Autor Thema: Tarifverhandlungen und die Inflation  (Read 489271 times)

cyrix42

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #3495 am: 14.10.2022 18:25 »
Die Forderung von 10,5% bleibt hinter der Inflation schon deutlich zurück. Eine Gehaltserhöhung wäre ja brutto und was davon netto übrigbleibt, hängt von den Sozialversicherungsabgaben und vom persönlichen Steuersatz ab. Gesamtabzüge von 45% sind keine Seltenheit.
Bliebe eine Erhöhung von rund 5,7% netto übrig. Was einen deutlichen Reallohnvelust darstellt!

Du hast einfach keine Ahnung...

Leider ist aber nicht mal der amtierende Bundesfinanzminister in der Lage, das Phänomen der "kalten Progression" sinnvoll zu erklären:

https://www.fdp.de/kalte-progression-abbauen

Zitat von: Christian Lindner
Aber es gibt auch eine kalte Progression. Und die entsteht durch Inflation:

Also Menschen, die keine breiteren Schultern haben, rücken im Steuertarif nach oben auf und zahlen dann auch prozentual mehr Steuern, also eine Steuererhöhung, obwohl man gar nicht mehr Geld verfügbar hat.

Blödsinn. Wenn man "nicht mehr Geld verfügbar hat", also keine Lohnerhöhung bekommen hat, zahlt man auch nicht mehr Steuern. Was Lindner meint, aber nicht sagt, ist, dass man, wenn man eine Lohnerhöhung in Höhe der Inflationsrate erhalten hat, durch den höheren zu zahlenden Durchschnittssteuersatz zwar immer noch ein höheres Netto-Einkommen wie zuvor hat, dieses aber durch die Inflation eine geringere Kaufkraft als das bisherige Netto-Einkommen besitzt. Das ist aber natürlich etwas völlig anderes als das, was er behauptet.

Insofern ist es zwar traurig, leider aber wohl auch völlig normal, dass viele Menschen keine Ahnung vom Wirken der Einkommensteuer haben -- und dann, wie oben auch beispielhaft gezeigt, Blödsinn dazu von sich geben.

JesuisSVA

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #3496 am: 14.10.2022 18:46 »
Deine Kritik an Lindner verfängt genau dann, wenn man Geld nach seinem nominalen und nicht nach seinem realen Wert auffasst. Das ist zwar nicht völlig abwegig und auch recht verbreitet, aber eben auch nur eine von mindestens zwei möglichen Sichtweisen. Bekomme ich statt 500€ bald 750€ und betrachte dies nominal, sind das 250€ mehr. Besitzen die 750€ aber einen realen Wert, der den vormals 500€ entspricht oder gar unter diesem liegt, habe ich bei der Realwertbetrachtung nicht mehr Geld zur Verfügung, sondern lediglich einen höheren Nennwert, der über die progressive Besteuerung zu dem von Lindner beschriebenen Nachteil führt.

cyrix42

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #3497 am: 14.10.2022 19:04 »
Da die Kaufkraft ja offenbar vom zu erwerbenden Gut abhängt und sich nicht für alle Güter die Preise in gleicher Form entwickeln, ist wohl der Nominalwert genau jener, der zum Vergleich zwischen verschiedenen Beträgen herangezogen werden sollte. Insbesondere wird ja auch hier diskutiert, in welchem Rahmen sich der Geldbetrag in der nächsten Tarif-Runde erhöhen sollte, und nicht, wie viele Brötchen man sich davon leisten kann...

JesuisSVA

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #3498 am: 14.10.2022 19:17 »
Maßgeblich ist ja nicht jeder einzelne Kaufvorgang, sondern der Wert der Menge Geld zu einem Betrachtungszeitpunkt. Du betrachtest ja nicht bei jedem einzelnen Tauschvorgang den Gegenwert Deines gesamten Geldes in Vielfachen des jeweiligen Tauschobjekts. Oder stehst Du beim Bäcker und denkst Dir, jetzt besitze ich noch 769 Brötchen Geld, um dann bei der Tankstelle zu denken, jetzt habe ich 377 Liter Diesel Geld. Geld verliert oder gewinnt an Realwert, obwohl der nominale Wert gleich bleibt. Dafür gibt es je einen Terminus technicus: Inflation und Deflation. Die lässt sich nicht nur unabhängig von einzelnen Gütern messen, sondern erstere findet sich sogar im Titel dieses Threads, in dem es ja gerade um den sinkenden Realwert von Geld geht.

cyrix42

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #3499 am: 14.10.2022 20:04 »
Du beschreibst doch gerade sehr schön, dass der Nominalwert -- und der ist es, der auf den Geldscheinen und den Gehaltsabrechnungen steht -- nicht die Kaufkraft des entsprechenden Geldwerts abbildet. 750€ sind mehr als 500€. Daran kann niemand etwas deuteln. Dass 750€ heute weniger Kaufkraft als 500€ vor 20 Jahren haben können, ist davon ja unbenommen. Fakt ist aber, dass eine Lohnerhöhung immer zu mehr Nettolohn führt, nur nicht unbedingt zu mehr Kaufkraft...

JesuisSVA

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #3500 am: 14.10.2022 20:24 »
Doch, genau daran kann man „deuteln“, denn das stimmt nur, wenn man das nominal betrachtet. Und das ist nunmal nicht zwingend. Ob eine Lohnerhöhung immer zu mehr Nettolohn führt, kann dahingestellt bleiben, da sich Lindner dazu nicht eingelassen hat. Vielmehr ging es darum, „gar nicht mehr Geld verfügbar“ zu haben. Und betrachtet man Geld mit seinem Realwert und nicht seinem Nominalwert, so ist seine Aussage zutreffend.

cyrix42

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #3501 am: 14.10.2022 20:35 »
Wenn ich 750€ zur Verfügung habe, habe ich mehr zur Verfügung, als wenn es nur 500€ wären. Ich weiß nicht, was da das Problem ist. Aber gut, die Sache ist hier deutlich genug diskutiert worden und alles weitere würde keine neuen Erkenntnisse bringen. Also belassen wir es dabei.

JesuisSVA

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #3502 am: 14.10.2022 20:45 »
Du bist doch derjenige, der darauf beharrt hat, dass Deine nominale Betrachtung die einzig richtige sei, während ich von vornherein schrieb, dass beide Betrachtungsweisen - nominal und real - möglich sind.

Emmi87

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #3503 am: 14.10.2022 21:14 »
Du bist doch derjenige, der darauf beharrt hat, dass Deine nominale Betrachtung die einzig richtige sei, während ich von vornherein schrieb, dass beide Betrachtungsweisen - nominal und real - möglich sind.
Du, ich glaube entweder bist du Autist oder hast ADHS. An deiner Wortwahl und deiner Schreibweise kann man dich als spid indentifizieren. Vieles was du schreibst, zu 95%, gebe ich dir absolut recht. Aber ein bisschen Feingefühl gegenüber deiner Untergebenen Mitstreitern würde ich dir empfehlen. Empathie ist die Schlüsselqualifikation für ein Team. Du erinnerst mich stark an eine Person in einer anderen Abteilung wo die flukation aufgrund dessen verhalten bei 70% Prozent lag. Jede Präsentation wurde aufgrund eines Rechtschreibfehlers unterbrochen, weil diese Person darauf aufmerksam machen wollte das ein aprostob s gefehlt hat. Kluge Köpfe haben vielleicht in der Sprache ein Defizit aber dafür sind sie in der Programmierung oder Organisation ein Ass wo du nicht mal ansatzweise mithalten kannst.

Emmi87

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #3504 am: 14.10.2022 21:57 »
Und ich glaube, Du solltest Dir Deine Westentaschenpsychologie ganz tief reinschieben, wo keine Sonne scheint.

Dann erklär mir mal das Wort: westentaschenpsychlogie. Deine Wort Erfindung ? Bitte das Synonym:. Also, in vielen „Betrieben“ des öffentlichen Dienstes, gibt es Weiterbildungen. Beispielsweise: rollenerklärung. Es gibt im Leben Rollen: Vater, Mutter, Chef, Bruder, Schweste, etc. In jeder Situation muss ich, als normaler Mensch, eine Rolle einnehmen, das heißt im Endeffekt das ich die Rolle, als Vater, Mutter, Oma
Nicht ausüben kann wie die Rolle als Führungskraft. Du, als Führungskraft, falls es wirklich so ist, repräsentiert mindestens 70% des öffentlichen Dienstens. Wortgewandt, schlagfertig,
In Themen der eigenen Interesse, absolut ein Ass, aber als „Mensch“ und Führungskraft absolut eine „Niete“

JesuisSVA

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #3505 am: 14.10.2022 22:16 »
Da macht Verdi doch gerade wieder die Erfahrung: if you pay peanuts, you get monkeys.

skiveren

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #3506 am: 14.10.2022 22:39 »
Wetten dass?
Ein erneut katastrophaler Tarifabschluss droht.
Liegt natürlich daran, dass die "Ingenieure" hier..null/never ein paar Euronen für eine Gewerkschaftsmitgliedschaft übrig haben...

JesuisSVA

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #3507 am: 14.10.2022 22:42 »
Warum sollte man in einer Organisation Mitglied werden, die nicht nur die eigenen Interessen nicht vertritt, sondern diesen gar zuwiderhandelt?

SpotJ

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #3508 am: 14.10.2022 22:55 »
Wie würde das eigentlich aussehen, wenn sich irgendwann genug Akademiker finden würden, die eine eigene Gewerkschaft gründen um für >E9 zu verhandeln? Die TVöD Tabelle würde dann ja quasi oben abgeschnitten und Verdi verhandelt für diese nicht mehr. Schaffung eines neuen Tarifs. Aber wie würde das ablaufen? Könnte Verdi das blockieren?
Marburger Bund macht das ja zB für die Ärzte

skiveren

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #3509 am: 14.10.2022 23:18 »
Wie würde das eigentlich aussehen, wenn sich irgendwann genug Akademiker finden würden, die eine eigene Gewerkschaft gründen um für >E9 zu verhandeln? Die TVöD Tabelle würde dann ja quasi oben abgeschnitten und Verdi verhandelt für diese nicht mehr. Schaffung eines neuen Tarifs. Aber wie würde das ablaufen? Könnte Verdi das blockieren?
Marburger Bund macht das ja zB für die Ärzte
Wir kennen die Zeiten der ötv..
Das waren noch Typen!
In Krisenzeiten..immer noch ein paar Prozente für den öffentlichen Dienst herausgeholt...
Was jetzt für Leute bei ver.di komba und co sitzen.
Erschreckend..
Wir sagen jetzt schon vorher.., eine enttäuschende Tarifrunde 2023 wird es geben.
Eine "hohe" Einmalzahlung plus bescheidende tabellenwirksame Erhöhung wirds geben..
Rechnet man das dann durch wird es Reallohnverlust geben...
Nur mal zur Info: Die Lebensmittelpreise werden > Frühjahr erst noch steigen..
Die Preissteigerungen bisher sind erst der Anfang....
Das explodiert im Frühjahr 2023 erst...