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Hilfe bei der Wahl der PKV - Eine schwierige Entscheidung

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penguin:
Hallo zusammen,

da die Wahl einer geeigneten PKV zur Beihilfeergänzung eine große Bedeutung hat, da sie mich (bestenfalls) bis zum Lebensende begleiten wird, möchte ich hier nach einigen Informationen/Meinungen/Ratschlägen/Denkanstößen und Erfahrungen fragen, damit meine Wahl - für mich - bestmöglich ausfallen wird.

Meine Situation:
Ich stehe am 01.06. zur Verbeamtung beim Bund an und bin 31 Jahre alt. Ich habe eine seit 2009 bestehende große Anwartschaft bei der Generali (vorm. Central). Da ich noch kinderlos bin beträgt die Beihilfe für mich 50%.
Eine Gesundheitsprüfung sollte kein Problem darstellen, da es keine Vorerkrankungen gibt und ich in den letzten Jahren des Öfteren, mal mehr mal weniger umfangreich, durchgecheckt wurde.

Meine bisherigen Überlegungen fußen auf Recherchen im Internet, dem Portal KV-fux.de, dem Angebot der Generali, einem Gespräch mit einem befreundeten Vertriebler der Ergo und Aussagen, von bereits privat versicherten Beihilfeberechtigten.

Die Gesichtspunkte, welche für mich wichtig sind, sind folgende:

- Beitragsstabilität (haha) und eine gewisse Sicherheit für die Zukunft (genügend Versicherte in 30, 40, 50 Jahren),
- Preis/Leistungsverhältnis zumindest okay.

Zur Beitragsstabilität und Sicherheit habe ich bisher die folgenden Kriterien ausfindig gemacht, welche für diese sprechen:

- keine zu großherzige Annahmepolitik
- eventuell auch keine Teilnahme an der Öffnungsaktion
- lange "Tariflebzeiten"
- viele Versicherte (vor allem in den Beihilfetarifen)
- finanzielle Gesundheit der Versicherungsgesellschaft

Das Preis/Leistungsverhältnis bemisst sich nach dem Preis, den Leistungen und natürlich dem Vergleich zu ähnlichen Tarifen anderer Versicherer. Weiterhin fließt da aber auch noch der Stabilitäts/Sicherheitsaspekt ein.

Zuerst einmal möchte ich nur recht umfassende Tarife mit Beihilfeergänzungskomponente in Betracht ziehen, ob da dann im Zweifelsfall noch etwas abgewählt wird, werde ich dann entscheiden.
Nachdem ich mir einen vernünftigen Überblick verschafft habe werde ich entweder die Sicherheit haben, die ich für eine Entscheidung brauche oder mich unabhängig aber kostenpflichtig beraten lassen (auch in Vorbereitung darauf würde ich die selben Fragen recherchieren, wie jetzt hier).

Folgende Versicherungen ziehe ich aktuell in Betracht:

Generali (ich werde direkt von der Generali betreut und habe keinen Kontakt zu einem sog. "Vermögensberater"):
Pro: Anwartschaft, dadurch niedrigerer Beitrag und keine Gesundheitsprüfung.
Kontra: Allein schon die Zusammenarbeit mit DVAG mutet unseriös an, kaum Erfahrungen zu Beihilfetarifen zu finden  -> vermutlich wenige Versicherte in diesen Tarifen, allgemein was PKV angeht eher negative bis sehr negative Suchergebnisse.
Tarif: KB30, KBK20, SBE100, PVB
239,85 €

Barmenia:
Pro: Scheint in Bezug auf Leistungen herausragend zu sein, VVaG, mehr Erfahrungen zu finden, die Zahlen lassen auf einen ausreichend hohen Bestand schließen
Kontra: Auch in Bezug auf den Preis herausragend.
Tarif: VB 230U, VB 2ZU, VEL 50U, PVB
Preis: 332,52 €

Debeka:
Pro: Marktführer, auch unter den Beihilfetarifen, sehr hoher Bestand
Kontra: Annahmepolitik, Leistungen nicht ganz so umfangreich wie bei den anderen
Tarif: B 20K, B 30, WL 20K, WL 30, BC, PVB
Preis: 301,64 €

LVM:
Pro: Preis/Leistung, VVaG, Keine Teilnahme a. d. Öffnungsaktion
Kontra: vermutlich relativ geringer Bestand
Tarif: AB 20E, AB 30, SB 2/20E, SB 2/30, ZB 20E, ZB 30, EB 2, PVB
Preis: 269,04 €

DKV:
Pro: Preis/Leistung, hoher Bestand
Kontra: Bestand in den Beihilfetarifen ungewiss, wie langlebig sind diese (Beitragsentwicklung)
Tarif: BK 30, BKF 20, BKH2 30, BKH2F 20, BKH1, BEX, PVB
Preis: 279,55 €


Dass die Beiträge mal mehr und mal weniger stark angepasst werden, ist mir bewusst. Auch, dass das in der aktuellen und zukünftigen Niedrigzinsphase etwas höher ausfallen kann.

Beitragsrückerstattungen habe ich mit Absicht nicht berücksichtigt. Allerdings gibt es diese bei allen aufgeführten Tarifen, mit Ausnahme der Generali.
Zur Generali tendiere ich aktuell, trotz der verschenkten Anwartschaft am wenigsten. Würde diese aber, sollte unerwartet doch irgendwas mit meiner Gesundheit nicht stimmen, natürlich wieder mehr in Betracht ziehen.

Meine Tendenz geht eher zur LVM, DKV, Debeka.

Die DBV (Axa) wird oft erwähnt, diese habe ich nicht berücksichtigt, da dort die Tarife sehr schnell geschlossen werden. Die HUK habe ich ebenso wenig berücksichtigt.

Wie sind eure Erfahrungen mit den verschiedenen Anbietern? Welche hilfreichen Informationen kennt ihr? Habe ich mich irgendwo vertan?


Gruß
penguin




YourBunnyWrote:
Abend, hier meine subjektiven Gedanken zu deiner Situation:

Zur Beitragsstabilität kann ich nicht viel sagen. Ich denke das kann keiner seriös prognostizieren. Ich vermute, dass es große Preissprünge bei den Gesellschaften gibt, die zu niedrig kalkulieren und neue Kunden durch niedrige Beiträge locken. Deswegen nicht unbedingt alles am Preis festmachen.

Generali kannte ich vorher noch nicht so genau. Ich habe aber mal kurz geschaut und im Beihilfeergänzungstarif folgende Formulieren gefunden: „Erstattungsfähig sind Aufwendungen für beihilfefähige Heilmittel bis zu den beihilfefähigen Höchstbeträgen.“ D.h. Wenn Beihilfe nicht zahlt, werden diese Kosten hier nicht übernommen. Wieso nennt sich dieser Tarif „Beihilfeergänzungstarif“, wenn die Lücke der Beihilfe nicht übernommen wird? Das würde mir zu denken geben. Hier muss genau geprüft werden. Preis scheint mir mit 240€ auch zu niedrig zu sein. Evtl. gibt es dann saftige Erhöhungen oder es sind noch mehr Leistungseinschränkungen versteckt. Kein plan.

Debeka würde ich eher meiden. Hier sind in den Verträgen ähnliche Formulierungen vorhanden. Der Leistungsumfang ist maximal solide. Erschwerend hinzu kommt, dass wohl nahezu jeder (auch mit Vorerkrankungen) ohne Aufschlag aufgenommen wird. Für Versicherte mit Vorerkrankungen dürfte die Debeka Nummer 1 sein, keine Leistungskürzungen und kein Aufschlag. Wie sich wohl der Beitrag entwickelt? Who knows.

Bei Barmennia hast du Recht, hat wohl den größten Leistungsumfang.Hätte ich gerne genommen, aber war mir dann doch zu teuer. DKV scheint solide zu sein. Restkosten im Zahnbereich werden jedoch nur bis 80% übernommen, aber ist nicht tragisch. Zu LVM weiß ich nichts. Was hast du zu DKV und LVM hinsichtlich Leistungsumfang bzw. -einschränkungen genau herausgefunden?

Tipp: Schau dir noch die Concordia und Signal Iduna an, beide mit guten Beihilfeergänzungstarifen und restriktiver Annahmepolitik (soweit ich noch weiß). Ich denke du kommst nicht drum rum das Kleingedruckte zu studieren oder dich beraten zu lassen.

penguin:

--- Zitat von: YourBunnyWrote am 27.02.2021 01:49 ---Generali kannte ich vorher noch nicht so genau. Ich habe aber mal kurz geschaut und im Beihilfeergänzungstarif folgende Formulieren gefunden: „Erstattungsfähig sind Aufwendungen für beihilfefähige Heilmittel bis zu den beihilfefähigen Höchstbeträgen.“ D.h. Wenn Beihilfe nicht zahlt, werden diese Kosten hier nicht übernommen. Wieso nennt sich dieser Tarif „Beihilfeergänzungstarif“, wenn die Lücke der Beihilfe nicht übernommen wird? Das würde mir zu denken geben. Hier muss genau geprüft werden. Preis scheint mir mit 240€ auch zu niedrig zu sein. Evtl. gibt es dann saftige Erhöhungen oder es sind noch mehr Leistungseinschränkungen versteckt. Kein plan.

--- End quote ---

Der Preis von 240 € kommt durch die dort bestehende Anwartschaft. Normalpreis wären 286 €.
Von Vollversicherten in den dortigen nicht Beihilfetarifen liest viel regelmäßig von Problemen/ und Beitragserhöhungen (BAP Mittelwert in nicht Beihilfetarifen: 5,5 % von 2011 bis 202). Die Einschränkungen muten merkwürdig an, da dieser Tarif selbst bei kv-fux mit "Beihilfeergänzung" angezeigt wird. Wie gesagt, erstmal nur wegen der Anwartschaft aufgeführt.
2016: 330.570 vollversicherte Personen, davon 79.629 in Beihilfetarifen.
2019: 308.088 vollversicherte Personen, davon 79.606 in Beihilfetarifen.
BAP Mittelwert Beihilfetarife: 1,3% von 2011 bis 2020.
Die Beschwerdequote ist doppelt so hoch (3,45) wie bei beispielsweise der DKV oder Signal Iduna, es gibt aber weitaus höhere Quoten.


--- Zitat von: YourBunnyWrote am 27.02.2021 01:49 ---DKV scheint solide zu sein. Restkosten im Zahnbereich werden jedoch nur bis 80% übernommen, aber ist nicht tragisch. Zu LVM weiß ich nichts. Was hast du zu DKV und LVM hinsichtlich Leistungsumfang bzw. -einschränkungen genau herausgefunden?

--- End quote ---


DKV:
In meinem Angebot steht, dass alles im Zahnbereich zu 90 % übernommen wird, wenn beihilfefähig.
Heilmittel sind ebenfalls nur bis zu den Höchstsätzen der Beihilfe enthalten.
Im Bereich Psychotherapie sowie Reha ist der Tarif eher schwach.
Die DKV ist die zweitgrößte PKV, wie es mit in den Beihilfetarifen aussieht, kann ich nicht abschätzen.
2016: 795.580 vollversicherte Personen

LVM:
Nicht beihilfefähige Heilmittel werden über den Tarif EB 2 gedeckt. "EB 2: 100% für Heilmittel abzüglich der beihilfefähigen Aufwendungen."
Zahnleistungen 100%. Reha: "Zum versicherten Prozentsatz beihilfefähige
Anschlussheilbehandlungen, soweit kein gesetzlicher Leistungsträger
vorhanden ist. Zusätzliche onkologisch bedingte AHBs. Allgemeine
Krankenhausleistungen." wird bei KV-fux mit 1,5/5 angegeben. Psychotherapie gut.
2016: 73.981 vollversicherte Personen, davon 29.526 in Beihilfetarifen.
2019: 75.341 vollversicherte Personen, davon 31.916 in Beihilfetarifen. Also für mich relevant: 8% mehr Beihilfeversicherte in 3 Jahren.
BAP Mittelwert Beihilfetarife: 2,2% von 2011 bis 2020.
Keine Teilnahme an der Öffnungsaktion. Daher vielleicht weniger Aufwuchs im Bestand aber auch weniger Menschen, die aufgrund von Vorerkrankungen/Risiko darauf angewiesen sind.

Barmenia:
Leistungen wirklich umfassend. Preis mit 330 € im Vergleich wirklich hoch.
2016: 300.111 vollversicherte Personen, davon 60.073 in Beihilfetarifen.
2019: 300.019 vollversicherte Personen, davon 65.805 in Beihilfetarifen. Also für mich relevant: 9,5% mehr Beihilfeversicherte in 3 Jahren.
BAP Mittelwert Beihilfetarife: 2,2% von 2011 bis 2020.

Concordia:
2016: 11.163 vollversicherte Personen. Das ist schon ein sehr überschaubarer Bestand. Wie sieht es da mit der Sicherheit für das Bestehen und die Beiträge in den nächsten 50 Jahren aus? Zur Entwicklung habe ich leider noch nichts gefunden.

Signal Iduna (294 €):
"Zum versicherten Prozentsatz werden die Kosten für Heilmittel erstattet, soweit sie durch staatlich geprüfte Angehörige anerkannter Heil- und Heilhilfsberufe durchgeführt werden. Logopädie, Ergotherapie, Podologie, physikalische Therapie, Inhalationen." Also keine Einschränkung auf nur Beihilfefähige Heilmittel.
Reha nicht so gut, Körperersatzstücke mittelmäßig, Material-/Laborkosten (Zahn) bis zur mittleren Preislage - ich denke das ist nicht wirklich relevant.
2016: 479.676 vollversicherte Personen


Die Sicherheit - also die Langlebigkeit der Gesellschaft und die Entwicklung der Beiträge ist für mich relativ wichtig. Daher die Zahlen. Klar kann man das nicht vorhersehen, aber die Wahrscheinlichkeit ist bei gesunden Unternehmen mit einem soliden und wachsenden Bestand gut. Auch die Beitragsentwicklung der letzten 10 Jahre gibt z.B. Aufschluss darüber, wie gearbeitet wurde und wie es zukünftig sein könnte. Eine Glaskugel hat man halt nicht.

Was die Leistungen angeht: Diese sollten natürlich mindestens denen der GKV entsprechen und gerne auch etwas mehr, müssen aber nicht um jeden Preis alles mögliche bezahlen. Beihilfeergänzung ist gut, aber eben nicht zu jedem Preis. Zum Beispiel bin ich bereit den Einzelzimmerzuschlag bei der DKV i.H.v. 4,16 € zu bezahlen. Würde diese aber beispielsweise 10 € kosten, würde ich das nicht mehr wählen.


Bisher scheint die LVM zwar kleiner als die anderen, aber scheint groß genug. Die Entwicklung ist wohl positiv. Die Leistungen sind sehr gut. Die bisher gefundenen Erfahrungen spiegeln das gute Bild wieder.
Die Signal Iduna und DKV kämen auch noch in Frage. Die Concordia fällt für mich aufgrund der Größe raus, die Barmenia aufgrund des zu hohen Preises.


Pepper2012:
Zur LVM gab es neulich mal einen Thread:

https://forum.oeffentlicher-dienst.info/index.php/topic,115724.0.html

Asperatus:
Hattest du die HUK-Coburg auch in Erwägung gezogen oder aus welchen Gründen nicht?

Ich weiß nicht, ob die Teilnahme einer PKV an der Öffnungsaktion ein Grund für Personen sein sollte, die gesund und nicht auf die Öffnungsaktion angewiesen sind, nicht in diese PKV zu gehen? Klar kommen dadurch auch mehr Versicherte in den Bestand, für die mutmaßlich mehr Kosten anfallen. Andererseits bezahlen sie ihren Aufschlag. Ob man dadurch mögliche Tarifsteigerungen ableiten kann? Gerade wenn die Unternehmen schon lange an der Öffnungsaktion teilnehmen, dürfte das in den aktuellen Tarifen schon eingepreist sein? Wie sind die Meinungen im Forum dazu?

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