln hat mich auf die Entgeltordnung gebracht. Dort finde ich aber WiMis nicht in der Liste und aus dem Teil I werden wir nicht schlau. Konkrete Beipiele zu den Gruppen wären da sehr hilfreich.

gefunden habe ich folgendes:
EG 13 „Beschäftigte mit abgeschlossener wissenschaftlicher
Hochschulbildung und entsprechender Tätigkeit sowie sonstige Beschäftigte, die
aufgrund gleichwertiger Fähigkeiten und ihrer Erfahrungen entsprechende Tätigkeiten
ausüben.“

Die Sachbearbeiterin in der Personalabteilung sagt, es sei grundsätzlich so, dass FH-Diplome als Bacherlor nur EG 12 bekommen, auch wenn sie dieselbe Tätigkeit ausüben wie die Master in EG 13. Das sei immer so! Mangels Durchblick habe ich bisher noch nichts konkret unternommen.

Wie also gehe ich nun am besten vor? Und gibt es Literaturempfehlungen, mit der wir uns einlesen können? Ich muss demnächst Stellenbeschreibungen für zwei weitere neue Mitarbeiter erstellen, die in einem neuen Projekt, das ich mir ausgedacht und beantragt habe, eingestellt werden. Insofern lohnt es sich, dass ich mich in das Thema einarbeite. Zumindest auf den Stand eines "Users".

Herzlichen Dank im Voraus

segelflieger
segelflieger
 
Beiträge: 3
Registriert: 08.11.2017, 00:22


Re: Wiss.Mitarbeiter EG 12 oder 13?

Beitragvon atatat am 09.11.2017, 09:51

segelflieger hat geschrieben:Die Sachbearbeiterin in der Personalabteilung sagt, es sei grundsätzlich so, dass FH-Diplome als Bacherlor nur EG 12 bekommen, auch wenn sie dieselbe Tätigkeit ausüben wie die Master in EG 13. Das sei immer so!
Die Aussage ist nicht korrekt und man sollte dieser Sachbearbeiterin mal die Frage stellen, was der Begriff "sowie sonstige Beschäftigte" dann im TV-L zu suchen hätte.
segelflieger hat geschrieben:Wie also gehe ich nun am besten vor?
Du kannst versuchen auf Grund deiner Vita den Status des "sonstigen Beschäftigten" zu erlangen.
Entweder durch Diskussion und Aufklärungsarbeit bei der Personalabteilung oder durch eine Eingruppierungsfeststellungsklage.

Alternativ, kannst du versuchen eine höher Stufe zu bekommen (aufgrund §17 Stufenlaufzeitverkürzung und/oder §16.5 Bindung Qualifiziertes Personal als Zulage, sprich Entgelt in Höhe von E12S5 wäre möglich).
Wenn dein Chef dies unterstützt hast du schon mal bessere Karten.
Auch würde dies zu mehr Entgelt führen als die Anerkennung der E13 und ggfls. spielt da die Personalabteilung eher mit, da sie ihren (möglichen) Eingruppierungsirrtum nicht eingestehen müssen.
Problem: Früher wurden Projektstellen mit E13S3 kalkuliert, sprich da könnten dann Personalmittel im Projekt knapp werden.
atatat
 
Beiträge: 5087
Registriert: 13.11.2009, 10:44

Re: Wiss.Mitarbeiter EG 12 oder 13?

Beitragvon segelflieger am 09.11.2017, 11:02

Super herzlichen Dank für die schnellen Antworten!
Das hilft mir schon sehr weiter. Mir liegt sehr viel an einer einvernehmlichen Lösung, aber ich möchte natürlich auch richtig eingeordnet werden.
Ich bin wegen unserer kleinen Kinder an die Hochschule gegangen, meine Frau leitet ein Unternehmen, da habe ich die Elternzeit übernommen. Ich bringe viele Kontakte z.B. zu Fördergebern, Firmen und wirklich breites Wissen und Erfahrugn zur Projektabwicklung mit, arbeite völlig selbstständig, da nagt es innerlich, mit frischen Bachelorabsolventen, die nie die Hochschule verlassen haben in die selbe Schublade gepackt zu werden.

Um eine für die Personalabteilung gesichtswahrende Lösung zu finden, wäre meine Idee, mich auf eine der neuen Stellen "umzuziehen". Es gibt freie Mittel aus dem Hochschulpakt und wir erstellen gerade den Finanzplan zu dem von mir konzipierten neuen Projekt. Nur das Risiko einer von uns formulierten Tätigkeitsbeschreibung lässt mich vor einem "Umzug" zurückschrecken.
Uns fehlt schlicht das Fachvokabular. Da hemdsärmelig heranzugehen ist sicher nicht zielführend. Der Personalsachbearbeiter ist sehr nett, führt aber nur aus. Alle anderen WiMis am Fachbereich sind alle hängengebliebene (Ex-)Studenten und der Versuch sich in TV-L Tätigkeitsbeschreibungen einzulesen scheitert daran, dass wir bisher weder Beispiele noch erklärende Literatur gefunden haben. Es macht uns stutzig, dass WiMi im TV-L so eine Blackbox zu sein scheint. Wir wollen es doch nur richtig machen!
segelflieger
 
Beiträge: 3
Registriert: 08.11.2017, 00:22

Re: Wiss.Mitarbeiter EG 12 oder 13?

Beitragvon Spid am 09.11.2017, 11:24

Warum „gesichtswahrend“? Da Du keine Sachverhalte vorgetragen hast, die vermuten ließen, daß Du ein „sonstiger Beschäftigter“ im Tarifsinne seist, ist die Vergütung nach E12 in keinster Weise zu beanstanden.
Spid
 
Beiträge: 6598
Registriert: 03.08.2014, 11:27

Re: Wiss.Mitarbeiter EG 12 oder 13?

Beitragvon atatat am 09.11.2017, 11:47

Einfach mal freundlich bei der Personalstelle fragen, was sie an Nachweisen/Unterlagen etc. benötigen würden, damit sie dich als "sonstiger Beschäftigter" eingruppieren können.

Monetär sinnvollere Alternative (Stufe hoch) habe ich ja schon aufgezeigt.

Und btw: Du hast ja immerhin die Stufe 3 bekommen, dass bekommt ein frischer Bsc nicht. Evtl. ein kleiner "Trost"
atatat
 
Beiträge: 5087
Registriert: 13.11.2009, 10:44

Re: Wiss.Mitarbeiter EG 12 oder 13?

Beitragvon GofX am 09.11.2017, 13:35

segelflieger hat geschrieben:Mir liegt sehr viel an einer einvernehmlichen Lösung

Bevor Du ein zu großes Fass aufmachen müsstest und eventuell für schlechte Stimmung sorgen könntest, schau' Dir mal den monetären Unterschied zwischen E12 und E13 (jeweils ab Stufe 3) an.
50,- Euro Netto mehr oder weniger bringen jemanden in dieser Gehaltsklasse nicht um. Da wären die von atatat genannten Alternativen ("§17 Stufenlaufzeitverkürzung und/oder §16.5 Bindung Qualifiziertes Personal") interessanter.

In meiner Behörde wütet ein tariflich ungebildeter Haufen einäugiger Beamter, die immer noch glauben, eine "Beförderung" in die A13 zwei Jahre vor der Pensionierung wäre analog für Tarifbeschäftigte in einer E13 zu finden. Während es beim Beamten dabei um rund 500,- Euro brutto geht (dank fehlender Sozialabgaben mehr als 300,- Euro netto), reden wir hier beim Tarifbeschäftigten von ca. 100,- Euro brutto (dank Sozialabgaben teilweise (stufenabhängig) weniger als 50,- Euro netto) - jeweils Steuerklasse I bzw. IV. Entsprechend steigt das Ruhegehalt des Pensionärs. Auf die gesetzliche Rente haben diese zwei Jahre in der E13 so gut wie keine Auswirkung.

71,75% von 300,- Euro bedeuten eine um mehr als 200,- Euro höhere Pension.
Zwei Jahre lang 0,xx mehr Rentenpunkte bedeuten vielleicht eine 2 Euro höhere gesetzliche Rente.

Sollte mir mein Arbeitgeber aufgrund immenser Großherzigkeit eines Tages kurz vor meiner Rente die E13 anbieten wollen, werde ich ihn mal wieder herzlich auslachen.

Grüße
GofX
 
Beiträge: 368
Registriert: 24.06.2010, 14:10

Re: Wiss.Mitarbeiter EG 12 oder 13?

Beitragvon segelflieger am 09.11.2017, 20:40

Spid hat geschrieben:Warum „gesichtswahrend“? Da Du keine Sachverhalte vorgetragen hast, die vermuten ließen, daß Du ein „sonstiger Beschäftigter“ im Tarifsinne seist, ist die Vergütung nach E12 in keinster Weise zu beanstanden.


Wie definiert man "vorgetragen"?
Ich hab selbstverständlich in den schriftlichen Bewerbungsunterlagen meine Forschungs- und Modellprojekte mit Förderkennzeichen angegeben, die Sachverständigenurkunde beigefügt, weitere Fach-Fortbildungen, Fremdsprachen, Auslandsaufenthalt nachgewiesen, Arbeitszeugnisse und Referenzen beigefügt.

Aber laut Sachbearbeiterin gelte nur der höchste akademische Abschluss und FH Diplome seien Bachelor gleichzusetzen.

Mal abgesehen davon, dass ich finde, hochqualifizierte Arbeit muss fair (nach Tarifvertrag) gezahlt werden, ist das Geld für mich nachrangig. Aber an der Hochschule wird viel gequasselt und es geht hierarchisch teilweise fast ans höfische grenzend zu.
Operativ verantworte ich den Erfolg der Projekte, koordiniere und integriere die Zuarbeit von Masterabsolventen, die weit weniger wissen als ich und weniger Erfahrung haben, aber "wichtig, wichtig" EG13 sind. In einem System in dem EG 12 weniger geachtet sind, sorgt das, wenn es bekannt wird, nicht nur für schlechte Stimmung, sondern kann den Projekterfolg gefährden.

Wenn ich in Qualifikation und Tätigkeit EG13-Aufgaben eigenverantwortlich bearbeite, ist nicht nachvollziehbar, warum ich niedriger eingruppiert werde als andere, die weniger können und verantworten.
segelflieger
 
Beiträge: 3
Registriert: 08.11.2017, 00:22

Re: Wiss.Mitarbeiter EG 12 oder 13?

Beitragvon Spid am 09.11.2017, 21:05

Du hast hier nichts vorgetragen, was auch nur vermuten ließe, Du seist ein „sonstiger“. Die Anforderungen dafür sind hoch, das BVA hat die diesbezügliche Rechtslage sehr gut in einer Broschüre zusammengefasst: https://goo.gl/EjDhf2

Wenn Du - wie zu vermuten ist - kein „sonstiger Beschäftigter“ bist, wirst Du doch tarifgerecht bezahlt. Mir erschließt sich Dein diesbezüglicher Vortrag in keinster Weise.
Spid
 
Beiträge: 6598
Registriert: 03.08.2014, 11:27

Re: Wiss.Mitarbeiter EG 12 oder 13?

Beitragvon TV-Ler am 10.11.2017, 07:19

Spid hat geschrieben:Du hast hier nichts vorgetragen, was auch nur vermuten ließe, Du seist ein „sonstiger“. Die Anforderungen dafür sind hoch, das BVA hat die diesbezügliche Rechtslage sehr gut in einer Broschüre zusammengefasst: https://goo.gl/EjDhf2

Was müsste denn hier in diesem Fall mit Blick auf die Erläuterungen in der genannten Broschüre vorgetragen werden, damit du zumindest vermuten würdest das der "sonstige" in Reichweite ist?
Tipp (Jaaa, ich halte mich auch nicht in allen Fällen daran):
Wollen wir dem TE helfen: Posten
Wollen wir es nicht: Lassen

Übrigens: Es ist bereits alles gesagt, aber es haben noch nicht alle alles gesagt ;-)
TV-Ler
 
Beiträge: 6114
Registriert: 02.03.2010, 09:05

Nächste

Zurück zu TV-L

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 9 Gäste