Autor Thema: Tarifrunde TV-L 2021 - Diskussion  (Read 121155 times)

Alitalia

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Antw:Tarifrunde TV-L 2021 - Diskussion
« Antwort #45 am: 15.10.2021 22:22 »
Naja die Idee des "herunterstufens" der E8/E9 ist ja nichts neues. Einige verlangen immer höherwertigere Tätigkeiten um überhaupt eine E8/E9 zu bekommen. Auch die Idee E8/E9er durch E5/E6er Einstellungen unter Druck zu setzen scheint gängiger zu werden.

Anstatt über Gehaltserhöhungen zu sprechen kommt es mir immer mehr so vor, als ob es allgemein, aber auch in der Tarifrunde eher darum geht Kosten zu sparen. Und mal im Ernst, nur weil die Jobs in der freien Wirtschaft bei vergleichbaren Tätigkeiten von E8/E9ern deutlich schlechter bezahlt wird sollte man sich nicht annähernd daran orientieren. Und wenn man schon so denkt, dann müsste man die höheren Entgeltgruppen deutlich besser entlohnen, daran hat aber auch keiner ein Interesse.

Der Unterschied der E3 Endstufe vs. E11 Endstufe sind halt "gerade mal" 1150€ Netto. Der eine sortiert die Post und verteilt sie, der andere hat Führungsaufgaben inne, muss rechtlich schwierige Entscheidungen treffen und mitunter in der Erstinstanz auch das Amt alleine vor Gericht vertreten usw.
Das soll nicht heißen, dass der E3er weniger erhalten soll, auf keinen Fall, nur finde ich die Differenz für die doch sehr unterschiedlich wertigen Aufgaben zu gering.

Amtsdenker

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Antw:Tarifrunde TV-L 2021 - Diskussion
« Antwort #46 am: 17.10.2021 11:15 »

...Der Unterschied der E3 Endstufe vs. E11 Endstufe sind halt "gerade mal" 1150€ Netto. Der eine sortiert die Post und verteilt sie, der andere hat Führungsaufgaben inne, muss rechtlich schwierige Entscheidungen treffen und mitunter in der Erstinstanz auch das Amt alleine vor Gericht vertreten usw.
Das soll nicht heißen, dass der E3er weniger erhalten soll, auf keinen Fall, nur finde ich die Differenz für die doch sehr unterschiedlich wertigen Aufgaben zu gering.


Richtig erkannt. Diese teils recht geringe Differenz für häufig anspruchsvolle Aufgaben und Verantwortung mit sehr hohem Schwierigkeitsgrad wird zunehmend ein Problem darstellen bei der Besetzung z.B. von IT- und Ingenieurstellen. Wir jedenfalls im eher ländlichen Bereich haben trotz einer EG12 für entsprechende Stellen massiveste Probleme bei der Besetzung. Hauptsächlich drittklassige Bewerber, wenn überhaupt. Was zusätzliche Arbeitsverdichtung für die vorhandenen Kollegen bedeutet.

Es kommen nun auch noch externe Faktoren wie stark steigende Wohnkosten in der Region dazu. Vorteile wie familienfreundliche Arbeitszeitmodelle etc. werden in Ausschreibungen klar benannt. Aber es reicht nicht mehr, manche Stellen werden bereits das 5. Mal auf verschiedenen Wegen ausgeschrieben. Wir brauchen daher auch mehr Bewegung bei der Entgelttabelle für MINTler oder geeignete Instrumente. Befristete Zulagen reichen nicht. Ich selbst erwäge einen Wechsel, sollten die TV-L Ergebnisse schlecht ausfallen. Da ich erst 3 Jahre bei diesem AG bin, sollte die Kündigungsfrist noch nicht zu lange sein, oder?

JahrhundertwerkTVÖD

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Antw:Tarifrunde TV-L 2021 - Diskussion
« Antwort #47 am: 17.10.2021 12:14 »
Der Abschluss in Hessen läßt ahnen,  in welche Richtung es wieder geht:
Einmahlzahlungen
Mindestens 2 Jahre Laufzeit
Keine Angleichung der JSZ
Reallohnverlust (Inflationsbereinigt)

So werden die Probleme garantiert gelöst und qualifiziertes Personal wird sich um die seit Jahren unbesetzten Stellen förmlich reissen.
Ich glaube, da hilft auch kein schöntrinken mehr.

TVWaldschrat

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Antw:Tarifrunde TV-L 2021 - Diskussion
« Antwort #48 am: 17.10.2021 12:51 »
Der Abschluss in Hessen läßt ahnen,  in welche Richtung es wieder geht:
Einmahlzahlungen
Mindestens 2 Jahre Laufzeit
Keine Angleichung der JSZ
Reallohnverlust (Inflationsbereinigt)

So werden die Probleme garantiert gelöst und qualifiziertes Personal wird sich um die seit Jahren unbesetzten Stellen förmlich reissen.
Ich glaube, da hilft auch kein schöntrinken mehr.

Und AN unter dem TV-H sind traditionell besser gestellt unter dem TV-L.

Hinz

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Antw:Tarifrunde TV-L 2021 - Diskussion
« Antwort #49 am: 17.10.2021 14:07 »

...Der Unterschied der E3 Endstufe vs. E11 Endstufe sind halt "gerade mal" 1150€ Netto. Der eine sortiert die Post und verteilt sie, der andere hat Führungsaufgaben inne, muss rechtlich schwierige Entscheidungen treffen und mitunter in der Erstinstanz auch das Amt alleine vor Gericht vertreten usw.
Das soll nicht heißen, dass der E3er weniger erhalten soll, auf keinen Fall, nur finde ich die Differenz für die doch sehr unterschiedlich wertigen Aufgaben zu gering.


Richtig erkannt. Diese teils recht geringe Differenz für häufig anspruchsvolle Aufgaben und Verantwortung mit sehr hohem Schwierigkeitsgrad wird zunehmend ein Problem darstellen bei der Besetzung z.B. von IT- und Ingenieurstellen. Wir jedenfalls im eher ländlichen Bereich haben trotz einer EG12 für entsprechende Stellen massiveste Probleme bei der Besetzung. Hauptsächlich drittklassige Bewerber, wenn überhaupt. Was zusätzliche Arbeitsverdichtung für die vorhandenen Kollegen bedeutet.

Es kommen nun auch noch externe Faktoren wie stark steigende Wohnkosten in der Region dazu. Vorteile wie familienfreundliche Arbeitszeitmodelle etc. werden in Ausschreibungen klar benannt. Aber es reicht nicht mehr, manche Stellen werden bereits das 5. Mal auf verschiedenen Wegen ausgeschrieben. Wir brauchen daher auch mehr Bewegung bei der Entgelttabelle für MINTler oder geeignete Instrumente. Befristete Zulagen reichen nicht. Ich selbst erwäge einen Wechsel, sollten die TV-L Ergebnisse schlecht ausfallen. Da ich erst 3 Jahre bei diesem AG bin, sollte die Kündigungsfrist noch nicht zu lange sein, oder?

Familienfreundlichkeit, sicherer Arbeitsplatz mit dem der ÖD argumentiert und als Vorteil gegenüber der privaten Wirtschaft verkauft wird ist überholt. Kurzarbeit, Corona Home-Office usw. zeigen doch deutlich, daß man genau so viel Angst haben muss wie im öd.

Eher das Gegenteil. Ist man im öd lang genug dabei, wird es zunehmend schwieriger in der PW Wirtschaft wieder Fuß zu fassen.



Nettolohndiskriminierung

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Antw:Tarifrunde TV-L 2021 - Diskussion
« Antwort #50 am: 17.10.2021 17:42 »
Wenn 200.000 angestellte Lehrer um 20% Lohn netto Jahr für Jahr seit 1949 mit bewußter Duldung des dbb diskriminiert werden, sollte das Empörung an allen Stellen hervorrufen. Leider wird das von keiner Interessenvertretung bewußt erwähnt - mit Ausnahme von SchaLL e.V. - schade. Die GEW-Suchmaschine, die ver-di-Suchmaschine und die dbb-Suchmaschine und auch diese Seite kennen das Wort "Nettolohndiskriminierung" noch nicht einmal. Schade. Gleiche Arbeit unter dem gleichen Dach muß auch den gleichen Nettolohn haben - ansonsten kollabiert das System in nachvollziehbarer Selbstgerechtigkeit. Die Hauptforderung muss also die Aufhebung der Nettolohndiskriminierung sein - ohne wenn und aber. Jeglicher Versuch der Exekutive und Legislative den Schwarzen Peter von Land auf den Bund und umgekehrt abzuwälzen, verstärkt die Überzeugung, dass Arroganz und Ignoranz nicht lösungsorientiert sind.

Spid

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Antw:Tarifrunde TV-L 2021 - Diskussion
« Antwort #51 am: 17.10.2021 17:48 »
Liegt vielleicht daran, daß niemand sich für Wortneuschöpfungen von Special Snowflakes interessiert, die sich mal wieder „diskriminiert“ fühlen und dafür ein neues Buzzword suchen.

Alitalia

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Antw:Tarifrunde TV-L 2021 - Diskussion
« Antwort #52 am: 17.10.2021 17:56 »
Die Probleme mit den Nachbesetzungen gibt es längst nicht nur im IT Bereich. Selbst normale E9 Stellen in der Verwaltung kann man nur schwer nachbesetzen, Führungspositionen noch schwerer.

Die Corona Krise hat vielmehr gezeigt wie unflexibel viele Bereiche des ÖD sind. Die Familienfreundlichkeit gibt es wenn überhaupt auf dem Papier. In der freien Wirtschaft ist man zumindest in den Verwaltungen deutlich weiter, dass ne Kassiererin nicht ins Homeoffice kann ist klar. Aber selbst Bereiche die geeignet wären, werden außen vor gelassen.

Highwaystar

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Antw:Tarifrunde TV-L 2021 - Diskussion
« Antwort #53 am: 17.10.2021 21:12 »
Wenn 200.000 angestellte Lehrer um 20% Lohn netto Jahr für Jahr seit 1949 mit bewußter Duldung des dbb diskriminiert werden, sollte das Empörung an allen Stellen hervorrufen. Leider wird das von keiner Interessenvertretung bewußt erwähnt - mit Ausnahme von SchaLL e.V. - schade. Die GEW-Suchmaschine, die ver-di-Suchmaschine und die dbb-Suchmaschine und auch diese Seite kennen das Wort "Nettolohndiskriminierung" noch nicht einmal. Schade. Gleiche Arbeit unter dem gleichen Dach muß auch den gleichen Nettolohn haben - ansonsten kollabiert das System in nachvollziehbarer Selbstgerechtigkeit. Die Hauptforderung muss also die Aufhebung der Nettolohndiskriminierung sein - ohne wenn und aber. Jeglicher Versuch der Exekutive und Legislative den Schwarzen Peter von Land auf den Bund und umgekehrt abzuwälzen, verstärkt die Überzeugung, dass Arroganz und Ignoranz nicht lösungsorientiert sind.


Solange angestellte Lehrer nicht eigenständig ihre Interessen vertreten, wird sich daran gar nichts ändern!

Stufengleiche Höhergruppierung und die Einführung von E16 (wie soeben in Hessen) sind absolute Mindestforderungen. Ohne diese Ergebnisse kann sich die GEW vor diesen Mitgliedern auch nicht mehr sehen lassen...

LehrerBW

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Antw:Tarifrunde TV-L 2021 - Diskussion
« Antwort #54 am: 18.10.2021 00:01 »
Wenn 200.000 angestellte Lehrer um 20% Lohn netto Jahr für Jahr seit 1949 mit bewußter Duldung des dbb diskriminiert werden, sollte das Empörung an allen Stellen hervorrufen. Leider wird das von keiner Interessenvertretung bewußt erwähnt - mit Ausnahme von SchaLL e.V. - schade. Die GEW-Suchmaschine, die ver-di-Suchmaschine und die dbb-Suchmaschine und auch diese Seite kennen das Wort "Nettolohndiskriminierung" noch nicht einmal. Schade. Gleiche Arbeit unter dem gleichen Dach muß auch den gleichen Nettolohn haben - ansonsten kollabiert das System in nachvollziehbarer Selbstgerechtigkeit. Die Hauptforderung muss also die Aufhebung der Nettolohndiskriminierung sein - ohne wenn und aber. Jeglicher Versuch der Exekutive und Legislative den Schwarzen Peter von Land auf den Bund und umgekehrt abzuwälzen, verstärkt die Überzeugung, dass Arroganz und Ignoranz nicht lösungsorientiert sind.

SchaLL e.V. ?
Gabs  für die nicht mal den Radikalenerlass 😜
Aber mal im Ernst….der Unterschied zwischen verbeamteten und angestellten Kollegen steht bei den Verhandlungen nicht zur Diskussion, oder?

Isi

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Antw:Tarifrunde TV-L 2021 - Diskussion
« Antwort #55 am: 18.10.2021 10:01 »
In der GEW geht nach dem Abschluss in Hessen die Angst um - wenn ein entsprechender Abschluss auf TV-L Ebene geschlossen werden würde dürfte ihre Mitgliederzahl nochmal stark sinken.
Von Verdi ist zu hören, dass 3%(auf 20 Monate) "in Ordnung" wäre wenn sie den Sockelbetrag + Einmalzahlung bekommen. Damit würde das Klientel von Verdi "gut" durchkommen.
Etwas gequält erklärte vorhin einer der Gewerkschaftssekretäre der GEW
"wir wollen ja verdi jetzt keine direkte Konkurenz machen..."
Antwort:
"wenn wir uns da anschließen können wir uns auch gleich zurücklehnen und alle anderen machen lassen"

Es herrscht gerade intern sowas wie Stockscharre, verz. Schockstarre :) 

Was sich Verdi dabei denkt kann ich nur mutmaßen.

LehrerBW

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« Antwort #56 am: 18.10.2021 11:42 »
In der GEW geht nach dem Abschluss in Hessen die Angst um - wenn ein entsprechender Abschluss auf TV-L Ebene geschlossen werden würde dürfte ihre Mitgliederzahl nochmal stark sinken.
Von Verdi ist zu hören, dass 3%(auf 20 Monate) "in Ordnung" wäre wenn sie den Sockelbetrag + Einmalzahlung bekommen. Damit würde das Klientel von Verdi "gut" durchkommen.
Etwas gequält erklärte vorhin einer der Gewerkschaftssekretäre der GEW
"wir wollen ja verdi jetzt keine direkte Konkurenz machen..."
Antwort:
"wenn wir uns da anschließen können wir uns auch gleich zurücklehnen und alle anderen machen lassen"

Es herrscht gerade intern sowas wie Stockscharre, verz. Schockstarre :) 

Was sich Verdi dabei denkt kann ich nur mutmaßen.
4% auf 28 Monate sind doch besser als als 3% auf 20 Monate 🤔
Oder mach ich da nen Gedankenfehler?
Mit dem Abschluss wie in Hessen und dem 1000er Coronabonus konnte ich gut mit leben 😊

Bastel

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« Antwort #57 am: 18.10.2021 11:44 »
Mathelehrer bist du wohl nicht oder?

LehrerBW

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« Antwort #58 am: 18.10.2021 12:35 »
Mathelehrer bist du wohl nicht oder?

Definitiv nicht 🙂
Stimmt...3% auf 20 Monate wären besser 😊

öfföff

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Antw:Tarifrunde TV-L 2021 - Diskussion
« Antwort #59 am: 18.10.2021 15:07 »
In der GEW geht nach dem Abschluss in Hessen die Angst um - wenn ein entsprechender Abschluss auf TV-L Ebene geschlossen werden würde dürfte ihre Mitgliederzahl nochmal stark sinken.
Von Verdi ist zu hören, dass 3%(auf 20 Monate) "in Ordnung" wäre wenn sie den Sockelbetrag + Einmalzahlung bekommen. Damit würde das Klientel von Verdi "gut" durchkommen.
Etwas gequält erklärte vorhin einer der Gewerkschaftssekretäre der GEW
"wir wollen ja verdi jetzt keine direkte Konkurenz machen..."
Antwort:
"wenn wir uns da anschließen können wir uns auch gleich zurücklehnen und alle anderen machen lassen"

Es herrscht gerade intern sowas wie Stockscharre, verz. Schockstarre :) 

Was sich Verdi dabei denkt kann ich nur mutmaßen.

Was ist mit "wenn wir uns da anschließen" gemeint? wer ist WIR und was ist DA ?