Autor Thema: Tarifverhandlungen und die Inflation  (Read 236945 times)

Bastel

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #1980 am: 02.09.2022 08:58 »

 Warum also Steuergelder für ohnehin wirtschaftliche Lösungen rauswerfen?

Also so wie bei der Dieselsubvention?   ;) ;D

Dass Diesel subventioniert wird ist mir neu. Lediglich wohl geringer besteuert als Benzin. Eine im Beispiel genannte "Förderung" wäre eine Subvention.

Wie ich lernen musste, zählt auch eine geringere Besteuerung als Subvention. Grotesk, aber so ist es...

Organisator

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #1981 am: 02.09.2022 09:46 »

 Warum also Steuergelder für ohnehin wirtschaftliche Lösungen rauswerfen?

Also so wie bei der Dieselsubvention?   ;) ;D

Dass Diesel subventioniert wird ist mir neu. Lediglich wohl geringer besteuert als Benzin. Eine im Beispiel genannte "Förderung" wäre eine Subvention.

Wie ich lernen musste, zählt auch eine geringere Besteuerung als Subvention. Grotesk, aber so ist es...

Interessant! Scheinbar gibts keine allgemeingültige Definition für "Subvention". Wieder was gelernt.

Herbert Meyer

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #1982 am: 02.09.2022 10:08 »
Zitat
Ich frage mal ganz sarkastisch: Und was genau hat nun dein Arbeitgeber damit zu tun, dass du nicht mit deinem Geld zurechtkommst und deine Energiekosten gestiegen sind? Ich sehe da ehtlich gesagt keinen Zusammenhang.

Der Zusammenhang ist eigentlich recht simpel: Die Qualität meiner Arbeit ist nicht gesunken, die Kaufkraft der Entlohnung aber schon. Da meine Profession nicht auf den Öffentlichen Dienst beschränkt ist, sollte bei meinem Arbeitgeber also ein Interesse bestehen, diese Diskrepanz wieder zu schließen - oder zumindest von der Konkurrenz nicht abgehängt zu werden. Ich werde mich auf jeden Fall nicht damit zufriedengeben, irgendwann in die bereits jetzt 60-prozentige Gruppe der Deutschen abzufallen, die keine Spar- oder Investitionsfähigkeit mehr besitzen. Denn auch wenn das neue Dach nun bezahlt ist, wird irgendwann abseits von Wärmepumpen und anderen politischen Wolkenkuckucksheimen ein Bauteil Mal wieder Ertüchtigung benötigen. Das ist lediglich vorausschauende Lebensplanung, und ein kleines Puzzleteil davon betrifft die anstehende Tarifverhandlung.

DiVO

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #1983 am: 02.09.2022 10:34 »
Zitat
Ich frage mal ganz sarkastisch: Und was genau hat nun dein Arbeitgeber damit zu tun, dass du nicht mit deinem Geld zurechtkommst und deine Energiekosten gestiegen sind? Ich sehe da ehtlich gesagt keinen Zusammenhang.

Der Zusammenhang ist eigentlich recht simpel: Die Qualität meiner Arbeit ist nicht gesunken, die Kaufkraft der Entlohnung aber schon. Da meine Profession nicht auf den Öffentlichen Dienst beschränkt ist, sollte bei meinem Arbeitgeber also ein Interesse bestehen, diese Diskrepanz wieder zu schließen - oder zumindest von der Konkurrenz nicht abgehängt zu werden. Ich werde mich auf jeden Fall nicht damit zufriedengeben, irgendwann in die bereits jetzt 60-prozentige Gruppe der Deutschen abzufallen, die keine Spar- oder Investitionsfähigkeit mehr besitzen. Denn auch wenn das neue Dach nun bezahlt ist, wird irgendwann abseits von Wärmepumpen und anderen politischen Wolkenkuckucksheimen ein Bauteil Mal wieder Ertüchtigung benötigen. Das ist lediglich vorausschauende Lebensplanung, und ein kleines Puzzleteil davon betrifft die anstehende Tarifverhandlung.

Und nochmal die Frage: Weshalb sollte sich der Arbeitgeber dein Problem zu seinem eigenem machen? Im Gegenzug könnte der doch auch sagen: Die Heizkosten für das dir zur Verfügung gestellte Büro haben sich genauso verdoppelt wie der Strom, den du für deinen PC in deinem Büro benötigst. In ein paar Jahren benötigen das Bürogebäude ein neues Dach und die Heizung hat auch nicht mehr das ewige Leben. Wir möchten gerne vorausschauend planen und müssen dir deshalb leider mitteilen, dass wir die nächsten drei Jahre keine Gehaltserhöhungen geben können.

Andersrum akzeptierst du das Argument doch auch nicht. Wieso sollte es also dein Arbeitgeber tun??

OrganisationsGuy

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #1984 am: 02.09.2022 10:59 »
Zitat
Ich frage mal ganz sarkastisch: Und was genau hat nun dein Arbeitgeber damit zu tun, dass du nicht mit deinem Geld zurechtkommst und deine Energiekosten gestiegen sind? Ich sehe da ehtlich gesagt keinen Zusammenhang.

Der Zusammenhang ist eigentlich recht simpel: Die Qualität meiner Arbeit ist nicht gesunken, die Kaufkraft der Entlohnung aber schon. Da meine Profession nicht auf den Öffentlichen Dienst beschränkt ist, sollte bei meinem Arbeitgeber also ein Interesse bestehen, diese Diskrepanz wieder zu schließen - oder zumindest von der Konkurrenz nicht abgehängt zu werden. Ich werde mich auf jeden Fall nicht damit zufriedengeben, irgendwann in die bereits jetzt 60-prozentige Gruppe der Deutschen abzufallen, die keine Spar- oder Investitionsfähigkeit mehr besitzen. Denn auch wenn das neue Dach nun bezahlt ist, wird irgendwann abseits von Wärmepumpen und anderen politischen Wolkenkuckucksheimen ein Bauteil Mal wieder Ertüchtigung benötigen. Das ist lediglich vorausschauende Lebensplanung, und ein kleines Puzzleteil davon betrifft die anstehende Tarifverhandlung.

Und nochmal die Frage: Weshalb sollte sich der Arbeitgeber dein Problem zu seinem eigenem machen? Im Gegenzug könnte der doch auch sagen: Die Heizkosten für das dir zur Verfügung gestellte Büro haben sich genauso verdoppelt wie der Strom, den du für deinen PC in deinem Büro benötigst. In ein paar Jahren benötigen das Bürogebäude ein neues Dach und die Heizung hat auch nicht mehr das ewige Leben. Wir möchten gerne vorausschauend planen und müssen dir deshalb leider mitteilen, dass wir die nächsten drei Jahre keine Gehaltserhöhungen geben können.

Andersrum akzeptierst du das Argument doch auch nicht. Wieso sollte es also dein Arbeitgeber tun??

Weil wir derzeit in einem Arbeitsmarkt leben in dem der Arbeitnehmer gefragter ist als der Arbeitgeber. Wenn mein derzeitiger Arbeitgeber nicht hinterherkommt dann wird es einen Konkurrenten geben der Geld in die Hand nimmt um sich Fachpersonal zu sichern und seine Aufgabenfelder zu erfüllen.

Erfahrungsbericht meiner ländlich angehauchten Region hier in Rheinland-Pfalz:

Vor 20 Jahren kamen auf die Stellenausschreibungen 30 Bewerber. Heute wird die Stellenausschreibung acht Monate lang wiederkehrend ausgeschrieben weil sich auf die E10 Stelle für Haushaltsrecht keiner bewirbt.

Die Arbeitnehmer suchen sich aus worauf sie Lust haben. Und das wird in Zukunft nur schlimmer für die Arbeitgeber. Mit jedem Jahr wächst die Diversität an neuen Einkommensmöglichkeiten und Arbeitsstellen in der Welt.

Wenn ich mir allein angucke wie viele Influencer, Youtuber, TikToker und weiß der Geier was es heutzutage noch alles gibt, dem Arbeitsmarkt fehlen, wird schnell klar - das wird in Zukunft nur schlimmer für den privaten sowie öffentlichen Arbeitgeber. Wer will denn noch im Büro sitzen und Vergaberecht machen wenn er auch Fitnesscoach auf Twitch oder Reiseinfluencer bei Instagram machen kann für besseres Geld.

BAT

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #1985 am: 02.09.2022 11:14 »

Und nochmal die Frage: Weshalb sollte sich der Arbeitgeber dein Problem zu seinem eigenem machen? Im Gegenzug könnte der doch auch sagen: Die Heizkosten für das dir zur Verfügung gestellte Büro haben sich genauso verdoppelt wie der Strom, den du für deinen PC in deinem Büro benötigst. In ein paar Jahren benötigen das Bürogebäude ein neues Dach und die Heizung hat auch nicht mehr das ewige Leben. Wir möchten gerne vorausschauend planen und müssen dir deshalb leider mitteilen, dass wir die nächsten drei Jahre keine Gehaltserhöhungen geben können.

Andersrum akzeptierst du das Argument doch auch nicht. Wieso sollte es also dein Arbeitgeber tun??

Die Kosten für den Arbeitsplatz werden wegen "Home Office" bereits heute - und in Zukunft noch viel mehr - vom Arbeitgeber auf den Arbeitnehmer verlagert. Wir haben derzeit eher Mehreinnahmen, da nicht mehr benötigte Räume an private Unternehmen vermietet werden.

Opa

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #1986 am: 02.09.2022 13:11 »
Zitat
Ich frage mal ganz sarkastisch: Und was genau hat nun dein Arbeitgeber damit zu tun, dass du nicht mit deinem Geld zurechtkommst und deine Energiekosten gestiegen sind? Ich sehe da ehtlich gesagt keinen Zusammenhang.

Der Zusammenhang ist eigentlich recht simpel: Die Qualität meiner Arbeit ist nicht gesunken, die Kaufkraft der Entlohnung aber schon. Da meine Profession nicht auf den Öffentlichen Dienst beschränkt ist, sollte bei meinem Arbeitgeber also ein Interesse bestehen, diese Diskrepanz wieder zu schließen - oder zumindest von der Konkurrenz nicht abgehängt zu werden. Ich werde mich auf jeden Fall nicht damit zufriedengeben, irgendwann in die bereits jetzt 60-prozentige Gruppe der Deutschen abzufallen, die keine Spar- oder Investitionsfähigkeit mehr besitzen. Denn auch wenn das neue Dach nun bezahlt ist, wird irgendwann abseits von Wärmepumpen und anderen politischen Wolkenkuckucksheimen ein Bauteil Mal wieder Ertüchtigung benötigen. Das ist lediglich vorausschauende Lebensplanung, und ein kleines Puzzleteil davon betrifft die anstehende Tarifverhandlung.

Und nochmal die Frage: Weshalb sollte sich der Arbeitgeber dein Problem zu seinem eigenem machen? Im Gegenzug könnte der doch auch sagen: Die Heizkosten für das dir zur Verfügung gestellte Büro haben sich genauso verdoppelt wie der Strom, den du für deinen PC in deinem Büro benötigst. In ein paar Jahren benötigen das Bürogebäude ein neues Dach und die Heizung hat auch nicht mehr das ewige Leben. Wir möchten gerne vorausschauend planen und müssen dir deshalb leider mitteilen, dass wir die nächsten drei Jahre keine Gehaltserhöhungen geben können.

Andersrum akzeptierst du das Argument doch auch nicht. Wieso sollte es also dein Arbeitgeber tun??
Weil die meisten Menschen arbeiten, um sich ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Wenn der Lebensunterhalt teurer wird und das Gehalt nicht proportional ansteigt, sinkt somit der Wert des Gehalts. Gehalt und Arbeitsleistung sind die Hauptpflichten der Parteien eines Arbeitsvertrags. Wenn der Wert der AN-Hauptpflicht konstant bleibt und der Wert der AG-Hauptpflicht abnimmt, liegt es auf der Hand, dass der AN Forderungen aufstellt.

BAT

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #1987 am: 02.09.2022 16:45 »
Ich halte reale Geschnessi nicht für die richtige Grundlage für Forderung. Das ist Duckmäuschentum...

Als Begründung für diese Forderungen sind einige hier angebrachte Punkte sicherlich nützlich.

DiVO

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #1988 am: 05.09.2022 09:40 »
Zitat
Ich frage mal ganz sarkastisch: Und was genau hat nun dein Arbeitgeber damit zu tun, dass du nicht mit deinem Geld zurechtkommst und deine Energiekosten gestiegen sind? Ich sehe da ehtlich gesagt keinen Zusammenhang.

Der Zusammenhang ist eigentlich recht simpel: Die Qualität meiner Arbeit ist nicht gesunken, die Kaufkraft der Entlohnung aber schon. Da meine Profession nicht auf den Öffentlichen Dienst beschränkt ist, sollte bei meinem Arbeitgeber also ein Interesse bestehen, diese Diskrepanz wieder zu schließen - oder zumindest von der Konkurrenz nicht abgehängt zu werden. Ich werde mich auf jeden Fall nicht damit zufriedengeben, irgendwann in die bereits jetzt 60-prozentige Gruppe der Deutschen abzufallen, die keine Spar- oder Investitionsfähigkeit mehr besitzen. Denn auch wenn das neue Dach nun bezahlt ist, wird irgendwann abseits von Wärmepumpen und anderen politischen Wolkenkuckucksheimen ein Bauteil Mal wieder Ertüchtigung benötigen. Das ist lediglich vorausschauende Lebensplanung, und ein kleines Puzzleteil davon betrifft die anstehende Tarifverhandlung.

Und nochmal die Frage: Weshalb sollte sich der Arbeitgeber dein Problem zu seinem eigenem machen? Im Gegenzug könnte der doch auch sagen: Die Heizkosten für das dir zur Verfügung gestellte Büro haben sich genauso verdoppelt wie der Strom, den du für deinen PC in deinem Büro benötigst. In ein paar Jahren benötigen das Bürogebäude ein neues Dach und die Heizung hat auch nicht mehr das ewige Leben. Wir möchten gerne vorausschauend planen und müssen dir deshalb leider mitteilen, dass wir die nächsten drei Jahre keine Gehaltserhöhungen geben können.

Andersrum akzeptierst du das Argument doch auch nicht. Wieso sollte es also dein Arbeitgeber tun??

Weil wir derzeit in einem Arbeitsmarkt leben in dem der Arbeitnehmer gefragter ist als der Arbeitgeber. Wenn mein derzeitiger Arbeitgeber nicht hinterherkommt dann wird es einen Konkurrenten geben der Geld in die Hand nimmt um sich Fachpersonal zu sichern und seine Aufgabenfelder zu erfüllen.

Erfahrungsbericht meiner ländlich angehauchten Region hier in Rheinland-Pfalz:

Vor 20 Jahren kamen auf die Stellenausschreibungen 30 Bewerber. Heute wird die Stellenausschreibung acht Monate lang wiederkehrend ausgeschrieben weil sich auf die E10 Stelle für Haushaltsrecht keiner bewirbt.

Die Arbeitnehmer suchen sich aus worauf sie Lust haben. Und das wird in Zukunft nur schlimmer für die Arbeitgeber. Mit jedem Jahr wächst die Diversität an neuen Einkommensmöglichkeiten und Arbeitsstellen in der Welt.

Ich habe dazu folgende Frage: Was genau soll da eine Tariferhöhung in Höhe von 5, 10 oder 15 % ausrichten? Glaubst du wirklich, dass eine einzelne Tariferhöhung hier dafür sorgt, dass euch die Bewerber die Bude einrennen?

Eher wahrscheinlich ist doch folgendes Szenario: Durch die flächendeckende Erhöhung der Tabellenentgelte werden die unteren Entgeltgruppen immer teurer für den Arbeitgeber und die dort gezahlten Gehälter koppeln sich immer mehr von vergleichbaren Tätigkeiten in der Privatwirtschaft. Die Anzahl der Bewerber auf solche Stellen wird weiter steigen.

Mein Vorschlag hierzu: Endlich die Digitalisierung und Automatisierung des standardisierten Massengeschäfts voranbringen und umsetzen. Hier ist richtiges Einsparpotenzial vorhanden. Verwaltungsgemeinschaften vergrößern und Rathäuser zusammenlegen, um Synergien zu erzielen. Die frei gewordenen Haushaltsmittel können dann für eine anständige Bezahlung, gerne auch über der Zulagen, der wirklich relevanten Stellen verwendet werden.

WasDennNun

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #1989 am: 05.09.2022 10:14 »
Zitat
Ich frage mal ganz sarkastisch: Und was genau hat nun dein Arbeitgeber damit zu tun, dass du nicht mit deinem Geld zurechtkommst und deine Energiekosten gestiegen sind? Ich sehe da ehtlich gesagt keinen Zusammenhang.

Der Zusammenhang ist eigentlich recht simpel: Die Qualität meiner Arbeit ist nicht gesunken, die Kaufkraft der Entlohnung aber schon. Da meine Profession nicht auf den Öffentlichen Dienst beschränkt ist, sollte bei meinem Arbeitgeber also ein Interesse bestehen, diese Diskrepanz wieder zu schließen - oder zumindest von der Konkurrenz nicht abgehängt zu werden. Ich werde mich auf jeden Fall nicht damit zufriedengeben, irgendwann in die bereits jetzt 60-prozentige Gruppe der Deutschen abzufallen, die keine Spar- oder Investitionsfähigkeit mehr besitzen. Denn auch wenn das neue Dach nun bezahlt ist, wird irgendwann abseits von Wärmepumpen und anderen politischen Wolkenkuckucksheimen ein Bauteil Mal wieder Ertüchtigung benötigen. Das ist lediglich vorausschauende Lebensplanung, und ein kleines Puzzleteil davon betrifft die anstehende Tarifverhandlung.

Und nochmal die Frage: Weshalb sollte sich der Arbeitgeber dein Problem zu seinem eigenem machen? Im Gegenzug könnte der doch auch sagen: Die Heizkosten für das dir zur Verfügung gestellte Büro haben sich genauso verdoppelt wie der Strom, den du für deinen PC in deinem Büro benötigst. In ein paar Jahren benötigen das Bürogebäude ein neues Dach und die Heizung hat auch nicht mehr das ewige Leben. Wir möchten gerne vorausschauend planen und müssen dir deshalb leider mitteilen, dass wir die nächsten drei Jahre keine Gehaltserhöhungen geben können.

Andersrum akzeptierst du das Argument doch auch nicht. Wieso sollte es also dein Arbeitgeber tun??

Weil wir derzeit in einem Arbeitsmarkt leben in dem der Arbeitnehmer gefragter ist als der Arbeitgeber. Wenn mein derzeitiger Arbeitgeber nicht hinterherkommt dann wird es einen Konkurrenten geben der Geld in die Hand nimmt um sich Fachpersonal zu sichern und seine Aufgabenfelder zu erfüllen.

Erfahrungsbericht meiner ländlich angehauchten Region hier in Rheinland-Pfalz:

Vor 20 Jahren kamen auf die Stellenausschreibungen 30 Bewerber. Heute wird die Stellenausschreibung acht Monate lang wiederkehrend ausgeschrieben weil sich auf die E10 Stelle für Haushaltsrecht keiner bewirbt.

Die Arbeitnehmer suchen sich aus worauf sie Lust haben. Und das wird in Zukunft nur schlimmer für die Arbeitgeber. Mit jedem Jahr wächst die Diversität an neuen Einkommensmöglichkeiten und Arbeitsstellen in der Welt.

Ich habe dazu folgende Frage: Was genau soll da eine Tariferhöhung in Höhe von 5, 10 oder 15 % ausrichten? Glaubst du wirklich, dass eine einzelne Tariferhöhung hier dafür sorgt, dass euch die Bewerber die Bude einrennen?
Korrekt.
Was nötig ist:
Bessere regionale Zulagemöglichkeiten in einer Höhe, so dass sie entsprechend der Tätigkeiten ortsangemessen konkurrenzfähig sind.
Besseres Marketing für den Job.
Auf Stepstone etc. die neuen Kollegen suchen/ansprechen.
Austausch von 90% der Personaler durch fähiges Personal.

Dann klappt es auch mit der Akquise.
Zumindest haben wir inzwischen einige recht gute ITler damit für uns gewinnen können.

TVWaldschrat

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #1990 am: 05.09.2022 10:41 »
Das Entlastungspaket mit der Steuerfreien Zusatzzahlung von maximal 3000€ ist doch was für die nächste Tarifverhandlung beim TVöD. Dann braucht man die Tabellenentgelte auch nicht so stark erhöhen, wenn die Einmalzahlung sogar Steuerfrei ist!

Britta2

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #1991 am: 05.09.2022 10:44 »
Mehr Verlagerung ins Homeoffice bedeutet reale Mehrkosten für die AN ohne echten Ausgleich (ausgenommen Weg zur Arbeit und morgens länger schlafen können).
Was eventuelle höhere Löhne der unteren Lohngruppen betrifft, besteht die Möglichkeit der Arbeitsverlagerung "nach unten" d.h. Ausdünnen der Chefetage. Denn für die korrete Entlohnung höherwertigerer Tätigkeiten müssen auch die entsprechenden Qualifikationen nachgewiesen werden. Alles eine Frage des Willens und Könnens ...
Klar klammert die Chefetage an den seit Jahrzehnten gewohnten bequemen Sesseln und schimpft nach "unten"  ;D

TVWaldschrat

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #1992 am: 05.09.2022 10:46 »
Zitat
Ich frage mal ganz sarkastisch: Und was genau hat nun dein Arbeitgeber damit zu tun, dass du nicht mit deinem Geld zurechtkommst und deine Energiekosten gestiegen sind? Ich sehe da ehtlich gesagt keinen Zusammenhang.

Der Zusammenhang ist eigentlich recht simpel: Die Qualität meiner Arbeit ist nicht gesunken, die Kaufkraft der Entlohnung aber schon. Da meine Profession nicht auf den Öffentlichen Dienst beschränkt ist, sollte bei meinem Arbeitgeber also ein Interesse bestehen, diese Diskrepanz wieder zu schließen - oder zumindest von der Konkurrenz nicht abgehängt zu werden. Ich werde mich auf jeden Fall nicht damit zufriedengeben, irgendwann in die bereits jetzt 60-prozentige Gruppe der Deutschen abzufallen, die keine Spar- oder Investitionsfähigkeit mehr besitzen. Denn auch wenn das neue Dach nun bezahlt ist, wird irgendwann abseits von Wärmepumpen und anderen politischen Wolkenkuckucksheimen ein Bauteil Mal wieder Ertüchtigung benötigen. Das ist lediglich vorausschauende Lebensplanung, und ein kleines Puzzleteil davon betrifft die anstehende Tarifverhandlung.

Und nochmal die Frage: Weshalb sollte sich der Arbeitgeber dein Problem zu seinem eigenem machen? Im Gegenzug könnte der doch auch sagen: Die Heizkosten für das dir zur Verfügung gestellte Büro haben sich genauso verdoppelt wie der Strom, den du für deinen PC in deinem Büro benötigst. In ein paar Jahren benötigen das Bürogebäude ein neues Dach und die Heizung hat auch nicht mehr das ewige Leben. Wir möchten gerne vorausschauend planen und müssen dir deshalb leider mitteilen, dass wir die nächsten drei Jahre keine Gehaltserhöhungen geben können.

Andersrum akzeptierst du das Argument doch auch nicht. Wieso sollte es also dein Arbeitgeber tun??

Weil wir derzeit in einem Arbeitsmarkt leben in dem der Arbeitnehmer gefragter ist als der Arbeitgeber. Wenn mein derzeitiger Arbeitgeber nicht hinterherkommt dann wird es einen Konkurrenten geben der Geld in die Hand nimmt um sich Fachpersonal zu sichern und seine Aufgabenfelder zu erfüllen.

Erfahrungsbericht meiner ländlich angehauchten Region hier in Rheinland-Pfalz:

Vor 20 Jahren kamen auf die Stellenausschreibungen 30 Bewerber. Heute wird die Stellenausschreibung acht Monate lang wiederkehrend ausgeschrieben weil sich auf die E10 Stelle für Haushaltsrecht keiner bewirbt.

Die Arbeitnehmer suchen sich aus worauf sie Lust haben. Und das wird in Zukunft nur schlimmer für die Arbeitgeber. Mit jedem Jahr wächst die Diversität an neuen Einkommensmöglichkeiten und Arbeitsstellen in der Welt.

Ich habe dazu folgende Frage: Was genau soll da eine Tariferhöhung in Höhe von 5, 10 oder 15 % ausrichten? Glaubst du wirklich, dass eine einzelne Tariferhöhung hier dafür sorgt, dass euch die Bewerber die Bude einrennen?
Korrekt.
Was nötig ist:
Bessere regionale Zulagemöglichkeiten in einer Höhe, so dass sie entsprechend der Tätigkeiten ortsangemessen konkurrenzfähig sind.
Besseres Marketing für den Job.
Auf Stepstone etc. die neuen Kollegen suchen/ansprechen.
Austausch von 90% der Personaler durch fähiges Personal.

Dann klappt es auch mit der Akquise.
Zumindest haben wir inzwischen einige recht gute ITler damit für uns gewinnen können.

Bei meinem alten AG wurden die unfähigen Personaler letztens befördert und man wundert sich, warum die Bewerber immer abspringen. So kann's auch gehen.

WasDennNun

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #1993 am: 05.09.2022 10:52 »
Bei meinem alten AG wurden die unfähigen Personaler letztens befördert und man wundert sich, warum die Bewerber immer abspringen. So kann's auch gehen.
Bei meinem aktuellem AG waren die Personaler (und Führungsebene) lernfähig, es geht immer besser mit den Bewerbern.

skiveren

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #1994 am: 05.09.2022 21:39 »
Ich ahne schlimmes:
Das darf nicht wird wieder eine steuerfreie "Einmalzahlungstarifrunde" werden.
Hier müssen auf die nächsten Jahre wirksame Prozente kommen.
7% Laufzeit, 12 Monate müssen es mindestens sein..alles andere ist unakzeptabel..
Die sich damit auch dynamisch auf die nächsten Jahren auswirken, die Rentenwirksam werden.
Die Preis-Lohnspirale muss mit wirksamen, dauerhaft wirkenden prozentualen Erhöhungen durchbrochen werden.
Erhöht sich 2023 das dann so genannte Bürgergeld wie geplant braucht ein Familienvater mit z.B. 2 Kinder bis E4/E5 im öffentlichen Dienst nicht mehr arbeiten gehen..