Autor Thema: [Allg] Ingenieur-Ökonom - Schnellverbeamtung kurz nach der DDR-Wende  (Read 974 times)

heidi80

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Hallo @ community,

ich aktualisiere gerade ein paar PA und bin dort auf die Bezeichnung "Ingenieur-Ökonom (FH)" gestoßen. Soweit noch nichts Schlimmes  ;D

Da die Inhaberin der Stelle ü60 ist und wir vor vielen Jahren schonmal kurz geplaudert hatten, weiß ich, dass die Beamtin damals (vor seeehr langer Zeit) eine Art "Schnellbesohlung" bekommen hat und damit zur Beamtin gD geworden ist. Das war wohl kurz nach der Wende eine Maßnahme, um mehr Frauen als Beamte zu bekommen?!? So hatte sie das damals kurz beschrieben...

Nun meine Frage:
Kennt jemand diese "Schnellbesohlung"? Was wurde dort vermittelt, wie lange ging das, ist das in der Tat dann als Studium anerkannt?
Ich frage hier nur aus eigenem Interesse. Es get nicht um irgend eine Besoldungsgruppe o.ä. Es interessiert mich, wie die Frauen damals zu diesem Amt gekommen sind. Und bei der Suchmaschine meiner Wahl finde ich darüber nicht wirklich etwas  ??? ???
« Last Edit: 10.03.2021 02:56 von Admin2 »

lumer

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Da müsste man vermutlich unterscheiden zwischen den "neuen" und den "alten" Bundesländern. Für die neuen Bundesländer gab es Austausche mit einem "zugeordneten" alten BL, das ein neues unter seine Fittiche genommen hat, und natürlich Fort- und Weiterbildungen. Die Austausche liefen dem Vernehmen nach so, dass die BeamtInnen und Angestellten der neuen BL für Tage oder Wochen in die alten BL fuhren und sich das Verwaltungsgeschehen ansahen. Mehrmals natürlich. Genauso kamen auch Leute in die neuen BL und halfen bei der Verwaltung direkt mit. Fort- und Weiterbildungen gab es dazwischen auch tage- und wochenweise. Und alles neben der regulären Arbeit. ^^ Vielleicht meint sie so etwas.

Aber auch heutzutage gibt es noch "Schnellbesohlungen", wenn Leute ohne Verwaltungsstudium oder -erfahrung anfangen. Die machen dann in den ersten ein, zwei Jahren haufenweise Fort-/Weiterbildungen zu verschiedensten Themen wie "Allgemeines Verwaltungsrecht" und "Haushaltsrecht".

Garfield73

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Ich kenne das nur aus zweiter Hand von Kollegen, die zur "Aufbauhilfe Ost" in den neuen Bundesländern waren und dort beim Aufbau der Finanzverwaltung mitgeholfen haben.
Damals wurden tatsächlich viele nach einem dreimonatigen Crashkurs in Steuerrecht im gehobenen und mittleren Dienst (je nach Schulabschluss bzw. Vorbildung) ins Beamtenverhältnis übernommen.
Woher hätten das benötigte Personal auch kommen sollen?
So ein "übersichtliches" Steuersystem gab es in der guten alten DDR halt nicht und somit kein darin ausgebildetes Personal.

Erst 1992 bzw. 1993 waren dann die ersten für den Osten ausgebildete Beamten fertig.

heidi80

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Danke für die Erklärungen. So ziemlich genau in diese Richtung hatte sie es damals auch erklärt. Aber eben nur sehr kurz und kanpp. Man hat gemerkt, dass ihr das wohl eher unangenehm ist. Es soll wohl keiner wissen, dass das kein Studium war, sondern mehr ein, nennen wir es mal "Zugeständnis"... Wir hatten sie mal auf ihr "Studium" angesprochen. Da kam dann nur warme Luft und Gestammel...

Grundsätzlich ja kein Problem. Aber diese Erfahrungen/Fort-/Weiterbildungen/Mitlaufen im Job dann Studium zu nennen find ich schon eher unpassend, um es mal nett zu formulieren  ;) Und sich dann über andere zu stellen und zu urteilen, weil sie ja ein Studium hätte *hüstelhüstel*... Naja.

Ok, also bleibt bei mir hängen, dass niemand auf der FH/Uni war, sondern eben "schnell besohlt" wurde

Auf jeden Fall mal danke. Hab ich als "Jungspund" wieder was gelernt  ;D ;D Hätte nicht gedacht, dass man so leicht in den gD kommt.

lumer

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Oh, das muss nicht heißen, dass die Leute nicht studiert haben. Bei uns gibt es einige, die studiert haben, aber da es ein DDR-Studium war, war das natürlich kein bundesdeutsches Verwaltungsrecht.  ;)

Eukalyptus

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Oh, das muss nicht heißen, dass die Leute nicht studiert haben. Bei uns gibt es einige, die studiert haben, aber da es ein DDR-Studium war, war das natürlich kein bundesdeutsches Verwaltungsrecht.  ;)

So sehe ich das auch. Sie dürfte ein Fachschulstudium zum Ingenieurökonomen absolviert haben, das nach der Wende nachdiplomiert (FH) wurde (ein "westdeutsches" Äquivalent wäre der Wirtschaftsingenieur).

Alphonso

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Danke für die Erklärungen. So ziemlich genau in diese Richtung hatte sie es damals auch erklärt. Aber eben nur sehr kurz und kanpp. Man hat gemerkt, dass ihr das wohl eher unangenehm ist. Es soll wohl keiner wissen, dass das kein Studium war, sondern mehr ein, nennen wir es mal "Zugeständnis"... Wir hatten sie mal auf ihr "Studium" angesprochen. Da kam dann nur warme Luft und Gestammel...

Grundsätzlich ja kein Problem. Aber diese Erfahrungen/Fort-/Weiterbildungen/Mitlaufen im Job dann Studium zu nennen find ich schon eher unpassend, um es mal nett zu formulieren  ;) Und sich dann über andere zu stellen und zu urteilen, weil sie ja ein Studium hätte *hüstelhüstel*... Naja.

Ok, also bleibt bei mir hängen, dass niemand auf der FH/Uni war, sondern eben "schnell besohlt" wurde

Auf jeden Fall mal danke. Hab ich als "Jungspund" wieder was gelernt  ;D ;D Hätte nicht gedacht, dass man so leicht in den gD kommt.

Wouh. Hier spricht ja kaum der Neid  ;D ;D ;D

Gewerbeaufsichtbeamter

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Ich gehe auch mal davon aus, dass die Kollegin ein reguläres Studium in der DDR absolviert hat, welches wie mein Vorredner schon anmerkte später nachdiplomiert wurde. Der "Schnellkurs" hat dann dazu gedient, die Laufbahnbefähigung für den gD zu erhalten. Muss ja nicht nur zwei Wochen dedauert haben.