Autor Thema: Tarifverhandlungen und die Inflation  (Read 236955 times)

WasDennNun

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #420 am: 28.04.2022 16:39 »
Und das letzte Jahrzehnt hatte wir (wahrscheinlich) eine steigende Kaufkraft.

Tja, mal sind gute Zeiten, mal schlechte.

Britta2

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #421 am: 28.04.2022 19:59 »
Man müsste nur über den Tellrand schauen und sich nicht als Öffentlicher Dienst knickriger anstellen als andere Branchen. Ich habe große Zweifel, dass sich die Metaller oder gar die Autobauer mit 1% abspeisen lassen täten. Verständnis für seinen Arbeitgeber hat stets der ÖD. Ausgerechnet.

TVWaldschrat

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #422 am: 28.04.2022 20:11 »
Man müsste nur über den Tellrand schauen und sich nicht als Öffentlicher Dienst knickriger anstellen als andere Branchen. Ich habe große Zweifel, dass sich die Metaller oder gar die Autobauer mit 1% abspeisen lassen täten. Verständnis für seinen Arbeitgeber hat stets der ÖD. Ausgerechnet.

Chemiker haben's genau während des Krieges vorgemacht: Nein. 1% is nicht ok.

WasDennNun

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #423 am: 28.04.2022 22:42 »
Man müsste nur über den Tellrand schauen und sich nicht als Öffentlicher Dienst knickriger anstellen als andere Branchen. Ich habe große Zweifel, dass sich die Metaller oder gar die Autobauer mit 1% abspeisen lassen täten. Verständnis für seinen Arbeitgeber hat stets der ÖD. Ausgerechnet.
Die können ja auch mit Produktivitätssteigerungen und anderem blabla faktisches auf den Tisch legen, da kann leider der öD nicht viel an Shareholdervalue blabla aufwarten.
Und die paar Nischen, die im öD den AG politsch in die Ecke zwingen können, sind leider oft nicht die härtesten StreikerInnen.

Schokobon

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #424 am: 28.04.2022 23:24 »
Wer die Corona-Pandemie als Trumpf für ein starkes Ergebnis so hat verstreichen lassen, der schafft es nie den ÖD als starke Branche am Markt zu platzieren. Das war eine riesige Gelegenheit. Da hätte man alles durchsetzen können: Einkommensplus von 10% über die ganze Tabelle + Wiedereinführung Urlaubsgeld als fehlende Komponente zum echten 13. Gehalt

Aber naja, dann kam Verdi...

Kaiser80

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #425 am: 29.04.2022 06:10 »
Wer die Corona-Pandemie als Trumpf für ein starkes Ergebnis so hat verstreichen lassen, der schafft es nie den ÖD als starke Branche am Markt zu platzieren. Das war eine riesige Gelegenheit. Da hätte man alles durchsetzen können: Einkommensplus von 10% über die ganze Tabelle + Wiedereinführung Urlaubsgeld als fehlende Komponente zum echten 13. Gehalt

Im Kern ist das absolut zutreffend. Wäre ich je Verdi-Mitglied gewesen, hätte ich spätestens zu diesem Zeitpunkt gekündigt.

Kaiser80

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #426 am: 29.04.2022 06:39 »
Wieso mache ich mich lächerlich? Wir haben vor drei Jahren unsere Finanzierung mit 30 Jahren Zinsbindung unterschrieben. Die Finanzierung bindet bei uns jeden Monat einen gewissen Teil unseres Einkommens, aber dieser bleibt nominell jeden Monat gleich - unterliegt also keiner Inflation.

Und wenn man bedenkt, dass die Kosten für Wohnen gerne mal 1/3 des Warenkorbs ausmachen, ist dies eine gute Variante die gesamte persönliche Inflation zu reduzieren.
Deswegen habe ich eine persönliche Deflation, weil für einer meiner  Kredite seit 5 Monaten 1100€ weniger fällig sind.
Ich muss die Tage im Job 'ne Terminkreditleihe prolongieren und hab nebenbei dann mal grad auf die "Bauzinsen" geschaut... Mein leiber Schwan.
01.01.2021 10 Jahre Zinsbindung ca. 1,00%; 15 Jahre 1,29%
27.04.2021 10 Jahre Zinsbindung ca. 2,60%; 15 Jahre >2,80%
Da haste aber zum richtigen Zeitpunkt abgeschlossen...
 

Bastel

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #427 am: 29.04.2022 07:55 »
Wieso mache ich mich lächerlich? Wir haben vor drei Jahren unsere Finanzierung mit 30 Jahren Zinsbindung unterschrieben. Die Finanzierung bindet bei uns jeden Monat einen gewissen Teil unseres Einkommens, aber dieser bleibt nominell jeden Monat gleich - unterliegt also keiner Inflation.

Und wenn man bedenkt, dass die Kosten für Wohnen gerne mal 1/3 des Warenkorbs ausmachen, ist dies eine gute Variante die gesamte persönliche Inflation zu reduzieren.
Deswegen habe ich eine persönliche Deflation, weil für einer meiner  Kredite seit 5 Monaten 1100€ weniger fällig sind.
Ich muss die Tage im Job 'ne Terminkreditleihe prolongieren und hab nebenbei dann mal grad auf die "Bauzinsen" geschaut... Mein leiber Schwan.
01.01.2021 10 Jahre Zinsbindung ca. 1,00%; 15 Jahre 1,29%
27.04.2021 10 Jahre Zinsbindung ca. 2,60%; 15 Jahre >2,80%
Da haste aber zum richtigen Zeitpunkt abgeschlossen...

Warum steigen eigentlich die Zinsen so rasant? An einem Mangel an Geld kann es doch nicht liegen? Die EZB hat doch nichts verändert?

Kaiser80

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #428 am: 29.04.2022 08:10 »

Warum steigen eigentlich die Zinsen so rasant? An einem Mangel an Geld kann es doch nicht liegen? Die EZB hat doch nichts verändert?

1.Das allgemein steigende Zinsniveau in Deutschland und der gesamten Eurozone. Die Rendite für 10-jährige Bundesanleihen lag am Montag 0,9 Prozent ; der höchste Stand seit 2015. An den Renditen der Bundespapiere orientieren sich die Bauzinsen.

2. Die steigende Inflation setzt die Notenbank in Europa, aber auch den USA unter Druck, die extrem lockere Geldpolitik zu straffen. Die US-Notenbank  hat die Zinswende im März mit einer ersten Leitzinsanhebung eingeleitet. In Europa haben die Schweden, m.W. die Briten die Leitzinsen schon angehoben. Eine Frage der Zeit bis die EZB reagieren wird/muss

Ach so, auf'm Sparbuch gibt es immer noch 0,001% ;D

Bastel

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #429 am: 29.04.2022 08:18 »

Warum steigen eigentlich die Zinsen so rasant? An einem Mangel an Geld kann es doch nicht liegen? Die EZB hat doch nichts verändert?

1.Das allgemein steigende Zinsniveau in Deutschland und der gesamten Eurozone. Die Rendite für 10-jährige Bundesanleihen lag am Montag 0,9 Prozent ; der höchste Stand seit 2015. An den Renditen der Bundespapiere orientieren sich die Bauzinsen.

2. Die steigende Inflation setzt die Notenbank in Europa, aber auch den USA unter Druck, die extrem lockere Geldpolitik zu straffen. Die US-Notenbank  hat die Zinswende im März mit einer ersten Leitzinsanhebung eingeleitet. In Europa haben die Schweden, m.W. die Briten die Leitzinsen schon angehoben. Eine Frage der Zeit bis die EZB reagieren wird/muss

Ach so, auf'm Sparbuch gibt es immer noch 0,001% ;D

Danke. Also machen die Banken gerade ordentlich Kasse.

xap

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #430 am: 29.04.2022 08:32 »
Dem Anstieg der Bauzinsen liegt auch eine neue Regelung zugrunde, wonach Kapitalgeber weitere Sicherungspuffer einplanen müssen.

Siehe auch hier:

https://www.haufe.de/immobilien/investment/abwehr-von-immobilienblasen-gesetzentwurf-liegt-vor_256_395206.html

Bastel

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #431 am: 29.04.2022 08:34 »
Dem Anstieg der Bauzinsen liegt auch eine neue Regelung zugrunde, wonach Kapitalgeber weitere Sicherungspuffer einplanen müssen.

Siehe auch hier:

https://www.haufe.de/immobilien/investment/abwehr-von-immobilienblasen-gesetzentwurf-liegt-vor_256_395206.html

Das kannte ich noch nicht. Dann werden sich bald einige umschauen wenn Sie die Anschlussfinanzierung mit 3 statt 1,2 % stemmen müssen.

xap

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #432 am: 29.04.2022 09:11 »
Dem kann ich nicht widersprechen. Experten rechnen bereits mit einem Anstieg von Zwangsversteigerungen. Ob das so kommt, wird man sehen. Froh kann derjenige sein, der zuletzt auf ein langfristiges Darlehen (>= 20 Jahre) mit etwas höheren Zinsen statt auf eine kurze Laufzeit (5 Jahre) mit höherem Risiko gesetzt hat.

Kaiser80

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #433 am: 29.04.2022 09:23 »
Ja, das wird (leider) spannend. Das Marktgeschehen kann echt in jede Richtung rennen...

Wir haben 2017 für 1,75% abgeschlossen, mit Sondertilgungsoption. Ich klopfe derzeit jeden Tag auf Holz. Echt. 2027 kann ich den Rest mit fälliger LV und/oder BSPV-Guthaben ablösen und hab noch "übrig". Dann hab ich mit 47 J. keinen Cent Schulden am Arsch und >900 Liquidität frei.

p.s.: Ich bin übrigens Freund von Rente ab 50...

Flying

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #434 am: 29.04.2022 10:52 »
Ich habe deinen Beitrag ganz gelesen und musste an der Stelle schmunzeln, an der es um "das mehr kaufen" geht. Das ist inflationsbereinigt einfach nicht der Fall, es sei denn du betrachtest beide Vergleichswerte am selben Tag. Aber die letzte Tariferhöhung gab es vor einem Jahr. Im März 2022 sind die Verbraucherpreise um 7,3% ggü. dem Vorjahresmonat gestiegen und da kommt man ggü. dem Zeitpunkt heute mit +1,8% brutto nicht auf das Ergebnis, dass man sich davon allgemein mehr kaufen kann.

Das Problem ist ja, dass man in der zukünftigen Runde auf die du abstellst ganz schön was aufholen muss bei der aktuell mickrigen Erhöhung, denn selbst wenn die Inflation sinkt, ist sie ja nicht negativ. Das heißt, dass das jetzt entstandene Delta zwischen Tariferhöhung und Kaufkraftverlust sich nicht schließen wird, bloß weil die Inflation ggf. zukünftig wieder absinkt, wenn man dann einen zB inflationsausgleichenden Tarifabschluss hätte.

Beispiel:
Ein fiktiver Warenkorb kostet 03/2021 100€, dann sind es bei 7,3% Inflation 03/22 dann 107,3€. Liegt die zukünftige Inflation dann evt. bei z.B. 4% ggü. Vorjahr, dann kostet er ca. 111,50€.

Demgegenüber deine Kaufkraft durch dein Entgelt: 03/2021 100€ --> +1,8% 03/22 = 101,8 --> zB +4% 03/23 =105,87€

Das Delta bliebe also groß, denn die Inflation wird sich zukünftig eher nur abschwächen, aber eine negative Inflation, also eine Deflation, ist doch sehr unwahrschenlich. Man müsste dann nach dem obigen Beispiel also für 03/23 nicht zB +4,0% bekommen, sondern +ca. 9,5% um den Wegfall der aktuellen Kaufkraft auszugleichen. Und wie wahrscheinlich das ist, kann man sich denken. Kommt das nicht - wovon ziemlich sicher auszugehen ist - schiebt man den jetzt entstandenen Kaufkraftverlust über die kommenden Jahre immer weiter vor sich her und hat dauerhaft nicht die Möglichkeit sich mehr vom Geld zu kaufen, sondern weniger. Deine Arbeit wird ergo dann dauerhaft entwertet.

Daher verstehe ich es, wenn Kaiser17 kotzt.

Edit: Und das sind ja nur die Bruttowerte... Wenn man dann noch im Einzelfall an die kalte Progression denkt...

Klar - so bin ich auch absolut bei dir..
Es ging mir tatsächlich eher um den Vergleich am Tag und das die 1,7 % noch aus einer Zeit kamen, wo die Inflation eben nicht so stark war.