Startseite

2 Halbe Stellen in unterschiedlichen Bundesländern

Länder:
TV-L, TV-H

2 Halbe Stellen in unterschiedlichen Bundesländern

Beitragvon oleguacamole8 am 11.04.2018, 09:50

Hallo,

ich arbeite in Hannover (50% Stelle, öfftl. Dienst, TV-L E13) und wohne in Berlin. Nun möchte ich zusätzlich eine 50% TVöD E 13 Stelle in Berlin antreten. Somit würde ich aus zwei Bundesländern bezahlt werden... ist dies möglich? Wie wirkt sich das auf die Berechnung der prozentualen Beschäftigung, Einkommenssteuer etc. aus?

Ich bin dankbar für jegliche Tipps und Antworten und entschuldige mich, falls dieses Thema bereits schon besteht und ich es neu aufrolle...

Viele Grüße
Ole G.
oleguacamole8
 
Beiträge: 2
Registriert: 11.04.2018, 09:46

Re: 2 Halbe Stellen in unterschiedlichen Bundesländern

Beitragvon D-x am 11.04.2018, 10:58

Hallo Ole,

rein praktisch solltest Du das mit Deinem bisherigen AG abklären, ob er diese 'Nebentätigkeit' (in (nahezu?) gleichem Umfang wie die Haupttätigkeit) zulässt. Ein Wettbewerbsverhältnis dürfte ja aber eher nicht vorliegen, aber man weiß ja nie.

Ansonsten ist das eine klassische Mehrfachbeschäftigung, steuer- und sozialversicherungsrechtlich zwar anspruchsvoller als als nur ein Arbeitsverhältnis, aber natürlich möglich.

Häufiger findet man das ja bei prekären Beschäftigungsverhältnissen, gerade bei Wohnsitzen in entsprechenden Gebieten auch über Bundeslandgrenzen hinweg.

Steuerlich wird Dich ein Arbeitgeber in Steuerklasse 6 abrechnen müssen, da Du die 'gute' Steuerklasse im Bereich 1-5 ja nur bei einem Arbeitgeber haben kannst. Das führt dann im zweiten Arbeitsverhältnis zu einem sehr hohen Steuerabzug. Das wird sich im Nachgang mit der Steuererklärung ausgleichen. Ich bin schon eine Weile raus aus der Thematik, womöglich kannst Du aber noch einen passenden Freibetrag beantragen, sodass der unterjährige Steuerabzug dem am Jahresende festgestellten möglichst nahe kommt.

Sozialversicherungsrechtlich wirst Du als Mehrfachbeschäftigter geführt, beide Arbeitgeber werden die vollen Sozialversicherungsbeiträge abführen, ungeachtet dessen, ob Du die Beitragsbemessungsgrenzen erreichst, was in der E13 je nach Stufe zumindest für KV/PV denkbar wäre. (Bis vor einigen Jahren gab es da noch ein irre aufwändiges monatliches Meldeverfahren, bei dem alle Arbeitgeber die monatlichen Einkünfte an die SV gemeldet haben, und die dann zurückgemeldet haben, wie viel des Einkommens zu verbeitragen war, in dem Verfahren war aber teils enormer Verzug drin und gerade bei schwankenden Entgelten war das wahnsinnig. Das wurde aber m.W.n abgeschafft). Eventuell musst Du also auf Deine Kranken- und Pflegeversicherung zugehen und zu viel gezahlte Beiträge zurückfordern. Womöglich bist Du mit Deinem Entgelt dann ohnehin bei einer freiwilligen Versicherung, da wird es dann spannend, wenn Du die Beiträge selbst überweist und die Arbeitgeber jeweils ihren Anteil an Dich auszahlen, zu schauen, dass sie insgesamt nicht mehr als 50% des allgemeinen Beitrags erstatten...
Solltest Du mit beiden Arbeitsverhältnissen die Jahresarbeitsentgeltgrenze überschreiten kommt womöglich auch die PKV in Frage, das müsstest Du mal prüfen und für Dich bewerten, da gibt es ja einige Beitragsbäume hier im Forum.

In jedem Fall wünsche ich viel Erfolg!
D-x
 
Beiträge: 26
Registriert: 01.01.2018, 00:01

Re: 2 Halbe Stellen in unterschiedlichen Bundesländern

Beitragvon oleguacamole8 am 12.04.2018, 08:02

Hallo D-x,

Danke für diese ausführliche Antwort. Habe nicht damit gerechnet, dass es SO kompliziert ist; macht allerdings schon Sinn, dass ich dann als Mehrfachbeschäftigter gelte, es kommt ja nicht auf die Prozentzahl 100% an, die sich aus 2x50% stellen ergibt, sondern eben darauf, dass ich zwei Stellen inne habe und diese sind dann auch noch in unterschiedlichen Bundesländern. Wäre dann auch interessant mir der vbl ...: D
Aber ja, der AG muss auch zustimmen und der neue AG muss davon ja auch wissen... mag gar nicht dran denken wie schwierig das für prekäre Arbeitsverhältnisse ist, wenn man mehrere 450€ Jobs hat zb, das ist ja grausig...

Nichtsdestotrotz hat mir deine Antwort sehr geholfen und ich habe dadurch Dinge auf dem Schirm, an die ich vorher nicht gedacht habe (Steuerklasse, Krankenversicherung).

Falls hier noch jemand mitgelesen hat und eventuell weitere Punkte mitteilen möchte, oder vllt in der selben Situation ist, freue ich mich über einen Austausch.

Viele Grüße
Ole
oleguacamole8
 
Beiträge: 2
Registriert: 11.04.2018, 09:46

Re: 2 Halbe Stellen in unterschiedlichen Bundesländern

Beitragvon D-x am 12.04.2018, 10:21

Hi Ole,

ja, so ganz einfach ist es nicht, aber machbar. Prinzipiell sollte das meiste ohnehin von den beteiligten Personalabteilungen erledigt werden, wobei ich das jetzt auch ein wenig aus deren Sicht dargestellt habe.
Der Umfang der Beschäftigung dürfte unerheblich sein (ob jetzt 100% oder nicht ganz), die VBL (sofern sie in beiden Fällen beteiligt ist (Die Stadt Hannover hat eine eigene Versorgungskasse, du bist in Hannover ja aber beim Land, also doch VBL. Ob Berlin auch eine eigene ZVK hat, oder Mitglied der VBL ist, weiß ich nicht) dürfte kein Problem sein, da gibt es ja keine Grenze für das zusatzversorgungspflichtige Entgelt. Zu prüfen wäre, wie es sich mit dem Freibetrag für die Arbeitgeberumlage nach §3.56 EStG verhält. Aber auch das müssen die Personalabteilungen bzw. die sogenannten Bezügerechner vornehmen und steht außerhalb Deines Einflusses.

450€-Jobs (Geringfügige Beschäftigungen) sind da übrigens schon wieder noch anders, insbesondere in Hinsicht auf die Sozialversicherung. Zudem ist der zweite 450€-Job im Prinzip meist keiner mehr, sondern auch in Steuerklasse 6 und sozialversicherungspflichtig. Lustig wird's für die Personalabteilungen, wenn im ELStAM-Verfahren sich die beteiligten Arbeitgeber im Monatswechsel das Merkmal 'Hauptarbeitgeber' 'klauen', da sie vom anderen nicht wissen ;-)
Und wenn jemand zwei Jobs zu 1000-2000€ brutto hat, ist das auch unkritisch weil nicht an die BBG stoßend.

Zur Steuer sei noch auf den "Wunschfreibetrag" verwiesen, der könnte für diesen Fall tatsächlich interessant werden. Eventuell einfach mal an das Finanzamt wenden, die beraten ja auch.
D-x
 
Beiträge: 26
Registriert: 01.01.2018, 00:01


Zurück zu TV-L

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste

cron