Autor Thema: Tarifverhandlung TV-L ab 09/2021 - Vorschläge/Wünsche  (Read 255497 times)

LehrerBW

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Antw:Tarifverhandlung TV-L ab 09/2021 - Vorschläge/Wünsche
« Antwort #1935 am: 31.08.2021 14:49 »
Ein weiteres Thema sind für mich die Lehrer. Warum je nach Ausgangsstudium im Lehrerzimmer Kolleginnen und Kollegen sitzen, die 3 Gehaltsklassen bei identischer Tätigkeit trennt, verstehe ich nach wie vor nicht. Das führt das System ja eigentlich ad absurdum.

Die Vergütung der Lehrkräfte ist noch wesentlich komplizierter.

Sekundarstufe I,
  • Lehrkräfte mit pädagogischer Einführung (sog. Nichterfüller): EG 10 (keine Aufstiegsmöglichkeiten)
  • Lehrkräfte mit erstem und zweiten Staatsexamen: EG 11(!), Beamte A12
  • Für sog. Quereinsteiger mit Hochschulstudium und berufsbegleitendem Referendariat (Quereinsteiger) gibt es in den Ländern unterschiedliche Regelungen, oft zum finanziellen Nachteil der Quereinsteiger.

Sekundarstufe II
  • Lehrkräfte mit erstem und zweiten Staatsexamen: EG 13, Beamte A13

Die Schere klafft noch weiter auseinander, wenn eine Beförderungs- bzw. Höhergruppierungstelle angenommen wird. Beamte werden stufengleich befördert, TB nicht. Da können dann bei gleicher Tätigkeit, Ausbildung und Berufserfahrung im Einzelfall 1000 Euro netto zwischen beiden Lehrkräften liegen.

(Mit Sicherheit kommt jetzt wieder das Argument, dass es jedem freisteht Beamter zur werden, es sei denn man ist dafür ungeeignet oder Ausschuss. :-))

Das ist aber von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich.
In Baden-Württemberg bekommt jeder Sekundarstufenlehrer A13 außer die ehemaligen GHS Lehrer...die bekommen A12.

was_guckst_du

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Antw:Tarifverhandlung TV-L ab 09/2021 - Vorschläge/Wünsche
« Antwort #1936 am: 31.08.2021 15:49 »
...da ist es wieder... das Nord/Süd-Gefälle... ;)
Gruß aus "Tief im Westen"

Meine Beiträge geben grundsätzlich meine persönliche Meinung zum Thema wieder und beinhalten keine Rechtsberatung. Meistens sind sie ernster Natur, manchmal aber auch nicht. Bei einer obskuren Einzelfallpersönlichkeit antworte ich auch aus therapeutischen Gründen

Spid

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« Antwort #1937 am: 31.08.2021 15:56 »
Ich sehe da eher ein Qualifikationsgefälle. Sozialarbeiter sind auch in S11b-S18 eingruppiert, TB in der Tätigkeit von Sozialarbeitern in S8b. Warum auch den Notnagel ebenso gut bezahlen wie den eigentlich benötigten Flügeldübel?

Lothar57

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« Antwort #1938 am: 31.08.2021 16:36 »
Der Großteil der GEW Mitglieder im Landesdienst (Angestellte) liegt zwischen E7 und E13 - bzw. S8a bis S12.
Gymnasiale Lehrkräfte sind besser beim DPhV aufgehoben.

Bei  einer angestrebten Entgelterhöhung von 5 Prozent käme auch in der E7 spätestens ab Stufe 3 der geforderte Sockelbetrag von 150 Euro nicht mehr zur Anwendung. Das ist also echt keine primäre Baustelle der GEW. Solidarität ist imer gut. Aber die GEW sollte vielmehr die Solidarität der Beamtenschaft einforden, damit endlich strukturelle Verbesserungen durchgesetzt werden können.

Bezüglich der genauen Mitgliederstrukur hält die GEW sich bedeckt. Wikipedia nennt eine Zahl von 63 Prozent von Mitgliedern im Schuldienst. (Dem hat die GEW bisher auch nicht widersprochen). Hinzu kommen akademische Sozialberufe und Mitglieder aus dem Akademischen Mittelbau. Damit könnte ich nach wie vor Recht haben, wenn ich behaupte, dass der überwiegende Teil der Mitglieder sich in einer Gehaltshöhe entsprechend der EG9 aufwärts befindet.

In jüngster Zeit bemüht sich die GEW auch um Mitglieder aus den Erziehungs- oder Sozialpflegerischen Berufen. Dahinter steckt m.E. aber mehr die Erkenntnis, das Kernklientel nicht mehr ausreichend vertreten zu können und so dem Mitgliederschwund entgegenzuwirken.
Ceterum censeo paralleltabellum esse einzufuehrendam.

Spid

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« Antwort #1939 am: 31.08.2021 16:48 »
Da es keinerlei Belege für das Gegenteil gibt, könnte ich auch nach wie vor Recht haben mit der Annahme, die GEW bestünde überwiegend aus Rentnern, Pensionären und Arbeitslosen sowie Karteileichen - wie ich das von allen DGB-Gewerkschaften annehme.

wossen

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« Antwort #1940 am: 31.08.2021 17:30 »
Im Lehrerbereich ist die GEW in erster Linie eine Beamtengewerkschaft....Im Erzieherbereich und so haben die schon einige Erfolge (und durchaus organisierte Leute). Wer als Lehrer und TB dort Mitglied ist, muss schon sehr duldsam sein oder die Rhetorik glauben...(wobei es in der GEW durchaus Leute mit guten 'Absichten' für tarifbeschäftigte Lehrer gibt - die Nackenschläge in der Vergangenheit waren so viele...). Die Beamtenbundlehrergewerkschaften interessieren sich nur für Tarifbeschäftigte, die vielleicht mal noch ihr 2. Staatsexamen nachholen könnten (also noch keine 'Erfüller' sind) und dann zu ihrer erlauchten Klientel gehören...

Isi schreibt:
Zitat
Gymnasiale Lehrkräfte sind besser beim DPhV aufgehoben.
Als tarifbeschäftigter Lehrer da Mitglied zu sein, grenzt an Selbstschädigung. Schon vom Selbstverständnis her, ist ein Philologe ein Beamter  ;)

Im Lehrerbereich ist die Grenze halt zwischen (auch identisch qualifizierten) Beamten und TBs, die Unterschiede zwischen TBs fast vernachlässigbar...(ein Referendariat zu machen mit einem 2. Staatsexamen ist für einen TB ökonomisch selbstschädigend, wenn es auch ohne geht - zumal das Lehramtsreferendariat verdammt unangenehm werden kann)

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« Antwort #1941 am: 31.08.2021 18:26 »
... zumal das Lehramtsreferendariat verdammt unangenehm werden kann)
Inwiefern?

Lothar57

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« Antwort #1942 am: 31.08.2021 18:28 »
Im Lehrerbereich ist die GEW in erster Linie eine Beamtengewerkschaft....Im Erzieherbereich und so haben die schon einige Erfolge (und durchaus organisierte Leute). ...

Das kann man auch für einen Trugschluss halten. Die Erfolge gehen wohl mehr auf das Konto von ver.di, in der die Erzieherinnen und Erzieher schwerpunktmäßig organisiert sind. Wenn die GEW um die Menschen in Erziehungs- und Sozialpflegerischen Berufen wirbt, fischt sie in fremden Gewässern.

Und JA: Die GEW ist eine Beamtengwerkschaft, zumindest mit Blick auf die Lehrkräfte.

Ein Beispiel unter vielen: Nach dem verkackten Tarifabschluss 2019, in der sowohl die Paralleltabelle als auch die stufengleiche Höhergruppierung wieder auf der Strecke geblieben waren, rief die GEW ohne jede Nachdenklichkeit zur Aktion JA13 auf. Gefordert war A13 bzw. EG13 für alle Sekundarlehrerinnen und -lehrer. Ein echter Rohrkrepierer, denn die TB-Lehrkräfte hatten jetzt überhaupt keinen Bock mehr, für die Beamten auf die Straße zu gehen. Hintergrund: Ohne stufengleiche Höhergruppierung hätte ein Aufstieg von EG11 nach EG13 für viele Beschäftigte kaum Vorteile, manchmal sogar Nachteile mit sich gebracht. Profitiert hätten nur die Beamten.
Ceterum censeo paralleltabellum esse einzufuehrendam.

Spid

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« Antwort #1943 am: 31.08.2021 18:34 »
... zumal das Lehramtsreferendariat verdammt unangenehm werden kann)
Inwiefern?

Gleiche Klientel, der man auch als Polizist gegenüber steht - bloß daß ein Polizist eine Schußwaffe tragen und unmittelbaren Zwang anwenden darf…

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« Antwort #1944 am: 31.08.2021 18:40 »
Wenn man angenehme Klientel wünscht, steht einem ja die Funktion des Hausmeisters im Mädcheninternat offen.

Spid

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« Antwort #1945 am: 31.08.2021 18:41 »
Im Lehrerbereich ist die GEW in erster Linie eine Beamtengewerkschaft....Im Erzieherbereich und so haben die schon einige Erfolge (und durchaus organisierte Leute). ...

Das kann man auch für einen Trugschluss halten. Die Erfolge gehen wohl mehr auf das Konto von ver.di, in der die Erzieherinnen und Erzieher schwerpunktmäßig organisiert sind. Wenn die GEW um die Menschen in Erziehungs- und Sozialpflegerischen Berufen wirbt, fischt sie in fremden Gewässern.

Und JA: Die GEW ist eine Beamtengwerkschaft, zumindest mit Blick auf die Lehrkräfte.

Ein Beispiel unter vielen: Nach dem verkackten Tarifabschluss 2019, in der sowohl die Paralleltabelle als auch die stufengleiche Höhergruppierung wieder auf der Strecke geblieben waren, rief die GEW ohne jede Nachdenklichkeit zur Aktion JA13 auf. Gefordert war A13 bzw. EG13 für alle Sekundarlehrerinnen und -lehrer. Ein echter Rohrkrepierer, denn die TB-Lehrkräfte hatten jetzt überhaupt keinen Bock mehr, für die Beamten auf die Straße zu gehen. Hintergrund: Ohne stufengleiche Höhergruppierung hätte ein Aufstieg von EG11 nach EG13 für viele Beschäftigte kaum Vorteile, manchmal sogar Nachteile mit sich gebracht. Profitiert hätten nur die Beamten.

Das Problem stellt bei E11->E13 nicht die betragsmäßige Höhergruppierung dar, sondern §7 TV EntgO-L.

wossen

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« Antwort #1946 am: 31.08.2021 19:31 »
Im Lehramtsreferendariat sind meist weniger die Schüler das Problem als vielmehr die ausbildenden (zukünftigen) Kollegen ;) Lehrer halt, denen man im Referendariat in starkem Maße ausgeliefert ist  ;D Schüler sind dagegen meist völlig okay (das meine ich ernst)

Das kann eine äußerst spezielle (und belastenden) Sache sein.....(kann man mit irgendeiner Verwaltungsausbildung von der Struktur her - ja und auch meist von der psychischen Belastung her -  überhaupt nicht vergleichen)

@Lothar57: Erzieher z.B. an Förderschulen oder sonderpädagogische Fachkräfte sind schon Klientel der GEW und recht gut organisiert

 
« Last Edit: 31.08.2021 19:37 von wossen »

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« Antwort #1947 am: 31.08.2021 20:10 »
Was Machen die Kollegen, außer einen erkennen zu lassen, dass man Ihnen lästig ist?

Lothar57

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« Antwort #1948 am: 31.08.2021 20:42 »

@Lothar57: Erzieher z.B. an Förderschulen oder sonderpädagogische Fachkräfte sind schon Klientel der GEW und recht gut organisiert

Das weiß ich. Aber auch für diese Gruppe ist der geforderte Sockelbetrag von 150 Euro irrelevant. Darum ging es mir. Die GEW setzt die Forderung nach dem Sockelbetrag an die Spitze ihres Kataloges, obwohl kaum eines ihrer Mitglieder davon betroffen ist. Andrere, wichtigere Forderungen ihrer Zielgruppe landen dagegen unter fernerliefen.
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Spid

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« Antwort #1949 am: 31.08.2021 20:55 »
Die einzig sinnvolle Forderung wäre die nach Streichung von §44 Nr. 2 f. sowie Anlage A Vorbemerkung Nr. 4. Dann wäre doch alles in Butter und dieses Beamtenüberstülpgedöns wäre vorbei. Und Schulen kann man doch so schön bestreiken…