Autor Thema: Tarifverhandlungen und die Inflation  (Read 236933 times)

Johann

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #780 am: 21.06.2022 13:38 »
Und wer 200€ Heizkosten hat, der hat auch jede Menge Kapital für Modernisierung.
An 200€ Heizkosten kommt man schon recht schnell im Altbau. Bis Sommer 23 zahle ich noch 6 Cent pro kWh Gas. Würde ich jetzt neu abschließen, gäbe es hier keinen Anbieter unter 14 Cent. Das sind mal eben 133% Aufschlag.
Da reichts schon, wenn man bisher 85€ gezahlt hat um jetzt auf 200€ zu kommen.

Ansonsten ist es auch kein Wunder, dass in Deutschland Gasheizungen extrem verbreitet sind. Während die Gaspreise in den letzten 20 Jahren eher stagnierten oder sogar noch günstiger wurden, wurde Strom immer teurer. Da kann man es niemandem verübeln, dass er vor 2022 nicht mal daran gedacht hat, sich eine mit Strom betriebene Heizung hinzustellen.

In meiner Bude habe ich auch das Problem, dass ich im großen Wohnzimmer trotz 3 Heizkörpern und einer Vorlauftemperatur von 75°C Schwierigkeiten habe, den Raum im Winter auf 20-22°C zu bringen, weil die Wärme schneller flöten geht, als ich den Raum aufheizen kann. Aus dem Grund habe ich letztes Jahr einen Holzofen reingebaut, der so viel Wärme produziert, dass es auch wirklich warm wird.
Wenn ich mir da überlege bei -5°C eine Wärmepumpe installiert zu haben, die nur unter extremen Stromverbrauch auf 55°C kommt und ich auf dem Thermometer trotzdem zusehen kann, wie es eher kälter als wärmer wird ... Ich weiß ja nicht.

Klar, ich könnte jetzt auch alles einmal komplett aufreißen, von außen Dämmen, Dach dämmen usw., damit sich eine Wärmepumpe hier irgendwie lohnt. Ist aber auch nicht so einfach in Zeiten immer höher werdender Zinsen, Materialmangel noch und nöcher und daraus folgend immer höherer Preise für Material und zudem auch noch Handwerkermangel, der sich auch in den Arbeitskosten in eine Selbstbereicherungsmarktwirtschaft umgeschlagen ist.

Finanziell machts wohl mehr Sinn, in diesem Haus nix großartig zu verändern, alle Wohnungen vermietet zu lassen und nebenan einen Neubau nach allen Standards hinzusetzen, der preislich aufs selbe kommt wie wenn ich dieses Fachwerkhaus von 1880 versuche energetisch zu sanieren.

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #781 am: 21.06.2022 13:42 »
Wie Johann richtig feststellt, gibts keine für alle passende Lösung. Folglich macht es Sinn, je nach Art der Heizung und der Dämmung individuell zu entscheiden bis hin gar nichts zu tun.
Dass das eine wie das andere zusätzliches Geld kostet ist klar und jetzt durch die stark steigenden Gaspreise besonders deutlich.

Garfield

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #782 am: 21.06.2022 14:13 »
Momentan kriegt man keinen Energieberater her und die Handwerker sagen einem direkt, dass die komplette Förderung beim Umbau vermutlich von den Kostensteigerungen aufgefressen werden. Denn wer umbauen will kriegt seine neue Heizung usw ohnehin frühestens in 2 Jahren.

Daher wunder ich mich über die lockeren Sprüche hier, dass man doch mal schnell die Heizung wechseln soll. Einige scheinen mit dem Thema noch nie ernsthaft konfrontiert worden zu sein und möchten trotzdem kluge Ratschläge geben...

thesisko

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #783 am: 21.06.2022 14:24 »
Ich gebe zu ich schweife ab, aber da das ganze auch mit mein Thema ist.  :)

Das schöne ist, dass man mit vorhanden Zahlen sehr realistisch rechnen kann.

Angenommen Altbau Kosten Gas pro Monat 200,- € bei 0,07 Cent/kWh 2020. So unrealistisch ist das nicht. Bedeutet nichts anderes, als dass das Gebäude einen Jahresenergiebedarf von 34.285 kWh hat.

Umrüstung auf Luftwärmepumpe. Unterstellen wir mal, dass diese im Altbau die im Prospekt beworbene Jahresarbeitszahl von 4 erreichen würde. Hier habe ich doch Zweifel. Dann wird für 4 kWh Energie 1 kWh Strom benötigt. Die restlichen 3 kWh kommen aus der Umgebenswärme. Bedeutet als einen Strombezug von 8571 kWh pro Jahr.
Bei einem Preis von 0,3 € pro kWh 2020 ergeben sich Stromkosten von 2571,34 € im Jahr bzw. 214,- € im Monat. Blödes Geschäft. Ein ROI ist nicht möglich.

2022: Kosten Gas 0,15 € pro kWh und Strom vielleicht 0,35 € pro kWh. 428,50 € gegen 250 ,- €. Jetzt sieht es schon wesentlich besser aus. Alles steht aber vor einer ungewissen Preisentwicklung in der Zukunft....

Bastel

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #784 am: 21.06.2022 14:48 »
Ein Altbau und ein strengerer/langer Winter zerpflücken dir deine JAZ von 4 :D

Kostet Strom mittlerweile nicht schon 40 Cent?

WasDennNun

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #785 am: 21.06.2022 14:56 »
Und wer 200€ Heizkosten hat, der hat auch jede Menge Kapital für Modernisierung.

Was hat das eine mit dem anderen zu tun?
50% Einsparung von 200€ sind mehr kapital als 50% Einsparung von 40€ macht locker 2000€  jährlich mehr kapital für Modernisierung.

WasDennNun

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #786 am: 21.06.2022 15:01 »
Unsere Stadtwerke haben halt Gas um 110% erhöht und im Herbst drohen die nächsten Steigerungen.

Ich finde unseren Verbrauch schon sehr gering.

In ALtbauten ist es mit einer Wärmepumpe so eine Sache. Wenn du ein klassisches Heizkörpersystem haben inklusive schlechter Daämmung, dann muss schon eine hohe Vrlauftemperatur gefahren werden. Da schaut die Jahresarbeitszahl nicht mehr so rosig aus. Man muss also im Verhältnis mehr Wärme durch Strom erzeugen und der wird auch immer teurer.

Einerseits gibts auch Wäremepumpen für "Hochtemperatur", natürlich mit weniger Effizienz, andererseits kann man bei besonders kalten Regionen auch bivalent, z.B. mit einer ergänzenden Holzheizung und einem großen Wärmespeicher arbeiten.
Und durch entsprechende Heizkörper lassen sich auch im Altbau VL von 45 für 95% der Heiztage realisieren.
Und 2-5 Tage 100% Stromheizung macht dann auch nichts mehr.
Sei es durch grösser Radiatorn oder Wand/Deckenheizung, die sich auch im Altbau nachrüsten lassen.
Die Heizungsauslegung mit -10 Grad Tagesmitteltemp habe ich bei uns in den letzten 15 Jahren (also seitdem ich dort wohne und messe) nicht erreicht.

WasDennNun

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #787 am: 21.06.2022 15:09 »
Und wer 200€ Heizkosten hat, der hat auch jede Menge Kapital für Modernisierung.
An 200€ Heizkosten kommt man schon recht schnell im Altbau. Bis Sommer 23 zahle ich noch 6 Cent pro kWh Gas. Würde ich jetzt neu abschließen, gäbe es hier keinen Anbieter unter 14 Cent. Das sind mal eben 133% Aufschlag.
Da reichts schon, wenn man bisher 85€ gezahlt hat um jetzt auf 200€ zu kommen.

Ansonsten ist es auch kein Wunder, dass in Deutschland Gasheizungen extrem verbreitet sind. Während die Gaspreise in den letzten 20 Jahren eher stagnierten oder sogar noch günstiger wurden, wurde Strom immer teurer. Da kann man es niemandem verübeln, dass er vor 2022 nicht mal daran gedacht hat, sich eine mit Strom betriebene Heizung hinzustellen.
Als ich mich vor 18 Jahren für ein "neues" Heizsystem entscheiden musst, war schnell klar, das selbst bei einer JSZ von 3-4 (was damals nur Topgerägte auf dem Papier brachten) Strom vs. Gas nicht gewinnt. Also wurde es ein Brennwertkessel (Altbau Baujahr 36, Einigermasssen energetisch saniert)

Als nächste wird eine LWW dazu gebaut, da die extremen Bohrkosten sich mMn nicht lohnen. Freunde die ums Eck wohnen machen es (~40T gesamtkosten), mal sehen wer von uns in 20 Jahren mehr Geld gespart hat. ich werde berichten
Zitat
In meiner Bude habe ich auch das Problem, dass ich im großen Wohnzimmer trotz 3 Heizkörpern und einer Vorlauftemperatur von 75°C Schwierigkeiten habe, den Raum im Winter auf 20-22°C zu bringen, weil die Wärme schneller flöten geht, als ich den Raum aufheizen kann. Aus dem Grund habe ich letztes Jahr einen Holzofen reingebaut, der so viel Wärme produziert, dass es auch wirklich warm wird.
Wenn ich mir da überlege bei -5°C eine Wärmepumpe installiert zu haben, die nur unter extremen Stromverbrauch auf 55°C kommt und ich auf dem Thermometer trotzdem zusehen kann, wie es eher kälter als wärmer wird ... Ich weiß ja nicht.

Klar, ich könnte jetzt auch alles einmal komplett aufreißen, von außen Dämmen, Dach dämmen usw., damit sich eine Wärmepumpe hier irgendwie lohnt. Ist aber auch nicht so einfach in Zeiten immer höher werdender Zinsen, Materialmangel noch und nöcher und daraus folgend immer höherer Preise für Material und zudem auch noch Handwerkermangel, der sich auch in den Arbeitskosten in eine Selbstbereicherungsmarktwirtschaft umgeschlagen ist.

Finanziell machts wohl mehr Sinn, in diesem Haus nix großartig zu verändern, alle Wohnungen vermietet zu lassen und nebenan einen Neubau nach allen Standards hinzusetzen, der preislich aufs selbe kommt wie wenn ich dieses Fachwerkhaus von 1880 versuche energetisch zu sanieren.
Mal über Deckenheizung nachgedacht (etwas exotisch, aber...), die kann man auf Fläche legen und mit niedriger Temperatur laufen lassen.

bei mir ist es ein mix aus Wand-, Sockel-, Fußbodenheizung und großen Radiatoren, die bei -5 Grad mit 45 C VL 35 RL ein angenehmes Klima schaffen.

WasDennNun

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #788 am: 21.06.2022 15:15 »
Ich gebe zu ich schweife ab, aber da das ganze auch mit mein Thema ist.  :)

Das schöne ist, dass man mit vorhanden Zahlen sehr realistisch rechnen kann.

Angenommen Altbau Kosten Gas pro Monat 200,- € bei 0,07 Cent/kWh 2020. So unrealistisch ist das nicht. Bedeutet nichts anderes, als dass das Gebäude einen Jahresenergiebedarf von 34.285 kWh hat.
Feine REchnung: So simpel wie ich es auch seinerzeit gemacht hab. Nur eine Anmerkung:
In der Rechnung fehlt der Wärmeverlust des Gaskessels. bei 90% "Wirkungsgrad" wäre es ein 34285*0,9=30857 Jahresenergiebedarf.


Kaiser80

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #789 am: 21.06.2022 15:27 »
Ähhh, wenn ich 90% Wirkungsgrad habe, dann brauch ich doch nicht weniger kWh....

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #790 am: 21.06.2022 15:29 »
2022: Kosten Gas 0,15 € pro kWh und Strom vielleicht 0,35 € pro kWh. 428,50 € gegen 250 ,- €. Jetzt sieht es schon wesentlich besser aus. Alles steht aber vor einer ungewissen Preisentwicklung in der Zukunft....

Und so hat man einigermaßen locker die 2.000,-- € im Jahr für die Umbaukosten. Preisentwicklung in der Zukunft ist sicherlich ungewiss, allerdings dürfte Gas wohl nicht nennenswert billiger werden. Und bei Strom kann man im Eigenheim auch selber einiges erzeugen.

Zudem kommt auch noch eine massive Förderung hinzu bei Bestandsheizungen, so dass sich die Investition noch schneller amortisiert.

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #791 am: 21.06.2022 15:31 »
bei mir ist es ein mix aus Wand-, Sockel-, Fußbodenheizung und großen Radiatoren, die bei -5 Grad mit 45 C VL 35 RL ein angenehmes Klima schaffen.

und bei einer vernüftigen Dämmung / Fussbodenheizung reichen da sogar nur 30° VL :)

WasDennNun

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #792 am: 21.06.2022 15:35 »
Ähhh, wenn ich 90% Wirkungsgrad habe, dann brauch ich doch nicht weniger kWh....
Doch: wenn ich 34000 kw Gas verbraucht habe, davon nur 90% als Wärme ins Haus geflossen ist, dann hat das Haus eine geringeren Wärmebedarf als kw Gas verheizt wurde.
Oder umgekehrt: Wenn ich 10000kwh Wärmebedarf für das Haus errechnet habe, dann reichen dafür nicht 10000 kwh Gas um es zu beheizen sondern 11111 müssen gekauft werden

WasDennNun

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #793 am: 21.06.2022 15:51 »
bei mir ist es ein mix aus Wand-, Sockel-, Fußbodenheizung und großen Radiatoren, die bei -5 Grad mit 45 C VL 35 RL ein angenehmes Klima schaffen.

und bei einer vernüftigen Dämmung / Fussbodenheizung reichen da sogar nur 30° VL :)
Altbau!
Ja, mit welchem finanziellen Aufwand?
Aufdoppelung Dach: ok, wenn er neues Dachgemacht wird...
Kellerdecke, klar, kann man von unten machen hat dann nur noch einen Bück/kriechkeller
Wenn Füßboden komplett raus und neu: auch von oben, aber dann noch Fußbodenheizung.
naja und dann nichts mehr mit Dielenboden, schöner Estrich....Aufbauhöhe mmmhh wird schon.....
Fenster: Geht klar: 3fach Verglasung gibbet inzwischen bezahlbar, damals bei uns nicht rechenbar (und immernoch die okonomisch richtige Entscheidung, dann lieber das Geld in andere Massnahmen stecken)
Aussenwand: Plastikmantel mmmm, wohin mit der Feuchtigkeit die von innen kommt, langfristig spannend
Bauphysikalisch mal gerechnet: grusselig, merkt man erst nach 15-20 Jahren, dass das Wasser Jahr für Jahr in der Wand zunimmt, da in der Winterzeit nicht abtrocknen kann.
(Wir haben eine SLS20 (Glaskugel) Hohlschicht Dämmung deswegen gemacht ist hydrophop.
Aber die Farbe an der Aussenwand (war so Richtung wasserundurchlässig ~latexähnlich) musste ab und neuer Anstrich.

Also VL 30 kriege ich rechnerisch nur hin, wenn ich komplett zusätzlich Deckenheizung und noch mehr Wandheizung machen würde. Fußbodenheizung geht aus besagten Gründen nicht überall.
oder in einem Haus wohne was in 30 Jahren vergammelt ist (s.o.)

 Energiebedarf 110kwh/m2 mehr wäre nur mit 3fachverglasung und Lüftungssystem und keinen nutzbaren Keller (wg. 20 cm zusätzliche Dämmung von unten) und besagte grusselige Aussendämmung (ach ja  der Grenzabstand, da war ja noch was anderes)


Also Nein: 30 VL am Rande der Utopie

Organisator

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #794 am: 21.06.2022 16:29 »
Altbau!

(...)

Also Nein: 30 VL am Rande der Utopie

Da hast du völlig recht! War als Beispiel gedacht, was bei einem normal modernen Neubau möglich ist.