Beamte und Soldaten > Beamte der Länder und Kommunen

[TH] Einführung der PAUSCHALEN BEIHILFE in Thüringen ab 01.01.2020

<< < (3/3)

ChrBY:
Zur Illustration noch eine kurze Beispielrechnung für einen 70jährigen Pensionär, der 2000 Euro monatliche Pension erhält. Der volle PKV-Beitrag soll 600 Euro betragen, die Beihilfeergänzungsversicherung, um alle Beihilfelücken zu decken, 50 Euro kosten.

(Diese Zahlen sind sehr realistisch, da ich alle vier eben genannten Zahlen echten, mir vorliegenden Verträgen aus der eigenen Familie entnommen und diese anschließend gerundet habe.)

Dann ergibt sich folgendes Bild:

Beihilfe + 30 % PKV:

PKV-Beitrag (30 % von 600 Euro): 180 Euro
Beihilfeergänzungsversicherung: 50 Euro

Gesamtkosten: 230 Euro

100 % PKV:

PKV-Beitrag (100 % von 600 Euro): 600 Euro
Maximaler Zuschuß (7,75 % von 2000 Euro): 155 Euro

Gesamtkosten: 445 Euro

Der Pensionär zahlt bei identischen Leistungen (Beihilfelücken werden privat abgedeckt) also fast das Doppelte, ohne daß die PKV etwas dafür könnte oder selbst mit noch so guten Konditionen und Tarifen daran irgend etwas ändern könnte.

Bei Familien mit Kindern sind die Kostenunterschiede oft sogar noch extremer.

Karsten:

--- Zitat von: ChrBY am 07.10.2019 23:40 ---Zur Illustration noch eine kurze Beispielrechnung für einen 70jährigen Pensionär, der 2000 Euro monatliche Pension erhält. Der volle PKV-Beitrag soll 600 Euro betragen, die Beihilfeergänzungsversicherung, um alle Beihilfelücken zu decken, 50 Euro kosten.

(Diese Zahlen sind sehr realistisch, da ich alle vier eben genannten Zahlen echten, mir vorliegenden Verträgen aus der eigenen Familie entnommen und diese anschließend gerundet habe.)

Dann ergibt sich folgendes Bild:

Beihilfe + 30 % PKV:

PKV-Beitrag (30 % von 600 Euro): 180 Euro
Beihilfeergänzungsversicherung: 50 Euro

Gesamtkosten: 230 Euro

100 % PKV:

PKV-Beitrag (100 % von 600 Euro): 600 Euro
Maximaler Zuschuß (7,75 % von 2000 Euro): 155 Euro

Gesamtkosten: 445 Euro

Der Pensionär zahlt bei identischen Leistungen (Beihilfelücken werden privat abgedeckt) also fast das Doppelte, ohne daß die PKV etwas dafür könnte oder selbst mit noch so guten Konditionen und Tarifen daran irgend etwas ändern könnte.

Bei Familien mit Kindern sind die Kostenunterschiede oft sogar noch extremer.

--- End quote ---

Danke für die Veranschaulichung!

Wobei es logisch ist, dass ein heutiger Pensionär der seine PKV von einer 30% Teilversicherung auf eine 100% Vollversicherung umsteigt, deutlich höher Beiträge zahlt, trotz plötzlichem Arbeitgeberzuschuss. Denn dieser Arbeitgeberzuschuss (pauschale Beihilfe) bringt nur etwas, wenn er in der Erwerbsphase an die PKV fließt, da hierdurch erheblich mehr Altersrückstellungen für die Pension geschaffen werden können.

Daher das Beispiel für einen jungen Kollegen der zum 01.01.2020 verbeamtet wird und vor der Wahl pauschale Beihilfe oder individuelle Beihilfe steht. Anhand der Beiträge möchte ich nur verdeutlichen, dass keine extremen Abweichungen mehr vorliegen und man keine Variante pauschal ablehnen sollte. Eine individuelle Beratung ist immer sinnvoll.

Beispiel: Thüringer Beamter Einstieg A9, 25 Jahre (gesund, 1 Kind, verheiratet)
Bruttogehalt:  3138.96 €


individuelle Beihilfe
Zahlt beim Marktführer Debeka für eine 50% Beihilfeversicherung mit Beihilfeergänzungstarifen aktuell monatlich 221,43 €  (Tarif B 20K, B 30, WL 20K, WL 30, BG, PVB).

pauschale Beihilfe über PKV
Debeka Beitrag bei 100% Vollversicherung 492,63 €
abzüglich 7,75% Arbeitgeberzuschuss (begrenzt auf max. 50% des Beitrages) -246,32 €
Gesamtbeitrag: 246,31 €

pauschale Beihilfe über GKV
Beitrag GKV (15,5%): 486,54 €
abzüglich 7,75% Arbeitgeberzuschuss  -243,27 €
Gesamtbeitrag: 243,27 €

ChrBY:

--- Zitat von: Karsten am 11.10.2019 13:17 ---Wobei es logisch ist, dass ein heutiger Pensionär der seine PKV von einer 30% Teilversicherung auf eine 100% Vollversicherung umsteigt, deutlich höher Beiträge zahlt, trotz plötzlichem Arbeitgeberzuschuss. Denn dieser Arbeitgeberzuschuss (pauschale Beihilfe) bringt nur etwas, wenn er in der Erwerbsphase an die PKV fließt, da hierdurch erheblich mehr Altersrückstellungen für die Pension geschaffen werden können.
--- End quote ---

Vollkommen korrekt. Ich weise darauf hin, daß mein Rechenbeispiel keinen Spätumsteiger, sondern in beiden Fällen ein identisches Eintrittsalter (also jemanden, der in jungen Jahren in die PKV gewechselt hat) zugrunde legt. Bei Spätumsteigern ginge die Schere noch um ganz andere Größenordnung auseinander. Dann wäre von einem Verhältnis von 230 Euro (mit Beihilfe) zu möglicherweise 800 Euro (100 % PKV) auszugehen. Die Lösung mit individueller Beihilfe ist für einen privatversicherten Beamten also immer (!) die bessere Wahl.



--- Zitat ---pauschale Beihilfe über PKV
Debeka Beitrag bei 100% Vollversicherung 492,63 €
abzüglich 7,75% Arbeitgeberzuschuss (begrenzt auf max. 50% des Beitrages) -246,32 €
Gesamtbeitrag: 246,31 €
--- End quote ---

Leider ist der Arbeitgeberzuschuß im genannten Beispiel auf 243,27 Euro begrenzt. Man würde also keine 246,32 Euro erhalten. Während die 3 Euro Unterschied zunächst fast irrelevant erscheinen, darf man nicht außer acht lassen, daß man nun »am Anschlag« ist, also sämtliche Beitragserhöhungen, PKV-Verträge für Ehefrau, Kinder usw. zu 100 % selbst finanzieren muß, weil der Arbeitgeberzuschuß bereits sein Maximum erreicht hat. Ganz anders beim Beihilfeversicherten: Dort steigen die Zuschüsse in Form höherer Beihilfesätze im Alter, bei Familiengründung usw. überproportional und ohne Deckelung immer weiter an.


--- Zitat ---pauschale Beihilfe über GKV
Beitrag GKV (15,5%): 486,54 €
abzüglich 7,75% Arbeitgeberzuschuss  -243,27 €
Gesamtbeitrag: 243,27 €

--- End quote ---

Dies stimmt so ungefähr (auch wenn bei der Pflegeversicherung noch weitere Verwerfungen bezüglich Behilfesätzen, Zuschüssen, Zuschußdeckelungen, Strafzahlungen in der GPV für Kinderlose usw. in den drei genannten Modellen hinzukommen, die in Summe sehr kostspielig werden können und die Vergleiche verzerren; dies im einzelnen auszuführen würde jedoch den Rahmen hier sprengen), aber man muß immer festhalten: Bis auf akute Notfälle (dann wird man natürlich mit jedem Versicherungsstatus unverzüglich und ohne Einschränkungen behandelt) sind die Leistungen in der GKV eben nicht mit denen der PKV vergleichbar. 243 Euro für Trabant und 243 Euro für Maybach sind leider nicht ganz dasselbe.

Navigation

[0] Message Index

[*] Previous page

Go to full version