Autor Thema: Einschätzung Eingruppierung  (Read 3238 times)

venue

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Antw:Einschätzung Eingruppierung
« Antwort #60 am: 10.01.2020 12:57 »
Es gibt sicherlich Vor- und Nachteile für eine solche Verschriftlichung, sowohl auf Arbeitgeber- als auch auf Arbeitnehmerseite.

Ich stelle es mir aber selbst bei einer schriftlichen Grundlage als unangenehm vor, eine Aufgabe zu verweigern, nur weil sie nicht explizit niedergeschrieben wurde. Hat dies in der Praxis keine negativen Auswirkungen auf die Karriere? Bzw. wenn den Arbeitgebern bewusst ist, dass sie es verschriftlichen müssen, sollten solche Zusatzaufgaben ja gar nicht erst entstehen.

Spid

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Antw:Einschätzung Eingruppierung
« Antwort #61 am: 10.01.2020 13:02 »
Wenn es um eine tatsächliche Tätigkeitsänderung geht und nicht um „machen Sie heute mal die Post, weil Frau Meier 3 Tage auf Fortbildung ist“, erfolgen hier zwei Abmahnungen: eine gegen denjenigen, der etwas anderes tut als das, was ich vorgegeben habe und eine gegen den übergriffigen Vorgesetzten, der sich derlei herausgenommen hat.

Mops

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Antw:Einschätzung Eingruppierung
« Antwort #62 am: 10.01.2020 13:56 »
Bei uns erhält jeder TB als Anlage zum Arbeitsvertrag zur einfachen Erfüllung der Anforderungen des NachwG seine Tätigkeitsdarstellung und -bewertung, aus der sich die Zeitanteile der einzelnen Arbeitsvorgänge ergeben.

Okay, das ist heftig - man lernt ja nie aus. Es lebe die Bürokratie.

Ich find's eigentlich sehr praktisch. Ich kann genau nachlesen, was meine Aufgaben sind (oder ggf. auch eben, welche es nicht sind) und kann mich wenn nötig jederzeit darauf berufen. Bekomme ich neue Aufgaben übertragen, erhalte ich auch dies schriftlich. Ich könnte auch jederzeit nachkontrollieren lassen, ob die Aufgaben, die ich da schriftlich habe, tatsächlich der Rechtsmeinung des Arbeitsgebers zur Eingruppierung entsprechen. Sollte ich Zweifel haben, muss ich nicht wochenlang grübeln, denn ich habe es schriftlich vorliegen und es ist jederzeit einer Prüfung zugänglich.

Eben. Ich hatte bislang im Forum auch durchaus den Eindruck, daß sich die meisten wünschten, ihr AG würde so verfahren.

Ja, das hätte ich mir seinerzeit gewünscht. Kann der AN solch einen Nachweis nachträglich, ggf. noch nach Jahren, von seinem AG anfordern? Ist dieser zur Herausgabe der Tätigkeitsdarstellung und -bewertung verpflichtet? Vielen Dank.

Spid

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Antw:Einschätzung Eingruppierung
« Antwort #63 am: 10.01.2020 14:02 »
Nein. Es gibt nur die Verpflichtung aus dem NachwG und diese liegt weit unter TD und TB. Es handelt sich jedoch um den verwaltungssparsamsten Weg, der Rechtspflicht nachzukommen, da ohnehin für die Bildung der Rechtsmeinung vorhanden.

Kaffeetassensucher

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Antw:Einschätzung Eingruppierung
« Antwort #64 am: 13.01.2020 11:54 »
Ich stelle es mir aber selbst bei einer schriftlichen Grundlage als unangenehm vor, eine Aufgabe zu verweigern, nur weil sie nicht explizit niedergeschrieben wurde. Hat dies in der Praxis keine negativen Auswirkungen auf die Karriere? Bzw. wenn den Arbeitgebern bewusst ist, dass sie es verschriftlichen müssen, sollten solche Zusatzaufgaben ja gar nicht erst entstehen.

Es ist ja nicht so, dass ich hier mit meinem Exemplar vor der Nase herumrenne und bei jedem Kleinkram, der nicht explizit drinsteht, sage "nein, mache ich nicht". Es gibt mir aber die Sicherheit, dass, wenn irgendwas geplant ist, was so offensichtlich gegen das verstößt, was ich eigentlich tun soll, ich dort reinschauen und es ansprechen kann. Und zwar ehe es zur "Gewohnheit" wird.
Oder falls sich im Alltagsbetrieb Tätigkeiten schleichend verschoben haben, hineinschauen kann, um zu schauen, ob das überhaupt noch so den übertragenen Aufgaben entspricht.

Einem "das hat sich halt so nach und nach ergeben und jetzt mache ich etwas anderes als das, wofür ich bezahlt werde" lässt sich auf diese Weise besser vorbeugen.