Beamte und Soldaten > Beamte der Länder und Kommunen

[Allg] Beihilfe zurück fordern, wie lange?

(1/1)

guzmaro:
Guten Tag,

weiß einer wie lange die Beihilfekasse zuunrecht ausbezahlte Beträge wieder zurück fordern kann?
Also sozusagen den Bescheid aufheben kann und einen neuen Senden darf/kann?

inter omnes:
Soweit keine landesrechtlichen Sondervorschriften existieren, richtet sich die Rücknahme nach §§ 48,49a VwVfG.
Eine Frist besteht insofern nicht.

§ 48 Abs. 4 VwVfG bestimmt lediglich, dass die Rücknahme nur innerhalb eines Jahres nach Kenntnis der Behörde erfolgen darf.

Saggse:
Sollte da nicht irgendwann eine gesetzliche Verjährung greifen?

inter omnes:
Der Erstattungsanspruch verjährt grundsätzlich nach 3 Jahren, § 195 BGB analog.
Umstritten sind allerdings die Wechselwirkungen zwischen § 48 Abs. 4 und § 49a VwVfG, weil der Erstattungsanspruch wegen der Rückwirkung bereits vor der Aufhebung des Bewilligungsbescheides entstanden und bereits verjährt sein kann.

Insgesamt handelt es sich um ein hoch umstrittenes Thema in der Rechtswissenschaft, für das es in allen Facetten noch keine ausreichend konkrete Rechtsprechung gibt.

Denklogisch wird man aber eine Verjährung in der Gesamtschau der beiden Normen ablehnen müssen.

Whisper:

--- Zitat von: inter omnes am 20.09.2019 15:13 ---Der Erstattungsanspruch verjährt grundsätzlich nach 3 Jahren, § 195 BGB analog.
Umstritten sind allerdings die Wechselwirkungen zwischen § 48 Abs. 4 und § 49a VwVfG, weil der Erstattungsanspruch wegen der Rückwirkung bereits vor der Aufhebung des Bewilligungsbescheides entstanden und bereits verjährt sein kann.

--- End quote ---
Diese Ausführungen sind nicht korrekt. § 49a VwVfG setzt voraus das eine Aufhebung zuvor erfolgt ist. Die Rückforderung selber ist ein gesonderter Verwaltungsakt. Insofern entsteht der (Erstattungs)Anspruch erst mit dessen Bekanntgabe. Zu diesem Zeitpunkt ist der Anspruch nicht verjährt. Praktisch werden Aufhebung und Rückforderung in einem Schreiben zusammengefasst.

Zur Ausgangsfrage: Es gibt für die Aufhebung von Bescheiden keine zeitliche Obergrenze. Die Entscheidung über die Aufhebung ist jedoch, sofern diese nach VwVfG vorgenommen wird, eine Ermessensentscheidung. Der zeitliche Kontext kann dabei eine Rolle spielen. Es ist immer eine am Einzelfall ausgerichtete Gesamtabwägung durchzuführen.

Navigation

[0] Message Index

Go to full version