Autor Thema: Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion  (Read 329130 times)

Insider2

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #2700 am: 24.09.2020 09:12 »
Finanzvermögen des Staates steigt um fast 40 Milliarden Euro
 
Berlin, 24. Sep (Reuters) - Das Finanzvermögen des deutschen Staates ist vor der Corona-Krise spürbar gestiegen. Der Bestand an Bargeld, Einlagen, Wertpapieren, Ausleihungen sowie sonstigen Forderungen summierte sich Ende 2019 auf 964,4 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Das sind 4,3 Prozent oder 39,9 Milliarden Euro mehr als Ende 2018. Damit wurde der höchste Wert seit Beginn der Berechnungen 2010 erreicht. Dem stehen allerdings auch Schulden der öffentlichen Hand von rund zwei Billionen Euro gegenüber.

Alle staatlichen Ebenen steigerten ihr Finanzvermögen. Der Bund kam auf ein Plus von 1,7 Prozent oder 5,6 Milliarden auf 326,2 Milliarden Euro. Diese Entwicklung geht insbesondere auf einen Anstieg bei der sogenannten "Bad Bank" FMS Wertmanagement AöR zurück, der staatlichen Abwicklungsgesellschaft der ehemaligen Hypo Real Estate (HRE). Die Kommunen verzeichneten ein Plus von 2,6 Prozent auf 209,9 Milliarden Euro. Die Sozialversicherung meldete einen Zuwachs von 6,1 Prozent auf 177,0 Milliarden Euro.

Das Finanzvermögen der Länder erhöhte sich um 8,1 Prozent oder 18,8 Milliarden auf 251,3 Milliarden Euro. Allerdings verlief die Entwicklung in den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich. Bremen verzeichnete mit 84,0 Prozent den größten Anstieg, gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern (+17,5 Prozent) und Berlin (+15,1). "Der starke Anstieg in Bremen ist hauptsächlich in einer Erhöhung der zu hinterlegenden Barsicherheiten für Derivat-Geschäfte begründet", hieß es.

obelix

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #2701 am: 24.09.2020 09:14 »
Ich muss jetzt meinem Ärger mal Luft machen. Dass sich die Arbeitgeber nicht schämen?! In den Zeiten der Krise haben viele Mitarbeiter des ÖD dieses Land am Laufen gehalten. Egal ob Müllmänner/Frauen, Erzieher oder Pflegekräfte... Da stellt sich ein Bundesinnenminister hin und sagt: Ja die Forderungen seien schon auch ein bisschen berechtigt, aber leider sei kein Geld da.
Das kann ich nicht fassen. In Zeiten der Bankenkrise wurden diese mit Milliardenbeiträgen gerettet. Oder jetzt TUI und Lufthansa.
Aber für die Kollegen, die jeden Tag dafür sorgen, dass diese Land funktioniert sei kein Geld da??? Es wird wirklich Zeit darüber nachzudenken, was denn wirklich wichtig ist. Der Pflegenotstand ist allen bekannt und es ist genau so gekommen wie ich befürchtet habe. das Balkongeklatsche war für den...
Ich finde das Vorgehen der Arbeitgeber höchst unanständig!

Muckel

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #2702 am: 24.09.2020 09:38 »
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/post-tarifeinigung-101.html

Mit selbigen rechne ich für den öD.... Forderung war 5,5% auf 12 Monaten herausgekommen sind 24 Monate mit 3 und 2 Prozent... hinzu kommt witziger Weise, dass die Erhöhung erst ab Januar kommt.

Im Videotext TV stand gestern noch zusätzlich einmalig €300 im November 2020 für alle bei der Post Festangestellten.

Trotzdem Zynismus der öffentlichen Kommentare. Waldorf-Mathematik für Lernschwache.
Gefordert waren 5,5% Laufzeit 12 Monate.

Erfolgreich erstritten wurden seitens der ARBEITGEBER somit:
3% Laufzeit 12 Monate  plus
2% Laufzeit 12 Monate direkt im Anschluss. Das erspart 1 Jahr 3x Treffen bei Kaffee und Keksen.

Das habe ich auch gerade gelesen und dabei gedacht, bei uns wird es ähnlich ablaufen. Laufzeit 28 Monate, für 2020 (4 Monate) gibt es nur eine kleine Einmalzahlung, für 2021 (12 Monate) dann 2% mehr für alle und im Jahr 2022 (12 Monate) noch einmal 1,5%. Die Post konnte als weiteres Pfund in die Waagschale werfen, dass die ganze Bande trotz Corona und damit einhergehend einem deutlich erhöhten Paketaufkommen buckeln musste. Von daher werden wir in Summe auch nicht wirklich an die von Verdi geforderten 4,8% herankommen. Die unterschiedlichen Laufzeiten lasse ich mal außen vor.

Spid

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #2703 am: 24.09.2020 09:40 »
Warum sollten vergangene Leistungen ein valides Instrument in Tarifverhandlungen sein? Die sind ja schon erbracht worden, weshalb sollte jetzt noch jemand mehr dafür zahlen?

Schokobon

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« Antwort #2704 am: 24.09.2020 09:43 »
Dass die Laufzeit Bund und Kommunen nicht genau zu den Bundestagswahlen enden wird war wohl klar.
Noch eine günstige Verhandlungsposition, die die Gewerkschaft nicht im Stande sein wird auszuspielen.

kommunalhesse

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #2705 am: 24.09.2020 09:55 »
Dass die Laufzeit Bund und Kommunen nicht genau zu den Bundestagswahlen enden wird war wohl klar.
Noch eine günstige Verhandlungsposition, die die Gewerkschaft nicht im Stande sein wird auszuspielen.

Die Gewerkschaften haben in dieser Tarifrunde die einmalige Chance, tatsächlich Einfluß auf das Tarifergebnis zu nehmen. Die Bevölkerung ist nicht bereit, nochmals wochenlange Einschränkungen hinzunehmen. Wenn jetzt nochmal die Kita, die Kfz-Zulassung, Krankenhäuser, das Bürgeramt... über Wochen geschlossen bleiben und der Müll nicht abgeholt wird, kippt die Stimmung. Dann werden von unzufriedenen Bürgern Scheiben eingeworfen, Reifen zerstochen, Müllcontainer oder schlimmeres angezündet. Den Gewerkschaften kann das egal sein - den AG auch?

Kann das denn irgendjemand ernsthaft wollen? Die Gewerkschaften sollen tatsächlich Einfluss auf das Tarifergebnis nehmen? Sollen "günstige Verhandlungspositionen" ausspielen? Also, mal überspitzt gesagt, Angleichung der EG 1-9a an die EG 9b-15, alle verdienen das selbe ;-)

Man kann nur hoffen, dass diese Versager in Warnwesten weiterhin das tun, was sie immer tun: Versagen.
Und dass, wie bei der letzten Runde auch, der Bund auf den Tisch haut, sagt was Phase ist und entsprechende Lösungen zielgerichtet durchboxt. Dann wird auch VKA-Uli nicht mehr rum poltern sondern die Zeichen der Zeit erkennen.

Bastel

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #2706 am: 24.09.2020 10:15 »
Das Postergebnis ist mehr als traurig... Die Branche erlebt doch dank Corona einen regelrechten Boom. Warum handelt man eine Beschäftigungsgarantie heraus? Angst dass Drohnen die Pakete ausfahren?

Mir schwant übles für den TVöD...

Tashibo

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« Antwort #2707 am: 24.09.2020 11:07 »
Hatten gestern mal wieder einen Gewerkschaftsvertreter von Ver.di Vorort.

Eine Kernvorderung der VKA ist die Änderung des "Arbeitsvorgänge" wie in TVöD-AT § 12 beschrieben. Sowie die entsprechende Atomisierung der Vorgänge.
Davor hat Ver.di Angst.  Gefühlt war es die Vorbereitung auf eine 0-Runde mit dem Hinweis. Eine Änderungen bei den Arbeitsvorgängen, bekommen wir mit keinen Prozenten wieder rein.

Sie sehen hier einen Dauerhaften Versuch der niedrigen Eingruppierung, gerade im Allgemeinen Teil und somit der Großteil der Mitglieder. Das gilt es natürlich zuverhindern (Aus Verdi-Sichtweise).

Da sind die %-Werte aus dem Postabschluß ja noch ganz Ok.

Laut Verid Vertreter lag die "Verhandlungsdauer in Runde 2" bei ca 5 Stunden. Der Rest hatte der VKA seine Mitgliederversammlung und bestimmt leckere Brötchen als in den Verhandlungsräumen :)

Spid

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #2708 am: 24.09.2020 11:15 »
Die AG hätten dazu ja den notwendigen Druck ausüben können, indem sie §12 zum Jahresende kündigen. Die Möglichkeit dazu haben sie verstreichen lassen. Könnten sie nunmehr zum 31.12.21 tun, dann dürften die Tarifverhandlungen zu den gekündigten Entgelttabellen aber lange abgeschlossen sein. Da die Kündigung von §12 TVÖD für die AG deutlich nachteiliger ist als für die Gewerkschaften, sehe ich diesbezüglich aber nicht einmal eine Drohkulisse.

Tashibo

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« Antwort #2709 am: 24.09.2020 11:22 »
Die AG hätten dazu ja den notwendigen Druck ausüben können, indem sie §12 zum Jahresende kündigen. Die Möglichkeit dazu haben sie verstreichen lassen. Könnten sie nunmehr zum 31.12.21 tun, dann dürften die Tarifverhandlungen zu den gekündigten Entgelttabellen aber lange abgeschlossen sein. Da die Kündigung von §12 TVÖD für die AG deutlich nachteiliger ist als für die Gewerkschaften, sehe ich diesbezüglich aber nicht einmal eine Drohkulisse.

Du wirst Recht haben, aber das kannst du doch aber nicht deinen "Mitgliedern" erzählen... Wie wollen Sie sonst das Ergebnis rechtfertigen. :)

obelix

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« Antwort #2710 am: 24.09.2020 11:32 »
Warum sollten vergangene Leistungen ein valides Instrument in Tarifverhandlungen sein? Die sind ja schon erbracht worden, weshalb sollte jetzt noch jemand mehr dafür zahlen?

Aus meiner Sicht wäre das eine Form von Anerkennung, die z.B. die Pflege nicht verspürt und damit auch in Zukunft noch Pflegekräfte rekrutiert werden können. Fakt ist, dass der Bedarf z.B. an Pflegekräften seit Jahren nicht mehr gedeckt werden kann. Diese aktuelle PR trägt nicht unbedingt dazu bei, uns Bewerber zuzuspülen. Aber vielleicht ist es besser, wenn noch viel mehr Pflegekräfte aussteigen und noch mehr Betten und Stationen geschlossen werden müssen. Weil keine Pflegekräfte vorhanden sind. insofern wird es dann natürlich billiger...

Kryne

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« Antwort #2711 am: 24.09.2020 11:40 »
Zum Glück kaufe ich mir im Herbst tatsächlich mal einen neuen Fernseher, das denkt meine persönliche Inflationsrate dieses Jahr etwas :)

Spid

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« Antwort #2712 am: 24.09.2020 11:41 »
Ob irgendwer irgendwo ein Gefühlchen verspürt, ist unbeachtlich. Abhängige Beschäftigung ist der Tausch von Arbeitsleistung gegen Geld. Wenn sich auf dem Arbeitsmarkt ergibt, daß das Entgeltangebot unterhalb des Gleichgewichtspreises liegt und deshalb nur minderwertige oder zu wenig Arbeitskraft eingekauft werden kann, ist das ein valides Argument für die Erhöhung des Entgelts. Die Tatsache, daß jemand seine Arbeitsleistung in der Vergangenheit erbracht hat, ist keines. Daß jemand in der Vergangenheit seine Arbeitsleistung auch unter vorgeblich oder tatsächlich schwierigeren Umständen erbracht hat, zeigt hingegen eher, daß das Entgelt ausreichend ist, um auch besondere Belastungen auszugleichen.

Otto1

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« Antwort #2713 am: 24.09.2020 12:06 »
Ob irgendwer irgendwo ein Gefühlchen verspürt, ist unbeachtlich. Abhängige Beschäftigung ist der Tausch von Arbeitsleistung gegen Geld. Wenn sich auf dem Arbeitsmarkt ergibt, daß das Entgeltangebot unterhalb des Gleichgewichtspreises liegt und deshalb nur minderwertige oder zu wenig Arbeitskraft eingekauft werden kann, ist das ein valides Argument für die Erhöhung des Entgelts. Die Tatsache, daß jemand seine Arbeitsleistung in der Vergangenheit erbracht hat, ist keines. Daß jemand in der Vergangenheit seine Arbeitsleistung auch unter vorgeblich oder tatsächlich schwierigeren Umständen erbracht hat, zeigt hingegen eher, daß das Entgelt ausreichend ist, um auch besondere Belastungen auszugleichen.

Das ist so schön geschrieben, dass ich es mir gleich sichere. ;-)

Philipp

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« Antwort #2714 am: 24.09.2020 12:16 »
Zitat
Die Tatsache, daß jemand seine Arbeitsleistung in der Vergangenheit erbracht hat, ist keines.

Es ist der einzige Vergleich der zur Verfügung steht. Weißt du sicher, ob nicht auch alle Top-Performer ab morgen den Griffel fallen lassen und maximal Dienst nach Vorschrift erledigen?

Irgendwie müssen Ansprüche validiert werden - das ist nur mit bereits erfolgter Leistung möglich.

Andernfalls können wir jede Tarifverhandlung jetzt und in Zukunft unverzüglich stoppen - da noch niemand die Glaskugel erfunden hat, und wir die Leistung nicht voraussehen können, können wir auch die Löhne nicht festmachen.
Wir sollten stattdessen umstellen auf ein Rechnungsmodell, wo jeder Arbeitnehmer erst nach erfolgter Leistung entlohnt wird. Grundbetrag pro Jahr + aufgeblasene LOB als variabler Anteil der tatsächlichen Leistung.