Autor Thema: Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion  (Read 184672 times)

daseinsvorsorge

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #1830 am: 02.09.2020 12:24 »
Wer als Verhandlungspartner mit solchen Mini-Forderungen in Verhandlungen reingeht, sollte sich nicht wundern, wenn er mit einem warmen Händedruck herauskommt.

Sofern Sie "freier AN" sind -Mit welchen Forderungen sind sie denn in die Verhandlungen mit ihrem Arbeitgeber gegangen? Gibt es schon Zwischenergebnisse ?

Organisator

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #1831 am: 02.09.2020 12:26 »
Ich glaube eher, dass die AG-Seite wieder mal das Kotzen kriegt bei der Forderung der Gewerkschaften, da diese - wie immer - kein einziges strukturelles Problem, das wir im ÖD haben, lösen wird.

Es ist ja auch nicht Aufgabe der AN-Seite, die strukturellen Probleme des ÖD anzugehen. Erst recht nicht in Tarifverhandlungen. Die Evolution der Strukturen ist ganz klar AG-Aufgabe.

MrRossi

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #1832 am: 02.09.2020 12:27 »
Zum einen möchte ich loswerden, dass die nichtorganiesierten Kolleginnen und Kollegen die größten Meckerfritzen sind. Bisher haben sie deutlich von den Erhöhungen profitiert und noch nie einen Finger dafür krum gemacht. Statt wie Klugscheißer zu agieren, wäre eine sachliche Alternative ratsam.

Die nichtorganisierten AN - ich spreche auch immer gerne von freien AN - haben ihre Erhöhungen allesamt höchstselbst verhandelt, indem sie eine entsprechende Klausel in ihrem Arbeitsvertrag verhandelt haben. Das ist allein ihr Verdienst, Gewerkschaften haben dazu überhaupt nichts beigetragen.
Und diese Klausel beteiligt sie nicht an den Ergebnissen die in den Tarifverhandlungen herauskommen, sondern Abweichende?

Spid

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #1833 am: 02.09.2020 12:28 »
Diese Klausel führt exakt zu dem Ergebnis, das die Arbeitsvertragsparteien darin vereinbart haben.

Schokobon

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« Antwort #1834 am: 02.09.2020 12:31 »
Ich glaube eher, dass die AG-Seite wieder mal das Kotzen kriegt bei der Forderung der Gewerkschaften, da diese - wie immer - kein einziges strukturelles Problem, das wir im ÖD haben, lösen wird.

Es ist ja auch nicht Aufgabe der AN-Seite, die strukturellen Probleme des ÖD anzugehen. Erst recht nicht in Tarifverhandlungen. Die Evolution der Strukturen ist ganz klar AG-Aufgabe.
Zustimmung.
Dann muss man attestieren, dass die AG-Seite seit Jahrzehnten ebenfalls versagt hat.

Bastel

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #1835 am: 02.09.2020 12:45 »
Ich bin mal gespannt, was man den Sparkassen abtrotzt.

fireron

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #1836 am: 02.09.2020 12:45 »
Hallo Zusammen,

habe erst heute (urlaubsbedingt) von den Forderungen erfahren und muss sagen, dass ich schon etwas enttäuscht bin. Nicht über die Höhe der Forderungen, sondern eher, dass man eine Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit überhaupt nicht in Betracht zieht.

Warum macht man eine Umfrage (letztes Jahr im Sommer seitens Verdi), bei der dieses Thema aufgegriffen wird, um es dann bei den Forderungen unter den Tisch fallen zu lassen?

Bei den Eisenbahnern hat man schon länger ein interessantes Wahlrecht ausgehandelt:

https://www.evg-online.org/meldungen/details/news/7924/

Warum dem AN nicht die Wahl zwischen Entgelterhöhung oder Reduzierung der wöchentl. Arbeitszeit / mehr Urlaub lassen? (Ohne offiziellen Teilzeitantrag)

Die AG-Seite kommt immer mit dem Argument, alles ist zu teuer, kein Geld ist vorhanden.

Wenn dann aber der AN seine Arbeitszeit reduziert und dem AG dadurch nicht mehr kostet (aufgrund des Wahlrechts), dann verliert das "Kosten-Argument" schnell an Bedeutung.
Die Aussage, es ist trotzdem teurer, weil dann anderweitig die Arbeit abgefangen werden muss, z.B. durch zusätzliche Arbeitskräfte/höhere Belastung der Kollegen, kann man nicht gelten lassen. Es gibt im öffentlichen Dienst keine AGs bei denen alle AN zu 100% ausgelastet sind.

Wenn es AN gibt, die zu 100% ausgelastet sind, läuft generell was schief und der AG provoziert förmlich einen Burnout. Letzten Endes deckt dies doch nur die Schwächen auf AG-Seite auf und in der Organisation (Arbeitsverteilung).

Klar, man kann auch ohne Wahlrecht auf Teilzeit gehen, aber warum nicht einfach mal die zeitliche Aufteilung der "Work-Life-Balance" verbessern und eine größere Bedeutung geben?

Die Rente mit 70 kommt doch eh. Also, warum dann leben, um zu arbeiten? Das ist ein ganz falscher Ansatz. By the way kann man sicherlich auch mal für alle ein Lebens-Arbeitszeit-Konto einführen. Das geht natürlich nicht, weil man dem System dienen muss.

Entschuldigung für den emotionalen Ausflug. Generell warum nicht mehrere Forderungen mit in die Verhandlungen nehmen, auch wenn es dann nur als "Streichmasse" dient.

Freundliche Grüße,
fireron

KeuleMS

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« Antwort #1837 am: 02.09.2020 12:49 »
Ja die Gewerkschaften kämpfen nur für Ihre Mitglieder. Dieser Fakt ist wohl unumstößlich. Aber sowohl die Gewerkschaften als auch die AG wissen, dass sich das Tarifergebnis nicht nur auf die Mitglieder niederschlägt. Ich kenne zumindest keinen AG, der dann das Ergebnis der Verhandlungen für die Mitglieder umsetzt und für alle anderen nicht. Bei den Mitteilungen zu den Verhandlungen wird meines Wissens nach auch immer von Tarifbeschäftigten gesprochen und nicht von Gewerkschaftsmitglieder. Also rein formal gibt es da Unterschiede aber rein praktisch werden die Mitglieder und Nicht-Mitglieder meistens in einem Unternehmen meist gleich behandelt. Und ja die Nicht-Mitglieder können sich dann freuen, dass sie keinen Gewerkschaftsbeitrag zahlen aber trotzdem das Tarifergebnis bekommen.

kommunalhesse

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« Antwort #1838 am: 02.09.2020 12:50 »
Das absolute Highlight an Nonsens ist doch wieder diese unselige Mindestforderung von xyz €. Das stößt doch von vornherein die meisten AN vor den Kopf. Darauf verzichtet und die 4,8% rücken auch ein bisschen näher. Zumal es schlichtweg unsinnig ist zu behaupten, wer viel fordert bekommt auch viel. Das Ergebnis wird nicht anders ausfallen, egal ob 4,8% oder 40,8% gefordert werden, weil eben Geld nur in einem bestimmten Maße vorhanden sein wird. Aber immer und immer wieder die ach so vergessenen, armen Kleinen, die jetzt schon deutlich mehr als vergleichbare Berufsbilder außerhalb des öD verdienen, übervorteilen zu wollen, dass drückt am Ende das Ergebnis. Und das merken alle. Das lässt sich auch mit Solidarität nicht mehr erklären.
Da brauchen sich die Gewerkschaften nicht über Mitgliederschwund zu wundern.
In jedem Jahr, in dem diese Kommunismuspauschalen abgewehrt und stattdessen strukturell notwendige, prozentuale Erhöhungen vereinbart worden sind, haben die AG zumindest die Probleme im öD nicht weiter bzw. unnötig verschärft. Dabei schaue man sich den letzten Abschluss an, auch wenn das noch lange nicht das gelbe vom Ei war.

Spid

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« Antwort #1839 am: 02.09.2020 12:59 »
Ja die Gewerkschaften kämpfen nur für Ihre Mitglieder. Dieser Fakt ist wohl unumstößlich. Aber sowohl die Gewerkschaften als auch die AG wissen, dass sich das Tarifergebnis nicht nur auf die Mitglieder niederschlägt. Ich kenne zumindest keinen AG, der dann das Ergebnis der Verhandlungen für die Mitglieder umsetzt und für alle anderen nicht. Bei den Mitteilungen zu den Verhandlungen wird meines Wissens nach auch immer von Tarifbeschäftigten gesprochen und nicht von Gewerkschaftsmitglieder. Also rein formal gibt es da Unterschiede aber rein praktisch werden die Mitglieder und Nicht-Mitglieder meistens in einem Unternehmen meist gleich behandelt. Und ja die Nicht-Mitglieder können sich dann freuen, dass sie keinen Gewerkschaftsbeitrag zahlen aber trotzdem das Tarifergebnis bekommen.

Bereits die Annahme, der AG könne sich die "Umsetzung" für die freien AN aussuchen, zeugt von einer völligen Unkenntnis der rechtlichen Rahmenbedingungen. Die Arbeitsvertragsparteien haben im Arbeitsvertrag Regelungen verhandelt und vereinbart. Wenn diese die Übertragung eines Tarifergebnisses vorsehen, dann ist das umzusetzen - und zwar deshalb, weil es die Arbeitsvertragsparteien so vereinbart haben. Gewerkschaften haben nichts damit zu tun. Die Tarifverhandlungen werden auch nicht für x Millionen Beschäftigte im öD geführt, sondern allein für die tarifgebundenen AN und AG. Ob die AG ihre einzelvertraglich getroffenen Verpflichtungen dabei im Hinterkopf haben oder nicht, ist deren Problem. Und die Gewerkschaften haben schlicht kein Mandat, für andere als ihre Mitglieder etwas zu fordern. Die Verdi-Vertreter sollten sich hinstellen und sagen: "Wir vertreten 571 TB bundesweit, vorwiegend Postwagenschubser und Spülhilfen. Eine Erhöhung der vom Tarifvertrag erfassten AN um 7,5% kostet etwa 1,5 Mio. € pro Jahr insgesamt."

qucksilver01

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« Antwort #1840 am: 02.09.2020 13:10 »
was sollte einen nicht organisierten denn in die Gewerkschaft treiben? Es gibt überhaupt keinen vernünftigen Grund sich bei Verdi zu beteiligen !
Wenn ich 4,8 % fordere sollten auch 4,8 % in der Lohntüte sein. Die Gewerkschaften sollten den Verhandlungspartnern klar machen welche Konsequenz ein Warnstreik für die Kindergärten und Schulen mit sich bringen würde. Geld ist jede Menge vorhanden, machen wir uns mal nix vor... daran kann es ja nicht liegen. Die kommunen sollten sich mal Hinterfragen welch aufgeblähten Apparat sie die letzten Jahre aufgebaut haben (Selbstreflektion).

KeuleMS

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« Antwort #1841 am: 02.09.2020 13:14 »
Zweiter Punkt ist, dass nicht alle Berufe im öffentlichen Dienst systemrelevant waren und sind. Wie viele haben zu Hause am PC geseesen und Daumen gedreht.

"Was ich denk und tu, traue ich auch anderen zu." Das ist schon frech den Leuten vom Home Office zu unterstellen, dass sie zu Hause nur Däumchen drehen.
Ich musste auch 2 Wochen im Home Office arbeiten aber ich hätte lieber an meinem Schreibtisch gearbeitet. Ich hatte in der Zeit die gleiche Arbeit zu erledigen (es ist durch Corona nicht weniger geworden) aber mit einer noch am Anfang stehenden Digitalisierung ist das deutlich schrieriger zu handeln als im Büro. Zusätzlich kam dann noch die nebenbei zu erledigenden privaten Aufgaben bezüglich Kinderbetreuung dazu. Rein psychisch also noch eine zusätzliche Belastung gegenüber dem Büro. Also von Däumchen drehen kann wirklich kene Rede sein.

Schokobon

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« Antwort #1842 am: 02.09.2020 13:21 »
Um es nochmal einzuwerfen, weil es immer wieder ausformuliert wird:
Die Kassenlage "der Kommunen" anzuführen ist totaler Unsinn, da es nicht "die Kommunen" gibt.
Meinem Arbeitgeber geht es finanziell blendend.
Der könnte auch eine Tariferhöhung um 10% im ersten Jahr locker mitgehen. Und würde dies im Sinne einer vernünftigen Fachkräftegewinnung auch gerne tun.

kommunalhesse

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« Antwort #1843 am: 02.09.2020 13:26 »
Um es nochmal einzuwerfen, weil es immer wieder ausformuliert wird:
Die Kassenlage "der Kommunen" anzuführen ist totaler Unsinn, da es nicht "die Kommunen" gibt.
Meinem Arbeitgeber geht es finanziell blendend.
Der könnte auch eine Tariferhöhung um 10% im ersten Jahr locker mitgehen. Und würde dies im Sinne einer vernünftigen Fachkräftegewinnung auch gerne tun.

Ganz ähnlich sieht es bei uns aus. Gar eine Verdopplung der Gehälter fiele bei den jährlichen Gesamtausgaben kaum ins Gewicht und würde den Haushalt nur unmerklich belasten.

KeuleMS

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« Antwort #1844 am: 02.09.2020 13:33 »
Ja die Gewerkschaften kämpfen nur für Ihre Mitglieder. Dieser Fakt ist wohl unumstößlich. Aber sowohl die Gewerkschaften als auch die AG wissen, dass sich das Tarifergebnis nicht nur auf die Mitglieder niederschlägt. Ich kenne zumindest keinen AG, der dann das Ergebnis der Verhandlungen für die Mitglieder umsetzt und für alle anderen nicht. Bei den Mitteilungen zu den Verhandlungen wird meines Wissens nach auch immer von Tarifbeschäftigten gesprochen und nicht von Gewerkschaftsmitglieder. Also rein formal gibt es da Unterschiede aber rein praktisch werden die Mitglieder und Nicht-Mitglieder meistens in einem Unternehmen meist gleich behandelt. Und ja die Nicht-Mitglieder können sich dann freuen, dass sie keinen Gewerkschaftsbeitrag zahlen aber trotzdem das Tarifergebnis bekommen.

Bereits die Annahme, der AG könne sich die "Umsetzung" für die freien AN aussuchen, zeugt von einer völligen Unkenntnis der rechtlichen Rahmenbedingungen. Die Arbeitsvertragsparteien haben im Arbeitsvertrag Regelungen verhandelt und vereinbart. Wenn diese die Übertragung eines Tarifergebnisses vorsehen, dann ist das umzusetzen - und zwar deshalb, weil es die Arbeitsvertragsparteien so vereinbart haben. Gewerkschaften haben nichts damit zu tun. Die Tarifverhandlungen werden auch nicht für x Millionen Beschäftigte im öD geführt, sondern allein für die tarifgebundenen AN und AG. Ob die AG ihre einzelvertraglich getroffenen Verpflichtungen dabei im Hinterkopf haben oder nicht, ist deren Problem. Und die Gewerkschaften haben schlicht kein Mandat, für andere als ihre Mitglieder etwas zu fordern. Die Verdi-Vertreter sollten sich hinstellen und sagen: "Wir vertreten 571 TB bundesweit, vorwiegend Postwagenschubser und Spülhilfen. Eine Erhöhung der vom Tarifvertrag erfassten AN um 7,5% kostet etwa 1,5 Mio. € pro Jahr insgesamt."

Die rechtlichen Rahmenbedingungen sind schon klar und entscheidend ist der Arbeitsvertrag ja. Es gibt aber in den Firmen Beschäftigte, die Gewerkschaftsmitglieder sind und Beschäftigte, die keine Mitglieder sind. Alle haben aber den gleichen Arbeitsvertrag, in dem steht, dass nach TVÖD entlohnt wird. Somit wird das Tarifergebnis auch auf die Nicht-Mitglieder umgesetzt, für die die Gewerkschaft ja aber eigentlich gar nicht kämpft. Da haben die Gewerkschaften nichts mit zu tun aber letztendlich wissen sie das schon. Die Diskrepanz zwischen Gewerkschaftsmitglieder und Tarifbeschäftigten (für die dann trotzdem der Abschluss gilt) ist sicher nicht gerade klein.