Tarifrunde TV-L 2025 - Diskussion I

Begonnen von Admin, 15.11.2025 17:26

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Faunus

Zitat von: Warnstreik in Gestern um 09:30Am Ende muss dieses ganze Besoldungssystem mal auf tragfähige Füße gestellt werden.

Sollte man die Beamtenbesoldung generell anheben, dann !erwarte! ich, dass man analog auch die Tarifverträge anhebt.

Letzteres bedeutet doch nichts anderes, als die Tarifverträge in das Besoldungssystem zu überführen (oder auch umgekehrt). Das reicht meines Erachtens aber nicht!

Das Besoldungssystem zu reformieren bedeutet vor allem auch den Begriff "Beamtentum" neu zu definieren. Was soll ein Beamte zwingend darstellen und wo muss er zwingend wann eingesetzt werden können?
Warum z.B. an Hochschulen Beamte sind, erschließt sich mir bis heute nicht, weil ein Studi mit der Hochschulreife die Schlüsselqualifikation des selbständigen Lernens nachgewiesen hat. Sollte Lehrpersonal streiken... ja und, die prüfungsrelevanten Weisheiten stehen in Büchern, bitte selbständig für eine Prüfung lernen. Und Forschung mit Beamtenstatus... das schließt sich für mich gegenseitig aus. Und in der Verwaltung führt Korruption, Arbeitszeitbetrug... zur fristlosen Entlassung beim TB. Beim Beamnten muss scheinbar noch auf Aufhebung des Verhältnisses geklagt werden oder täusche ich mich da? 
Und wenn die Zahlungsstelle wegen Streik die ÖD-Gehälter nicht auszahlen kann.... dann hätten wir mal wieder etwas, was den Namen Streík verdient ;)


ignaz

Zitat von: Warnstreik in Gestern um 09:30Ich denke nicht, dass das so dramatisch kommt. Jetzt spielt jeder seine Rolle und am Ende wird man sich natürlich auch wieder in die Augen schauen können. Der letzte Abschluss (zugegeben unter Inflationsbedinungen) ist auch recht gut ausgefallen, mit dem Wermutstropfen, dass man die Inflationsprämie für einen Übergang "missbraucht" hat. Wir werden recht dicht an den TVöD rankommen - eventuell gibt es günstige aber lange geforderte angleichungen, die es dann wie einen Erfolg aussehen lassen, z.B. die stufengleiche Höhergruppierung.

Das hat doch mit Kanonenfutter nichts zu tun - wenn man sich schon an die mittelalterlichen Prinzipien des preussischen Berufsbeamtentums halten will und den Beamtinnengattinnen nicht zumuten möchte, sich auch zu betätigen, dann muss ich schon das vergleichen was relevant ist: Die Argumentation ist doch, dass man die 6-köpfige-Beamtenfamilie mit der 6-Köpfigen Bürgergeldfamilie vergleicht. Dabei lässt man außen vor, dass die letztere vielen Einschränkungen unterlegen ist - bittstellend und zur Arbeit und Mitwirkung verpflichtet. Kann man aber so machen - aber dann muss man eben auch den Single-Beamten mit dem Single-Bürgergeldempfänger vergleichen. (und da liegt selbst ein "kleiner" Beamter nach Abzug der Krankenkasse locker 100% drüber)

Am Ende ist es eine Krux für den Gesetzgeber - es wird schwer jetzt alle Beamtenbesoldungen merkbar und pauschal anzuheben und dann bei den Angestellten zu argumentieren, dass ja kein Geld da wäre. Gleichzeitig würde man dann die ausgehandelten Erhöhungen wieder auf die Besoldungen anwenden. Es würde schwer dieses zu verargumentieren und würde nicht nur gefühlt eine echte Zweiklassengesellschaft unter den Landes- und Kommunen- und Bundesbediensteten aufbauen und zementieren.

Am Ende muss dieses ganze Besoldungssystem mal auf tragfähige Füße gestellt werden. Gerne kann man das Geld, was man durch Herdprämie oder die Überzahlung von Doppelverdienerhaushalten spart, gleichmäßig auf alle aufteilen.

Sollte man die Beamtenbesoldung generell anheben, dann !erwarte! ich, dass man analog auch die Tarifverträge anhebt.



TBs sollen sich in Gewerkschaften organisieren, streiken usw. und hohe Beiträge zahlen, um für ein Ergebnis zu kämpfen von dem am meisten die profitieren, die sich selbst gar nicht organisieren dürfen (Beamte).

Nicht nur das die Schere zwischen TVÖD und TVL immer weiter auseinander geht. Nun werden die TBs im TV-L aufgrund der ganzen Nebenvorteile für Beamte (Fam. Zuschlag, allg. Zuschläge, 12h statt 10h schreiben, bessere Kreditzinsen, Pension....) immer weiter abgehängt.

Gerade der Familienzuschlag sollte völlig neu überdacht werden. Gerade da, wo der Partner eines Beamten arbeitet und selbst hohe Einkünfte hat. Der TB mit 2 oder mehr Kindern ist dem Beamten gerade hier so viel schlechter gestellt, dass wir mit Blick zum TVL über eine Summe von teilweise 3 Entgeltgruppen mehr sprechen.

Sicher gibt es hier und da immer Sonderfälle...aber die Zeiten wo Mutti am Herd steht und der Beamte alleine für die Familie sorgen MUSS, sind doch längst vorbei.


Die Frage ist nur, warum überhaupt in eine Gewerkschaft eintreten als TB? Was wäre wenn niemand für den TV-l der Verdi beitritt? Gibt es dann etwa keine Tarifrunden und wir stagnieren? Bundesbeamtenbesoldung steigt regelmäßig durch die Übernahme der Ergebnisse aus dem TVÖD. Die hohen Landesbeamten werden sicher gerne mit zusehen, wie der Bundesbeamte davonzieht, weil kein TB für sie streikt.

Sicher alles sehr vereinfacht dargestellt und gedacht, aber so kommt es ganz unten bei den Mitarbeitern an.



 





MoinMoin

Zitat von: Warnstreik in Gestern um 09:30Sollte man die Beamtenbesoldung generell anheben, dann !erwarte! ich, dass man analog auch die Tarifverträge anhebt.
Du kannst davon ausgehen, dass die Beamtenbesoldung nicht gigantisch steigen wird, da sie nicht gigantisch von der allgemeinen Bezahlung abweicht, als Single.
Das was gigantisch ansteigen wird, ist die Bezahlung der Beamten-Familie, da hier die Besoldung eklatant unter dem notwendigen liegt. Und eine Wiedereinführung des Familienzuschlages im TV wird es nicht geben.

Warnstreik

Zitat von: MoinMoin in Gestern um 13:08Das was gigantisch ansteigen wird, ist die Bezahlung der Beamten-Familie, da hier die Besoldung eklatant unter dem notwendigen liegt.

Und eben hier liegt das Problem: Es ist eben nicht notwendig. Es ist nur der eine bescheuerte Paragraf in unserem Grundgesetz (von dem es mehrere gibt), der das offenbar "notwendig" macht. Es gibt doch heute keinen Grund mehr, wieso man eine Person für zwei bezahlt...

Paterlexx

Wenn ihr ernsthaft etwas durchsetzen wollt:
blockiert die Zahlstellen für Politikergehälter.

Wenn ihre maximale Eskalation wollt: Legt die Zahlstellen für Migrationssozialleistungen lahm.

Merke: Wer den Geldfluss kontrolliert, kontrolliert die Debatte. Dann klappt es auch mit der aA

P33t

Zitat von: ignaz in Gestern um 12:20Sicher gibt es hier und da immer Sonderfälle...aber die Zeiten wo Mutti am Herd steht und der Beamte alleine für die Familie sorgen MUSS, sind doch längst vorbei.

Diese Zeit gilt weiterhin. Die ganze Gehaltsstruktur (nicht nur ö.D.) ist nur eben nicht mehr darauf ausgelegt dies zu ermöglichen und das ist der Fehler. Es ist dem Amt eines Beamten weiterhin angemessen, dass man derart verdient, um eine mögliche Familie versorgen zu können - das hat das höchste Verfassungsgericht in Deutschland ausgiebig klargestellt.
Bei dem Urteil geht es nicht um TV-L/TV-ÖD-Angestellte, die diesen Anspruch nicht haben "dürfen", weil sie nicht in einem besonderen Dienst- und Treueverhältnis stehen und deshalb teilweise Vorteile haben, z.B. streiken zu dürfen und den AG wechseln zu können.
Es kann daher durchaus sein, dass in der aktuellen TV-L Verhandlungsrunde +4,2% auf die Löhne draufgeschlagen werden aber beispielsweise (aufgrund des Urteils) 12% auf die Beamtengehälter + Nachzahlungen.

NelsonMuntz

Zitat von: Paterlexx in Gestern um 20:06Wenn ihr ernsthaft etwas durchsetzen wollt:
blockiert die Zahlstellen für Politikergehälter.

Wenn ihre maximale Eskalation wollt: Legt die Zahlstellen für Migrationssozialleistungen lahm.

Merke: Wer den Geldfluss kontrolliert, kontrolliert die Debatte. Dann klappt es auch mit der aA

Das ist ein Aufruf zur Beamten-Revolte, oder? Beamte, die den Dienst verweigern oder aktiv sabotieren, sind wohl charakterlich wenig geeignet, als edle, handverlesene Speerspitze der deutschen Verfassungstreue zu dienen. Ich betrachte das als Fahnenflucht. ;)


HealthJackson

Zitat von: Admin in 15.11.2025 17:26Diskussions-Thread zur Tarifrunde TV-L 2025

Erwünscht sind:
* Diskussionen über die laufende Tarifrunde
* auch Spekulationen sind ok (bitte als solche Kennzeichnen)
* Vergleiche mit anderen Tarifverträgen
* später dann Informationen zu den Warnstreiks
* Beispielberechnungen je nach Verhandlungsstand

-> Neuigkeiten bitte (auch) in den Neuigkeiten-Thread

Unerwünscht sind:
* allgemeine politische Diskussionen -> gehören ins Forum "allgemeine Diskussion"
* informationsloses Gewerkschafts- oder Arbeitgeber-Bashing
* über andere Mitglieder im Forum oder über Kollegen herziehen, Beleidigungen
Moderatoren: bitte solche Postings einfach kommentarlos rauslöschen.


Danke für das Erstellen des Threads! Es wird dieses Jahr sicher wieder spannend. Ich persönlich spekuliere ja darauf, dass die Gewerkschaften sich stark am Abschluss des TVöD orientieren werden (also ca. 10,5 % Forderung, mindestens 500 €), um den Anschluss nicht völlig zu verlieren. Was meint ihr? Gerade der Vergleich mit dem Bund/Kommunen wird in den kommenden Monaten sicher das Hauptargument in den Diskussionen sein.
Um die Wartezeit auf die ersten Verhandlungsrunden oder offizielle Neuigkeiten etwas zu überbrücken und mal kurz den Kopf von Paragraphen und Entgelttabellen frei zu bekommen, habe ich hier eine coole Empfehlung für die Anime-Fans unter euch:
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MoinMoin

Zitat von: Warnstreik in Gestern um 19:19Und eben hier liegt das Problem: Es ist eben nicht notwendig. Es ist nur der eine bescheuerte Paragraf in unserem Grundgesetz (von dem es mehrere gibt), der das offenbar "notwendig" macht. Es gibt doch heute keinen Grund mehr, wieso man eine Person für zwei bezahlt...
Du irrst, das Alimentationsprinzip für die Beamten beinhaltet die Familie.
Das wirst du nur durch dem abschaffen des Beamtentums ändern können.

Das was du meinst, ist der Glaube einiger, das dies via größtenteils via Grundbesoldung sichergestellt werden muss.
Worauf es hinauslaufen wird, ist, dass es entsprechende hohe Familienzuschläge (und Ortszuschläge)  geben wird, sofern die Familienmitglieder sich nicht selbst versorgen können.
Dem kann der Staat entgegen wirken, in dem er ein bedingungsloses Grundeinkommen für die Kinder einführt.
Also das Kindergeld auf ~600-700 erhöht. Dann wäre das Thema 20-30% Grundbesoldungserhöhung ziemlich schnell vom Tisch.


zum Thema: Wir werden keine so große JSZ Erhöhung wie TVöD in den hohen EGs bekommen, wenn nicht der AG dies sehr massiv einfordert.

Warnstreik

Zitat von: P33t in Gestern um 20:08Diese Zeit gilt weiterhin. Die ganze Gehaltsstruktur (nicht nur ö.D.) ist nur eben nicht mehr darauf ausgelegt dies zu ermöglichen und das ist der Fehler. Es ist dem Amt eines Beamten weiterhin angemessen, dass man derart verdient, um eine mögliche Familie versorgen zu können - das hat das höchste Verfassungsgericht in Deutschland ausgiebig klargestellt.

Ja, das Verfassungsgericht hat das auch (mmn) völlig zu recht festgestellt - das liegt aber nicht in einer irgendwie gearteten Sinnhaftigkeit dieser Regelung sondern in einem Grundgesetzparagrafen aus des Kaisers Zeiten. Das Gericht muss natürlich nach den gültigen Gesetzen entscheiden - und hat das getan. Das Grundgesetz muss hier entsprechend angepasst werden.  (Hat ja bei anderen Dingen auch funktioniert)

Zitat von: P33t in Gestern um 20:08Bei dem Urteil geht es nicht um TV-L/TV-ÖD-Angestellte, die diesen Anspruch nicht haben "dürfen", weil sie nicht in einem besonderen Dienst- und Treueverhältnis stehen und deshalb teilweise Vorteile haben, z.B. streiken zu dürfen und den AG wechseln zu können.

Ob es wirklich ein Nachteil ist, wenn man quasi automatisiert von dem profitiert, was andere durch Streik und damit mit ihrer Zeit und ihrem Geld durchsetzen? Das Märchen, dass man den AG nicht wechseln darf ist doch auch maximal oll - jeder Beamte kann die Entlassung aus seinem Beamtenverhältnis verlangen (analog Kündigung). Genauso kann man sich auf eigene Initiative als Beamter beruflich verändern innerhalb des Systems.

Aber du hast Recht: Es sind grundsätzlich zwei Systeme. Aber entweder ziehe ich es durch und trenne diese Systeme gänzlich, z.B. bei Tarifverhandlungen oder ich denke die grundsätzliche Entlohnung/Besoldung grundsätzlich zusammen (was ich besser fände)

Zitat von: P33t in Gestern um 20:08Es kann daher durchaus sein, dass in der aktuellen TV-L Verhandlungsrunde +4,2% auf die Löhne draufgeschlagen werden aber beispielsweise (aufgrund des Urteils) 12% auf die Beamtengehälter + Nachzahlungen.

Ich glaube wenn das passiert gibt es wirkliche Probleme, das kannst du keinem Erklären. Ich denke eher, dass man (wie MoinMoin denkt) es versucht über Zulagen zu kitten.