Autor Thema: Tarifverhandlungen und die Inflation  (Read 236930 times)

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #1965 am: 01.09.2022 14:48 »
Und da hat Habeck unsere Planungen, die Ölheizung gegen eine Holzpellet-Heizung auszutauschen, durch das kurzfristige Zusammenstreichen der KfW- und BAFA-Förderungen nun erfolgreich torpediert.

Ist ja auch richtig so. Politik soll lenken und umweltfreundliche aber teure Heizungen gezielt fördern. Nun, da fossile Brennstoffe teurer geworden sind, ist die Anschaffung einer umweltfreundlichen Heizung wirtschaftlicher geworden. Warum also Steuergelder für ohnehin wirtschaftliche Lösungen rauswerfen?

Bastel

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #1966 am: 01.09.2022 14:51 »
Zitat
Warum hast du nicht noch schnell einen Antrag gestellt? Ich hab mir die Pellet Förderung gesichert... ob ichs umsetze... mal schauen.

Aufgrund der Höchstgrenze der förderfähigen Kosten bei der Beantragung von Einzelmaßnahmen. Wir wollten mit einem energieeffizienten Dach starten und nach Abschluss dieser Baumaßnahme mit einer Pelletheizung in einem erneuten Förderantrag fortfahren. Eine gemeinsame Beantragung der beiden Maßnahmen hätte nicht funktioniert, weil die sechs eingeholten Dachdecker-Kostenvoranschläge deutlich gezeigt haben, dass die förderfähigen Kosten bereits weitgehend durch das Dach aufgezehrt werden - zumindest, bei den aktuellen Kosten für Baumaterial und Handwerkerleistungen.

Und selbst das war eine Zitterpartie. Zwischen Veröffentlichung der BAFA-Pressemitteilung und Eintritt der verringerten Zuschüsse lagen ja lediglich zehn Tage. Ich glaube, unser Energieeffizienzberater war zwei Wochen auf Meth und hat keine Sekunde geschlafen, um die Kunden rechtzeitig abzuarbeiten.

Da die Monetarisierungsrechnung für die Pelletheizung trotz ursprünglich 55 %-Zuschuss eh nicht so pralle aussah, hätten wir das ohnehin eher für die Umwelt als für den Geldbeutel getan. Mal sehen, wie es mit dem neuen Dach aussehen wird: Der Energieeffizienberater sagt 15 bis 20 Prozent Öl-Einsparung voraus, die ausführenden Dachdecker sind da weniger zuversichtlich.

Die Ehefrau hätte glaube ich auch einen Antrag stellen können.

BAT

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #1967 am: 01.09.2022 15:00 »

 Warum also Steuergelder für ohnehin wirtschaftliche Lösungen rauswerfen?

Also so wie bei der Dieselsubvention?   ;) ;D

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #1968 am: 01.09.2022 15:35 »

 Warum also Steuergelder für ohnehin wirtschaftliche Lösungen rauswerfen?

Also so wie bei der Dieselsubvention?   ;) ;D

Dass Diesel subventioniert wird ist mir neu. Lediglich wohl geringer besteuert als Benzin. Eine im Beispiel genannte "Förderung" wäre eine Subvention.

Kaiser80

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #1969 am: 01.09.2022 15:40 »
Dass Diesel subventioniert wird ist mir neu. Lediglich wohl geringer besteuert als Benzin.
Und bei der KfZ Steuer doch sogar höher besteuert oder?

Herbert Meyer

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #1970 am: 01.09.2022 15:42 »
Zitat
Ist ja auch richtig so. Politik soll lenken und umweltfreundliche aber teure Heizungen gezielt fördern. Nun, da fossile Brennstoffe teurer geworden sind, ist die Anschaffung einer umweltfreundlichen Heizung wirtschaftlicher geworden. Warum also Steuergelder für ohnehin wirtschaftliche Lösungen rauswerfen?

Diese Schlussfolgerung ist falsch. Ohne die ursprüngliche Förderung ist der Weiterbetrieb der alten Öl-Heizung für meine Brieftasche wesentlich wirtschaftlicher. Selbst mit der ursprünglichen Förderung wäre höchstens eine minimale Ersparnis zu erzielen gewesen. Schon mal in den Kalender eintragen: In zwei Jahren nachprüfen, ob sich die Anzahl der installierten Pelletheizungen ab jetzt erhöht oder verringert ;D

Habeck befindet sich auf einem heiligen Kreuzzug für die Wärmepumpe. Deshalb wurde nun auch die Pelletheizung als fossiler Feind deklariert und beerdigt (sofern in absehbarer Zeit nicht technologische Durchbrüche erzielt werden, mit denen die Anlagenkosten eklatant sinken).

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #1971 am: 01.09.2022 16:11 »
Diese Schlussfolgerung ist falsch. Ohne die ursprüngliche Förderung ist der Weiterbetrieb der alten Öl-Heizung für meine Brieftasche wesentlich wirtschaftlicher. Selbst mit der ursprünglichen Förderung wäre höchstens eine minimale Ersparnis zu erzielen gewesen. Schon mal in den Kalender eintragen: In zwei Jahren nachprüfen, ob sich die Anzahl der installierten Pelletheizungen ab jetzt erhöht oder verringert ;D

Habeck befindet sich auf einem heiligen Kreuzzug für die Wärmepumpe. Deshalb wurde nun auch die Pelletheizung als fossiler Feind deklariert und beerdigt (sofern in absehbarer Zeit nicht technologische Durchbrüche erzielt werden, mit denen die Anlagenkosten eklatant sinken).

Na dann ist entweder das Öl noch zu billig oder das Prinzip der Holz-Pellet-Heizung taugt nichts.

Wärmepumpe klingt auch irgendwie sinniger, da der Energieträger nicht aufwändig hergestellt und transportiert werden muss.

Hugo Stieglitz

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #1972 am: 01.09.2022 16:53 »
Wärmepumpe erfordert aber einen enormen Umbau am Haus. Das Geld muss man haben bzw. die Miete muss man sich erstmal leisten können.

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #1973 am: 01.09.2022 16:56 »
Wärmepumpe erfordert aber einen enormen Umbau am Haus. Das Geld muss man haben bzw. die Miete muss man sich erstmal leisten können.

Außengerät stellen, Loch in die Wand, Innengerät tauschen. Das mit dem enormen Umbau verstehe ich nicht.

Hugo Stieglitz

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #1974 am: 01.09.2022 17:09 »
Ich kenne Wärmepumpen nur in Verbindung mit Fußbodenheizung + entsprechender Dämmung, da sonst die Wärmeleistung zu gering ist. Mal abgesehen davon, dass die auch Strom brauchen.

Opa

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #1975 am: 01.09.2022 17:26 »
So habe ich es auch lange geglaubt, allerdings gibt es hierzu auch andere Meinungen. Durchschnittliche Dämmung und großflächige Konvektor-Heizkörper können die notwendige Vorlauftemperatur auf unter 40’C bringen und sollen in Verbindung mit PV mittlerweile auch die Luft-Wasser-Wärmepumpe wirtschaftlicher machen, als eine konventionelle Gas-Brennwert-Therme.

Was mich derzeit davon abhält ist -neben der schlechten Verfügbarkeit von Material und Handwerkern-, dass man bei PV überwiegend dann Ertrag hat, wenn man die Heizung nicht so sehr benötigt. Gleichzeitig sind Stromspeicher viel zu teuer und die Einspeisevergütung liegt unter den Gestehungskosten für PV.

Wenn die rechtlichen und technischen Voraussetzungen geschaffen würden, dass Privatpersonen das öffentliche Stromnetz als Energiespeicher nutzen dürfen (also eine Saldierung der eingespeisten und entnommenen kWh Strom bis zur Obergrenze des Eigenverbrauchs), würde ich mir sofort flächendeckend die Panels aufs Dach stellen.

Aufgrund der Preisdynamik bei allen EE-Komponenten, Wärmepumpen, Handwerkerkosten und Strompreis kann man jeden Tag eine neue Wirtschaftlichkeitsberechnung machen. Meine mittlerweile überholten Daten von vor einem Jahr sahen in etwa so aus:
Gestehungskosten PV: 8 Cent pro kWh auf 20 Jahre
Speicherkosten PV-Strom: 16 Cent pro kWh auf 20 Jahre
Mehrkosten Wärmepumpe, wenn der Austausch der Brennwert-Therme eh ansteht: 6.000 Euro
Einsparpotential Wärmepumpe durch Eigenverbrauch PV-Strom (60%) abzüglich Netzstrom (40%): 700 Euro/Jahr auf 15 Jahre = 10.500 Euro

Demgegenüber steht ein Preis meines aktuellen Stromanbieters von 21 Cent pro kWh, somit habe ich mich damals dagegen entschieden. Wenn im Winter meine Preisgarantie ausläuft, sieht die Rechnung wahrscheinlich ganz anders aus.
« Last Edit: 01.09.2022 17:38 von Opa »

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #1976 am: 02.09.2022 08:02 »
Ich kenne Wärmepumpen nur in Verbindung mit Fußbodenheizung + entsprechender Dämmung, da sonst die Wärmeleistung zu gering ist. Mal abgesehen davon, dass die auch Strom brauchen.

Dann ist dein Kenntnisstand nicht aktuell. Stichwort: Hochtemperatur-Wärmepumpen.

Herbert Meyer

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #1977 am: 02.09.2022 08:47 »
Ich kenne Wärmepumpen nur in Verbindung mit Fußbodenheizung + entsprechender Dämmung, da sonst die Wärmeleistung zu gering ist. Mal abgesehen davon, dass die auch Strom brauchen.

Dann ist dein Kenntnisstand nicht aktuell. Stichwort: Hochtemperatur-Wärmepumpen.

Naja, der Bauingenieur bzw. Energieeffizienzexperte hat uns vor "ein Loch in die Wand bohren und Wärmepumpe installieren" leider noch ein paar Zwischenschritte genannt: Komplette Außendämmung, Abriss des Balkons (wirkt ansonsten als Wärmebrücke und transportiert Feuchtigkeit in die Dämmung), vollständige neue Fenster und Türen (da ansonsten U-Wert-Diskrepanz zur neuen Dämmung zu groß). An die Maßnahmen schließe sich dann die Überlegung an, ob alle Böden für eine neue Fußbodenheizung aufgerissen werden, oder ob man mit einer Hochtemperatur-Wärmepumpe experimentiert. Achja, die PV-Anlage auf dem Dach vergessen. Investitionskosten in mittlerer sechsstelliger Höhe (die Steuerungseinheit, das einzige was an meinem Öl-Kessel kaputtgehen kann, kostet übrigens 240 Euro). Und das sind alles eigentlich intakte Gebäudeteile, Fenster z. B. 15 Jahre alt, innen alles frisch renoviert. Die absurde Spitze: In unserer Region wird der Strom aus Gas und der Verbrennung von Müll (also weitgehend Erdöl-Produkten) erzeugt.

Oder um auf das eigentliche Thema zurückzukommen: Der politische Wunsch, der Inflation mit einem Energieverbrauch in Richtung 0 zu begegnen, stößt bei Privatpersonen an gewisse physikalische und finanzielle Grenzen. Deshalb sind entsprechend hohe Tarifabschlüsse notwendig.

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #1978 am: 02.09.2022 08:53 »
Naja, der Bauingenieur bzw. Energieeffizienzexperte hat uns vor "ein Loch in die Wand bohren und Wärmepumpe installieren" leider noch ein paar Zwischenschritte genannt: Komplette Außendämmung, Abriss des Balkons (wirkt ansonsten als Wärmebrücke und transportiert Feuchtigkeit in die Dämmung), vollständige neue Fenster und Türen (da ansonsten U-Wert-Diskrepanz zur neuen Dämmung zu groß). An die Maßnahmen schließe sich dann die Überlegung an, ob alle Böden für eine neue Fußbodenheizung aufgerissen werden, oder ob man mit einer Hochtemperatur-Wärmepumpe experimentiert. Achja, die PV-Anlage auf dem Dach vergessen. Investitionskosten in mittlerer sechsstelliger Höhe (die Steuerungseinheit, das einzige was an meinem Öl-Kessel kaputtgehen kann, kostet übrigens 240 Euro). Und das sind alles eigentlich intakte Gebäudeteile, Fenster z. B. 15 Jahre alt, innen alles frisch renoviert. Die absurde Spitze: In unserer Region wird der Strom aus Gas und der Verbrennung von Müll (also weitgehend Erdöl-Produkten) erzeugt.

Wenn es nur um den Austausch der Wärmequelle geht, ist das völlig übertrieben. Wenn es um einen vollständige energieeffizienten Umbau des Hauses geht und man einmal alles will, würde es stimmen.
Es liegt somit am Hausbesitzer zu entscheiden, was man möchte.

Ob eine Hochtemperatur-Wärmepumpe ein Experiment oder eine sinnvolle Investition ist, mag jeder selbst beurteilen.

DiVO

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #1979 am: 02.09.2022 08:57 »
Ich kenne Wärmepumpen nur in Verbindung mit Fußbodenheizung + entsprechender Dämmung, da sonst die Wärmeleistung zu gering ist. Mal abgesehen davon, dass die auch Strom brauchen.

Dann ist dein Kenntnisstand nicht aktuell. Stichwort: Hochtemperatur-Wärmepumpen.

Naja, der Bauingenieur bzw. Energieeffizienzexperte hat uns vor "ein Loch in die Wand bohren und Wärmepumpe installieren" leider noch ein paar Zwischenschritte genannt: Komplette Außendämmung, Abriss des Balkons (wirkt ansonsten als Wärmebrücke und transportiert Feuchtigkeit in die Dämmung), vollständige neue Fenster und Türen (da ansonsten U-Wert-Diskrepanz zur neuen Dämmung zu groß). An die Maßnahmen schließe sich dann die Überlegung an, ob alle Böden für eine neue Fußbodenheizung aufgerissen werden, oder ob man mit einer Hochtemperatur-Wärmepumpe experimentiert. Achja, die PV-Anlage auf dem Dach vergessen. Investitionskosten in mittlerer sechsstelliger Höhe (die Steuerungseinheit, das einzige was an meinem Öl-Kessel kaputtgehen kann, kostet übrigens 240 Euro). Und das sind alles eigentlich intakte Gebäudeteile, Fenster z. B. 15 Jahre alt, innen alles frisch renoviert. Die absurde Spitze: In unserer Region wird der Strom aus Gas und der Verbrennung von Müll (also weitgehend Erdöl-Produkten) erzeugt.

Oder um auf das eigentliche Thema zurückzukommen: Der politische Wunsch, der Inflation mit einem Energieverbrauch in Richtung 0 zu begegnen, stößt bei Privatpersonen an gewisse physikalische und finanzielle Grenzen. Deshalb sind entsprechend hohe Tarifabschlüsse notwendig.

Ich frage mal ganz sarkastisch: Und was genau hat nun dein Arbeitgeber damit zu tun, dass du nicht mit deinem Geld zurechtkommst und deine Energiekosten gestiegen sind? Ich sehe da ehtlich gesagt keinen Zusammenhang.