Autor Thema: Tarifrunde TV-L 2021 - Diskussion  (Read 253151 times)

Johann

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Antw:Tarifrunde TV-L 2021 - Diskussion
« Antwort #1785 am: 11.01.2022 09:56 »
Im Bereich Pflege etc. ist die Lösung doch so einfach wie genial:
(im IT Sektor wird dies ja schon so durchgeführt)

Outsourcen der MA an Zeitarbeitsdienstleister, die haben da dann geregelte Arbeitszeiten, ein Entgelt das ohne tarifliche Bindung ausgehandelt werden kann und die AGs können dann halt zusehen, woher sie das Geld bekommen um diese (teureren) Arbeitskräfte aus ihren Sachmittelpott bezahlen können.

Das ist tatsächlich paradox. Wir kriegen hier Stellen nicht besetzt, weil der Bewerber 6k/Monat fordert, wir aber maximal 5k zahlen können. Da die Arbeit nicht liegen bleiben kann, wird dann teuer extern eingekauft und am Ende zahlen wir 12-15k/Monat für die nicht zu besetzende Position. Ist ein schlechter Witz.

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Antw:Tarifrunde TV-L 2021 - Diskussion
« Antwort #1786 am: 11.01.2022 11:17 »
Das ist tatsächlich paradox. Wir kriegen hier Stellen nicht besetzt, weil der Bewerber 6k/Monat fordert, wir aber maximal 5k zahlen können. Da die Arbeit nicht liegen bleiben kann, wird dann teuer extern eingekauft und am Ende zahlen wir 12-15k/Monat für die nicht zu besetzende Position. Ist ein schlechter Witz.

Na der Tarifvertrag beschreibt doch die Untergrenze. Warum bezahlt ihr im Zweifel nicht mehr? Eine externe Vergabe wäre nicht wirtschaftlich.

DiVO

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Antw:Tarifrunde TV-L 2021 - Diskussion
« Antwort #1787 am: 11.01.2022 11:51 »
Zitat
In deutschen Kliniken, Heimen und Kitas droht in den kommenden Jahren ein massiver Fachkräftemangel, warnt der Deutsche Städtetag. Es fehlten 230.000 Erzieher und 300.000 Pflegerinnen. Die Lösung sei klar. [...] Die Bundesregierung müsse im neuen Jahr konkrete Schritte für viel mehr Zuwanderung von Fachkräften in soziale Berufe unternehmen. »Wir brauchen sehr viele Fachkräfte, die wir in Deutschland weder finden noch kurzfristig ausbilden könnten«, sagte [Städtetag-Hauptgeschäftsführer] Dedy.
https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/staedtetag-warnt-deutschland-fehlen-hunderttausende-erzieher-und-pfleger-a-b10d0704-85da-4e73-96cd-740eb89bdf97

In dem Elfenbeinturm, wo der lebt, möchte ich auch gerne wohnen...
In der Tarifrunde TV-L quasi eine Nullrunde für 2022 durchdrücken, die Arbeitsbedingungen immer weiter verschlechtern, dann wundern, wenn Leute kündigen bzw. Stellen nicht besetzt werden können und als Konsequenz daraus "Fachkräfte" aus dem Ausland fordern, wo man bei den beruflichen Qualifikationen ja mal ein Auge zudrücken kann und ein paar Steuervorteile gewährt.
Ist das jetzt schon Realsatire?

Ich habe als Personaler mehrere Jahre Kitas betreut und muss sagen, dass die Personalprobleme dort häufig hausgemacht sind.

Viele Kitas weigern sich Plätze für SPS-Praktikanten anzubieten, da diese Stellen nur Geld kosten und sich nicht auf die förderrelevanten Anstellungsschlüssel auswirken. Bei diesen Kitas bewerben sich dann bei offenen Stellen kaum Erzieher später, weil die Einrichtung einen ensprechenden Ruf genießt.

Die Fachakademien benehmen sich z.T. selten dämlich und arrogant zugleich und lehnen Bewerber ab, wenn diese als Praktikumsvertrag einen Vertrag der Praktikumsstelle abgeben, der nicht der Vordruck der Fachakademie, der noch auf Durchschlagpapier ist.

Viele Kitas, vor allem in ländlichen Gegenden, fahren ihre Betreuungsschlüssel am Limit und passen, je nach Buchungsverhalten der Eltern, monatlich die Wochenstunden ihrer Mitarbeiter im vorher festgelegten Korridor an. Dadurch haben die Mitarbeiter ständig wechselnde Wochenstunden und entsprechende schwankende Gehälter.

Viele Kitas schreiben ihre Stellen nach wie vor erstmal auf ein Jahr befristet o.Sg. aus, um die Befristung nach einem Jahr dann um ein weiteres Jahr zu verlängern. Nach diesen zwei Jahren wird dann geprüft, ob man nun nicht eine Befristung mit Sachgrund anschließen könnte, z.B. wegen Vertretung während der Elternzeit.


WasDennNun

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« Antwort #1788 am: 11.01.2022 12:33 »
Das ist tatsächlich paradox. Wir kriegen hier Stellen nicht besetzt, weil der Bewerber 6k/Monat fordert, wir aber maximal 5k zahlen können. Da die Arbeit nicht liegen bleiben kann, wird dann teuer extern eingekauft und am Ende zahlen wir 12-15k/Monat für die nicht zu besetzende Position. Ist ein schlechter Witz.
Ihr wollt nicht 6k zahlen, können könntet ihr ja, wenn der Personale wollte.
Zulage nach 16.5 ist ja immer drin.

Also entsprechend einen Bericht verfassen und dem Personaler anschwärzen, das er für diese Mehrausgaben verantwortlich ist.

lotsch

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Antw:Tarifrunde TV-L 2021 - Diskussion
« Antwort #1789 am: 11.01.2022 18:34 »
In unserer Gemeinde (Speckgürtel München) weiß ich von unserem Personaler, dass wir derzeit große Probleme haben eine Sekretärin für unseren Bürgermeister und einen Hausmeister für unsere Sportanlagen mit Betreuung am Wochenende zu finden. Die Betreuung am Wochenende bezieht sich nur auf die Sportanlagen, der Bürgermeister muss am Wochenende nicht betreut werden.
Bei den Vorstellungsgesprächen der Sekretärinnen haben alle nach der Nennung des Gehalts abgewinkt, eine hat gefragt, ob die Stelle halbtags ist.
Bei dem Hausmeister ist es so, dass keiner am Wochenende arbeiten will, oder aber so hoch eingestuft werden müsste, dass die anderen Angestellten in der Gemeinde motzen würden, warum der so viel verdient und sie sowenig.

TVWaldschrat

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« Antwort #1790 am: 11.01.2022 19:11 »
Bei den Vorstellungsgesprächen der Sekretärinnen haben alle nach der Nennung des Gehalts abgewinkt, eine hat gefragt, ob die Stelle halbtags ist.
Eine immer häufiger durchaus berechtigte Frage. Wobei "Sekretärin" ein sehr breit gestreuter begriff ist. Das kann von "Tippse" bis Assistenz der Geschäftsführung reichen.
Bei dem Hausmeister ist es so, dass keiner am Wochenende arbeiten will, oder aber so hoch eingestuft werden müsste, dass die anderen Angestellten in der Gemeinde motzen würden, warum der so viel verdient und sie sowenig.

Das ist wirklich sozial von deinem AG, dass er so viel Rücksicht auf den Neid der Angestellten nimmt.

Sozialarbeiter

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« Antwort #1791 am: 11.01.2022 19:59 »
Bei dem Hausmeister ist es so, dass keiner am Wochenende arbeiten will, oder aber so hoch eingestuft werden müsste, dass die anderen Angestellten in der Gemeinde motzen würden, warum der so viel verdient und sie sowenig.
Die anderen Angestellten können sich ja genauso auf die Hausmeisterstelle bewerben, wenn das Gehalt so attraktiv ist, dass es ein Motzen auslöst. ;)

lotsch

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« Antwort #1792 am: 11.01.2022 20:09 »
Bei dem Hausmeister ist es so, dass keiner am Wochenende arbeiten will, oder aber so hoch eingestuft werden müsste, dass die anderen Angestellten in der Gemeinde motzen würden, warum der so viel verdient und sie sowenig.
Die anderen Angestellten können sich ja genauso auf die Hausmeisterstelle bewerben, wenn das Gehalt so attraktiv ist, dass es ein Motzen auslöst. ;)

Wenn das innerbetriebliche Gehaltsgefüge nicht mehr passt gibt es nur Ärger.

WasDennNun

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« Antwort #1793 am: 11.01.2022 20:33 »
Bei dem Hausmeister ist es so, dass keiner am Wochenende arbeiten will, oder aber so hoch eingestuft werden müsste, dass die anderen Angestellten in der Gemeinde motzen würden, warum der so viel verdient und sie sowenig.
Die anderen Angestellten können sich ja genauso auf die Hausmeisterstelle bewerben, wenn das Gehalt so attraktiv ist, dass es ein Motzen auslöst. ;)

Wenn das innerbetriebliche Gehaltsgefüge nicht mehr passt gibt es nur Ärger.
So ist das nun mal in der Marktwirtschaft.
Knappe Güter werden teurer. (Hier WE Arbeit)
 
Also wird halt das Gehaltsgefüge angepasst.

Garfield73

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Antw:Tarifrunde TV-L 2021 - Diskussion
« Antwort #1794 am: 12.01.2022 06:59 »
Das ist tatsächlich paradox. Wir kriegen hier Stellen nicht besetzt, weil der Bewerber 6k/Monat fordert, wir aber maximal 5k zahlen können. Da die Arbeit nicht liegen bleiben kann, wird dann teuer extern eingekauft und am Ende zahlen wir 12-15k/Monat für die nicht zu besetzende Position. Ist ein schlechter Witz.

Externe Berater laufen nicht unter Personalkosten sondern unter dem Haushaltstitel Sachkosten.
Liest sich immer toll, dass die Personalkosten nicht steigen oder sogar sinken.
Kann man also auch super der Öffentlichkeit verkaufen.
Was sich unter "Sachkosten" verbirgt verstehen die meisten doch nicht, oder halten das sogar für notwendige Investitionen  ::)

WasDennNun

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« Antwort #1795 am: 12.01.2022 08:01 »
Das ist tatsächlich paradox. Wir kriegen hier Stellen nicht besetzt, weil der Bewerber 6k/Monat fordert, wir aber maximal 5k zahlen können. Da die Arbeit nicht liegen bleiben kann, wird dann teuer extern eingekauft und am Ende zahlen wir 12-15k/Monat für die nicht zu besetzende Position. Ist ein schlechter Witz.

Externe Berater laufen nicht unter Personalkosten sondern unter dem Haushaltstitel Sachkosten.
Liest sich immer toll, dass die Personalkosten nicht steigen oder sogar sinken.
Kann man also auch super der Öffentlichkeit verkaufen.
Was sich unter "Sachkosten" verbirgt verstehen die meisten doch nicht, oder halten das sogar für notwendige Investitionen  ::)
Und solange man gegen diesen Blickwinkel nichts macht, ändert sich auch nichts.
Wenn man aber dokumentiert, wie viel die Fehlentscheidung des Personalers, die Zulage o.ä. zur Bindung / Anwerbung von eigenem Personal nicht zu zahlen, am Ende an Mehrkosten verursacht hat und Ross und Reiter benennt, dann kann da auch bei der Führung, die oftmals das so nicht wissen, stattfinden.
Dann zieht auch das Argument des Personalers: "Muss sorgsam mit Haushaltsmittel umgehen" irgendwann nicht mehr.

Also: Bei "Projekten" externes Angebot holen und damit das Personalbudget definieren.

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« Antwort #1796 am: 12.01.2022 08:42 »
Externe Berater laufen nicht unter Personalkosten sondern unter dem Haushaltstitel Sachkosten.
Liest sich immer toll, dass die Personalkosten nicht steigen oder sogar sinken.
Kann man also auch super der Öffentlichkeit verkaufen.
Was sich unter "Sachkosten" verbirgt verstehen die meisten doch nicht, oder halten das sogar für notwendige Investitionen  ::)

Wer sich hinter einer solchen Argumentation versteckt hat bei den Haushaltsgrundsätzen nicht aufgepasst.

JaneEyre

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« Antwort #1797 am: 18.01.2022 09:28 »
Warum regen wir uns eigentlich im Nachgang auf? Fangen wir doch jetzt an, uns auf die nächste Tarifrunde vorzubereiten.
In den letzten 20 Jahren sind uns die Einkünfte, die Rahmenbedingungen doch immer wieder verwässert oder gar verschlechtert worden. Vorbei die Zeiten, in denen es einen Ortszuschlag für Beschäftigte, Urlaubsgeld oder eine 38,5 Stunden Woche gab. Es ließe sich immer noch mehr aufzählen, aber wir haben immer nur gemeckert, es dann hingenommen und schließlich auch die nächste Kröte geschluckt.
Zumal uns unsere Gewerkschaftsvertreter immer erklärt haben, was sie der Akzeptanz der jeweiligen Kröten alles verhindern konnten. Nachvollziehen kann man das eigentlich nicht.
Jetzt ist es wichtig, die Bedingungen nicht weiter zu verschlechtern, denn wir werden keine neuen Kollegen gewinnen können, die engagiert unsere drohende Babyboomer-Rentnergruppe ersetzen können. So wird die Zufriedenheit unter den verbliebenen nicht größer.
Es kann doch nicht unmöglich sein, zu verhindern, dass immer die Mitarbeiter mit Beiträgen zur Haushaltskonsoldierung, einem "Abschluss mit Augenmaß" von den Arbeitgebern gelobt werden.
Also, wir sollten jetzt anfangen, die nächste Runde vorzubereiten.

teclis22

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« Antwort #1798 am: 18.01.2022 19:57 »
Das impliziert das es wirklich irgendeine Einflussmöglichkeit gäbe.
Und die sehe ich nicht.
Es wird solange genau so weiter gehen bis es knallt. Warum auch nicht. Solange es nicht knallt gibts ja auch kein PRoblem. warum sollten Entscheider also etwas ändern?

WasDennNun

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« Antwort #1799 am: 18.01.2022 22:59 »
Das impliziert das es wirklich irgendeine Einflussmöglichkeit gäbe.
Und die sehe ich nicht.
Es wird solange genau so weiter gehen bis es knallt. Warum auch nicht. Solange es nicht knallt gibts ja auch kein PRoblem. warum sollten Entscheider also etwas ändern?
Richtig, wir haben es knallen lassen und jetzt sind die Entscheider gewillt die tariflichen, maximalen Möglichkeiten des Personalmanagements auszunutzen und langsam auch darüber hinaus.