Autor Thema: Technisches Personal  (Read 2154 times)

JahrhundertwerkTVÖD

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Technisches Personal
« am: 13.08.2019 09:42 »
Hallo.

Wie sind eure Erfahrungen mit Personalgewinnung im öffentlichen Dienst, speziell im technischen Bereich und unter Anwendung des TVÖD?

Meine Erfahrungen sind absolut als negativ zu bezeichnen.
- Kaum Bewerber auf ausgeschrieben Stellen
- mehrmalige Ausschreibungsrunden erforderlich (zu Lasten der noch vorhandenen Mitarbeiter)
- die Qualität der Bewerber lässt erschreckend nach :-(
- wenn mal welche da sind, haben sie spätestens nach der Gehaltsfrage kein Interesse mehr

Ich finde der TVÖD konkurriert, gerade im technischen Bereich, ganz stark mit dem TV-V und die Gehaltsunterschiede sind eklatant. Je nach Eingruppierung zwischen 400€ und 1300 €/Monat.
Speziell in den höheren Eingruppierungen ( Ingenieure) sind diese Unterschiede m.E. nicht mehr akzeptabel und führen letztendlich dazu das dringend benötigte Stellen nicht mehr besetzt werden.

Wäre es nicht angebracht dass, speziell im technischen Bereich, eine Angleichung angestrebt wird?
Auch die Reduzierung der Jahreszahlung führt in den höheren Stufen zu einer weiteren Verschlechterung.
Im TV-V gibt es für alle Stufen 100%.

Die letzten Tarifverhandlungen haben nicht wirklich zu einer Besserung beigetragen.
Letztendlich braucht der öffentliche Dienst gutes Personal.
Es wird erwartet dass, auf Augenhöhe, mit den Ingenieurbüros und den Baufirmen agiert wird. Die Planungen, Ausschreibungen und die bauliche Umsetzung sollen überprüft und fachlich bewertet und begleitet werden.
Wie soll dies funktionieren, wenn kein gutes Personal mehr da ist?
Und warum sollte gutes Personal kommen, wenn die Gehaltsunterschiede so extrem sind?
Die Einsparungen an Steuergelder welche ein guter Ingenieur,durch fachliche Planung und Können erzielt, sind um ein vielfaches höher als die möglichen und sinnvollen Gehaltserhöhungen um marktgerechte Gehälter (TV-V und/oder freie Wirtschaft) zu erhalten.

Dies wird bzw. wurde in den letzten Jahren leider nicht so gesehen und das Jahrhundertwerk TVÖD führte gerade in den angesprochenen Bereichen zu extremen Gehaltsunterschiede.


   

Bastel

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Antw:Technisches Personal
« Antwort #1 am: 13.08.2019 10:52 »
Was möchtest du uns mit diesem Post sagen? Wirst vermutlich überwiegend Zustimmung bekommen.

Ändern können es nur die Tarifparteien. Ansonsten kann der AG höhere EGs herbeikonstruieren oder einfach zu einer höheren Stufe einstellen.

MrRossi

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Antw:Technisches Personal
« Antwort #2 am: 13.08.2019 11:27 »
Ansonsten kann der AG höhere EGs herbeikonstruieren oder einfach zu einer höheren Stufe einstellen.

ROFL ja können Sie, wird aber vermutlich so wahrscheinlich sein, wie Sie Nessi füttern.

WasDennNun

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Antw:Technisches Personal
« Antwort #3 am: 13.08.2019 11:33 »
Ansonsten kann der AG höhere EGs herbeikonstruieren
Nein, dass können nur beide Tarifparteien.
Und einige AGs haben rechtliche Problem damit übertariflich zu bezahlen.

Die einfachste Lösung wäre, dass die AG Seite (einseitig) die Möglichkeiten der Zulagen gewährt (im Bund wird das durchaus gemacht, habe neulich eine von einer Ausschreibung gehört, da wurde für eine IT Stelle 1000€ Zulage gewährt.)

Landsknecht

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Antw:Technisches Personal
« Antwort #4 am: 13.08.2019 12:57 »
Bei uns wird versucht, Ingenieuren grundsätzlich auch die Verbeamtung anzubieten, die Stellen werden auch schon so ausgeschrieben, z.B. E11/A12. Man hofft die Verbeamtung zieht, tut sie auch teilweise.

JahrhundertwerkTVÖD

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Antw:Technisches Personal
« Antwort #5 am: 13.08.2019 20:18 »
Letztendlich ist das Problem jedem bekannt, aber es ändert sich nichts dran.
Nun kann man das akzeptieren und/oder aussitzen in der Hoffnung es erledigt sich von alleine.
Man kann aber auch darüber diskutieren, in der Hoffnung dass es endlich mal bei den nächsten Verhandlungen angegangen wird.
Dies setzt aber auch voraus dass es als Problem erkannt wird. Nicht eines Einzelnen, sondern von vielen.

Sollte es wirklich der Normalität entsprechen dass mit "Tricks" versucht wird Lösungen zu finden um gutes Personal zu erhalten?
Ich finde der Tarifvertrag sollte so gut sein, dass keine extra Zulagen erforderlich sind.

Max

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Antw:Technisches Personal
« Antwort #6 am: 13.08.2019 23:09 »
Ich finde der Tarifvertrag sollte so gut sein, dass keine extra Zulagen erforderlich sind.
Die meisten AN sind doch angemessen entlohnt. Warum dann die Gießkanne auspacken?
Die Arbeitgeber brauchen mehr Freiheit an die Hand und dann auch den Schneid diese bei Bedarf einzusetzen.

Keeper83

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Antw:Technisches Personal
« Antwort #7 am: 14.08.2019 07:52 »
Also ich denke der Wille war bei den letzten Tarifverhandlungen schon zu erkennen. Ich jedenfalls bin mit den 2 mal über 4 % erstmal nicht unzufrieden. Mehr geht natürlich immer. Und ich vermute von Seiten der Arbeitgeber wäre auch noch mehr gekommen, wenn der Verhandlungspartner nicht der Meinung gewesen wäre "die da oben" haben eh schon genug; wir wollen die Entgelttabelle lieber weiter stauchen als entzerren.

WasDennNun

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Antw:Technisches Personal
« Antwort #8 am: 14.08.2019 07:55 »
Ich finde der Tarifvertrag sollte so gut sein, dass keine extra Zulagen erforderlich sind.
Das würde aber bedeuten, dass die Tarifparteien stärker bei ihrem Schema Denken (gehobener Dienst, höhere Dienst, nur studierte dürfen E13 un mehr bekommen ....) abrücken. Insbesondere für einzelne Arbeitsfelder innerhalb der EGO.

Und noch viel wichtiger: Das man dann, wenn es  wieder genug AN auf dem Markt gibt, Lohnkürzungen in der Tarifverhandlungen durchsetzt.

Klingt nicht praktikabel.


Es ist und bleibt kein Tarifproblem, sondern alleinig ein Problem, dass der AG selbst in Eigenregie lösen kann und sollte.
Er kann jederzeit jedem MA mehr zahlen als TVx als Untergrenze vorschreibt (und das ganze Regional angepasst), so läuft das auch in der freien Wirtschaft! Tarifverträge sind eine untergrenze, nur der öD sieht es als Unter- und Obergrenze an.

Warum solle der ITler auf dem Dorf 1000€ mehr bekommen, er ist ja mit der Joblage zufrieden und warum sollte der ITler im Ballungszentrum nicht 1000€ mehr bekommen, er würde woanders ja noch mehr bekommen.

WasDennNun

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Antw:Technisches Personal
« Antwort #9 am: 14.08.2019 08:01 »
Also ich denke der Wille war bei den letzten Tarifverhandlungen schon zu erkennen. Ich jedenfalls bin mit den 2 mal über 4 % erstmal nicht unzufrieden. Mehr geht natürlich immer. Und ich vermute von Seiten der Arbeitgeber wäre auch noch mehr gekommen, wenn der Verhandlungspartner nicht der Meinung gewesen wäre "die da oben" haben eh schon genug; wir wollen die Entgelttabelle lieber weiter stauchen als entzerren.
Ich denke die AG hätten den Techniker etc gerne noch mehr gegeben, aber die Gewerkschaften wollte mehr Gießkanne und die Gesamtverteilungsmenge ist ja begrenzt und steht idR schon vorher fest.

Spid

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Antw:Technisches Personal
« Antwort #10 am: 14.08.2019 08:05 »
Es ist pauschal eben nicht so, daß AG über Tarif zahlen könnten - ganz gleich, ob sie den Tarifvertrag nur anwenden oder tarifgebunden sind. In mindestens einem Bundesland ist den Kommunen übertarifliche Bezahlung durch Landesrecht untersagt, zudem wird bei institutionellen Zuwendungsempfängern regelmäßig das Besserstellungsverbot in den ANBest oder BesNBest vom Zuwendungsgeber festgeschrieben. Es bedarf also tariflicher Öffnungsklauseln, die dem AG überhaupt erst die Möglichkeit einräumen.

WasDennNun

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Antw:Technisches Personal
« Antwort #11 am: 14.08.2019 10:17 »
Es ist pauschal eben nicht so, daß AG über Tarif zahlen könnten - ganz gleich, ob sie den Tarifvertrag nur anwenden oder tarifgebunden sind. In mindestens einem Bundesland ist den Kommunen übertarifliche Bezahlung durch Landesrecht untersagt, zudem wird bei institutionellen Zuwendungsempfängern regelmäßig das Besserstellungsverbot in den ANBest oder BesNBest vom Zuwendungsgeber festgeschrieben. Es bedarf also tariflicher Öffnungsklauseln, die dem AG überhaupt erst die Möglichkeit einräumen.
Oder eine Änderung am Landesrecht etc.

Spid

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Antw:Technisches Personal
« Antwort #12 am: 14.08.2019 10:22 »
Die ja nicht zur Disposition der Tarifvertragsparteien steht.

Controller

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Antw:Technisches Personal
« Antwort #13 am: 14.08.2019 10:25 »
Ich denke, dass sich das mit der mauen Bewerberlage bald erledigt hat, wenn erst genug Firmen ihre Mitarbeiter auf Kurzarbeit setzen, abbauen oder in Tochtergesellschaften abschieben. Kapitalismus läuft halt zyklisch und gerade bei einem Wirtschaftsabschwung drängen auch Flexible und Hochqualifizierte in die Sicherheit des Öffentlichen Dienstes; so war es doch immer.

Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall und manch ein Jungingenieur, der jetzt noch sein Vorstellungsgespräch bei der Mitteilung des künftigen Entgelts lachend verlässt, wird das noch bitterlich bereuen.

JahrhundertwerkTVÖD

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Antw:Technisches Personal
« Antwort #14 am: 14.08.2019 10:30 »
Vieles was von einigen AN gewollt ist kann und darf nicht umgesetzt werden.

Ist es nicht paradox dass die AN mehr bezahlen wollen, als der Tarifvertrag vorsieht?
Normalerweise sollte es doch genau andersrum sein. AN jammern über den ach so überzogenen Tarifvertrag und über die böse Gewerkschaft die völlig maßlose Forderungen stellt.
Da dem nicht so ist, folgere ich hieraus dass die Gewerkschaft, mal wieder, keinen guten Tarifvertrag abgeschlossen hat.

Bei Gewährung von außertariflichen Zulagen kann der AN ernsthaft Probleme bekommen. So können z.B. auch verschiedene Förderungen nicht mehr gewährt werden.
Natürlich führt die Gewährung von Zulagen auch zu einer Unzufriedenheit der restlichen Belegschaft und es erfolgt eine Flut an Anträgen.

Ein relativ einfacher Schritt wäre ja die Jahressonderzahlung anzugleichen und für alle EG´s einheitlich auf 100% zu erhöhen.
Dies hätte den Vorteil dass Höhergruppierungen auch tatsächliche Höhergruppierungen sind und nicht über die niedrigere Jahressonderzahlung wieder minimiert werden.
Würde auch zu einer Motivation führen.

Klassisches Beispiel:
Laut Tabelle beträgt der monatliche Unterschied zwischen E12/ 5 und E13/5:            121,43 €
Unter Berücksichtigung der Jahressonderzahlung beträgt der monatliche Unterschied: 42,42 €

Ist das wirklich sinnvoll und motivierend für letztendlich 42,42 € brutto/ Monat mehr Verantwortung zu übernehmen?