Autor Thema: Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion  (Read 380639 times)

Spid

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #1830 am: 02.09.2020 12:59 »
Ja die Gewerkschaften kämpfen nur für Ihre Mitglieder. Dieser Fakt ist wohl unumstößlich. Aber sowohl die Gewerkschaften als auch die AG wissen, dass sich das Tarifergebnis nicht nur auf die Mitglieder niederschlägt. Ich kenne zumindest keinen AG, der dann das Ergebnis der Verhandlungen für die Mitglieder umsetzt und für alle anderen nicht. Bei den Mitteilungen zu den Verhandlungen wird meines Wissens nach auch immer von Tarifbeschäftigten gesprochen und nicht von Gewerkschaftsmitglieder. Also rein formal gibt es da Unterschiede aber rein praktisch werden die Mitglieder und Nicht-Mitglieder meistens in einem Unternehmen meist gleich behandelt. Und ja die Nicht-Mitglieder können sich dann freuen, dass sie keinen Gewerkschaftsbeitrag zahlen aber trotzdem das Tarifergebnis bekommen.

Bereits die Annahme, der AG könne sich die "Umsetzung" für die freien AN aussuchen, zeugt von einer völligen Unkenntnis der rechtlichen Rahmenbedingungen. Die Arbeitsvertragsparteien haben im Arbeitsvertrag Regelungen verhandelt und vereinbart. Wenn diese die Übertragung eines Tarifergebnisses vorsehen, dann ist das umzusetzen - und zwar deshalb, weil es die Arbeitsvertragsparteien so vereinbart haben. Gewerkschaften haben nichts damit zu tun. Die Tarifverhandlungen werden auch nicht für x Millionen Beschäftigte im öD geführt, sondern allein für die tarifgebundenen AN und AG. Ob die AG ihre einzelvertraglich getroffenen Verpflichtungen dabei im Hinterkopf haben oder nicht, ist deren Problem. Und die Gewerkschaften haben schlicht kein Mandat, für andere als ihre Mitglieder etwas zu fordern. Die Verdi-Vertreter sollten sich hinstellen und sagen: "Wir vertreten 571 TB bundesweit, vorwiegend Postwagenschubser und Spülhilfen. Eine Erhöhung der vom Tarifvertrag erfassten AN um 7,5% kostet etwa 1,5 Mio. € pro Jahr insgesamt."

qucksilver01

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #1831 am: 02.09.2020 13:10 »
was sollte einen nicht organisierten denn in die Gewerkschaft treiben? Es gibt überhaupt keinen vernünftigen Grund sich bei Verdi zu beteiligen !
Wenn ich 4,8 % fordere sollten auch 4,8 % in der Lohntüte sein. Die Gewerkschaften sollten den Verhandlungspartnern klar machen welche Konsequenz ein Warnstreik für die Kindergärten und Schulen mit sich bringen würde. Geld ist jede Menge vorhanden, machen wir uns mal nix vor... daran kann es ja nicht liegen. Die kommunen sollten sich mal Hinterfragen welch aufgeblähten Apparat sie die letzten Jahre aufgebaut haben (Selbstreflektion).

KeuleMS

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« Antwort #1832 am: 02.09.2020 13:14 »
Zweiter Punkt ist, dass nicht alle Berufe im öffentlichen Dienst systemrelevant waren und sind. Wie viele haben zu Hause am PC geseesen und Daumen gedreht.

"Was ich denk und tu, traue ich auch anderen zu." Das ist schon frech den Leuten vom Home Office zu unterstellen, dass sie zu Hause nur Däumchen drehen.
Ich musste auch 2 Wochen im Home Office arbeiten aber ich hätte lieber an meinem Schreibtisch gearbeitet. Ich hatte in der Zeit die gleiche Arbeit zu erledigen (es ist durch Corona nicht weniger geworden) aber mit einer noch am Anfang stehenden Digitalisierung ist das deutlich schrieriger zu handeln als im Büro. Zusätzlich kam dann noch die nebenbei zu erledigenden privaten Aufgaben bezüglich Kinderbetreuung dazu. Rein psychisch also noch eine zusätzliche Belastung gegenüber dem Büro. Also von Däumchen drehen kann wirklich kene Rede sein.

Schokobon

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« Antwort #1833 am: 02.09.2020 13:21 »
Um es nochmal einzuwerfen, weil es immer wieder ausformuliert wird:
Die Kassenlage "der Kommunen" anzuführen ist totaler Unsinn, da es nicht "die Kommunen" gibt.
Meinem Arbeitgeber geht es finanziell blendend.
Der könnte auch eine Tariferhöhung um 10% im ersten Jahr locker mitgehen. Und würde dies im Sinne einer vernünftigen Fachkräftegewinnung auch gerne tun.

kommunalhesse

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« Antwort #1834 am: 02.09.2020 13:26 »
Um es nochmal einzuwerfen, weil es immer wieder ausformuliert wird:
Die Kassenlage "der Kommunen" anzuführen ist totaler Unsinn, da es nicht "die Kommunen" gibt.
Meinem Arbeitgeber geht es finanziell blendend.
Der könnte auch eine Tariferhöhung um 10% im ersten Jahr locker mitgehen. Und würde dies im Sinne einer vernünftigen Fachkräftegewinnung auch gerne tun.

Ganz ähnlich sieht es bei uns aus. Gar eine Verdopplung der Gehälter fiele bei den jährlichen Gesamtausgaben kaum ins Gewicht und würde den Haushalt nur unmerklich belasten.

KeuleMS

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« Antwort #1835 am: 02.09.2020 13:33 »
Ja die Gewerkschaften kämpfen nur für Ihre Mitglieder. Dieser Fakt ist wohl unumstößlich. Aber sowohl die Gewerkschaften als auch die AG wissen, dass sich das Tarifergebnis nicht nur auf die Mitglieder niederschlägt. Ich kenne zumindest keinen AG, der dann das Ergebnis der Verhandlungen für die Mitglieder umsetzt und für alle anderen nicht. Bei den Mitteilungen zu den Verhandlungen wird meines Wissens nach auch immer von Tarifbeschäftigten gesprochen und nicht von Gewerkschaftsmitglieder. Also rein formal gibt es da Unterschiede aber rein praktisch werden die Mitglieder und Nicht-Mitglieder meistens in einem Unternehmen meist gleich behandelt. Und ja die Nicht-Mitglieder können sich dann freuen, dass sie keinen Gewerkschaftsbeitrag zahlen aber trotzdem das Tarifergebnis bekommen.

Bereits die Annahme, der AG könne sich die "Umsetzung" für die freien AN aussuchen, zeugt von einer völligen Unkenntnis der rechtlichen Rahmenbedingungen. Die Arbeitsvertragsparteien haben im Arbeitsvertrag Regelungen verhandelt und vereinbart. Wenn diese die Übertragung eines Tarifergebnisses vorsehen, dann ist das umzusetzen - und zwar deshalb, weil es die Arbeitsvertragsparteien so vereinbart haben. Gewerkschaften haben nichts damit zu tun. Die Tarifverhandlungen werden auch nicht für x Millionen Beschäftigte im öD geführt, sondern allein für die tarifgebundenen AN und AG. Ob die AG ihre einzelvertraglich getroffenen Verpflichtungen dabei im Hinterkopf haben oder nicht, ist deren Problem. Und die Gewerkschaften haben schlicht kein Mandat, für andere als ihre Mitglieder etwas zu fordern. Die Verdi-Vertreter sollten sich hinstellen und sagen: "Wir vertreten 571 TB bundesweit, vorwiegend Postwagenschubser und Spülhilfen. Eine Erhöhung der vom Tarifvertrag erfassten AN um 7,5% kostet etwa 1,5 Mio. € pro Jahr insgesamt."

Die rechtlichen Rahmenbedingungen sind schon klar und entscheidend ist der Arbeitsvertrag ja. Es gibt aber in den Firmen Beschäftigte, die Gewerkschaftsmitglieder sind und Beschäftigte, die keine Mitglieder sind. Alle haben aber den gleichen Arbeitsvertrag, in dem steht, dass nach TVÖD entlohnt wird. Somit wird das Tarifergebnis auch auf die Nicht-Mitglieder umgesetzt, für die die Gewerkschaft ja aber eigentlich gar nicht kämpft. Da haben die Gewerkschaften nichts mit zu tun aber letztendlich wissen sie das schon. Die Diskrepanz zwischen Gewerkschaftsmitglieder und Tarifbeschäftigten (für die dann trotzdem der Abschluss gilt) ist sicher nicht gerade klein.

Spid

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #1836 am: 02.09.2020 13:36 »
Für die gilt nicht der Abschluss, für die gilt, was sie höchstselbst verhandelt haben.

Und warum genau lassen sich die Gewerkschaften von den AG Kosten für AN vorhalten, mit denen sie gar nichts zu tun haben?

Saggse

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« Antwort #1837 am: 02.09.2020 13:44 »
Für die gilt nicht der Abschluss, für die gilt, was sie höchstselbst verhandelt haben.

Und warum genau lassen sich die Gewerkschaften von den AG Kosten für AN vorhalten, mit denen sie gar nichts zu tun haben?
Ich gebe zu, das hat jetzt bei mir 'ne Weile gedauert, um komplett durchzusickern, aber die Argumentation ist verdammt gut. ;-)

KeuleMS

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« Antwort #1838 am: 02.09.2020 14:15 »
Dann ist es bei mir noch nicht durchgesickert.
Warum sie sich das vorhalten lassen weiß ich nicht und das ist dann ja auch deren Problem.

Für die gilt nicht der Abschluss, für die gilt, was sie höchstselbst verhandelt haben.
Sie haben nichts höchstselbst ausgehandelt. Sie haben einfach nur den gleichen Arbeitsvertrag unterschrieben.

Spid

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« Antwort #1839 am: 02.09.2020 14:18 »
Selbstverständlich haben sie den Arbeitsvertrag höchstselbst ausgehandelt. Der Arbeitsvertrag ist das Ergebnis von Verhandlungen der Parteien. Das gilt auch dann, wenn eine Partei das erste Angebot der anderen Partei annimmt.

BAT

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« Antwort #1840 am: 02.09.2020 14:37 »
Um es nochmal einzuwerfen, weil es immer wieder ausformuliert wird:
Die Kassenlage "der Kommunen" anzuführen ist totaler Unsinn, da es nicht "die Kommunen" gibt.
Meinem Arbeitgeber geht es finanziell blendend.
Der könnte auch eine Tariferhöhung um 10% im ersten Jahr locker mitgehen. Und würde dies im Sinne einer vernünftigen Fachkräftegewinnung auch gerne tun.

In meiner Wohnortkommune gibt es Gewerbesteuerausfälle von etwa 16 Mio. Euro (etwa 40 Prozent der im Haushalt veranschlagten Summe). Das fehlende Geld nehmen wir auch aus der "Portokasse".

MrRossi

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #1841 am: 02.09.2020 14:43 »
Selbstverständlich haben sie den Arbeitsvertrag höchstselbst ausgehandelt. Der Arbeitsvertrag ist das Ergebnis von Verhandlungen der Parteien. Das gilt auch dann, wenn eine Partei das erste Angebot der anderen Partei annimmt.
In Bezug auf die Entgelterhöhungen haben sie faktisch nichts, rein garnichts ausgehandelt. Sie haben sich nur den Forderungen und Ergebnissen "der Verhandelnden" unterworfen, soweit Sie, wie in den meisten Fällen, keine außertarifliche Bezahlung vereinbart haben.

Spid

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« Antwort #1842 am: 02.09.2020 14:49 »
Selbstverständlich haben sie in Bezug auf die Entgelterhöhungen etwas ausgehandelt - und zwar dahingehend, als daß diese auf die Anwendung finden.

Arno-Nühm

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« Antwort #1843 am: 02.09.2020 14:58 »
was sollte einen nicht organisierten denn in die Gewerkschaft treiben? Es gibt überhaupt keinen vernünftigen Grund sich bei Verdi zu beteiligen !
Wenn ich 4,8 % fordere sollten auch 4,8 % in der Lohntüte sein. Die Gewerkschaften sollten den Verhandlungspartnern klar machen welche Konsequenz ein Warnstreik für die Kindergärten und Schulen mit sich bringen würde. Geld ist jede Menge vorhanden, machen wir uns mal nix vor... daran kann es ja nicht liegen. Die kommunen sollten sich mal Hinterfragen welch aufgeblähten Apparat sie die letzten Jahre aufgebaut haben (Selbstreflektion).

Wer bei DIESEN Tarifabschlüssen noch 1% seines Bruttomonatsgehaltes zu Verdi trägt, dem ist nicht mehr zu helfen...

Saggse

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« Antwort #1844 am: 02.09.2020 14:58 »
Dann ist es bei mir noch nicht durchgesickert.
Warum sie sich das vorhalten lassen weiß ich nicht und das ist dann ja auch deren Problem.

Für die gilt nicht der Abschluss, für die gilt, was sie höchstselbst verhandelt haben.
Sie haben nichts höchstselbst ausgehandelt. Sie haben einfach nur den gleichen Arbeitsvertrag unterschrieben.
Was Spid sagen will, ist, dass es die Arbeitgeber sind und waren, die dafür verantwortlich sind, haufenweise Nicht-Gewerkschaftsmitglieder an der Backe zu haben, auf die das mit den Gewerkschaften ausgehandelte Tarifergebnis ebenfalls anzuwenden ist. Das kann den Gewerkschaften aber schnurzpiepegal sein, da sie mit dieser Entscheidung rein gar nichts zu tun haben. Ich versuche mal eine Analogie:

Mein Nachbar hat sich - aus welchen Gründen auch immer - gegenüber unserem gemeinsamen Autohändler verpflichtet, stets exakt das gleiche Auto zu erwerben, was ich erwerbe. Wenn ich jetzt im Lotto gewinne und mir einen Ferrari kaufe, hat mir gefälligst niemand einen Vorwurf zu machen, weil mein armer Nachbar jetzt vor dem Bankrott steht.