Autor Thema: Wieviel sollte man als Beamter sparen?  (Read 5556 times)

PuddingBär

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Wieviel sollte man als Beamter sparen?
« am: 08.05.2022 23:07 »
Hallo in die Runde!

Ich bin vor einem halben Jahr auf Probe verbeamtet worden (Bund, A9/11), davor war ich auf Widerruf. An meinen Lebensumständen hat sich seitdem nichts geändert außer dem Wechsel in die PKV, aber mein Gehalt hat sich quasi verdoppelt. Da ich jetzt in relativ kurzer Zeit einiges an Geld angespart habe, frage ich mich: wohin damit?
Ich habe knapp 6.000 €, verteilt auf Giro- und Tagesgeldkonto, außerdem wird bald ein Bausparer zuteilungsreif (Hauskauf ist aber nicht geplant). VL nehme ich natürlich auch mit (nur die 6,65€; ich überlege noch, wo und wie ich mein eigenes Geld anlege).
Da ich jetzt flüssig bin, möchte ich mir aber natürlich auch mal schöne Dinge leisten, wie Reisen, schönere Möbel, größere Wohnung, ein Haustier usw. Jetzt tue ich mich etwas schwer, die Balance zu finden aus sparen und Geld ausgeben...

Ich lese immer wieder, dass man mind. 2-3 Monatsgehälter zur Seite legen soll, damit man für kaputte Waschmaschinen und Jobverlust gewappnet ist. Mit Arbeitslosigkeit rechne ich aber eher nicht, da meine erste Beurteilung ganz gut war ;)  Da die Absicherung als Beamter doch eine andere ist als für "normale" Arbeitnehmer,  treffen die meisten Ratschläge und Finanztipps die man so hört nicht zu (oder doch?).

Daher hier meine Fragen in die Runde:
Wie viel legt ihr so zur Seite? Sowohl "Notgroschen" als auch klassisches Sparen für die Zukunft. 
Wie viel haltet ihr für Zuzahlungen zur PKV bereit?
Was sollte man als Berufsanfänger noch beachten in finanzieller Hinsicht?

Viele Grüße, PuddingBär
 

clarion

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Antw:Wieviel sollte man als Beamter sparen?
« Antwort #1 am: 09.05.2022 06:23 »
Hallo,

ist Immobilieneigentum geplant? Möchtest Du Familie mit oder ohne Kinder? Je nach Lebensstandard  braucht mal eine mehr oder weniger große jederzeit verfügbaren Kriegskasse für Dinge, die spontan kaputt gehen können, für Waschmaschine, Laptop, Auto, Vorleistung für Arztrechnungen.  etc.

Man gewöhnt sich auch an das höhere Einkommen und dann steigt auch automatisch die Ausgaben,  dann leistet man sich mehr bzw. teurere Produkte.

Ich glaube man sollte beim Sparen diversivieren. Ein Teil des Geldes in ETF, ein Teil in klassische Produkte anlegen.  Meiner Meinung nach ist fondsbasiertes Riestern in deiner Situation auch besser als der Ruf von Riestern, da Du vermutlich nicht  in die Nähe der Sozialhilfe kommen wirst.

Ich erwarte, dass auch die Zinsen für Sparer steigen werden. In welcher Richtung sich die Immobilien entwickeln,  vermag ich nicht zu sagen.  Ich sehe inzwischen in manchen Städten die Gefahr einer Blase. Eine selbst genutzte Immobilie zahlt sich aber in vielen Gegenden noch immer aus.

Wasserkopp

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Antw:Wieviel sollte man als Beamter sparen?
« Antwort #2 am: 09.05.2022 06:34 »
Die gestellten Fragen lassen sich hauptsächlich für das eigene Schicksal beantworten. Ich empfehle sich selbst finanziell zu bilden, sich finanzielle Ziele bzw. einen Zielzustand des eigenen Lebens zu entwickeln und entsprechende Maßnahmen (ggf. mit Unterstützung eines Honorarberaters) zu erarbeiten.

Kaiser80

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Antw:Wieviel sollte man als Beamter sparen?
« Antwort #3 am: 09.05.2022 07:23 »

Daher hier meine Fragen in die Runde:
Wie viel legt ihr so zur Seite? Sowohl "Notgroschen" als auch klassisches Sparen für die Zukunft. 
Wie viel haltet ihr für Zuzahlungen zur PKV bereit?
Was sollte man als Berufsanfänger noch beachten in finanzieller Hinsicht?
 
Tja, was kostet ein braunes Pferd... siehe @Wasserkopp. Individuelle Bedürfnisse und ein schier unendliches Angebot auf dem Markt lassen da schlicht sehr viel Spielraum

1. Notgroschen 2-4 Monatsgehälter, kurzfristig Verfügbar
2. Langfristig: Kenn die Regelungen für Beamte nicht, ich selbst als SVpfl.-AN bin mit fondsgebundenem Riester (trotz Ausgabeaufschlags) total zufrieden.
2.a) Langfristig II: Lass die möglichkeit eines Immo Erwerbs nie ausser betracht! Nie! Ist derzeit ein schwieriges Umfeld/Markt.
3. Ob der derzeitigen Situation in der Ukraine, Wirtschaftsentwicklung, Inflation usw. würde ich stand heute tendenziell eher in kurzfristige denn in langfristige Kapitalanlagen gehen. Auch aus Prinzip.
4. Bei einem zuteilungsreifem Bausparer ist ja zu beachten zu welchem Guthabenzins dieser abgeschlossen wurde. I.d.R sind diese nach Zuteilungsreife ja innerhalb von 6-10 Wochen verfügbar. Da sind die "Renditen" für vergleichbares am Markt derzeit doch recht überschaubar.

JC83

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Antw:Wieviel sollte man als Beamter sparen?
« Antwort #4 am: 09.05.2022 09:21 »
Schau mal hier:

https://www.wertpapier-forum.de/topic/49689-investieren-f%C3%BCr-einsteiger/

Du musst dich in jedem Falle finanziell bilden. Weiterhin sind Bank"berater" zu meiden.

Ich würde an deiner viel "Cash" aufbauen, um bei einem evtl. anstehenden Immo-Drawdown in den nächsten Jahren für Schnäppchen flüssig zu sein; es dürfte spannend werden.

Weiterhin würde ich einen ETF-Sparplan iHv. 25 oder 50 Euro aufsetzen und monatlich besparen; die Märkte sind derzeit im Rückwärtsgang und ziemlich volatil; hier kannst du also deine Risikotoleranz "testen".

Riester ist so eine Sache, ich würde das aus diversen Gründen NICHT abschließen: VIEL zu teuer, zu unflexibel, Erbregelung ist unhandlich, Rendite ist schwach, du musst uralt werden, dass sich die Einzahlungen amortisieren. Mehr muss dazu eigentlich nicht gesagt werden.


DiVO

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Antw:Wieviel sollte man als Beamter sparen?
« Antwort #5 am: 09.05.2022 09:30 »
Schau mal hier:

https://www.wertpapier-forum.de/topic/49689-investieren-f%C3%BCr-einsteiger/

Du musst dich in jedem Falle finanziell bilden. Weiterhin sind Bank"berater" zu meiden.

Ich würde an deiner viel "Cash" aufbauen, um bei einem evtl. anstehenden Immo-Drawdown in den nächsten Jahren für Schnäppchen flüssig zu sein; es dürfte spannend werden.

Weiterhin würde ich einen ETF-Sparplan iHv. 25 oder 50 Euro aufsetzen und monatlich besparen; die Märkte sind derzeit im Rückwärtsgang und ziemlich volatil; hier kannst du also deine Risikotoleranz "testen".

Riester ist so eine Sache, ich würde das aus diversen Gründen NICHT abschließen: VIEL zu teuer, zu unflexibel, Erbregelung ist unhandlich, Rendite ist schwach, du musst uralt werden, dass sich die Einzahlungen amortisieren. Mehr muss dazu eigentlich nicht gesagt werden.

Bei dem ETF-Sparplan bin ich bei dir. Zum Thema Riester:

Die Rendite der fondsgebundenen Riester ist definitiv nicht schwach. Die Ausgabeaufschläge finde ich in Ordnung. Die staatliche Föderung kann, je nach eigenen Vorraussetzungen ordentlich sein. Meine Frau zahlt jährlich 1200 Euro und erhält dafür 500 Euro staatliche Förderung, diese "Rendite" muss eine andere Anlageform erstmal erwirtschaften.

Wer sagt denn, dass ein Riester auch unbedingt immer zu Auszahlung gebracht werden muss? Einfach ein Jahr vor Renteneintritt kündigen und die Knete abzüglich der staatlichen Förderung auszahlen lassen. Die Rendite (Zins und Zinseszins), die diese Förderung bis dahin erwirtschaftet hat, kannst du behalten.

Passt nicht für Beamte, ist aber generell ein wichtiger Vorteil von Riester: Das Geld im Riestervertrag ist pfändungssicher und wird nicht auf Arbeitslosengeld 1 und 2 angerechnet.

Kaiser80

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Antw:Wieviel sollte man als Beamter sparen?
« Antwort #6 am: 09.05.2022 09:38 »

Einfach ein Jahr vor Renteneintritt kündigen und die Knete abzüglich der staatlichen Förderung auszahlen lassen.

So ähnlich ist der Plan :) Da ich meinen Riester-Vertrag vor 2012 abgeschlossen habe kann ich die Auszahlphase mit Vollendung des 60LJ beginnen. Muss dan halt bis 63 zur gestzl Rente genügend übrige Reserven erwirtschaften ...

JC83

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Antw:Wieviel sollte man als Beamter sparen?
« Antwort #7 am: 09.05.2022 09:41 »
Schau mal hier:

https://www.wertpapier-forum.de/topic/49689-investieren-f%C3%BCr-einsteiger/

Du musst dich in jedem Falle finanziell bilden. Weiterhin sind Bank"berater" zu meiden.

Ich würde an deiner viel "Cash" aufbauen, um bei einem evtl. anstehenden Immo-Drawdown in den nächsten Jahren für Schnäppchen flüssig zu sein; es dürfte spannend werden.

Weiterhin würde ich einen ETF-Sparplan iHv. 25 oder 50 Euro aufsetzen und monatlich besparen; die Märkte sind derzeit im Rückwärtsgang und ziemlich volatil; hier kannst du also deine Risikotoleranz "testen".

Riester ist so eine Sache, ich würde das aus diversen Gründen NICHT abschließen: VIEL zu teuer, zu unflexibel, Erbregelung ist unhandlich, Rendite ist schwach, du musst uralt werden, dass sich die Einzahlungen amortisieren. Mehr muss dazu eigentlich nicht gesagt werden.


Die Rendite der fondsgebundenen Riester ist definitiv nicht schwach. Die Ausgabeaufschläge finde ich in Ordnung. Die staatliche Föderung kann, je nach eigenen Vorraussetzungen ordentlich sein. Meine Frau zahlt jährlich 1200 Euro und erhält dafür 500 Euro staatliche Förderung, diese "Rendite" muss eine andere Anlageform erstmal erwirtschaften.


Wie hoch sind denn die Ausgabeaufschläge und laufenden Kosten der Fonds? Und wie hoch sind die Gebühren für den Abschluss der RR? Diese Sachen fließen ja in die Renditebetrachtung mit ein.

Warum sollte der TE ein teures, unflexibles Produkt abschließen, dass aktuell nur für Geringverdiener mit Kindern lohnt?


JC83

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Antw:Wieviel sollte man als Beamter sparen?
« Antwort #8 am: 09.05.2022 09:43 »

Einfach ein Jahr vor Renteneintritt kündigen und die Knete abzüglich der staatlichen Förderung auszahlen lassen.

So ähnlich ist der Plan :) Da ich meinen Riester-Vertrag vor 2012 abgeschlossen habe kann ich die Auszahlphase mit Vollendung des 60LJ beginnen. Muss dan halt bis 63 zur gestzl Rente genügend übrige Reserven erwirtschaften ...

Inwiefern "abzüglich" der staatlichen Förderung? Verbleiben diese Zahlungen im Fonds oder werden die entgegengerechnet?

Kaiser80

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Antw:Wieviel sollte man als Beamter sparen?
« Antwort #9 am: 09.05.2022 09:54 »
Aktuell kannst du dir 100% des NICHT geförderten Kapitals und bis zu 30% des geförderten Kapitals unschädlich auszahlen lassen. Entsprechend verändert sich die Rentenzahlung natürlich

JC83

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Antw:Wieviel sollte man als Beamter sparen?
« Antwort #10 am: 09.05.2022 10:00 »
Aktuell kannst du dir 100% des NICHT geförderten Kapitals und bis zu 30% des geförderten Kapitals unschädlich auszahlen lassen. Entsprechend verändert sich die Rentenzahlung natürlich

Du musst aber warten bis zum frühstmöglichen Renteneintritt, also 63 bzw. 62?

Ich nehme an, das ganze wird noch versteuert und sv-pflichtig?

DiVO

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Antw:Wieviel sollte man als Beamter sparen?
« Antwort #11 am: 09.05.2022 10:00 »
Aktuell kannst du dir 100% des NICHT geförderten Kapitals und bis zu 30% des geförderten Kapitals unschädlich auszahlen lassen. Entsprechend verändert sich die Rentenzahlung natürlich

Oder eben komplett auflösen. Auszahlung ist dann Endkapital abzgl. staatl. Förderung abzgl. Abgeltungssteuer auf Gewinne = Auszahlung

Kaiser80

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Antw:Wieviel sollte man als Beamter sparen?
« Antwort #12 am: 09.05.2022 10:01 »

Wie hoch sind denn die Ausgabeaufschläge und laufenden Kosten der Fonds? Und wie hoch sind die Gebühren für den Abschluss der RR? Diese Sachen fließen ja in die Renditebetrachtung mit ein.

Ausgabeaufschlag: 5%
Produktkosten: zwischen 3-3,78% p.a.
Abschlussgebühr müsste ich nachsehen.
Wertentwicklung incl. aller Kosten und Förderungen seit 06/09 bis 30.04. ca. 128%

Kaiser80

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Antw:Wieviel sollte man als Beamter sparen?
« Antwort #13 am: 09.05.2022 10:03 »
Aktuell kannst du dir 100% des NICHT geförderten Kapitals und bis zu 30% des geförderten Kapitals unschädlich auszahlen lassen. Entsprechend verändert sich die Rentenzahlung natürlich

Du musst aber warten bis zum frühstmöglichen Renteneintritt, also 63 bzw. 62?

Ich nehme an, das ganze wird noch versteuert und sv-pflichtig?
Bei meinem erworbenem Produkt kommt es auf den Zeitpunkt des Vertragsabschlusses an. Vor 2012 abgeschlossen, daher Auszahlphase ab 60 möglich
Steuer ja, da bedarf es guter Planung
« Last Edit: 09.05.2022 10:17 von Kaiser80 »

Max

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Antw:Wieviel sollte man als Beamter sparen?
« Antwort #14 am: 09.05.2022 10:19 »
Bei Riester scheiden sich die Geister. Trotz Förderung wird man massive Schwierigkeiten haben auch nur annähernd mit der Aktienmarktentwicklung mitzuschwimmen. In der Coronakrise hat man schön gesehen was mit den Fondsriestern passiert. Sie gehen gezwungener Maßen aus dem Markt und verpassen die Aufholjagd.

@TE:
Versuche in die Glaskugel zu schauen wie hoch deine Pensionslücke sein wird. Beziehe dabei auch mögliche PKV Preissteigerungen mit ein und ob du dir die Option offen halten willst zum Ende hin in Teilzeit zu gehen oder gar früher aufzuhören.
X Monatsgehältern auf der Seite macht es einfacher eine Faustregel aufzustellen. Du kannst aber selbst grob abschätzen wie viel du als Notgroschen brauchst um dringend nötigen Hausrat zu ersetzen,  eine kräftige Nebenkostenabrechnung zu bezahlen und auch mal teure Arztrechnungen vorzustrecken wo die Erstattung vielleicht weniger glatt läuft.
Vielleicht willst du ja auch für ein neues Auto, eine ETW oder ein Haus sparen.
Am Ende ist es eigentlich ein unmöglicher Balanceakt. Wenn du zu viel sparst verlierst du unnötig an Lebensqualität. Wenn du zu wenig sparst ebenso.

Es wird dir nicht helfen wie fremde Leute in einem Forum das angehen.
Meine persönliche Überlegung war einfach, dass ich keine nennenswerte Pensionslücke bezogen auf meine Lebenshaltungskosten habe, aber auch gar kein Bedürfnis habe das ganze Einkommen zu verkonsumieren.
- Notgroschen in TG ca. 2 Monatsmieten.
- Auf dem Girokonto habe ich auch gerne zumindest 1 Monat normale Konsumausgaben liegen.
- 25% in ETF "fürs Alter". Sicher nicht nötig,  aber ich habe kein Bedürfnis am finanziellen Limit zu konsumieren.

Die Kreditkarte deckt für mich alle Risiken ab,  so dass ich persönlich keinen Sinn sehe,  viel Cash vorzuhalten und dann auch mal bei 0 am Monatsende stehe, denn was da ist wird verkonsumiert oder in Aktien gesteckt. Unterm Strich ist die durchschnittliche Sparquote über die Jahre ca. 50%.