Tarifrunde TV-L 2025 - Diskussion III

Begonnen von username, 14.02.2026 09:31

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JahrhundertwerkTVÖD

Wie ich bereits schon einmal schrieb:
"Die Gewerkschaft ÖTV hatte am 31. Dezember 1999, also vor der Übernahme durch Verdi, 1.526.891 Mitglieder.

52,98 Prozent (808.967) der Mitglieder waren Angestellte, 42,95 Prozent (655.839) Arbeiter/innen und 4,07 Prozent (62.085) Beamte/innen.

Mit anderen Worten die Angestellten und die ehemaligen Arbeiter (BAT) waren fast hälftig vertreten.

Nun hat Verdi (nach Verschmelzung von 5 Einzel Gewerkschaften) rund 1,9 Millionen Mitglieder."

Verdi entstand aus einer Verschmelzung einzelner Gewerkschaften. Die Gewerkschaft ÖTV (war früher für den öffentlichen Dienst zuständig) hatte ungefähr hälftig Arbeiter und Angestellte.
Verdi verkündet nun schriftlich für alle Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes zu verhandeln. Die eigenen Forderungen sind aber, mit Verlaub, eher gegen die Interessen der Angestellten ab E9.
Also, wie auch immer, hat Verdi die "Lizenz" zu verhandeln, beschränkt sich aber hauptsächlich auf die Interessen der ehemaligen Arbeiter.

StreikenderBeamter

Zitat von: TVOEDAnwender in Heute um 10:27Um aus diesem Henne-Ei-Problem herauszukommen, müsste man in einer der kommenden Tarifrunden eigentlich einmal einen anderen, ehrlicheren Weg gehen.

Man führt die üblichen drei Verhandlungsrunden durch und bewertet anschließend das Angebot der Arbeitgeberseite. Kommt man zu dem Ergebnis, dass dieses nicht abschlussfähig ist, erklärt man die Verhandlungen an dieser Stelle für gescheitert und kommuniziert gegenüber den Mitgliedern offen:

Das ist das Angebot der Arbeitgeber. Aus unserer Sicht nicht akzeptabel. Gleichzeitig wissen wir aber alle, dass wir aufgrund des niedrigen Organisationsgrades derzeit nicht über die notwendige Durchsetzungsmacht verfügen, um einen flächendeckenden Vollstreik erfolgreich führen zu können.

Die Konsequenz daraus wäre, keinen Tarifabschluss zu vereinbaren. Stattdessen müsste klar gesagt werden, dass weitere Verhandlungen oder Arbeitskampfmaßnahmen erst dann wieder aufgenommen werden, wenn sich der Organisationsgrad innerhalb eines überschaubaren Zeitraums spürbar erhöht und damit eine reale Verhandlungs- und Streikmacht entsteht.

Bleibt dieser Effekt aus, hätten Tarifverhandlungen unter den bestehenden Rahmenbedingungen aus gewerkschaftlicher Sicht keinen Sinn mehr, weil sie faktisch auf eine einseitige Übernahme von Arbeitgeberangeboten hinauslaufen würden.

Das käme zwar einer teilweisen Kapitulation gleich. Allerdings ist ein schlechter Abschluss, der mangels Durchsetzungskraft zustande kommt und anschließend kommunikativ als Erfolg dargestellt werden muss, letztlich nichts anderes.
Ehrlichkeit wäre schonmal super. Dein Vorschlag wäre durchaus denkbar. Wenn er nach hinten losgeht, wäre es evtl. eine Chance für eine neue Gewerkschaft, die dann den Laden mal aufräumt. Evtl. würde es ja auch mal helfen, wenn die Tarifverhandlungen öffentlich übertragen würden damit man mal sieht, was da so passiert. Bei Unternehmen will man nicht öffentlich rausposaunen, was man an Personalkosten ausgibt bzw. das eine Erhöhung von Y% X€ kosten würde. Aber im öD ist das doch eh öffentlich. Dann würde evtl. das Vertrauen in die Verdi auch wieder steigen. Heute sieht man nur viel rum Getöse vor den Verhandlungen, es passiert 2 Runden nix und plötzlich ist man sich einig.

Aleksandra

Zitat von: StreikenderBeamter in Heute um 16:13Dann würde evtl. das Vertrauen in die Verdi auch wieder steigen. Heute sieht man nur viel rum Getöse vor den Verhandlungen, es passiert 2 Runden nix und plötzlich ist man sich einig
Wie schon an anderer Stelle beschrieben. In fast allen Tarifverhandlungen des TVÖD (da hab ichs überprüft - Ausnahme Bankenkrise 2008 und Corona) hat Verdi am Anfang das 2,5-fache dessen gefordert, was am Ende als Ergebnis rumgekommen ist. Oder anders gesagt: das Ergebnis ist ca. 40% der Forderung verdis.
Und so ist es auch jetzt bei der TVL-Verhandlung gewesen.
Das spricht durchaus dafür, dass verdi ganz genau weiß wie viel zu holen ist, man also auch weiß wie die AG kalkulieren und wo die Schmerzgrenzen liegen, was realistisch möglich ist.

In den Verhandlungen gehts dann im Prinzip nur noch, was man in den Zielkorridor mit einpreist. Mindesterhöhungen, Laufzeiten, stufengleiche Anpassung etc.
Reallohnverlust seit Dienstantritt: 1,96%
2022: Inflation 6,9% - Verdi 1,8%
2023: Inflation 5,9% - Verdi 0%
2024: Inflation 2,2% - Verdi 9,03%
2025: Inflation 2,2% - Verdi 3,00%
2026: Inflation 2,2% - Verdi 3,99%