Tarifverhandlungen und die Inflation

Begonnen von Emmi87, 01.10.2021 08:33

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JahrhundertwerkTVÖD

Wenn Verdi nur die Interessen der eigenen Mitgliedern (bis E9a) vertritt, dann besteht keine Legitimation das diese Tarifverträge auch für Mitarbeiter ab E9b gelten.
Warum sollte ich mich von einer Gewerkschaft vertreten lassen, welche nachweislich bei jeder Tarifverhandlung zu Ungunsten der Mitarbeiter ab E9b handelt?

Ganz einfache Lösung:
Verdi verhandelt nur noch bis E9a und für alle anderen wird eine Öffnungsklausel eingebaut. Dann darf und kann jeder verhandeln.
Es gibt leider viele Gemeinden die ihren Mitarbeiter mehr bezahlen möchte, es aber nicht dürfen. Ganz so einfach wie es immer wieder hier im Forum dargestellt wird, ist es leider nicht. Unter anderem ist der Tarifvertrag (welcher ja für alle gilt) ein großes Hindernis. Über GPA, Rechtsaufsicht usw. ganz zu schweigen.
Viele Gemeinden erhalten auch keine Förderanträge mehr, wenn sie Mitarbeiter außertariflich vergüten.

Alternativ kann ein AG auch den TVÖD kündigen und nur noch "in Anlehnung" vergüten.
Ob dieser Schritt zur Erhöhung der Mitgliederzahl führt? Sehr unwahrscheinlich.

Wie ich schon erwähnte, habe ich diese Gespräche und Verhandlungen für mich und meine Mitarbeiter geführt, da der vorhandene Tarifvertrag die Fach- und Führungskräfte benachteiligt.

Meine Kritik geht ganz klar an Verdi, weil der abgeschlossene Tarifvertrag für alle gilt und zu Ungunsten der Mitarbeiter ab E9b abgeschlossen wurden. Für mich, hat Verdi keine Legitimation diese Verhandlungen zu führen.

JesuisSVA

Verdi handelt und verhandelt ausschließlich für die eigenen Mitglieder und schließt auch ausschließlich für diese Tarifverträge ab. Für jeden anderen gelten TVÖD und Co. nur dann, wenn er es vereinbart hat. Das war dann seine jeweilige Entscheidung.

MoinMoin

Zitat von: JahrhundertwerkTVÖD in 04.08.2022 13:40
Meine Kritik geht ganz klar an Verdi, weil der abgeschlossene Tarifvertrag für alle gilt und zu Ungunsten der Mitarbeiter ab E9b abgeschlossen wurden. Für mich, hat Verdi keine Legitimation diese Verhandlungen zu führen.
Er gilt für den AG und für die Gewerkschaftsmitglieder.
Er gilt nicht für nicht Mitglieder.
Da wird gemeinsam bei Vertragsabschluss beschlossen, dass man ihn für den Vertrag gelten lassen möchte.
Oder man macht es wie du und handelt andere Dinge aus, ist ja nicht verboten.
Der AG kann  mit einem Nichtmitglied auch einen AV vereinbaren, der unterhalb des TV Entgeltes liegt.
Macht er ja auch nicht. Er will der Gewerkschaft ja nicht Mitglieder in die Arme jagen.


TVWaldschrat

Zitat von: JahrhundertwerkTVÖD in 04.08.2022 13:40
Meine Kritik geht ganz klar an Verdi, weil der abgeschlossene Tarifvertrag für alle gilt und zu Ungunsten der Mitarbeiter ab E9b abgeschlossen wurden. Für mich, hat Verdi keine Legitimation diese Verhandlungen zu führen.

Das ist aber nicht die schuld von Verdi, sondern die der AG, die beschlossen haben den Tarifvertrag für alle anzuwenden. Es steht weiterhin jedem Bewerber frei, sich für einen AG im öD zu entscheiden, der auch individuelle AT-Verträge abschließt. Dass man solche AG nicht leicht finden wird (wenn überhaupt), sollte man sich aber bewusst machen.

Die Entscheidung der AG den Tarifvertrag von Verdi für alle anzuwenden ist ein Geniestreich.

JahrhundertwerkTVÖD

Zitat von: JesuisSVA in 04.08.2022 13:43
Verdi handelt und verhandelt ausschließlich für die eigenen Mitglieder und schließt auch ausschließlich für diese Tarifverträge ab. Für jeden anderen gelten TVÖD und Co. nur dann, wenn er es vereinbart hat. Das war dann seine jeweilige Entscheidung.

Darf ich daran erinnern, dass bei jeder Tarifverhandlung Verdi verkündet für alle zu verhandeln. Es werden von Verdi jedes mal, die Zahlen aller Tarifbeschäftigten genannt und nicht nur der Gewerkschaftsmitglieder.
Gerne könnt ihr euch alle Flyer aus der Vergangenheit durchlesen.

Selbst jetzt steht noch auf der HP von Verdi unter der Rubrik "Tarifrunde für die Beschäftigten der Länder 2021": "Gut zwei Wochen haben die verdi Mitglieder intensiv über das Tarifergebnis für die rund eine Million Tarifbeschäftigten vom 29. November diskutiert".

JesuisSVA

Warum sollte es von irgendwelcher Relevanz sein, was Verdi verkündet? Oder wie Verdi sich selbst sieht? Oder was Verdi auf Flyer druckt? Es ist rechtlich schlicht so, wie ich es dargestellt habe.

Kaiser80

Zitat von: JahrhundertwerkTVÖD in 04.08.2022 14:19

Gerne könnt ihr euch alle Flyer aus der Vergangenheit durchlesen.

Hilfe. Da lese ich ja lieber den Wachturm ;D

daseinsvorsorge

Zitat von: TVWaldschrat in 04.08.2022 14:14

Die Entscheidung der AG den Tarifvertrag von Verdi für alle anzuwenden ist ein Geniestreich.

Nö- kein Geniestreich- politisch so gewollt.

Opa

Ich weise dezent darauf hin, dass es außer dem hier immer wieder genannten Verein noch eine weitere Organisation gibt, die ihre Unterschrift auf Arbeitnehmerseite unter den TVöD setzt.

JesuisSVA

Für die gilt doch das gleiche.

MoinMoin

Vielleicht wollte Opa darauf hinweisen, dass man nicht nur auf ver.di, sondern auch auf die anderen die am Tisch sitzen hauen soll.

heike2106

Die Argumentation, verdi verhandle nur für seine Mitglieder, ist doch Quatsch. In purer Theorie vielleicht richtig, aber die einzige Wahl, die Nicht-Mitglieder hierbei meistens haben, wäre einfach, sich eben nicht bei dem öD AG zu bewerben.

Und als austauschbarer AN bis zu meist ca. EG 12, reagiert auch der AG nicht wirklich, wenn man beim Gehalt Sonderwünsche hat.

Ich fing als Azubi an, über 5, 6, bis aktuell 9b.
Bisher hat Verdi mich mit nichts beeindrucken können, das ich gesagt hätte, okay super, die unterstütze ich.
Ost-West Gehaltsangleichung inkl. Sonderzahlung viel zu spät, Arbeitszeitangleichung genauso viel zu spät und zu lang gezogen, Stufenlaufzeiten noch imner viel zu lang, LOB totaler Mist, VwL ein Witz,...
Das einzigst gute was mir spontan einfällt, war die stufengleiche Höhergruppierung. Die Urlaubsangleichung wegen Altersdiskriminierung ging ja nicht auf Verdis Kappe.

JesuisSVA

Verdi verhandelt nur für ihre Mitglieder. Punkt.
Verdi vertritt auch nur ihre Mitglieder. Punkt.
Der einzige Grund, warum der TVÖD Anwendung auf das Arbeitsverhältnis von Nichtmitgliedern findet, ist der Umstand, dass sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer darauf im Arbeitsvertrag geeinigt haben. Punkt.
Das scheint zudem der Regelfall zu sein. Das zeigt, dass der einzelne Arbeitnehmer in der Regel dasselbe Verhandlungsergebnis erzielt, wie es die Gewerkschaften tun. Das macht Gewerkschaften eigentlich überflüssig, denn ihr Argument ist ja, sie würden bessere Ergebnisse erzielen als es der einzelne Arbeitnehmer könne.

Aleksandra

Ein weiterer Tarifabschluss seitens verdi:

https://www.hessenschau.de/wirtschaft/einigung-im-tarifstreit-zwischen-lufthansa-und-gewerkschaft-verdi-mehr-geld-fuer-bodenpersonal,lufthansa-verdi-einigung-100.html

ZitatDie Beschäftigten erhalten in drei Stufen Gehaltserhöhungen von mindestens 325 Euro monatlich und weiteren 2,5 Prozent. Laut Verdi ergeben sich daraus für einzelne Beschäftigte am Check-In Gehaltssteigerungen zwischen 13,6 und 18,4 Prozent. Lufthansa sprach sogar von Steigerungen um 19,2 Prozent in der untersten Gehaltsstufe.

Da braucht man im TVÖD dann aber nicht mit Lohn-Preis-Spirale zu kommen, oder?  8)
Reallohnverlust seit Dienstantritt: 2,33%
2022: Inflation 6,9% - Verdi 1,8%
2023: Inflation 5,9% - Verdi 0%
2024: Inflation 2,2% - Verdi 9,03%
2025: Inflation 2,4% - Verdi 3,00%
2026/7: Inflation 2,75% - Verdi 3,99%

Schmitti

Die Lufthansa kann sich das im Gegensatz zum Staat ja auch problemlos leisten, denn nach dem recht großzügigen Corona-"Rettungspaket" des Bundes... oh, Moment...  ::)