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Von Schreibkraft zur Abteilungssekretärin

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Schnuffi:
Wer kennt sich denn mit Höhergruppierungen aus?
Hab 1990 als Schreibkraft angefangen. Nach Diktat oder handschriftlichen Manuskripten, Korrekturlesen, Texte in Form bringen. Sonst nix!!! Es gab damals weder Internet und schon gar nicht Outlook. Hab eine Schreibzulage und den Bewährungsaufstieg. Zur damaligen Zeit BAT7. Nach einigen Jahren hab ich die Behörde gewechselt und wurde Abteilungssekretärin mit über 70 Kollegen. Es gab keinen neuen Vertrag...es war ein Stellentausch.  So...dann kam der TV-L und aus BAT7 wurde E5. Da ich bereits 28 Dienstjahre habe, bin ich jetzt in Stufe 6.

Worauf ich hinaus will ist, dass meine Tätigkeit als Abteilungssekretärin nichts mehr mit der einer reinen Schreibkraft zu tun hat.
Hab nie eine Höhergruppierung bekommen. Vielleicht bin ich aber nur völlig auf dem Holzweg, aber eine Abteilungssekretärin ist doch höher/besser als eine Schreibkraft...oder???  :-\

Spid:
Anforderungen in der Arbeitswelt verändern sich. Eine Schreibkraft wäre heute in E2 oder E3 eingruppiert.

Amiga:
Na gut, dann versuche ich es mal. Spid ist dafür bestimmt besser. Ich bin da kein Fachmann und gewisse Personen hier sehen in mir einen Faschisten - also obacht! Nicht umsonst sind meine Karmapunkte von Iunuis in den Keller geklickt worden. 8)

Teil I
Allgemeine Tätigkeitsmerkmale
für den Verwaltungsdienst


* Entgeltgruppe 5
Beschäftigte im Büro-, Buchhalterei-, sonstigen Innendienst und im Außen-
dienst,
deren Tätigkeit gründliche Fachkenntnisse erfordert.
(Hierzu Protokollerklärungen Nrn. 3 und 7)

* Entgeltgruppe 6
Beschäftigte im Büro-, Buchhalterei-, sonstigen Innendienst und im Außen-
dienst,
deren Tätigkeit gründliche und vielseitige Fachkenntnisse erfordert.
(Hierzu Protokollerklärungen Nrn. 3 und 6)
* Entgeltgruppe 7
kein Eintrag, scheint also keine Anwendung zu finden (dürfte es so also auch nicht geben)

* Entgeltgruppe 8
Beschäftigte im Büro-, Buchhalterei-, sonstigen Innendienst und im Außen-
dienst,
deren Tätigkeit gründliche und vielseitige Fachkenntnisse und mindestens zu
einem Drittel selbständige Leistungen erfordert.
(Hierzu Protokollerklärungen Nrn. 3, 5 und 6)

Um auf eine E8 zu kommen, musst du also zumindest zu einem Drittel selbstständig Leistungen erbringen. Das heißt für mich nicht, dass du deine Aufgaben selbstständig erledigst, sondern selbst Aufgaben aus deinem Bereich ohne fremde Anleitung bewältigst. Du erledigst Aufgaben und schaffst neue Probleme aus der Welt, ohne dass dein Chef dich darauf hinweisen muss - und wohlgemerkt 1/3 deiner Aufgaben müssen so ein. Besser kann ich das nicht ausdrücken. Das trifft vermutlich bei dir nicht zu. Einige alte Sekretärinnen bei mir an der TU Berlin bekommen das aber. Wer weiß unter welchen Schreibtischen die saugen müssen (Staub natürlich).

Eine E7 scheint es nicht zu geben.

Für eine E6 musst du im Unterschied zur E5 "vielseitige" Fachkenntnisse haben, um den Job erledigen zu können. Was auch immer das heißt. Wenn ich es am Durchschnitt alle Sekretärinnen festmachen müsste, heißt das für mich, nur Outlook (ein Scheißprogramm nebenbei bemerkt) bedienen und Texte schreiben ist nicht vielseitig. Bei uns müssen die für eine E6 selbstständig Flüge buchen nach Beschaffungsvorgaben, Reisebusse organisieren, Beschaffungswesen übernehmen (Angebote einholen, vergleichen, bestellen usw.), den ganzen Overhead für die Prüfungen der Studenten bearbeiten, Unterlagen für Hin- und Kunz bearbeiten, Verwaltungskram für Einstellungen, Entlassungen usw. übernehmen, Urlaub planen und was weiß ich. Das ist ein gewöhnlicher Job einer Sekretärin heute. Das ist zumindest für mich durchaus vielseitig. Aber eine gründliche Fachkenntnis braucht man dafür eigentlich nicht. Nur etwas Einarbeitung und auf dem Laufenden bleiben.

Ich gönne jedem ein ordentliches Gehalt ohne Wenn und Aber. Nur muss auch gesagt werden, dass die Entgeltgruppen >= E10 in meinen Augen nicht adäquat entlohnt werden, die unteren EG dafür sehr gut.

Schnuffi:
Das weiß ich alles. Aber irgendwann ist Schluss mit den Zusatzaufgaben. Man kann natürlich immer argumentieren mit ".... das sind ganz normale Tätigkeiten einer Sekretärin..." sprich E5.  Und was mich ungemein ärgert ist,  dass wohl von den Vorgesetzten die Meinung vertreten wird, dass wir Sekretärinnen den ganzen Tag unsere Fingernägel lackieren und unbegrenzt Zeit haben. Ein blöder Spruch "...Sie schaffen das schon..." und fertig. Aber trotzdem immer schön lächeln und Schnauze halten. Speziell unliebsame Arbeiten,  wie z. B. den alljährlichen Betriebsausflug für ca. 600 Kollegen zu organisieren (heißt bei uns Orga-Team),  da bin ich natürlich die 1. Wahl!!  Das sind ja auch die normalen Tätigkeiten einer Sekretärin. Hallo?  Ich glaub, ich spinn!!!

Tagelöhner:
So ich mach mich jetzt bei Schnuffi mal unbeliebt indem ich einen Vergleich zu unserer Sekretärin (E6) herstelle, die sich auch sonstwas auf ihre Funktion und Tätigkeit einbildet.

Die werte Frau Sekretärin hat sich erst kürzlich darüber echauffiert, dass sie jetzt schon so und so lange da wäre, zusätzliche Aufgaben übernommen habe (wegen fehlender Auslastung, Zeitanteil keine 5%, Wertigkeit eher E2) und dafür an einer 2-tägigen Schulung teilnehmen musste. Sie wäre schon X Jahre da und wäre noch nie "gestiegen". Den Kaffee für Besprechungen kochen ist ja eigentlich nicht ihre Aufgabe als Sekretärin (ja von wem dann? Vielleicht dem Amtsleiter?).

Jeder im Haus weiß, dass sie maximal den halben Tag Arbeit hat, sogar der Chef schaut da sehenden Auges zu und lässt ihr die Freiräume (ich denke eher er hat auch längst erkannt, dass der Fall hoffnungslos ist und möchte weiterhin ein halbwegs harmonisches miteinander). Sie telefoniert jeden Tag sicherlich 30-60 min privat und wenn man sie da (mit Absicht) stört, wird mit der Bekanntschaft/dem Verwandten plötzlich auf persie umgestellt, damit dieser auch gewarnt ist und das Gespräch zügig abgewürgt werden kann. Beim allgemeinen Haustratsch ist sie natürlich auch kräftig mit von der Partie und legt da gerne auch mal Indiskretion vom Feinsten an den Tag. Jeder der wegen einer Angelegenheit in ihr Büro muss, die normalerweise in etwa einer Minute erledigt ist, wird erstmal gut und gerne 10-15 Minuten in belanglose Gespräche wie Hausgerüchte usw. verwickelt. Betriebsausflüge mit organisieren und am Aufbau der Weihnachtsfeier mitwirken, ist ja auch nicht ihre Aufgabe, aber es würde ja sonst keiner machen. 3-4 Wochen Krankheit pro Jahr gehören natürlich auch zum guten Ton. Die Erzählung könnte noch ewig so weitergehen....

Und die Moral von der Geschicht'? Vielleicht war sie auch mal eine motivierte Fachkraft wie Schnuffi und hat wegen anhaltender fehlender monetärer und sonstiger Wertschätzung die Handbremse angezogen.

Ich halte es für deutlich wahrscheinlicher, dass sie schon immer eine drittklassige Arbeitskraft war und sich eigentlich glücklich schätzen kann, dass der ÖD sie aufgefangen hat und mit E6 bis zur Rente mitschleppt.
Wäre im ÖD so etwas wie "leistungsgerechte Bezahlung" und Wirtschaftlichkeitsdruck vorhanden, wäre in dem Fall eine Herabgruppierung Richtung E5 oder tiefer, eine Abmahnung oder sogar Kündigung angemessen.

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