Autor Thema: [NI] Besoldungsrunde 2019 - Niedersachsen  (Read 27960 times)

SwenTanortsch

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Antw:[NI] Besoldungsrunde 2019 - Niedersachsen
« Antwort #120 am: 13.03.2019 18:11 »
Klasse 7?! Dieser FM ist richtig klasse, also erste Klasse, es heißt schließlich auch Grundbesoldung (wie Grundschule) und Realschule hört sich auch so nach Realität an und solche Worte mag er gar nicht. Und wenn Frau Modder nun Druck macht, dann soll sie gefälligst (denkt er sich) zur Bundesdruckerei gehen. Und sofern sie ihm von dort mal eine Runde Druckerzeugnisse (Druck-erzeugnisse, nicht Drucker-zeugnisse, denn bei der Entlohnung bewirbt sich sowieso kein Drucker in Niedersachsen, was sollte er also mit deren Zeugnissen?) mitbringt, schmeisst er auch mal 'ne Runde, also eine Tarifrunde - wo es also hinführt? Wo es immer hinführt: Er wird eine gehaltvolle Rede halten, um daraufhin das volle Gehalt einzubehalten.


Sag mal, wie bist Du Wortakrobat bloß im öffentlichen Dienst gelandet? ;D ;D
Ich hoffe, Du bist zumindest ein Oberstufen-Gymnasiallehrer, der seine Abiturienten im Unterricht mit deutscher Literatur und Sprachkultur begeistert.     ;)

Naja, von irgendwas muss man ja sein Leben fristen und mit der Wortakrobatik kann man nicht sein Brot verdienen (wer oben auf dem Seil sein Brot verdient, verliert mit der Stulle in der Hand leicht das Gleichgewicht). Der Fehler war, dass der Dienst öffentlich war, und da stand so ein netter Herr davor, der meinte: "Hier stehen ihnen alle Türen offen", also habe ich gedacht, guckste halt mal rein, vielleicht gibt's ja auch ein paar geistige Gertränke für umsonst. Aber kaum war ich drin, haben sie mich schon nicht mehr rausgelassen, meinten vielmehr, dass ich hier gut hineinpassen würde - und erst später habe ich verstanden, dass an jenem Mittwoch Tag der offenen Tür in der Irrenanstalt gewesen ist. Hat aber auch seine Vorteile, weil sie mich hier nicht mehr rauslassen, brauche ich auch kein Geld verdienen. Der nette Herr sagt immer, dass Geld nicht glücklich macht und den Charakter verdirbt und nickt mir dann immer ganz aufmunternd zu. Und ich bin dann immer ganz glücklich und sage mir: "Du bist ein guter Jung mit'm guten Charakter und auch noch glücklich, gut dass'er dir kein Geld gibt, das könnt' alles verderben."

SwenTanortsch

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« Antwort #121 am: 13.03.2019 18:14 »
Du hast Recht, also die Zinseszinseffekte sollte man nicht unterschätzen. Mir ging's vor allem darum, vergleichend die realen Werte abzuschätzen, um zu einem Vergleich der Besoldungsanpassung zu kommen.
Dazu sollten man doch den im entsprechendem Jahr erhaltene Gesamtlohn betrachten.
Dann kann man doch auch die tatsächliche jährliche Steigerung rechnen.

Das stimmt, der Aufwand ist aber recht hoch, um zu einer Abschätzung zu kommen. Letztlich kommt es nicht auf jedes halbe Prozent an - der Überschlag zeigt schon, wohin die Reise in der Vergangenheit gegangen ist.

Buccaneer

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Antw:[NI] Besoldungsrunde 2019 - Niedersachsen
« Antwort #122 am: 13.03.2019 18:44 »
Wäre es zu forsch, zu vermuten, dass der Wechselkurs der Wertschätzung ziemlich genau der Differenz der Zeitgleichheit der Übernahme entspricht...?
Anders ausgedrückt: die Wertschätzung der Landesregierung entspricht also:
     -(3,2%:12)*10*Summe aus (individuelles Gehalt in Euro)...


MoinMoin

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« Antwort #123 am: 13.03.2019 19:21 »
Das stimmt, der Aufwand ist aber recht hoch, um zu einer Abschätzung zu kommen.

?? Wie jetzt, man nehme sich eine AxSy und schaue sich die jeweiligen Monatsgehälter und Laufzeiten an und fertig.
[/quote]Letztlich kommt es nicht auf jedes halbe Prozent an - der Überschlag zeigt schon, wohin die Reise in der Vergangenheit gegangen ist.
[/quote]Also ist es egal, ob man 2,1% oder 2,6& mehr bekommt?  :-X

SwenTanortsch

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« Antwort #124 am: 13.03.2019 19:30 »
Das stimmt, der Aufwand ist aber recht hoch, um zu einer Abschätzung zu kommen.

?? Wie jetzt, man nehme sich eine AxSy und schaue sich die jeweiligen Monatsgehälter und Laufzeiten an und fertig.
Letztlich kommt es nicht auf jedes halbe Prozent an - der Überschlag zeigt schon, wohin die Reise in der Vergangenheit gegangen ist.
[/quote]Also ist es egal, ob man 2,1% oder 2,6& mehr bekommt?  :-X
[/quote]

mach einfach!

MoinMoin

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« Antwort #125 am: 14.03.2019 08:47 »
Das stimmt, der Aufwand ist aber recht hoch, um zu einer Abschätzung zu kommen.

?? Wie jetzt, man nehme sich eine AxSy und schaue sich die jeweiligen Monatsgehälter und Laufzeiten an und fertig.
Zitat
Letztlich kommt es nicht auf jedes halbe Prozent an - der Überschlag zeigt schon, wohin die Reise in der Vergangenheit gegangen ist.
Also ist es egal, ob man 2,1% oder 2,6& mehr bekommt?  :-X

mach einfach!
Gerne.
Ergebnis Gehaltssteigerung des Jahresgehaltes (ohne Einberechnung weiterer Steigerung im Jahr 2021):
8,63 % Brutto A13 Endstufe ohne Kinder o.ä. Ist doch erfreulich!

  Jahr   #   Brutto   #   Brutto   JahresBrutto   pro Jahr   bzgl. 2018
2018   5   5063,61   7   5164,88    61.472,21 €       
2019   2   5164,88   10   5330,15    63.631,26 €    3,512%   3,512%
2020   2   5330,15   10   5500,72    65.667,50 €    3,200%   6,825%
2021   2   5500,72   10   5577,73    66.778,74 €    1,692%   8,632%




SwenTanortsch

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Antw:[NI] Besoldungsrunde 2019 - Niedersachsen
« Antwort #126 am: 14.03.2019 10:21 »
Das stimmt, der Aufwand ist aber recht hoch, um zu einer Abschätzung zu kommen.

?? Wie jetzt, man nehme sich eine AxSy und schaue sich die jeweiligen Monatsgehälter und Laufzeiten an und fertig.
Zitat
Letztlich kommt es nicht auf jedes halbe Prozent an - der Überschlag zeigt schon, wohin die Reise in der Vergangenheit gegangen ist.
Also ist es egal, ob man 2,1% oder 2,6& mehr bekommt?  :-X

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Ergebnis Gehaltssteigerung des Jahresgehaltes (ohne Einberechnung weiterer Steigerung im Jahr 2021):
8,63 % Brutto A13 Endstufe ohne Kinder o.ä. Ist doch erfreulich!

  Jahr   #   Brutto   #   Brutto   JahresBrutto   pro Jahr   bzgl. 2018
2018   5   5063,61   7   5164,88    61.472,21 €       
2019   2   5164,88   10   5330,15    63.631,26 €    3,512%   3,512%
2020   2   5330,15   10   5500,72    65.667,50 €    3,200%   6,825%
2021   2   5500,72   10   5577,73    66.778,74 €    1,692%   8,632%

Das sind interessante Zahlen, MoinMoin, hab Dank dafür.

Allerdings erschließen sie sich mir nicht ganz, könntest Du sie kurz aufschlüsseln:

Die Ausgangswerte für das Jahr 2018 finde ich in keiner Besoldungstabelle; die weiteren Daten weichen dann, weil auf den Ausgangswerten aufbauend, zwangsläufig von den durch http://oeffentlicher-dienst.info/beamte/ni/ prognostizierten Werten ab.

Gehe ich von der aktuellen Tabelle aus, also A 13 Erfahrungsstufe 12 (Endstufe): 5.073,52 €, und nehme die prognostizierten Daten aus http://oeffentlicher-dienst.info/beamte/ni/, komme ich zu folgenden Brutto-Ergebnissen:

(a) 2019 ohne Tariferhöhung (5.073,52 x 12): 60.882,24 €

(b) 2019 mit Tariferhöhung Niedersachsen (5.073,52 x 2 + 5.235,87 x 10): 62.505,74 €

(c) 2020 mit Tariferhöhung Niedersachsen (5.235,87 x 2 + 5.403,42 x 10): 64.505,94 €

(d) 2021 mit Tariferhöhung Niedersachsen (5.403,42 x 2 + 5.479,07 x 7): 49.160,33 €

(e) 2021 mit Tariferhöhung Niedersachsen ganzjährig (5.403,42 x 2 + 5.479,07 x 10): 65.597,54 €

Addiere ich die Werte (b) bis (d) und dividiere sie durch die Laufzeit von 33 Monaten, erhalte ich eine durchschnittliche Brutto-Besoldung von 5.338,54 Euro oder eine durchschnittliche Erhöhung von 5,2 Prozentpunkte während der nächsten 33 Monate im Vergleich zu heute. Hierum ging es mir insbesondere in meinem gestrigen Beitrag von 15:52 Uhr (dort habe ich mich aller Wahrscheinlichkeit nach unklar ausgedrückt). Hier habe ich zwei Wege verfolgt: Erstens liegt die Nettobesoldung im Schnitt nach  http://oeffentlicher-dienst.info/beamte/ni/a/2019/a/vergleich.beamte-nds-2018i.html um rund 0,5 Prozentpunkte pro Jahr geringer, zweitens muss der (harmonisierte) Verbraucherpreisindex (landläufig: die Inflationsrate) hinzugezogen werden. Rechnet man diese zukünftigen Werte mit ein, bleibt nicht viel von der aktuellen Tariferhöhung - so wie auch jeweils nicht viel von den vergangenen geblieben ist (s. das genannte Färber-Zitat). Um diese Realitätsbetrachtung ging es mir gestern.

Betrachtet man nun die Differenz von (e) und (a), dann erhält man die prozentuale Bruttobersoldungserhöhung bis Ende 2021. Sie beträgt unter Beachtung der Zinseszinsen: 7,74 Prozent, womit die Politik gerne hantiert und was auch die Verbände und Gewerkschaften zur Rechtfertigung der Tarifverhandlungen gerne hervorkehren. Realistischer sind allerdings die Betrachtungen im letzten Absatz. Sie zeigen, was tatsächlich real von Besoldungserhöhungen übrig bleibt. Darum ging es mir gestern, eben um die realen Besoldungserhöhungen bzw. Besoldungsentwicklungen.

MoinMoin

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« Antwort #127 am: 14.03.2019 10:31 »
Allerdings erschließen sie sich mir nicht ganz, könntest Du sie kurz aufschlüsseln:
http://oeffentlicher-dienst.info/c/t/rechner/beamte/ni?id=beamte-nds-2018i&g=A_13&s=12&f=0&z=100&zv=VBL&r=0&awz=&zulage=&kk=15.5&kkz=&zkf=0&stkl=1

2018 von 1.6.2018 an (also 7 Monate in dem Jahr) vorher halt der Wert von 2017 
alles Inkl. allg. Stellenzulage.

Monatsbeträge

Grundgehalt:                 5073.52 €
allg. Stellenzulage hD:        91.36 €

MoinMoin

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« Antwort #128 am: 14.03.2019 10:42 »
Addiere ich die Werte (b) bis (d) und dividiere sie durch die Laufzeit von 33 Monaten, erhalte ich eine durchschnittliche Brutto-Besoldung von 5.338,54 Euro oder eine durchschnittliche Erhöhung von 5,2 Prozentpunkte während der nächsten 33 Monate im Vergleich zu heute.
Ich weiß nicht was du damit berechnen willst?
Nimm die Jahresgehälter und vergleiche diese, alles andere ist doch mathematischer mumpiz
Und Als Vergleich  bzgl. der Steigerung bzgl. dieser "Tarifrunde" muss man doch den Wert vorher: also Jahresgehalt 2018 mit dem prognose Wert am Ende (also 2021, unter Annahme das dann nichts mehr kommt vergleichen)
Alternativ, man wählt die Intervalle anders aus.
Hier könnte man natürlich als Ausgangsintervall 1.3.2018-28.2.2019 nehmen und dieses dann mit den entsprechenden Intervallen 1.3.2019-28.2.2020 ... vergleichen

MoinMoin

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« Antwort #129 am: 14.03.2019 11:10 »
Hier habe ich zwei Wege verfolgt: Erstens liegt die Nettobesoldung im Schnitt nach  http://oeffentlicher-dienst.info/beamte/ni/a/2019/a/vergleich.beamte-nds-2018i.html um rund 0,5 Prozentpunkte pro Jahr geringer, zweitens muss der (harmonisierte) Verbraucherpreisindex (landläufig: die Inflationsrate) hinzugezogen werden. Rechnet man diese zukünftigen Werte mit ein, bleibt nicht viel von der aktuellen Tariferhöhung - so wie auch jeweils nicht viel von den vergangenen geblieben ist (s. das genannte Färber-Zitat). Um diese Realitätsbetrachtung ging es mir gestern.
Nun bei der Netto Besoldung wird es natürlich noch komplexer.
Berechnet auf das Steuerjahr 2019 wäre da 61472 Brutto -> 44798 Netto in 2018 und 66778 -> 47754  in 2021 sprich 6,6% netto Steigerung.
Bei einer Inflationsrate von konstant 2,15% hätte man da keine Reallohnsteigerung.
(Zum Vergleich ein E13S6er hat 68230€ -> 73204€ sprich 7,29% Brutto und 36798->38988 Netto sprich 5,95% Steigerung )

Zunächst einmal, rein abstrakt und theoretisch: Warum sollte jemand mehr als einen Inflationsausgleich bzgl. seines Realnettolohnes bekommen? Doch nur wenn er auch "produktiver" also seine Leistung wertvoller geworden ist.
Meiner Meinung nach sollten die tariflichen Lohnerhöhungen / Soldanpassungen dafür da sein und nicht mehr und nicht weniger, denn eine Lohnerhöhung bzgl. seiner "Leistung" bekommt man ja via Aufstieg in den A / E Gruppen wg. höherwertiger Arbeit und in den Stufen wg. seiner "Erfahrung" innerhalb des AGs.
Diese Lohnerhöhungen vergessen viele beim Vergleich mit den anderen bzw. der Aussenwelt.

pserönliches Fazit: Solange wir auf diesen Inflationsniveau bleiben, haben wir mit dem Abschluß eine minimale Reallohnsteigerung.

_restore

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« Antwort #130 am: 14.03.2019 13:57 »
Bestimmt schon mehrmals beantwortet, ich trau mich trotzdem:
Warum ist das Gehalt im öffentlichen Dienst nicht einfach an die Inflationsrate gekoppelt?

MoinMoin

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« Antwort #131 am: 14.03.2019 14:07 »
Bestimmt schon mehrmals beantwortet, ich trau mich trotzdem:
Warum ist das Gehalt im öffentlichen Dienst nicht einfach an die Inflationsrate gekoppelt?
Weil die Gewerkschaft das nicht will und wir Tarifautonomie haben. (bzgl. Gehalt)
Und weil es keine Lösung für den Sold wäre, da auch damit eine gesetzeswidrige Alimentierung möglich wäre.

Jebo11

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« Antwort #132 am: 14.03.2019 14:07 »
Bestimmt schon mehrmals beantwortet, ich trau mich trotzdem:
Warum ist das Gehalt im öffentlichen Dienst nicht einfach an die Inflationsrate gekoppelt?

Oder wie die Diäten an die allgemeine Lohnentwicklung? Ich schlage einfach mal die Metallbranche als Vergleich vor 😊

SwenTanortsch

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« Antwort #133 am: 14.03.2019 18:12 »
Die Koppelung an festgelegte Indizes würde bei Tarifbeschäftigten und also mit Blick auf die Tarifparteien tatsächlich in die Tarifautonomie eingreifen, ist also verfassungsrechtlich nicht möglich; der Grundsatz "Besoldung folgt Tarif" ist eine pragmatische Lösung, wobei zugleich das Alimentationsprinzip innerhalb des beamtrechtlichen Überbaus eine - um's mal so auszudrücken - komplexe rechtshistorische Entwicklung hinter sich hat, deren Beachtung insbesondere mit Blick auf die sogenannten "hergebrachten Grundsätze des Berufsbeamtentums" nicht so einfach beiseite geschoben werden könnte. Der Wunsch nach einfachen Lösungen und der Ruf nach ihnen kann also durchaus verständlich sein, beide prallen aber an der Verfassung ab.

Auch die Diskussion um Arbeitsproduktivität kann man führen; sie hat aber ihren Platz eher in Industriegesellschaften, in denen die Arbeitsproduktivität auf's Ganze gesehen verhältnismäßig einfach bestimmt werden kann; für Dienstleistungsgesellschaften führt sie tendenziell schnell zu nicht auflösbaren Problemen. Um es exemplarisch an zwei der großen Berufsgruppen zu verdeutlichen, die in Deutschland den verbeamtet sind. Wie wollte man eine erhöhte Arbeitsproduktivität messen? Müsste der Polizist heute dann mehr Kriminelle dingfest machen, als es der Polizist vor zehn Jahren gemacht hat, oder sollte der Lehrer heute mehr Bildung vermitteln als der Kollege vor zehn Jahren? Eine solche Diskussion könnte man sich sparen, da sie inkommensurable (also nicht miteinander in Verbindung zu setzende) Prämissen miteinander vermischte (als Folge enden solche Diskussionen dann zumeist in einem infiniten Regress - sie gehen also immer weiter und werden dabei tendenziell zunehmend moralisch aufgeheizt).

Die Arbeitsproduktivität könnte man allerdings zum Beispiel auch bei Polizisten und Lehrern formal messen. So könnte man mit Blick auf Lehrer bei gleich bleibender Arbeitseinsatzmenge (also bei gleich bleibender Arbeitzeitszeit) von Jahr zu Jahr die Ausbringungsmenge erhöhen, also beispielsweise die Anzahl von Schülern, die ein Lehrer in dieser Arbeitszeit unterrichtet. Noch allgemeiner: Man könnte bei Polizisten und Lehrern bei gleich bleibender Arbeitszeitmenge die von jedem einzelnen zu verrichtenden Aufgaben erhöhen. Das wäre ein verhältnismäßig reliables Vorgehen zur Messung der gesteigerten Arbeitsproduktivität - an dessem Ende der Zusammenbruch der Rechtssicherheit und des staatlichen Bildungswesen ständen. In von sozialer Differenzierung geprägten Gesellschaften ist der Wunsch nach einfachen Lösungen verständlich, weil die voranschreitende Differenzierung zu Veränderungen und zunehmender Unübersichtlichkeit führt; die Realität passt aber leider meistens weniger zu solchen Wünschen.

Insofern scheint es pragmatisch, dass die Tarifparteien des öffentlichen Dienstes einen Kompromiss aushandeln, der sich bei gleichbleibenden Differenzen beider Parteien um den Preis der Arbeit bei den Arbeitgebern (vereinfacht ausgedrückt) um den Qualitätserhalt des öffentlichen Dienstes dreht und bei den Arbeitnehmern (genauso vereinfacht ausgedrückt) um den fortwährenden Anschluss an die Tarifergebnisse anderer gesellschaftlicher Gruppen.

Nun gut, da im beschriebenen Kontext den Beschäftigten interessiert, was er am Ende im Portemonnaie vorfindet, und sich darauf genau die Frage bezieht, ob ein Tarifergebnis gut oder schlecht ist, betrachten wir also noch einmal die Nettoergebnisse. Das lege ich im nächsten Beitrag dar, damit ein einzelner Beitrag nicht noch länger wird.

SwenTanortsch

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Antw:[NI] Besoldungsrunde 2019 - Niedersachsen
« Antwort #134 am: 14.03.2019 18:43 »
Der Berechnung der realen Nettobesoldungserhöhung über die zu betrachtenden drei Jahre 2019 bis 2021 lege ich die bekannten Brutto-Daten zugrunde (die allgemeine Stellenzulage hatte ich vormals nicht mit eingerechnet, MoinMoin, es ist richtig und sinnvoll, dass Du sie von Anfang an verwendet hast) und ergänze die dazugehörigen Netto-Daten:

A13, Stufe 12 (Endstufe) Niedersachsen (auch im Folgenden: Steuerjahr 2019, Lohnsteuerklasse I, keine Familienzulage, keine Kinderfreibeträge, keine Kirchensteuer Arbeitszeit 100 Prozent, inklusive allgemeine Stellenzulage höherer Dienst, vgl. http://oeffentlicher-dienst.info/c/t/rechner/beamte/ni?id=beamte-nds-2018i&g=A_13&s=12&f=0&z=100&zulage=&stj=2019&stkl=1&r=0&zkf=0):


2019
(a) Jahresbruttobesoldung ohne Tariferhöhung (12 x 5.164,88): 61.978,56 €
(b) Jahresnettobesoldung ohne Tariferhöhung (12 x 3.756,82): 45.081,84 €

(c) Jahresbruttobesoldung mit Tariferhöhung: (2 x 5.164,88 + 10 x 5.330,15): 63.631,26 €
(d) Jahresnettobesoldung mit Tariferhöhung: (2 x 3.756,82 + 10 x 3.848,85): 46.002,14

Besoldungserhöhung brutto ((c/a) x 100) - 100): 2,67 Prozent
Besoldungserhöhung netto ((d/b) x 100) - 100): 2,04 Prozent

Bei einem (harmonisierten) Verbraucherpreisindex (verkürzt: dem in der Öffentlichkeit lieber verwendeten Begriff der Inflationsrate) von 1,7 Prozent (wie im Jahr 2018) bliebe 2019 eine reale Nettobesoldungserhöhung von rund 0,35 Prozent.


2020:
(a) Jahresbruttobesoldung ohne Tariferhöhung (12 x 5.330,15): 63.961,8 €
(b) Jahresnettobesoldung ohne Tariferhöhung (12 x 3.848,84): 46.186,08 €

(c) Jahresbruttobesoldung mit Tariferhöhung: (2 x 5,330,15 + 10 x 5.500,72): 65.667,5 €
(d) Jahresnettobesoldung mit Tariferhöhung: (2 x 3.848,84 + 10 x 3.943,81): 47.135,78

Besoldungserhöhung brutto ((c/a) x 100) - 100): 2,67 Prozent
Besoldungserhöhung netto ((d/b) x 100) - 100): 2,06 Prozent

Bei einem (harmonisierten) Verbraucherpreisindex von 1,7 Prozent (wie im Jahr 2018) bliebe 2020 eine reale Nettobesoldungserhöhung von rund 0,4 Prozent.


2021:
(a) Jahresbruttobesoldung ohne Tariferhöhung (12 x 5.500,72): 66.008,64 €
(b) Jahresnettobesoldung ohne Tariferhöhung (12 x 3.943,81): 47.325,72 €

(c) Jahresbruttobesoldung mit Tariferhöhung: (2 x 5.500,72 + 10 x 5.577,73): 66.778,74 €
(d) Jahresnettobesoldung mit Tariferhöhung: (2 x 3.943,81 + 10 x 3.986,71): 47.754,72

Besoldungserhöhung brutto ((c/a) x 100) - 100): 1,17 Prozent
Besoldungserhöhung netto ((d/b) x 100) - 100): 0,91 Prozent

Bei einem (harmonisierten) Verbraucherpreisindex von 1,7 Prozent (wie im Jahr 2018) bliebe 2021 eine reale Nettobesoldungskürzung von rund 0,8 Prozent.


Gesamtergebnis: Über die drei Jahre wären wir (bei insgesamt gleich bleibender Inflationsrate) also netto real genau dort, wo wir jetzt auch sind. Es würde zwei reale Jahresnettobesoldungserhöhungen von rund 0,4 Prozent geben und eine Nettobesoldungskürzung von 0,8 Prozent. Summa summarum würde es also bei gleich bleibenden Verhältnissen in Niedersachsen über drei Jahre keine reale Nettobesoldungserhöhung geben.

Das beschriebene Ergebnis kann man nun gut oder schlecht finden. Mir ging es zunächst einmal um die Darlegung dieses Sachverhalts.

Das niedersächsische Finanzministerium fand diesen Sachverhalt offensichtlich so sinnvoll und wird (so vermute ich zumindest) bei den Berechnungen in etwa so vorgegangen sein, dass es abgewogen hat, wann bei fortgeführten heutigen Verhältnissen der letztjährigen Inflationsrate über die kommenden drei Jahre die entsprechende reale Nettobesoldungserhöhung von weitgehend Null herauskommt (ob die Besoldungserhöhung also entsprechend zum März, April, Mai oder Juni erfolgen müsste). Zugleich macht es, ohne es zu sagen, der Öffentlichkeit weis, dass eine Besoldungserhöhung, die tatsächlich nur einen extrapolierten Inflationsausgleich gewährleistet, den Steuerzahler recht stark belastet, so ist jedenfalls die gestrige Mitteilung des Finanziminsteriums zu verstehen: „Der Tarifabschluss und die wirkungsgleiche Übertragung auf den Beamtenbereich stellen eine große Belastung für die öffentlichen Finanzen dar." (http://www.mf.niedersachsen.de/aktuelles/presseinformationen/niedersachsens-beamtinnen-und-beamten-erhalten-ab-01-maerz-hoehere-besoldung-174855.html)

Ein solches Vorgehen nenne ich desorientierend, weil erstens durch die Zeitverzögerung der Anpassung tatsächlich keine Wirkungsgleichheit besteht (jedenfalls im Sprachgebrauch der Allgemeinheit, die so also desorientiert wird) und weil die Öffentlichkeit zweitens ein anderes Bild von der Besoldungsanpassung erhalten würde, wenn man realistischer gesagt hätte: "Wir gewähren den Beamten nach heutigen Daten einen vollständigen Inflationsausgleich, obgleich es in den letzten beiden Jahren in Deutschland in vielen Branchen eine - zum Teil recht deutliche - Reallohnerhöhung gegeben hat. An diese Entwicklung können oder wollen wir unsere Beamten nicht beteiligen."

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich empfinde dies beschriebene Form der Nicht-Beteiligung der niedersächsischen Beamten am Aufschwung der letzten Jahre eher als nicht so ergiebig und sie zugleich von der gesamten Art her auch verhältnismäßig wenig wertschätzend. Aber das ist nur mein (moralisches) Fazit.