Autor Thema: Tarifrunde TV-L 2021 - Diskussion  (Read 179447 times)

Steve 69

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Antw:Tarifrunde TV-L 2021 - Diskussion
« Antwort #1080 am: 27.11.2021 09:43 »
NRW liegt im Haushaltsplan auch in diesem Bereich. Eventuell gibt es noch einen Coronbonus (ganz sicher kein halbes Monatsgehalt wie hier spekuliert wurde) und dann war es das.

Zinc

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Antw:Tarifrunde TV-L 2021 - Diskussion
« Antwort #1081 am: 27.11.2021 09:53 »
Bin immer noch für Verzicht auf die 5% Lohnerhöhung, wenn die Arbeitszeit um 5% gemindert wird. Bedeutet keine Mehrausgaben für die Arbeitgeber (bis auf ggf. etwas mehr Personal zum Ausgleich) und mehr Freizeit für die Arbeitnehmer. Win-Win-Situation oder was denkt ihr? Ich dächte auch, dass bei der Umfrage von Verdi, im Vorfeld der Tarifverhandlungen, die Forderung nach geringerer Arbeitszeit eine der häufigsten war.

Klar, es besteht eine Inflation und ein Ausgleich wäre schön. Aber was nützt das Geld, wenn man keine Zeit hat es auszugeben  ;). Kompromiss wäre, eine Stunde weniger und 2,5 % mehr Gehalt.

Wo lebst du denn? Als hätte hier jemand keine Zeit, sein Geld auszugeben. Das Geld gibst du alleine schon durch deine Fixkosten aus, die nun mal faktisch bei allen steigen.

XTinaG

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Antw:Tarifrunde TV-L 2021 - Diskussion
« Antwort #1082 am: 27.11.2021 10:33 »
Ich stimme BYL da völlig zu. Wenn die Not irgendwann groß ist, regelt es der Markt, daß in diesem Bereich übertariflich gezahlt wird. Im Gegensatz zu Ingenieurs- und IT-Leistungen läßt sich das weder extern vergeben noch wird man dem gleichgültig gegenüberstehen.

Aber mit dieser rationalen Argumentation werde ich zu Dir nicht durchdringen. Denn wer bereit ist, für andere zu verzichten, bei dem hat die Ratio längst ausgesetzt.

Vielleicht ist aber auch für andere zu verzichten, ein zutiefst menschlicher Ansatz? Nur mal als Gedanke... Mich gruselt es, wenn der Markt diese Situation regeln soll, nein danke. das möchte ich gerade nicht. Deine über alles geliebte Ratio wird Dir nicht helfen, wenn Du mal das Pech hast, in einer völlig unterbesetzten Station zu landen, in der das Pflegepersonal nur das allernötigste machen kann und Du dann stundenlang warten musst, bis mal jemand auf Dein Klingeln reagiert.
Selbst als Ingenieurin lasse ich es mir nicht nehmen, mit Verstand UND Herz zu leben und zu arbeiten, damit bin ich immer gut gefahren und hinterlasse keine Kollateralschäden. Mir egal, dass sich jetzt einige vor Lachen kugeln - gern geschehen!
Ja ich weiß: Off Topic.
Daher schreibe ich hier nichts mehr.
LG

Nein, es ist ein Ansatz für Menschen, die Pech beim Denken haben. Das gilt allgemein als auch insbesondere für die aktuelle Situation. Welches Problem hast Du mit dem Markt? Und ist Dir bewußt, daß das Agieren der Tarifvertragsparteien eben gerade marktwirtschaftlich ist? Und ist Dir bewußt, daß der Markt durch sein regulatorisches Moment von selbst für übertarifliche Bezahlung sorgt, wenn man für das tarifliche Entgelt nicht hinreichend Personal bekommt, aber besetzen muß? Und somit diejenigen, die man durch seinen Verzocht begünstigt, die Arbeitgeber sind? Und nicht etwa das Pflegepersonal?

Wenn auf der Arbeit alle ihre Affekte daheimließen, wäre viel gewonnen.

Lothar57

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Antw:Tarifrunde TV-L 2021 - Diskussion
« Antwort #1083 am: 27.11.2021 10:44 »
An diesem Wochenende wird die Entscheidung fallen. Einen Erzwingsstreik hat es bei Verhandlungen zum TV-L noch nie gegeben. Interessant wird sein, wie die Gewerkschaften das Ergebnis kommunizieren. Übetragen auf den Fußball wäre das dann so:

Der 1.FC ver.di unterliegt den TdL Kickers mit 1:3.

  • Wer ist schuld? Der 1. FC ver.di, weil er sch... gespielt hat oder die TdL Kickers, die sich hartnäckig geweigert haben, die Forderung nach weiteren Gegentreffern zu erfüllen?
  • Oder sind die Fans schuld, weil sie nicht zahlreich genug erschienen und nicht laut genug gebrüllt haben?
Ferner:
Darf der 1. FC ver.di das erzielte Tor als Erfolg feiern?
Ceterum censeo paralleltabellum esse einzufuehrendam.

Sozialarbeiter

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« Antwort #1084 am: 27.11.2021 10:48 »
Wie soll ein erzwingungsstreik denn auch aussehen, wenn wie in Hamburg bei 30.000 Angestellten bei der letzten großen Demo mit 4.000 Teilnehmern nur um die 13% Streiken?
Ich hab viele Kollegen die ohne Gewerkschaftsmitgliedschaft und Streikgeld Streiken... Ich bezweifle, dass die bei einem Erzwingungsstreik durchhalten bei den Gehaltseinbußen oder plötzlich doch bei der Gewerkschaft eintreten.

XTinaG

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« Antwort #1085 am: 27.11.2021 10:56 »
Welchen Zusammenhang zwischen "Demo" und Streik soll es geben? Ein Streik ist und bleibt eine Arbeitsniederlegung. Und hat mit irgendwelcher Warnwesten- und Fahnenfolklore der Gewerkschaften absolut nichts zu tun.

Die Arbeitgeber müssen organisatorisch auch erstmal den Fehlzeitenabzug hinbekommen. Angesichts ihrer überwiegend niedrigen Qualität, ausufernden Prozesse und endlosen Vorlaufzeiten für die Gehälter wird das in den seltensten im "richtigen" Monat passieren. Der Arbeitgeber muß also später aufrechnen. Dabei ist er dann aber an Pfändungsgrenzen usw. gebunden. Streiken kann sich also jeder leisten. Und amortisiert sich auch schnell wieder.

Lothar57

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« Antwort #1086 am: 27.11.2021 10:59 »
Das ist in der Tat ein Teufelskreis. Meiner ganz subjektiven Beobachtung nach, ist seit Einführung des TV-L die Streikbereitschaft insgesamt immer niedriger geworden (objektive Zahlen werden nicht gerne genannt.) Ich kenne einige Leute aus lokalen Gewerkschaftskreisen. Daher weiß ich, dass es großen Unmut nicht nur unter Lehrerschaft wegen der viel zu mickrigen Verhandlungserfolge gibt. Im Gegensatz dazu werden schlechte Ergebnisse du die Gewerkschaften schöngeredet.

Daher der Teufelskreis.
Schlechte Verhandlungserfolge (obendrein unehrlich kommuniziert) = Abnehmende Streikbereitschaft =  Schlechte Verhandlungserfolge (obendrein unehrlich kommuniziert - kombiniert mit der Schuldzuweisung an zunehmend  streikunwillige AN) = Abnehmende Streikbereitschaft usw usw
Ceterum censeo paralleltabellum esse einzufuehrendam.

Bastel

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« Antwort #1087 am: 27.11.2021 11:33 »
Wie soll ein erzwingungsstreik denn auch aussehen, wenn wie in Hamburg bei 30.000 Angestellten bei der letzten großen Demo mit 4.000 Teilnehmern nur um die 13% Streiken?
Ich hab viele Kollegen die ohne Gewerkschaftsmitgliedschaft und Streikgeld Streiken... Ich bezweifle, dass die bei einem Erzwingungsstreik durchhalten bei den Gehaltseinbußen oder plötzlich doch bei der Gewerkschaft eintreten.

Streikgeld wird bei den kurzen Zeiten sowieso überbewertet. Wenn man überlegt, dass die Mitgliedschaft ca. 40€ im Monat kostet und es nur alle 24+X Monate Streiks geben könnte! Kann man dafür einiges auf die hohe Kante legen.

Isi

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Antw:Tarifrunde TV-L 2021 - Diskussion
« Antwort #1088 am: 27.11.2021 14:54 »
Das Essen ist dieses Mal schonmal super - das ist ein Zeichen! Es gibt, nebenbei auch ein Angebot das kopiert&kopier&kopiert wird.
Die Technik streikt ^^
Jamjamjam

EDIT: HAHA und verdi hat schon zu verstehen gegeben, dass die Kliniken auf keinen Fall in Erzwingungsstreik gehen sollen, weil ist ja Corona und gesellschaftliche Verantwortung und so.
Ich!
Sehe!
Schwarz!

Dann mal auf gutes gelingen ^^

teclis22

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« Antwort #1089 am: 27.11.2021 15:11 »

EDIT: HAHA und verdi hat schon zu verstehen gegeben, dass die Kliniken auf keinen Fall in Erzwingungsstreik gehen sollen, weil ist ja Corona und gesellschaftliche Verantwortung und so.
Ich!
Sehe!
Schwarz!

Dann mal auf gutes gelingen ^^

Oh man ...  können wir abstimmen die gesamte Verdi-Verhandlungsmanschaft abzusetzen?

teclis22

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« Antwort #1090 am: 27.11.2021 15:12 »
Das Essen ist dieses Mal schonmal super - das ist ein Zeichen!

Ein Zeichen wofür?
Das Budget für die Erhöhung wurde leider verspeist?

Sozialarbeiter

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« Antwort #1091 am: 27.11.2021 16:03 »
Wie soll ein erzwingungsstreik denn auch aussehen, wenn wie in Hamburg bei 30.000 Angestellten bei der letzten großen Demo mit 4.000 Teilnehmern nur um die 13% Streiken?
Ich hab viele Kollegen die ohne Gewerkschaftsmitgliedschaft und Streikgeld Streiken... Ich bezweifle, dass die bei einem Erzwingungsstreik durchhalten bei den Gehaltseinbußen oder plötzlich doch bei der Gewerkschaft eintreten.

Streikgeld wird bei den kurzen Zeiten sowieso überbewertet. Wenn man überlegt, dass die Mitgliedschaft ca. 40€ im Monat kostet und es nur alle 24+X Monate Streiks geben könnte! Kann man dafür einiges auf die hohe Kante legen.

Bisher haben einige Bereiche in dieser Tarifrunde schon 10 Tage gestreikt. Knapp ein halbes Gehalt

XTinaG

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« Antwort #1092 am: 27.11.2021 16:17 »
10/30 sind recht weit entfernt von einem halben Gehalt. Es ist vielmehr ein Drittel. Maßgeblich für die Kürzung sind nicht die Arbeitstage des jeweiligen Monats.

BeamterBR

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« Antwort #1093 am: 27.11.2021 17:14 »

EDIT: HAHA und verdi hat schon zu verstehen gegeben, dass die Kliniken auf keinen Fall in Erzwingungsstreik gehen sollen, weil ist ja Corona und gesellschaftliche Verantwortung und so.
Ich!
Sehe!
Schwarz!

Dann mal auf gutes gelingen ^^

Da liegt das Hauptproblem. Verdi sollte eine Arbeitnehmervertretung sein. Dieses soziale Gewäsch bringt denen zumindest meiner Auffassung nach bei den eigenen Mitgliedern/potenziellen Mitgliedern weniger als eine vernünftige Lohnsteigerung. Aufgrund Corona sollte man gerade diese Bereiche bestreiken, weil Sie den größten Schaden erwarten lassen.

Ich weiß viele haben hier immer ein Problem mit den Beamten dabei haben wir hier den gleichen "Gegenpartner". Arbeitgeber der Länder die kein vernünftiges Lohnplus an Ihre Arbeitnehmer zahlen wollen und bei den Beamten Dienstherren, die sich in Bezug auf die verfassungsgemäße Besoldung der Realität, welche ihnen die Gerichte aufgezeigt haben, verweigern.

"Die Beamten profitieren nur von den Gehaltssteigerungen bei den Arbeitnehmern." Da dies ein Faktor bei der Berechnung der verfassungsgemäßen Besoldung ist, kann dies nicht abgestritten werden. Anders herum werden die Tarifangestellten von den hoffentlich folgenden Urteilen und den daraus notwendigen Anpassungen der Besoldung profitieren.

Man muss tatsächlich nicht alle Mitarbeiter zum Streik aufrufen. Es reichen doch gerade jetzt wichtige zentrale Bereiche bei denen man im Vorfeld auch gezielt werben könnte z.B. Krankenhäuser, Gesundheitsämtern auf Landesebene. Die Tatsache, dass ich in vielen Jahren öffentlicher Dienst abseits der jährlichen Personalversammlung noch nichts von Verdi gehört habe oder Flyer oder ähnliches spricht meiner Auffassung nach Bände. Wenn man dann auf besagter Personalversammlung die Tarifabschlüsse auch noch falsch vorstellt, ist denen halt auch echt nicht mehr zu helfen. Ist halt nur traurig aufgrund der Folgen für die betroffenen Arbeitnehmer/Beamte. Viel gutes Personal bekommt es nicht hin individuell zu verhandeln. Viele Personalstellen in Kommunen und kommunalen Verbänden stellen sich auch konsequent quer abseits des Tarifvertrages zu denken.

teclis22

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« Antwort #1094 am: 27.11.2021 17:56 »


"Die Beamten profitieren nur von den Gehaltssteigerungen bei den Arbeitnehmern." Da dies ein Faktor bei der Berechnung der verfassungsgemäßen Besoldung ist, kann dies nicht abgestritten werden. Anders herum werden die Tarifangestellten von den hoffentlich folgenden Urteilen und den daraus notwendigen Anpassungen der Besoldung profitieren.


Genau das glaube ich nicht. Das passt logisch nicht.
Urteile könnten den Dienstherren gesetzlich zwingen höhere Besoldung an die Beamten zu zahlen. Sprich: Geldströme umleiten, damit die PErsonalkosten gedeckt sind.
Dann wird der Arbeitgeber einen Teufel tun *noch mehr* Geld umzuleiten um den Angestellten mehr zuzahlen. Andersrum wird ein Schuh draus: Je höher die erwarteten Mehrkosten aus Sicht der Dienstherren für die Beamtenschaft ist, umso weniger wird an Angestellte verteilt.