Tarifrunde TV-L 2025 - Diskussion I

Begonnen von Admin, 15.11.2025 17:26

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Warnstreik

Zitat von: MoinMoin in 05.01.2026 15:16Und ich kann nicht erkennen, dass da was verschleiert wird. Wenn man von einem Renten Niveau von unter 50% redet, es dann aber Netto eben höher ist, dann ist es für mich kein beschönigen.

Nochmal: Wenn das Rentenniveau bei entsprechender Inflation und Lohnsteigerungen binnen 20 Jahren von 48 auf ~30% sinkt, würdest du die Aussage "Es ist natürlich KEINE Rentenkürzung" unterschreiben? Ich weiß ja nicht... :-)

Am Ende isses wurscht - umso besser der Abschluß umso mehr Rente gibts und umso weniger ist man auf die gesetzliche Rente überhaupt angewiesen. Das ist (neben Lottospielen) das, wo man vielleicht Einfluß nehmen kann.

Rentenonkel

Hierbei spielt allerdings die neue Definition des Rentenniveaus eine Rolle. Es wird ja vor Steuern definiert, weil Rentner abhängig vom Beginn der Rente unterschiedlich hohe Steuern zahlen, während die Rentendynamik sich an der Veränderung der Bruttoverdienste orientiert.

Als Beispiel: Wenn der Durchschnittsverdiener eine Gehaltserhöhung von etwa 3 % hat, hat er bei Steuerklasse 1 etwa 57 EUR netto mehr Einkommen.

Wenn der Rentner eine Rentenerhöhung von etwa 3 % hat, hat er netto bei Rentenbeginn 2025 etwa 40 EUR mehr Einkommen und nicht nur 27 EUR (bei 48 %).

Mithin ist das Rentenniveau zwar gleich geblieben, die Nettodifferenz zwischen den beiden Bezügen ist zwar nicht absolut, aber prozentual dennoch gesunken. Und am Ende des Tages gehen wir doch alle mit dem Netto bei Aldi oder Lidl einkaufen, oder?  ;D

Somit bedeutet eine moderate Reduzierung des Rentenniveaus nicht automatisch Altersarmut. Jeder Prozent Rentenniveau bedeutet dagegen für die Beitragszahler etwa einen halben Prozentpunkt Beitragssatz, mithin auch eine Reduzierung ihres Nettos. Somit müsste der Beitragssatz bis 2031 rein rechnerisch ohne weitere Reformen und ohne Erhöhung des Bundeszuschusses auf 21,1 % anwachsen. Das wiederum führt auch zu einer geringeren Rentenerhöhung, da ja die Einkünfte der Beitragszahler um den halben Beitrag zur RV zu reduzieren ist.

Am Ende muss es ausgewogene Reformen für alle geben, die die intergenerationelle Gerechtigkeit im Blick hat. Man darf gespannt sein, welche Lösungen uns alsbald präsentiert werden.

Bis dahin ist eine zusätzliche private oder betriebliche Altersvorsorge jedenfalls nie verkehrt  8)

MoinMoin

#437
Zitat von: Rentenonkel in Gestern um 08:47Hierbei spielt allerdings die neue Definition des Rentenniveaus eine Rolle.
Eben, was zählt ist doch das eigene Realrentenniveau bezogen auf das eigene Lebensrealeinkommen.  8)
Wenn ich in Rente bin, werde ich mich damit mal beschäftigen, welche Generation es am besten hatte :o

und da ich auch schon Rentenbeiträge um die 20% überlebt habe, dürfen gerne andere Generationen es auch erleben.
Denn bitte nicht vergessen, in den letzten 40 Jahren waren die Rentenbeiträge 3 Jahre unter dem jetzigen Niveau, 9 auf dem jetzigen und die restlichen 28 Jahre über dem jetzigen Beitragsniveau!!

Und was man auch nicht vergessen sollte, wenn die Rente abgesenkt wird, dann heißt es nicht, dass man  insgesamt weniger Geld ausgezahlt bekommt, denn die Rentenbezugsdauer hat sich auch verlängert.
2000 hatte man noch 15,9 / 19,6 Jahre (m/w) vor sich mit 65  2022 sind es 17,7 / 20,91
Wenn also der 2000er Rentner 1000€ Rente bekommen hat, dann dürfte der 2022er nur noch 900€ bekommen, damit beide das gleiche LebensRentenNiveau haben. (bei 0% Inflation)





Warnstreik

Ich hoffe, dass man versucht mutig das Rentensystem zu reformieren. (weiß aber, dass das nicht passiert)

Glaubt ihr wirklich, dass das Thema Beamtenbesoldung Einfluss auf die Verhandlungen haben wird was die Dauer angeht? Man kann ja kaum sagen, sorry, wir müssen das abwarten - und wenn, hätte das Urteil sogar im Gegenteil sogar positive Aspekte für die Verhandlungen?



Ein Thema noch: In Schleswig Holstein hat man gestern gesehen, wie man effektiv und ressourcenschonend streikt. Das war clever, solche Situationen muss man schnell erkennen und sofort tätig werden.

Modulator

Danke für die verständlichen, sachlichen und hochinteressanten Beiträge zum Thema Rente.
Mich stört es nicht, dass es hier beim TV-L thematisiert wird.

Ich könnte mir eine Fortsetzung in einem anderen Thread vorstellen.
Solange kein Bashing Rente/Pension stattfindet, sondern sachliche Argumente vorgetragen werden.
Gerne dann hier verlinken.

Rentenonkel

@Warnsteik: Natürlich, weil man bei der Übertragung des Ergebnisses des TVL auf die Beamten an dem Maidowski Urteil nicht vorbei kommt. Somit müsste man in jedem Land, dass das Tarifergebnis in 2026 umsetzen würde, einen Nachtragshaushalt machen, durch den man der Opposition eine große Angriffsfläche kurz vor der Landtagswahl geben würde. Es wird 2026 immerhin in 5 Ländern gewählt, 2027 kommen weitere 5 Länder dazu, davon 4 im Frühjahr 2027. Im Zweifel werden die Länder die Streiks einfach aushalten, dass würde die Kriegskassen der Gewerkschaften nur leeren, ohne ein wirkliches Druckmittel zu entfachen.

Es ist politisch sehr viel einfacher, mit vielen Wahlversprechen in die Landtagswahl zu ziehen, um dann im Herbst 2026 oder Frühjahr 2027 festzustellen, upps, es ist kein Geld da, wir brauchen erstmal xx MRD EUR, weil wir den Beamten jahrelang zu wenig Geld gezahlt haben und alle Wahlversprechen sind leider obsolet.

Daher werden vor allem die Länder allein aus politischen Interessen darauf drängen, möglichst vor den Landtagswahlen 2026 keinen Tarifabschluss zu unterschreiben und es soweit wie möglich irgendwie zu verzögern, um Nachtragshaushalte in 2026 zu vermeiden und den Scherbenhaufen der Nachfolgeregierung für 2027 zu hinterlassen.

Es wird jetzt erstmal im Land Berlin und SH gerechnet, wie teuer der Spaß für die Beamten überhaupt wird. Also wird es erst 2027 einen bösen Haushaltsposten in Bund und Ländern für die Beamten und einen nicht ganz so bösen in den Ländern für die Angestellten des TV-L geben.

Bis dahin erhoffe ich mir außer dem üblichen Floskeln nichts nahrhaftes seitens der Arbeitgeber. Ganz im Gegenteil gehe ich eher von extrem schwierigen und langwierigen Verhandlungen aus.

Warnstreik

Zitat von: Rentenonkel in Gestern um 11:28@Warnsteik: Natürlich, weil man bei der Übertragung des Ergebnisses des TVL auf die Beamten an dem Maidowski Urteil nicht vorbei kommt. Somit müsste man in jedem Land, dass das Tarifergebnis in 2026 umsetzen würde, einen Nachtragshaushalt machen, durch den man der Opposition eine große Angriffsfläche kurz vor der Landtagswahl geben würde. Es wird 2026 immerhin in 5 Ländern gewählt, 2027 kommen weitere 5 Länder dazu, davon 4 im Frühjahr 2027. Im Zweifel werden die Länder die Streiks einfach aushalten, dass würde die Kriegskassen der Gewerkschaften nur leeren, ohne ein wirkliches Druckmittel zu entfachen.

Es ist politisch sehr viel einfacher, mit vielen Wahlversprechen in die Landtagswahl zu ziehen, um dann im Herbst 2026 oder Frühjahr 2027 festzustellen, upps, es ist kein Geld da, wir brauchen erstmal xx MRD EUR, weil wir den Beamten jahrelang zu wenig Geld gezahlt haben und alle Wahlversprechen sind leider obsolet.

Daher werden vor allem die Länder allein aus politischen Interessen darauf drängen, möglichst vor den Landtagswahlen 2026 keinen Tarifabschluss zu unterschreiben und es soweit wie möglich irgendwie zu verzögern, um Nachtragshaushalte in 2026 zu vermeiden und den Scherbenhaufen der Nachfolgeregierung für 2027 zu hinterlassen.

Es wird jetzt erstmal im Land Berlin und SH gerechnet, wie teuer der Spaß für die Beamten überhaupt wird. Also wird es erst 2027 einen bösen Haushaltsposten in Bund und Ländern für die Beamten und einen nicht ganz so bösen in den Ländern für die Angestellten des TV-L geben.

Bis dahin erhoffe ich mir außer dem üblichen Floskeln nichts nahrhaftes seitens der Arbeitgeber. Ganz im Gegenteil gehe ich eher von extrem schwierigen und langwierigen Verhandlungen aus.

Das hört sich wirklich nicht gut an, fast dystopisch. Ich denke eher, dass man sich nach Runde 3 auf ein ähnliches Ergebnis wie der TVÖD einigt, einfach weil anderes kaum denkbar erscheint. Will man WIRKLICH eine Nullrunde bis einschließlich 2027 durchdrücken indem man einfach kein Angebot macht, dann muss Verdi mal schauen, wo man Streiks so ausbaut, dass sie wirklich wehtun. Aktuell sieht man in Berlin wie recht kleine Impulse große Wirkung haben können. (natürlich ohne etwas zu beschädigen) Hier muss man klug schauen, wo man mit wenige Streikgeld maximalen Schaden anrichten kann.

MoinMoin

Das Beamtenproblem wird mE größer gemacht als es ist.
Denn wenn der Gesetzgeber es richtig macht, dann wird es, einmalig fette Nachzahlung geben, für die Fehler der Vergangenheit und dauerhaft halt mehr Geld für den Beamten mit Familie.
Der Rest wird im Gleichklang mit den TV System besoldet bleiben.
Die Eingangs-Grundbesoldung kann sogar durch das Urteil für den Single perspektivisch weniger stark steigen als die Endbesoldung.

Insofern wird der einzige Schaden für die TVler sein, dass wir zwar die gleiche Erhöhung bekommen, aber wesentlich weniger JSZ Anpassung.

Verfassungsmäßige

Wie kommst du drauf,dass die Singlebesoldung nur schwach steigen könnte?

MoinMoin

Zitat von: Verfassungsmäßige in Gestern um 19:13Wie kommst du drauf,dass die Singlebesoldung nur schwach steigen könnte?
Warum sollten sie stärker als nötig steigen, der Gesetzgeber ist doch knauserig. Und die Leitplanken des BVerfG ermöglichen ihn das, solange das Gericht nicht klipp und klar sagt, dass der Beamte von seinem Grundgehalt zu x% seine 4k Familie ernähren muss.
Und wenn der Gesetzgeber sachgerecht eine Besoldungsstruktur aufbaut, die die vom BVerfG festgestellten Bedürfnisse der Beamtenfamilie mittels Familienzulagen bedient und das Gericht dies nicht unterbindet, wird der Single eher einen weniger starken Soldanstieg haben, als die Tarifler. Das ist nunmal die Mathematik, die hinter dem Urteil steckt.