Autor Thema: Tarifrunde TV-L 2021 - Diskussion  (Read 120098 times)

thesisko

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Antw:Tarifrunde TV-L 2021 - Diskussion
« Antwort #720 am: 16.11.2021 22:33 »
Paragraf 22 TV-L

Die Altgedienten, welche noch unter BAT fielen, werden auf 100% aufgestockt, alle anderen so auf 92%.

Nach einem Jahr fängt es mit dem Anspruch an.

Das ist tatsächlich eine durchaus gute Leistung.

ProfTii

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Antw:Tarifrunde TV-L 2021 - Diskussion
« Antwort #721 am: 17.11.2021 06:48 »
Also die Berechnung kann ich nicht nachvollziehen. Inwieweit lassen sich in dieser Rechnung Fehlzeiten von Arbeitnehmern auf Beamte übertragen? Ich erstelle dir gerne eine Statistik, resultierend aus eigenen Feststellungen, dass gerade die Beamten in meiner Dienststelle deutlich länger krank sind als die TB. Grund, die einen bekommen 100 Prozent, bis irgendwann der Amtsarzt mobilisiert wird, bei den anderen ist damit nach 6 Wochen Schluss.

Ich meine mich erinnern zu können, dass der Wert von 209 Arbeitstagen im Jahr ein statistischer Wert ist, der "jeden" einschließt der in einem angestelltengleichen Verhältnis steht - hierunter sind meine ich sogar unter bestimmten Voraussetzungen Selbstständige mit erfasst worden. (nagelt mich nicht drauf fest, das wabert irgendwo weit hinten in meinem Gedächnis)
Sollte das so stimmen ist es unerheblich, ob Beamte tatsächlich länger krank geschrieben werden als Angestellte, da auch dies in dem Wert von 209 Arbeitstagen abgebildet ist.

Pädi07

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Antw:Tarifrunde TV-L 2021 - Diskussion
« Antwort #722 am: 17.11.2021 08:03 »
Und was hat das alles mit dem Thema Tarifverhandlungen zu tun?

sebbo83

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Antw:Tarifrunde TV-L 2021 - Diskussion
« Antwort #723 am: 17.11.2021 09:10 »
Sehe ich auch so. Die Klinikbeschäftigten sollten zusätzlich zu den Tabellenerhöhungen alle noch +300 EUR bekommen.

Das ist doch Blödsinn, medizinisches Personal ja, aber warum soll den ein Sachbearbeiter, Koch oder Controller zusätzlich vergütet werden?

Weil eine Vielzahl von Sacharbeitern derzeitig Quarantäne-Anträge oder Corona-Hilfen bearbeiten oder im Krisenstab sitzen und das bis zum Burn-Out. Nur sieht das keiner.  >:(
Und die, die nicht dort sitzen die Arbeit der abgeordneten Kollegen noch mit erledigen müssen - auch hier bis zum Burn-out.

Bastel

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« Antwort #724 am: 17.11.2021 09:13 »
Sehe ich auch so. Die Klinikbeschäftigten sollten zusätzlich zu den Tabellenerhöhungen alle noch +300 EUR bekommen.

Das ist doch Blödsinn, medizinisches Personal ja, aber warum soll den ein Sachbearbeiter, Koch oder Controller zusätzlich vergütet werden?

Weil eine Vielzahl von Sacharbeitern derzeitig Quarantäne-Anträge oder Corona-Hilfen bearbeiten oder im Krisenstab sitzen und das bis zum Burn-Out. Nur sieht das keiner.  >:(
Und die, die nicht dort sitzen die Arbeit der abgeordneten Kollegen noch mit erledigen müssen - auch hier bis zum Burn-out.

Warum geht der Sachbearbeiter nicht einfach nach 8h heim? Ordnet der AG Überstunden an? Wenn ja, gibts +30% für die unteren EGs. Das ist doch kein schlechtes Geschäft...

XTinaG

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« Antwort #725 am: 17.11.2021 09:16 »
Ich sehe nicht, wozu das gut sein soll. Pandemie ist bald vorbei und das persönliche Helfersyndrom einiger ist das persönliche Problem dieser einigen. Wer kein Helfersyndrom hat, machts so, wie Bastel geschrieben hat.

Isi

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Antw:Tarifrunde TV-L 2021 - Diskussion
« Antwort #726 am: 17.11.2021 10:00 »
Sehe ich auch so. Die Klinikbeschäftigten sollten zusätzlich zu den Tabellenerhöhungen alle noch +300 EUR bekommen.

Das ist doch Blödsinn, medizinisches Personal ja, aber warum soll den ein Sachbearbeiter, Koch oder Controller zusätzlich vergütet werden?

Weil eine Vielzahl von Sacharbeitern derzeitig Quarantäne-Anträge oder Corona-Hilfen bearbeiten oder im Krisenstab sitzen und das bis zum Burn-Out. Nur sieht das keiner.  >:(
Und die, die nicht dort sitzen die Arbeit der abgeordneten Kollegen noch mit erledigen müssen - auch hier bis zum Burn-out.

Warum geht der Sachbearbeiter nicht einfach nach 8h heim? Ordnet der AG Überstunden an? Wenn ja, gibts +30% für die unteren EGs. Das ist doch kein schlechtes Geschäft...

Ehrliche Antwort: Weil mir der zweite Porsche vor der Haustür nichts bringt wenn ich meine Kinder nicht mehr sehe. Allein die Verwaltungstätigkeiten haben dermaßen zugenommen: Dokumentation ist alles, denn sonst wird nichts bezahlt. Fallpauschalen und Behandlungen in der Notfallmedizin brauchen praktisch schon alle Zeit der Beschäftigten. Das war vor Corona.
Jetzt müssen Dienstpläne in Kohorten, Abstände eingehalten, Hygieneregeln verschärft etc. werden. Es dauert als routinierte Fachkraft 10 Minuten um (durch die Schleuse) ein Infektionszimmer zu betreten und dann wieder zu verlassen. Dann brauche ich einen Wagen, die Medikamente etc. und danach muss man 10 Minuten Dokumentieren, das geht wieder nur über von der KK gestellten Geräten (also Rechnern).
Da sowas nicht funktionieren kann weil niemand so viel Personal zahlen kann und will, werden die Dokumentationen vor Ort auf den Stationen schnell per Hand eingetragen und dann in der Verwaltung aufgearbeitet.

Und dann stehst du erschöpft nach deiner 10 Stunden Schicht in der Dusche und folgst den Anweisungen des Desinfektors, freust dich dass du nach Hause kommst bevor deine Kinder aufwachen und du vielleicht frische Brötchen zum Frühstück mitbringen kannst - und der stv. Chefarzt stürzt in die Umkleide, schaut dich aus tiefroten Augen an (war der Vorgestern nicht auch schon da als du gekommen bist?) und erklärt dir, dass in der nächsten Schicht 2 Fachkräfte in Quarantäne müssen und der Stationsarzt gerade in der Notaufnahme versucht ein Neugeborenes, das bei einer Hausgeburt nicht mehr atmen wollte reanimiert, und weist dich an so lange zu bleiben bis er Ersatz gefunden hat.
Zurück auf Station sollst du dann die Arbeit anderer Dokumentieren (die hatten keine Zeit weil der nicht deutsch sprechende Patient in der 4 wieder Wahnvorstellungen vom Krieg hat und versucht seinen Zimmernachbar zu erwürgen) - während vor der Tür der dritte Patient für das Zimmer wartet und eigentlich rein muss weil er Sauerstoff braucht nach seiner Lungenop.
Also dokumentierst du und stellst irgendwann fest, dass der Patient auf dem Gang nur noch röchelt, schleppst die Sauerstoffflasche aus dem Keller hoch - der technische Dienst ist überlastet, weil 2 davon aufgrund ihrer Coranaimpfung krank gemeldet sind und der Hausmeister gerade versucht 2 Patienten aus dem Fahrstuhl zu befreien.
Dann zeigst du den Polizisten den Weg in die 4, dokumentierst deinen Einsatz auf einem Tablet, lässt es fallen und hoffst, dass es noch funktioniert, während du die Atmung des Patienten prüfst, die Putzfrau bittest doch schnell den Koffer BA.2 zu holen weil sonst keiner da ist, was sie auch freundlicherweise tut.
Auf dem Weg ins Stationszimmer hebst du ein verlorenes Röntgenbild auf, dass eine Lunge voller Läsionen zeigt und überlegst wo das nun hingehört - der Druck auf dem unteren Bereich des Bildes ist leider verschwommen - das ist seit Monaten ein Problem, kann aber nicht repariert werden weil eigentlich längst auf digitale Bilder umgestellt wurde und deshalb der Drucker nicht mehr im Etat ist - ah da war was, du musst noch eine Bestellung fertig machen.
Also schnell die Bestellung machen, und dann kommt der stv. Chefarzt, nickt dir dankbar zu, klopft auf deine Schulter, hustet in dein Gesicht und sagt:
Ich löse sie jetzt ab, danke, sie können zu ihren Kindern nach Hause.

Deine nächste Schicht beginnt in 7 Stunden.

Du gehst dann mal duschen, vielleicht kannst du noch ne Runde Fahrradfahren gehen, Frühstück und Mittagessen sind leider ausgefallen.

Aber dann sind 800€ mehr auf meinem Konto, das ist dann wieder toll und ich freue mich sehr. Ah, da kam gerade eine Nachtricht: Urlaubssperre weil Intensivstation voll, naja fahren wir halt nächstes Jahr passt schon.

EDIT: Das war der Tag an dem ich entschied nicht länger Teil des Systems sein zu wollen.

XTinaG

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« Antwort #727 am: 17.11.2021 10:13 »
Also Helfersyndrom.

Isi

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« Antwort #728 am: 17.11.2021 10:17 »
Also Helfersyndrom.

Angewiesene Überstunden
Der Chefarzt wohnt praktisch da, der will befördert werden, also vielleicht der ja.

XTinaG

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« Antwort #729 am: 17.11.2021 10:24 »
Die man grundsätzlich verweigern darf, wenn damit gegen das ArbZG verstoßen wird.

Romsen

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« Antwort #730 am: 17.11.2021 11:02 »
Das ist ja alles ganz berührend Isi... (Ich lasse trotzdem meinen Stift spätestens 10 Minuten nach meiner Schicht fallen. Patient ist übergeben und folglich nicht mehr mein Problem). aber was hat das mit dem Verwaltungspersonal zu tun?

sebbo83

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« Antwort #731 am: 17.11.2021 11:30 »
Sehe ich auch so. Die Klinikbeschäftigten sollten zusätzlich zu den Tabellenerhöhungen alle noch +300 EUR bekommen.

Das ist doch Blödsinn, medizinisches Personal ja, aber warum soll den ein Sachbearbeiter, Koch oder Controller zusätzlich vergütet werden?

Weil eine Vielzahl von Sacharbeitern derzeitig Quarantäne-Anträge oder Corona-Hilfen bearbeiten oder im Krisenstab sitzen und das bis zum Burn-Out. Nur sieht das keiner.  >:(
Und die, die nicht dort sitzen die Arbeit der abgeordneten Kollegen noch mit erledigen müssen - auch hier bis zum Burn-out.

Warum geht der Sachbearbeiter nicht einfach nach 8h heim? Ordnet der AG Überstunden an? Wenn ja, gibts +30% für die unteren EGs. Das ist doch kein schlechtes Geschäft...

Welches B.-Land zahlt denn 30% bei Überstunden?? Außer ein wachsendes Zeitkonto hat hier noch nie, aber wirklich noch nie jemand mehr Geld gesehen!
Es gibt keine direkten angeordneten Überstunden aber ellenlange Emails und Tel-Ko's vom Präsidenten oder der Referatsleitung, wie wir jetzt alle durchhalten müssen, um die Flut von Anträgen, etc. zu bearbeiten. Dem einen geht's am A*** vorbei, die meisten jedoch ackern von 8 bis 18 oder schon ab 6 Uhr, manche sogar noch nach 20 Uhr. Es ist nicht selten, dass 100 und mehr Überstunden auf dem Zeitkonto stehen, jedoch am Gehalt hat sich noch nie was geändert.
Scheinbar lebt der Ein oder Andere wirklich noch in einer Traumwelt vom stiftespitzenden Sachbearbeiter der Punkt 4 nach Hause geht. Die Realität sieht anders aus und die Antragsflut der 4. Welle hat noch nicht mal begonnen.

Für die meisten hier sind die 5% inklusive eine ordentliche Sonderzahlung das Mindeste.

XTinaG

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« Antwort #732 am: 17.11.2021 11:34 »
Wenn keine Arbeitsstunden angeordnet werden, geht man nach der vereinbarten Arbeitszeit nach Hause.

Wenn Arbeitsstunden angeordnet werden, werden diese zu Überstunden, wenn sie nicht bis zum Ende der folgenden Kalenderwoche ausgeglichen werden. Für Überstunden stehen Zuschläge zu.

Wer mehr arbeitet, weil er glaubt, der Arbeitgeber würde das erwarten, ohne daß dieser dies anordnet, ist Teil des Problems. Stichwort Helfersyndrom.

Isi

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« Antwort #733 am: 17.11.2021 11:40 »
Das ist ja alles ganz berührend Isi... (Ich lasse trotzdem meinen Stift spätestens 10 Minuten nach meiner Schicht fallen. Patient ist übergeben und folglich nicht mehr mein Problem). aber was hat das mit dem Verwaltungspersonal zu tun?

Was tust du wenn niemand kommt? Es ist und war z.B. den Stationsärzten nicht erlaubt ihren Arbeitsplatz zu verlassen, wenn sie ihren Dienst nicht übergeben können. Hier wurden auch schon Kündigungen diesbezüglich ausgesprochen, eine Kündigung innerhalb des Facharztstudiums an einer Klinik ist gleichbedeutend mit dem Verlust des Studienplatzes - dann bist du verloren. Assistenzärzte trifft es noch schlimmer.

Bei mir waren das dann 15%+ pro Überstunde, also 115% Gehalt. Das ist dann mal nicht unbedingt schlecht, aber auch kein Dauerzustand.

Einfaches Beispiel: Wenn während einer OP ein Problem auftritt - häufig bei nicht-endoskopischen OP´s - z.B. ein Gefäß blutet, oder ein Entzündungsherd wird erkannt und muss entsprechend versorgt werden, dann dauert so eine OP schnell 1-2 Stunden länger (in der Herzchirurgie kann das noch viel länger gehen).
Und, je nach schweregrad brauchst du 4 bis 8 Personen für eine OP, das betrifft nicht nur Ärzte - der Oberarzt geht nach dem spannenden Teil und dann kommt der Satz: "den können sie zumachen".
Anestesiepfleger, Intensivpflegerin, Krankenschwester etc. bleiben.
Da fallen Überstunden an, die werden auch vergütet - zumindest dort wo ich eingesetzt war wurde kein Betrug betrieben, aber sie fallen eben an und gelten dann als Angeordnet oder bei den Ärzten dann als "genehmigt".
Die Kunst ist die Übergabe auch durchführen zu können wenn die Nachfolgeschicht nicht antreten kann weil das Gesundheitsamt entscheidet, dass diese unter Quarantäne stehen.

Und nun kommt das Verwaltungspersonal und muss, in Kohorten, auch damit leben, dass viele wegen Quarantäne ausfallen. Gleichzeitig steigt der Kostendruck weil OP´s die viel Geld bringen massenhaft verlegt werden mussten (ignorieren wir die Krebs- und Herzpatienten die im letzten Jahr wegen solcher Verlgungen gestorben sind, niemand kann eben genau abschätzen wie dringend es teilw. wirklich ist) und dann ist der Druck auch in der Verwaltung angekommen.

Wir brauchen, um unser selbst willen weil wir alle mal krank werden können, besser bezahltes Personal in den Unikliniken. Mehr Geld wird einige zurückbringen denn zu wenige Ausgebildete Fachkräfte haben wir nicht. Die betreuen nur gerade unsere Kinder oder Arbeiten in Arztpraxen und der Pharmaindustrie als Verkäufer...
Das ist nur meine Meinung, jeder darf das anders sehen: Ich finde es muss mehr Geld für Pflegekräfte, insbesondere in der Pädiatrie her!

Wdd3

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Antw:Tarifrunde TV-L 2021 - Diskussion
« Antwort #734 am: 17.11.2021 11:45 »
@Isi, Vielen Dank an dich und alle die über ihre Grenzen gehen und mehr leisten als sie müssen. Ja es wird vie zu wenig honoriert bzw. es wird zu wenig in zusätzliches Personal investiert um solche Situationen zu vermeiden.

Allen denen das nur Hohn und Spott wert ist gönne ich einen Aufenthalt in der Notaufnahme während dem sie nach Luft ringend ihr Blut auf den Boden tropfen sehen aber das medizinische Personal  läuft an ihnen vorbei weil sie sich zunächst um die wirklich kritischen Fälle kümmern müssen.