Autor Thema: Tarifverhandlungen und die Inflation  (Read 489275 times)

WasDennNun

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #4230 am: 22.11.2022 20:02 »
....vielleicht wird meine Herangehensweise mit folgendem Beispiel deutlich, welches mir meine Partnerin aus ihrer Schule berichtet hat: Dort ist wegen Personalknappheit der Chemieunterricht nicht abgesichert. Die Schulleiterin hat den Physiklehrer beauftragt, vertretungsweise einige Stunden Chemie zu unterrichten. Dieser hat das strikt abgelehnt, macht er nicht und das hatte auch keine Konsequenzen. Die Schulleiterin war quasi "Schach Matt". Wäre sie arbeitsrechtlich gegen den Physiklehrer vorgegangen (die Möglichkeit hätte sie gehabt), hätte dieser womöglich auf seine Weise das Weite gesucht oder wäre umgesetzt oder ganz gekündigt worden. In der Folge hätte die Schulleiterin auch Einbußen im Physikunterricht hinnehmen müssen.

....und das ist der Punkt, dahingehend will ich sensibilisieren. Lasst Eucht nicht alles gefallen.

Sind aber zwei paar Schuhe. Direktionsrecht ist eine Sache, ob der Mitarbeiter das mit sich machen lässt und ansonsten kündigt ist die andere Sache.

...formaljuristisch mag das schon korrekt sein. Aber was nützen Rechte und Pflichten, wenn diese quasi in vielen Bereichen nicht umsetzbar sind, insbesondere weil akuter Fachkräftemangel besteht.  Der Physiklehrer weiß genau, dass er nahezu unersetzbar ist. Auch in in meiner Position bin ich mir dessen völlig bewusst. Und ich möchte dazu motivieren, dass möglichst eine breite Masse der Beschäftigten sich ihre Stellung bewusst macht und somit Druck von unten aufbaut.
Unersetzbar ist niemand.
Was du beschreibst ist doch nur ein nach verhandeln nach Vertragsabschluss.
Macht man doch ständig bei jeder Lohnrunde.

JesuisSVA

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #4231 am: 22.11.2022 20:07 »
....vielleicht wird meine Herangehensweise mit folgendem Beispiel deutlich, welches mir meine Partnerin aus ihrer Schule berichtet hat: Dort ist wegen Personalknappheit der Chemieunterricht nicht abgesichert. Die Schulleiterin hat den Physiklehrer beauftragt, vertretungsweise einige Stunden Chemie zu unterrichten. Dieser hat das strikt abgelehnt, macht er nicht und das hatte auch keine Konsequenzen. Die Schulleiterin war quasi "Schach Matt". Wäre sie arbeitsrechtlich gegen den Physiklehrer vorgegangen (die Möglichkeit hätte sie gehabt), hätte dieser womöglich auf seine Weise das Weite gesucht oder wäre umgesetzt oder ganz gekündigt worden. In der Folge hätte die Schulleiterin auch Einbußen im Physikunterricht hinnehmen müssen.

....und das ist der Punkt, dahingehend will ich sensibilisieren. Lasst Eucht nicht alles gefallen.

Sind aber zwei paar Schuhe. Direktionsrecht ist eine Sache, ob der Mitarbeiter das mit sich machen lässt und ansonsten kündigt ist die andere Sache.

...formaljuristisch mag das schon korrekt sein. Aber was nützen Rechte und Pflichten, wenn diese quasi in vielen Bereichen nicht umsetzbar sind, insbesondere weil akuter Fachkräftemangel besteht.  Der Physiklehrer weiß genau, dass er nahezu unersetzbar ist. Auch in in meiner Position bin ich mir dessen völlig bewusst. Und ich möchte dazu motivieren, dass möglichst eine breite Masse der Beschäftigten sich ihre Stellung bewusst macht und somit Druck von unten aufbaut.

Das ist nicht formaljuristisch korrekt, es ist schlicht korrekt. Schließlich ändert sich an Deinem Recht auf freie Meinungsäußerung nichts, wenn Du es nicht ausüben kannst, weil Du gerade im Koma liegst.

Matti101

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #4232 am: 22.11.2022 20:16 »
Vor 20 Jahren Jahren war das Arbeitskräfteangebot in vielen Bereichen des ö D höher als die Nachfrage nach Arbeitskräften. Ich erinnere mich noch an Bewerberauswahlverfahren - 30 Berwerbungen auf eine Verwaltungsstelle. Da war auch das Direktionsrecht erfolgreich anwendbar. Die Zeiten haben sich geändert. Das Arbeitskräfteangebot ist gesunken. Es gibt auf viele Stellenausschreibungen kaum noch Bewerber.

....und dann kommt in dieser Zeit noch ein Spezi, der das Direktionsrecht wirksam anwenden will.

tonystaks

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #4233 am: 22.11.2022 20:18 »
Bei allem Respekt vor SVA‘s rechtlicher Expertise, wie hier in Bezug auf das Direktionsrecht des Arbeitgebers. Ich für meinen Teil kann und will es rechtlich nicht beurteilen, wo dieses endet.

Praktisch bin ich aber voll auf Mattis Seite. Wenn mein Arbeitgeber mich anwiese japanisch zu übersetzen, weil ich zufällig japanisch könnte, und sonst keiner im Unternehmen, wäre mein Antwort die selbe wie die von Matti.

Und wenn der AG trotzdem darauf bestünde, käme halt nur Sülze raus. Z.B. „Draußen ist kälter als nachts.“

Edit: Wenn der Arbeitgeber sich bereit erklärt, diese für ihn wichtige Expertise, zu vergüten, kommt bestimmt was besseres raus als Sülze!

Matti101

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #4234 am: 22.11.2022 20:21 »
Bei allem Respekt vor SVA‘s rechtlicher Expertise, wie hier in Bezug auf das Direktionsrecht des Arbeitgebers. Ich für meinen Teil kann und will es rechtlich nicht beurteilen, wo dieses endet.

Praktisch bin ich aber voll auf Mattis Seite. Wenn mein Arbeitgeber mich anwiese japanisch zu übersetzen, weil ich zufällig japanisch könnte, und sonst keiner im Unternehmen, wäre mein Antwort die selbe wie die von Matti.

Und wenn der AG trotzdem darauf bestünde, käme halt nur Sülze raus. Z.B. „Draußen ist kälter als nachts.“

genauso ist es. Es ist nicht zielführend, rechtliche Würdigungen isoliert von anderen wesentlichen Zusammenhängen zu betrachten.

JesuisSVA

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #4235 am: 22.11.2022 20:21 »
Vor 20 Jahren Jahren war das Arbeitskräfteangebot in vielen Bereichen des ö D höher als die Nachfrage nach Arbeitskräften. Ich erinnere mich noch an Bewerberauswahlverfahren - 30 Berwerbungen auf eine Verwaltungsstelle. Da war auch das Direktionsrecht erfolgreich anwendbar. Die Zeiten haben sich geändert. Das Arbeitskräfteangebot ist gesunken. Es gibt auf viele Stellenausschreibungen kaum noch Bewerber.

....und dann kommt in dieser Zeit noch ein Spezi, der das Direktionsrecht wirksam anwenden will.
Da das Direktionsrecht innerhalb und außerhalb des öffentlichen Dienstes in Deutschland täglich zig millionenfach wirksam angewandt wird, erschließt sich die Vorbringung nicht.

Bei allem Respekt vor SVA‘s rechtlicher Expertise, wie hier in Bezug auf das Direktionsrecht des Arbeitgebers. Ich für meinen Teil kann und will es rechtlich nicht beurteilen, wo dieses endet.

Praktisch bin ich aber voll auf Mattis Seite. Wenn mein Arbeitgeber mich anwiese japanisch zu übersetzen, weil ich zufällig japanisch könnte, und sonst keiner im Unternehmen, wäre mein Antwort die selbe wie die von Matti.

Und wenn der AG trotzdem darauf bestünde, käme halt nur Sülze raus. Z.B. „Draußen ist kälter als nachts.“

Da Du zur Leistung mittlerer Art und Güte verpflichtet bist und diese Leistung bewusst und vorsätzlich nicht erbringst, dürfte jeder Arbeitgeber besser ohne als mit bockigem Kind fahren.

tonystaks

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #4236 am: 22.11.2022 20:26 »
Vor 20 Jahren Jahren war das Arbeitskräfteangebot in vielen Bereichen des ö D höher als die Nachfrage nach Arbeitskräften. Ich erinnere mich noch an Bewerberauswahlverfahren - 30 Berwerbungen auf eine Verwaltungsstelle. Da war auch das Direktionsrecht erfolgreich anwendbar. Die Zeiten haben sich geändert. Das Arbeitskräfteangebot ist gesunken. Es gibt auf viele Stellenausschreibungen kaum noch Bewerber.

....und dann kommt in dieser Zeit noch ein Spezi, der das Direktionsrecht wirksam anwenden will.
Da das Direktionsrecht innerhalb und außerhalb des öffentlichen Dienstes in Deutschland täglich zig millionenfach wirksam angewandt wird, erschließt sich die Vorbringung nicht.

Bei allem Respekt vor SVA‘s rechtlicher Expertise, wie hier in Bezug auf das Direktionsrecht des Arbeitgebers. Ich für meinen Teil kann und will es rechtlich nicht beurteilen, wo dieses endet.

Praktisch bin ich aber voll auf Mattis Seite. Wenn mein Arbeitgeber mich anwiese japanisch zu übersetzen, weil ich zufällig japanisch könnte, und sonst keiner im Unternehmen, wäre mein Antwort die selbe wie die von Matti.

Und wenn der AG trotzdem darauf bestünde, käme halt nur Sülze raus. Z.B. „Draußen ist kälter als nachts.“

Da Du zur Leistung mittlerer Art und Güte verpflichtet bist und diese Leistung bewusst und vorsätzlich nicht erbringst, dürfte jeder Arbeitgeber besser ohne als mit bockigem Kind fahren.

Als Leistung Mittlerer Art und Güte würde ich das korrekte übersetzen der japanischen Sprache nicht bezeichnen. Und dann wünsche ich ihm viel Glück, bei der Suche nach einer Fachkraft mit der Zusatzqualifikation „Japansich“.

JesuisSVA

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #4237 am: 22.11.2022 20:29 »
Dann täuscht Du Dich schlicht über den Inhalt des Begriffs der mittleren Art und Güte.

Matti101

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #4238 am: 22.11.2022 20:29 »
....ob das Direktionsrecht alltäglich millionenfach wirksam angewendet wird, ist die Frage. Ich habe da meine Zweifel. Viele Arbeitnehmer haben ihre Position vor dem Hintergrund des akuten Fachkräftemangels erkannt und ich sehe überwiegend die Machtlosigkeit der Arbeitgeber und sogar der Gesetzgeber.

Ein weiteres Beipiel soll dies aus meiner Sicht verdeutlichen: Tausende Pflegekräfte haben sich vor einem Jahr der Coroana - Impfpflicht widersetzt. In den meisten Fällen ist das ohne Konsequenzen geblieben. Denn auch in der Pflege herrscht akuter Arbeitskräftemangel.

tonystaks

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #4239 am: 22.11.2022 20:34 »
Noch eine Frage an dich SVA:

Ich schätze dich als Menschen mit marktwirtschaftlicher Orientierung ein.
Richtig?

Vor diesen Hintergrund: Siehst du es für einen AN nicht als geboten an, ein Alleinstellungsmerkmal, wie beispielsweise die Beherrschung der japanischen Sprache, und deren Anwendung im Rahmen des Arbeitsverhältnisses, monetär vom Arbeitgeber vergüten zu lassen?

Ich jetzt komm mir bitte nicht mit „Leistung mittlerer Art und Güte“.

JesuisSVA

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #4240 am: 22.11.2022 20:36 »
....ob das Direktionsrecht alltäglich millionenfach wirksam angewendet wird, ist die Frage. Ich habe da meine Zweifel. Viele Arbeitnehmer haben ihre Position vor dem Hintergrund des akuten Fachkräftemangels erkannt und ich sehe überwiegend die Machtlosigkeit der Arbeitgeber und sogar der Gesetzgeber.

Ein weiteres Beipiel soll dies aus meiner Sicht verdeutlichen: Tausende Pflegekräfte haben sich vor einem Jahr der Coroana - Impfpflicht widersetzt. In den meisten Fällen ist das ohne Konsequenzen geblieben. Denn auch in der Pflege herrscht akuter Arbeitskräftemangel.
Ich sehe keine Machtlosigkeit "der" Arbeitgeber, manche dürften das aber wohl sein.  Die Bestimmung von Inhalt, Ort und Zeit der Arbeitsleistung findet tagtäglich zig millionenfach statt und hat auch Wirkung. Oder bezweifelst Du, dass bspw. Schichtpläne geschrieben werden?

tonystaks

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #4241 am: 22.11.2022 20:36 »
Dann täuscht Du Dich schlicht über den Inhalt des Begriffs der mittleren Art und Güte.

Dann sei es so, und ich wünsche dem AG, der sich an den einschlägigen Urteilen des BAG orientiert, viel Glück bei der Personalsuche.

JesuisSVA

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #4242 am: 22.11.2022 20:37 »
Noch eine Frage an dich SVA:

Ich schätze dich als Menschen mit marktwirtschaftlicher Orientierung ein.
Richtig?

Vor diesen Hintergrund: Siehst du es für einen AN nicht als geboten an, ein Alleinstellungsmerkmal, wie beispielsweise die Beherrschung der japanischen Sprache, und deren Anwendung im Rahmen des Arbeitsverhältnisses, monetär vom Arbeitgeber vergüten zu lassen?

Ich jetzt komm mir bitte nicht mit „Leistung mittlerer Art und Güte“.

Marktwirtschaft bedarf eines Rechtsrahmens. Zu diesem gehört es, Verträge einzuhalten. Das halte ich für geboten.

tonystaks

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #4243 am: 22.11.2022 20:39 »
Noch eine Frage an dich SVA:

Ich schätze dich als Menschen mit marktwirtschaftlicher Orientierung ein.
Richtig?

Vor diesen Hintergrund: Siehst du es für einen AN nicht als geboten an, ein Alleinstellungsmerkmal, wie beispielsweise die Beherrschung der japanischen Sprache, und deren Anwendung im Rahmen des Arbeitsverhältnisses, monetär vom Arbeitgeber vergüten zu lassen?

Ich jetzt komm mir bitte nicht mit „Leistung mittlerer Art und Güte“.

Marktwirtschaft bedarf eines Rechtsrahmens. Zu diesem gehört es, Verträge einzuhalten. Das halte ich für geboten.

Das beantwortet meine Frage nicht.

JesuisSVA

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #4244 am: 22.11.2022 20:40 »
Dann täuscht Du Dich schlicht über den Inhalt des Begriffs der mittleren Art und Güte.

Dann sei es so, und ich wünsche dem AG, der sich an den einschlägigen Urteilen des BAG orientiert, viel Glück bei der Personalsuche.

Arbeitsverhältnisse sind Rechtsverhältnisse, in denen Arbeit gegen Geld getauscht wird. Mithin formt das Recht diese Verhältnisse. Ich schätze Arbeitgeber, die ihr Handeln an der Rechtsprechung des BAG ausrichten. Wäre das häufiger der Fall, bräuchte es dieses Forum nicht.