Autor Thema: Tarifrunde TV-L 2021 - Diskussion  (Read 120727 times)

Romsen

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Antw:Tarifrunde TV-L 2021 - Diskussion
« Antwort #705 am: 16.11.2021 12:34 »
Oder man importiert einfach mehr Fachkräfte. Gibt es im Osten oder in Asien kein geeignetes Personal?

Wer sich mit der Historie des Gesundheitswesens und den darin befindlichen Fachkräftemangels außeinandergesetzt hat, wird feststellen das Deutschland schon in jedem Möglichen Land versucht hat, diese abzuwerben. Aus Osteuropa, Phillipinen, während der Eurokrise in Spanien und Portugal, Vietnam und nun zuletzt Albanien und Mexiko.

Niemand blieb lange, die Kolleginnen und Kollegen aus Portugal und Spanien sind lieber wieder zurück in Ihre Arbeitslosigkeit gegangen bzw. beim nächst besten Angebot. Die anderen sind entweder weiter gewandert, in die Schweiz oder nach Skandinavien. Die die blieben sind entweder auch ausgestiegen, haben reduziert o.ä.

Deutschland ist für Pflegekräfte kein attraktives Land (insbesondere wenn deren Heimatländer ggf. auch gerade einen Wirtschaftlichen Aufschwung erleben). Das Standing dieser Berufsgruppe ist in Deutschland ganz unten anzusiedeln, haben kaum Mitspracherecht und müssen zum Teil Aufgaben übernehmen die in deren Länder Aushilfen machen. Und das alles bei hohem Druck, meist unzureichenden Integrationsprogrammen und starren Hierarchien im Krankenhaus. Unsere Nachbarländer bzw. EU-Mitgliedsstaaten raten Ihren Pflegeschülern auch davon ab, mal ein ERASMUS Programm in Deutschland zu machen, aufgrund den oben genannten Umständen.

Auch China kam mal auf die Idee Pflegeschüler hier hin zu schicken um die Idee der Altenpflege nach China zu übertragen.

https://www.zeit.de/2020/03/chinesische-pflegekraefte-fachkraeftemangel-altersheim-altenpflege-experiment

teclis22

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Antw:Tarifrunde TV-L 2021 - Diskussion
« Antwort #706 am: 16.11.2021 13:03 »

Ok, da machen wir jetzt eine großen Punkt hinter und durch ist das Thema. Nun denn: der öffentliche Dienst hat einen Schluck aus der Pulle verdient, auch im Hinblick auf die Inflation. Daher heißt es nun zusammenhalten, statt zerfleischen!

Mir gefällt die Idee - allein mir fehlt der Glaube. Den ÖD gibt es halt nicht. Und jede Berufsgruppe (hohe EG, niedrige EG) oder Status (Angestellte oder Beamte), wird ohne zögern die jeweils andere vor den Zug werfen, um selber besser da zu stehen. Macht aus individueller Sicht ja auch Sinn.  :/

Und die AG sind sich dessen halt nur zu gut bewusst.

Highwaystar

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« Antwort #707 am: 16.11.2021 13:04 »
300,- Euro brutto mehr machen diesen Job im Pflegebereich dann auch nicht sexy...

Isi

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« Antwort #708 am: 16.11.2021 13:06 »
Vielleicht braucht es mehr Eigeninitiative und Mitwirkungsanreize bei den Patienten? Wer noch gehen kann, könnte doch zB. in der Kantine essen gehen!

Das war bei uns schon so :)

Vielleicht stehen ja Fachkräfte für den Landesdienst an der Belarussischen Grenzr?  Hab gehört die will man jetzt mit Bussen nach München bringen...
Spass beiseite: wenn gerade die Krankenhäuser (und da hätten die Uniklinken Leuchtturmrolle) nicht anfangen mehr zu bezahlen für das was sie von dem AN verlangen sehe ich (noch mehr) Menschen in Notaufnahmem und auf den Notarzt wartend sterben.

Isi

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Antw:Tarifrunde TV-L 2021 - Diskussion
« Antwort #709 am: 16.11.2021 13:08 »
300,- Euro brutto mehr machen diesen Job im Pflegebereich dann auch nicht sexy...

Er birgt aber außerhalb des Gehalts auch viel Potenzial - im Moment zerstört die Bezahlung alles andere. Wenn ein Kinderkrankenpfleger (umgangssprachlich) 300-400€ mehr hätte würden mehr bleiben, doch!

öfföff

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« Antwort #710 am: 16.11.2021 13:18 »
Sehe ich auch so. Die Klinikbeschäftigten sollten zusätzlich zu den Tabellenerhöhungen alle noch +300 EUR bekommen. So wie gefordert.  Wäre ein Anfang und ein Zeichen der Wertschätzung.
Der Gesundheitstisch bei den Verhandlungen ist wichtig! Sag das mal deinen Leuten ISI!

was_guckst_du

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« Antwort #711 am: 16.11.2021 13:45 »
...ich würde sogar auf eine eigene Erhöung in dieser Runde verzichten, wenn man die Beschäftigten im Pflegebereich endlich leistungsgerecht bezahlen würde, vor allem im Hinblick darauf, dass man damit den Fachkräftemangel entgegentreten könnte...

...ich weiß aus unmittelbarer Anschauung, was in den Krankenhäusern wirklich los ist, da meine Ehefrau Vollzeit und im Wechselschichtdienst als exam. Krankenschwester tätig ist... wohl dem, der heutzutage keiner stationärer Behandlung bedarf...
Gruß aus "Tief im Westen"

Meine Beiträge geben grundsätzlich meine persönliche Meinung zum Thema wieder und beinhalten keine Rechtsberatung. Meistens sind sie ernster Natur, manchmal aber auch nicht. Bei einer obskuren Einzelfallpersönlichkeit antworte ich auch aus therapeutischen Gründen

Wdd3

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« Antwort #712 am: 16.11.2021 13:50 »
Sehe ich auch so. Die Klinikbeschäftigten sollten zusätzlich zu den Tabellenerhöhungen alle noch +300 EUR bekommen.

Das ist doch Blödsinn, medizinisches Personal ja, aber warum soll den ein Sachbearbeiter, Koch oder Controller zusätzlich vergütet werden?
...ich würde sogar auf eine eigene Erhöung in dieser Runde verzichten, wenn man die Beschäftigten im Pflegebereich endlich leistungsgerecht bezahlen würde, vor allem im Hinblick darauf, dass man damit den Fachkräftemangel entgegentreten könnte...

...ich weiß aus unmittelbarer Anschauung, was in den Krankenhäusern wirklich los ist, da meine Ehefrau Vollzeit und im Wechselschichtdienst als exam. Krankenschwester tätig ist... wohl dem, der heutzutage keiner stationärer Behandlung bedarf...

Genau so, eben im Pflegebereich.

Allerdings würde es mir auch leichter fallen auf Geld zu verzichten wenn meine Frau überdurchschnittlich mehr bekäme. ;D

BTSV1

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« Antwort #713 am: 16.11.2021 14:23 »
...ich würde sogar auf eine eigene Erhöung in dieser Runde verzichten, wenn man die Beschäftigten im Pflegebereich endlich leistungsgerecht bezahlen würde, vor allem im Hinblick darauf, dass man damit den Fachkräftemangel entgegentreten könnte...

Nur was ist mit den Männern wo die Ehefrau nicht so viel verdient und alles so viel teurer geworden ist. Der kann wohl kaum auf eine Erhöhung verzichten.

Romsen

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« Antwort #714 am: 16.11.2021 14:44 »
Vielleicht braucht es mehr Eigeninitiative und Mitwirkungsanreize bei den Patienten? Wer noch gehen kann, könnte doch zB. in der Kantine essen gehen!

Das war bei uns schon so :)

Vielleicht stehen ja Fachkräfte für den Landesdienst an der Belarussischen Grenzr?  Hab gehört die will man jetzt mit Bussen nach München bringen...
Spass beiseite: wenn gerade die Krankenhäuser (und da hätten die Uniklinken Leuchtturmrolle) nicht anfangen mehr zu bezahlen für das was sie von dem AN verlangen sehe ich (noch mehr) Menschen in Notaufnahmem und auf den Notarzt wartend sterben.

Tatsächlich sind Ärzte weniger ein Problem (außer in einzelnen Fachbereichen insb. Pädiatrie und eben auf dem Land). Die Hörsäle quellen über und die Warteschlangen sind lang für dieses Studium. Durch zunehmende Digitalisierung und den damit einhergehenden weniger aufwendigen Diagnostik Aufwand (Interpretation der Daten etc.), kann man das alles gut abdecken. Der Angebotsschock wird eben eher den Pflegebereich treffen.

Muschebubu

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« Antwort #715 am: 16.11.2021 20:51 »
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Zunächst wurde direkt mal die doch bei Beamten durchaus verbreitete 41-Stunden-Woche irgendwie vergessen, wohingegen die Wochenarbeitszeit sonst bei 38,5 Stunden liegt.



Der Teil interessiert mich ohnehin. Also schauen wir mal.

Ich nehme mal Hamburg, da ich dort tätig bin.
Stunden Beamte: 40/Woche Stunden Angestellte 39/Woche

Arbeitstage in 2020
255 (je nach Bundesland aber mal als Zahl)
-30 Tage Urlaub


Rest: 225 Tage
- 11 Tage krank (https://de.statista.com/statistik/daten/studie/13441/umfrage/entwicklung-der-jaehrlichen-anzahl-krankheitsbedingter-fehltage-je-arbeitnehmer/)

Rest: 214 Tage
- 5 Tage Fortbildung  (https://www.xing.com/communities/posts/wieviel-aufwand-fuer-berufliche-weiterbildung-1007247119 konnte keine Statistik auf die Schnelle finden)

Rest: 209 Tage
-1 Tag AVZ (haben im Hamburg die Beamten)

Rest 208 Arbeitstage pro Jahr. Uns interessiert der Stundenunterschied zu Angestellten. Also

208/5= 41,6 wir runden auf auf 42

Sprich ein Beamter in Hamburg arbeitet knapp 42h im Jahr mehr als ein Angestellter.

Wenn ich mir die Tabelle dazu anschaue im obrigen Post, denke ich ist das immer noch ein *sehr* guter Deal für Beamte.

Also die Berechnung kann ich nicht nachvollziehen. Inwieweit lassen sich in dieser Rechnung Fehlzeiten von Arbeitnehmern auf Beamte übertragen? Ich erstelle dir gerne eine Statistik, resultierend aus eigenen Feststellungen, dass gerade die Beamten in meiner Dienststelle deutlich länger krank sind als die TB. Grund, die einen bekommen 100 Prozent, bis irgendwann der Amtsarzt mobilisiert wird, bei den anderen ist damit nach 6 Wochen Schluss.

teclis22

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« Antwort #716 am: 16.11.2021 21:33 »
Mir ging es um die Fragestellung, wieviel mehr Arbeitstage das erhöhte Stundenkontingent für Beamte über das Jah ausmachen. Daher hatte ich mal ein paar Statistiken gegoogelt, um daraus Annahmen zu treffen.
Ob Beamte statistisch wirklich mehr Arbeitsunfähig sind als angestellte konnte ich auf die Schnelle nicht recherchieren.


Schnarchnase81

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« Antwort #717 am: 16.11.2021 21:49 »
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Zunächst wurde direkt mal die doch bei Beamten durchaus verbreitete 41-Stunden-Woche irgendwie vergessen, wohingegen die Wochenarbeitszeit sonst bei 38,5 Stunden liegt.



Der Teil interessiert mich ohnehin. Also schauen wir mal.

Ich nehme mal Hamburg, da ich dort tätig bin.
Stunden Beamte: 40/Woche Stunden Angestellte 39/Woche

Arbeitstage in 2020
255 (je nach Bundesland aber mal als Zahl)
-30 Tage Urlaub


Rest: 225 Tage
- 11 Tage krank (https://de.statista.com/statistik/daten/studie/13441/umfrage/entwicklung-der-jaehrlichen-anzahl-krankheitsbedingter-fehltage-je-arbeitnehmer/)

Rest: 214 Tage
- 5 Tage Fortbildung  (https://www.xing.com/communities/posts/wieviel-aufwand-fuer-berufliche-weiterbildung-1007247119 konnte keine Statistik auf die Schnelle finden)

Rest: 209 Tage
-1 Tag AVZ (haben im Hamburg die Beamten)

Rest 208 Arbeitstage pro Jahr. Uns interessiert der Stundenunterschied zu Angestellten. Also

208/5= 41,6 wir runden auf auf 42

Sprich ein Beamter in Hamburg arbeitet knapp 42h im Jahr mehr als ein Angestellter.

Wenn ich mir die Tabelle dazu anschaue im obrigen Post, denke ich ist das immer noch ein *sehr* guter Deal für Beamte.

Also die Berechnung kann ich nicht nachvollziehen. Inwieweit lassen sich in dieser Rechnung Fehlzeiten von Arbeitnehmern auf Beamte übertragen? Ich erstelle dir gerne eine Statistik, resultierend aus eigenen Feststellungen, dass gerade die Beamten in meiner Dienststelle deutlich länger krank sind als die TB. Grund, die einen bekommen 100 Prozent, bis irgendwann der Amtsarzt mobilisiert wird, bei den anderen ist damit nach 6 Wochen Schluss.

Und du bist der Meinung, dass deine eigene, durch Neid auf Beamte geprägte, subjektive Feststellung tatsächlich irgendeinen statistischen Wert hat? Vielleicht an deinem Stammtisch. Meinst du wirklich, die Ärzte schreiben Beamte länger krank, als Angestellte? Ernsthaft?

Im übrigen kommt ja gerne das 6-Wochen-Argument….und was ist mit dem Krankengeldzuschuss im TV-L, der noch eine ganze Zeit das Krankengeld auf das ursprüngliche Nett aufstockt? Dieser wird anscheinend genauso gerne verschwiegen…

Highwaystar

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« Antwort #718 am: 16.11.2021 22:10 »
Neid wird hier häufig einfach unterstellt.

Gerne zurück zum Thema!

GanzToll

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« Antwort #719 am: 16.11.2021 22:14 »

Im übrigen kommt ja gerne das 6-Wochen-Argument….und was ist mit dem Krankengeldzuschuss im TV-L, der noch eine ganze Zeit das Krankengeld auf das ursprüngliche Nett aufstockt? Dieser wird anscheinend genauso gerne verschwiegen…

Das mit dem Krankengeldzuschuss nach 6 Wochen kannte ich noch gar nicht. Wo im TV-L ist das geregelt, bzw. kann ich das nachlesen?