Autor Thema: Aufwandsentschädigung vom Zensus oder Hilfe ich arbeite im Saftladen  (Read 1619 times)

KAvomDienst

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Hallo,
ich bin neu hier und hoffe, Ideen zu meinem Problem zu bekommen oder mir wenigstens etwas Frust vom Buckel schreiben zu können. Ich arbeite als Angestellter in einer Kreisverwaltung. Ehrenamtlich habe ich mich als "Erhebungsbeauftragter" beim Zensus im Mai zur Verfügung gestellt, nachdem die dritte oder vierte bettelnde Rundmail kam. Nun habe ich allerdings dann alles recht zeitnah abgeschlossen und meine Unterlagen vollständig wieder abgegeben. Das ist bald zwei Monate her, und die Aufwandsentschädigung ist noch nicht gezahlt worden. Auf Nachfrage bei den zuständigen Kollegen hieß es, die Software würde massive Probleme machen, eigentlich sollte die Zahlung recht zeitnah kommen, nachdem man die Grunddaten meiner Unterlagen in der EDV erfasst habe. Das klappe aber bisher nicht, so dass man alles nochmal per Hand in Excel-Listen eingeben müsste, um die korrekte Höhe der Entschädigung zu ermitteln. Und dabei habe die Verwaltungsspitze entschieden, das mache man zunächst mal mit denen, die nicht bei uns im Hauptjob beschäftigt sind. Die eigenen Leute, und das sind durchaus einige, müssten halt dann etwas länger warten, bis die Zensus-Stelle wieder mehr Zeit hätte oder die Software an der Stelle funktionieren würde. Wir reden da über Beträge, Kantinengesprächen nach von 700 Euro aufwärts, einzelne rechnen auch mit über 1000, die den Leuten steuerfrei als Aufwandsentschädigung zu stehen, die ihnen aber nun erstmal auf unbestimmte Zeit vorenthalten wird. Würde man aber woanders oder gar nicht arbeiten, würden sich unsere Kollegen quasi beeilen, die Zahlung irgendwie zu veranlassen.
Die Erkenntnis, in einem Saftladen zu arbeiten, in dem man sich solches zusätzliche/ehrenamtliche Engagement gut überlegen sollte, egal wie sehr nette Kollegen betteln, habe ich bereits. Gibt es rechtliche Möglichkeiten, der Verwaltungsspitze mal zu zeigen, dass solcher Umgang mit den Leuten eine Frechheit ist?

Opa

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Wenn du nach rechtlichen Möglichkeiten fragst, geht es um Fälligkeit und Verzug. Die genauen Fristen bei der Zensus-Aufwandsentschädigung müsstest du anhand der dir vorliegenden Unterlagen selbst recherchieren.

Sobald die Kreisverwaltung trotz Fälligkeit nicht zahlt, kannst du
- selber mahnen oder
- ein gerichtliches Mahnverfahren anstoßen.
Maximal denkbare Eskalationsstufe wäre dann, dass der Gerichtsvollzieher dem Landrat einen Kuckuck an den Dienstwagen klebt.

Im Ernst: Als Mitarbeiter wirst du die Kröte schlucken, falls du nicht sowieso vorhast, den Job zu wechseln. Im Haus selbst erhältst du keine offizielle Unterstützung, da keine Zuständigkeit des Personalrats gegeben ist.
Theoretisch könnte auch die zuständige Aufsichtsbehörde eingeschaltet werden, was aber auch nicht besser ist, als der Gang zum Anwalt…
 

Eukalyptus

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Es..

gibt einen Engpass. Dieser ist offenbar nicht durch den Kreis zu vertreten, oder zumindest objektiv nicht schnell zu beheben. Stattdessen hat man eine Alternativlösung wählen müssen, und priorisiert dabei die Bürger über die Angestellten des Kreises.

Und was schwebt dir stattdessen als Lösung des obigen Zustandes vor? Dass der Kreis mehr Mitarbeiter einstellt, damit du deine 1000 Euro eher bekommst? Dass Verwaltungsaufgaben ruhen, bis alle Excel-Tabellen abgearbeitet sind?

Ich denke, der Kreis hat richtig gehandelt. Menschen die in der Zugehörigkeit zum öffentlichen Dienst keine Verpflichtung (soweit man denn für die kurzzeitige Tätigkeit als Volkszähler überhaupt das bedeutungsschwangere Wort Verpflichtung benutzen will...) sehen, sondern einen x-beliebigen Job, womöglich ohnehin mit dem "Saftladen" unzufrieden sind, die sollte man dagegen ziehen lassen. Du kannst ja mal eine Demonstration in der Öffentlichkeit machen und dich somit beim Bürger beschweren, dass er dir vorgezogen wird. Mal sehen was dir der Bürger dann antwortet.



Kaiser80

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Und was schwebt dir stattdessen als Lösung des obigen Zustandes vor? Dass Verwaltungsaufgaben ruhen, bis alle Excel-Tabellen abgearbeitet sind?
Hat man doch bei der Corona Datenerfassung auch so gemacht ;D

Im Ernst @TE, hinnehmen und draus "lernen"

MoinMoin

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Und was schwebt dir stattdessen als Lösung des obigen Zustandes vor? Dass Verwaltungsaufgaben ruhen, bis alle Excel-Tabellen abgearbeitet sind?
Hat man doch bei der Corona Datenerfassung auch so gemacht ;D

Im Ernst @TE, hinnehmen und draus "lernen"
Und im Zweifel Verzugszinsen mit einem 😊 einfordern.

NWB

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So nachvollziehbar und ein Stück weit sinnvoll diese durch eine Softwarefehler nötig gewordene Priorisierung auch erscheinen mag, ist dies auch wieder ein schönes Zeichen der Wertschätzung gegenüber den Beschäftigten im öffentlichen Dienst.

Schmitti

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Ich war auch Interviewer, für einen Kreis in RLP. Wenn ich meine Kollegen da richtig verstanden habe, werden die Unterlagen nicht nach Ergebungsbeauftragten sortiert, sondern nach irgendwelchen Nummern oder einfach querbeet in die Software getippt. Wenn von einem dann alle ihm ausgehändigten Sachen eingegeben wurden, sollte die Aufwandsentschädigung generiert werden. Das klappt allerdings hier auch nicht, Geld hat noch keiner bekommen. Auf so eine seltsame Idee, irgendwen zu priorisieren, ist hier aber keiner gekommen. Nach meinem Verständnis würde das auch nicht nur Quatsch sein, sondern auch noch unnötigen Mehraufwand beim Sortieren verursachen. Aber kann sein, dass es da in den Ländern wieder Unterschiede gibt, die Höhe/Zusammensetzung der Aufwandsentschädigung ist ja auch unterschiedlich.

Alphonso

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Wenn diese simple Tätigkeit schon solch ein Chaos verursacht, bin ich mal gespannt, ob das mit dem Einreichen und vor allem Verarbeiten der Unterlagen zur Grundsteuerreform bis Ende des Jahres wirklich klappt :)

In unserem Bundesland versucht man nämlich auch extra viel Arbeit auf beiden Seiten zu erzeugen :)

Mein Beileid KAvomDienst!

BAT

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Die Grundsteuererklärungen sind aber nicht so wirklich einfach...wie meist im deutschen Steuersystem ;)

Und ja, einerseits immer Vorsicht mit freiwilligen Leistungen, andererseits auch etwas Geduld, der Zensus ist ja noch gar nicht abgeschlossen.

Schmitti

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Der Zensus nicht, aber die Tätigkeiten von vielen ehrenamtlichen Interviewern. Verständlich, dass die nicht unbedingt Monate auf ihre Entschädigung warten wollen. Der eigentliche Witz an den Softwareproblemen ist ja, dass man für die Vorbereitung des Zensus unterm Strich ein Jahr mehr Zeit hatte, als anfangs gedacht. Und trotzdem klappt da nix. ::)

BAT

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Zu Bedenken ist ja, dass sie Zensusstellen streng getrennt von der Kernverwaltung zu führen sind. Also fast völlig neue Behörden. Daher sollte TE auch nicht in einem Saftladen arbeiten, sondern es ist schlicht nicht sein Laden.  ;)

Die benachbarten Zensusstellen wurden für die Leitung mit E10 vergütet, bei uns sollte das mit E9a erfolgen. Nach langer Verhandlung hat unsere Leitung nun E9c; das mag sicherlich teils auch motitvationsentscheidend sein :P

Kaiser80

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Der eigentliche Witz an den Softwareproblemen ist ja, dass man für die Vorbereitung des Zensus unterm Strich ein Jahr mehr Zeit hatte, als anfangs gedacht. Und trotzdem klappt da nix. ::)
Der eigentliche Witz ist, dass man "erwartet" , obwohl man ein Jahr mehr Zeit hat, dass es nicht schief geht. Siehe Corona, Grundsteuer über Elster. Ist doch immer das gleiche

KAvomDienst

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