Autor Thema: Angst  (Read 1597 times)

AndreasHL

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Angst
« am: 24.11.2022 16:29 »
Hallo,

es wundert mich immer wieder: da wird über bestimmte Anweisungen/Regelung usw. untereinander geschimpft ohne Ende, aber wenn der Vorgesetzte kommt, ist alles gut.

Meine Güte, das sitzen Kolleginnen und Kollegen, die eine Familie gegründet haben, Kinder großziehen und angeblich voll im Leben stehen, und dann haben sie Angst, den Mund auf zu machen. Keinem kann ein beruflicher Nachteil entstehen, alles gut, aber sie können nicht sagen, was Sache ist. Versteht ich nicht.

Viele Grüße

Andreas

Kaiser80

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« Antwort #1 am: 24.11.2022 18:42 »
Versteht ich nicht.
Merkt man...

Beamtenmichel

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« Antwort #2 am: 24.11.2022 21:27 »
Hallo,

es wundert mich immer wieder: da wird über bestimmte Anweisungen/Regelung usw. untereinander geschimpft ohne Ende, aber wenn der Vorgesetzte kommt, ist alles gut.

Meine Güte, das sitzen Kolleginnen und Kollegen, die eine Familie gegründet haben, Kinder großziehen und angeblich voll im Leben stehen, und dann haben sie Angst, den Mund auf zu machen. Keinem kann ein beruflicher Nachteil entstehen, alles gut, aber sie können nicht sagen, was Sache ist. Versteht ich nicht.

Viele Grüße

Andreas
 

Ist halt das typisch deutsche Bückertum (vorallem im öffentlichen Dienst sehr verbreitet). Ohne in den Arsch des Vorgesetzten zu kriechen wird es im öffentlichen Dienst schwierig haha.

Tagelöhner

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« Antwort #3 am: 24.11.2022 21:35 »
Vielleicht für einen Beamtenmichel...als ordentlicher Angestellter kann man problemlos mal eine unbequeme Meinung vertreten und seinem Vorgesetzten mit auf den Weg geben, dass er nur vermeintlich Ahnung von manchen Sachverhalten hat. Ein Vorteil muss es ja haben, wenn man in der Regel bereits am ersten Arbeitstag am Ende der Karriere angelangt ist.

Als Beamter ist da erfahrungsgemäß viel eher Kriechen angesagt. Systemimmanent halt, diejenigen die das gut können haben dann die besten Karrieremöglichkeiten. Das lächerliche Beurteilungswesen und die sich alle paar Jahre abspielende Beurteilungsfarce um hoffentlich ein paar Gnadenpunkte mehr zu erhalten als zuvor, und endlich in den Quotierungsbereich aufzurücken, tun ihr übriges. Damit werden Bücklinge geradezu herangezüchtet.

Dakmer

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« Antwort #4 am: 25.11.2022 07:35 »
Meinung sagen ist nicht so einfach, wie es klingt, denn es gibt Vorgesetzten-Cliquen, über alle Ebenen, die nicht erfreut sind, wenn etwas Negatives angebracht wird. Für einen Beamten ganz schwierig, denn der wird dann einfach versetzt und für einen Angestellten auch nicht, weil auch dem das Leben schwer gemacht werden kann.
Das hat auch nichts damit zu tun, dass man keinen Arsch in der Hose hat, sondern mit Abwägen von Repressionen.
Und nein, deswegen muss man nicht den Arbeitsgeber wechseln, sondern nur wachsam sein und gut überlegen, was man wem sagt. Eine Verwaltung ist keine Demokratie.

JesuisSVA

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« Antwort #5 am: 25.11.2022 07:37 »
Was für „Repressionen“? Und warum sollte man den Beamten versetzen und den Arbeitnehmer nicht, obwohl beides zur einseitigen Disposition des Dienstherrn/Arbeitgebers steht?

Dakmer

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« Antwort #6 am: 25.11.2022 07:41 »
Weil nicht jeder Angestellte im Haus flexibel versetzt werden kann aufgrund einer Fachausbildung. Sind ja nicht nur Verwaltungsfachangestellte da. Und weil Beamten versetzt und abgeordnet werden können.
Repessionen? Zum Beispiel Aufhebung der mobilen Arbeit. Oder Zwang, an vier Tagen die Woche im Büro zu erscheinen.

JesuisSVA

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« Antwort #7 am: 25.11.2022 07:44 »
Auch Arbeitnehmer können versetzt und abgeordnet werden, § 4 Abs. 1 TVÖD/TV-L.

Und warum genau sollte es derlei geben?

Finanzer

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« Antwort #8 am: 25.11.2022 07:50 »
@Dakmer: Die genannte Repressionen sehe auch ich als Knackpunkt.... grundsätzlich ist es mir egal, wofür ich meine A12 bekomme, aber das wegnehmen des mobilen Arbeitens würde mich schon sehr treffen.


Zum Glück können wir als Beamte jederzeit den Weg des Kimonbo gehen :-)
Oder meine Gesundheit verschlechtert sich leider soweit, das ich öfters krank bin... man wird ja auch nicht jünger.

Organisator

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« Antwort #9 am: 25.11.2022 08:31 »
Meinung sagen ist nicht so einfach, wie es klingt, denn es gibt Vorgesetzten-Cliquen, über alle Ebenen, die nicht erfreut sind, wenn etwas Negatives angebracht wird. Für einen Beamten ganz schwierig, denn der wird dann einfach versetzt und für einen Angestellten auch nicht, weil auch dem das Leben schwer gemacht werden kann.
Das hat auch nichts damit zu tun, dass man keinen Arsch in der Hose hat, sondern mit Abwägen von Repressionen.
Und nein, deswegen muss man nicht den Arbeitsgeber wechseln, sondern nur wachsam sein und gut überlegen, was man wem sagt. Eine Verwaltung ist keine Demokratie.

Dann hat man aber den falschen Arbeitgeber (oder Dienstherrn). Ob im öD oder in der privaten Wirtschaft.
Und wenns um Beurteilungen bei Beamten geht, sind da wohl kaum die Duckmäuser und "ja und amen - Sager" die Leistungsträger und gut Beurteilten. Das ist ganz viel gefühlte Angst vor Konflikten wobei die Sorge vor Konsequenzen als Ausrede vor sich hergetragen wird.

Tagelöhner

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« Antwort #10 am: 25.11.2022 08:59 »
Richtig, dieses "Phänomen" mag es auch in der Privatwirtschaft geben, aber bei öffentlichen Arbeitgebern ist es sehr viel deutlicher verankert, systemimmanent eben. Oder willst Du uns jetzt etwa erklären, dass von Beamten nicht ein höheres Maß an Unterordnung, Gehorsamkeit und Linientreue erwartet und verlangt wird?

Das liegt in der DNA des Beamtensystems, und wird durch seine althergebrachten Grundsätze und das besondere auf Lebenszeit angelegte Dienst- und Treueverhältnisse verankert.

Wer das als Beamter tatsächlich anders sieht, hat dann entweder eine schräge Wahrnehmung oder ist sich seines eigenen Status' nicht vollumfänglich bewusst. Vielleicht ist er tatsächlich aber auch nur auf einer dieser wenigen Inseln der Glückseligkeit gestrandet.

Natürlich sind "Ja und Amen - Sager" unter den als gut Beurteilten überrepräsentiert. Sind es doch diejenigen, die den Entscheidungsträgern den geringsten Ärger bescheren, weil sie sich brav in die Schafherde einordnen. Und es hat definitiv etwas mit "Arsch in der Hose" zu tun, komischerweise erlangen den viele Beamte dann doch in homöopathischen Dosen wieder, wenn auch sie mal am Ende der Karriere angelangt sind und sich daher nicht mehr der Beurteilungsfarce unterwerfen müssen.

JesuisSVA

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« Antwort #11 am: 25.11.2022 09:16 »
Nun, Max Weber hat formuliert:
Zitat
Der Typus des Beamten ist der geschulte Fachbeamte, mit festem, nach dem Rang des Amtes, nicht nach dem Maß der Arbeit abgestuftem Gehalt und Pensionsrecht nach festen Regeln des Avancements. Seine Verwaltung ist Berufsarbeit kraft sachlicher Amtspflicht; ihr Ideal ist, „sine ira et studio“, ohne allen Einfluß persönlicher Motive oder gefühlsmäßiger Einflüsse, frei von Willkür und Unberechenbarkeiten, insbesondere „ohne Ansehen der Person“ streng formalistisch nach rationalen Regeln und - wo diese versagen - nach „sachlichen“ Zweckmäßigkeitsgesichtspunkten zu verfügen. Die Gehorsamspflicht ist abgestuft in einer Hierarchie von Ämtern mit Unterordnung der unteren unter die oberen und geregeltem Beschwerdeverfahren. Grundlage des technischen Funktionierens ist: die Betriebsdisziplin.

Dies formt den normativen Anspruch an das Berufsbeamtentum. Wer es anders macht, macht es falsch. Und man muss sich an niemanden verdingen, der es falsch macht.

WasDennNun

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« Antwort #12 am: 25.11.2022 09:22 »
Meinung sagen ist nicht so einfach, wie es klingt, denn es gibt Vorgesetzten-Cliquen, über alle Ebenen, die nicht erfreut sind, wenn etwas Negatives angebracht wird. Für einen Beamten ganz schwierig, denn der wird dann einfach versetzt und für einen Angestellten auch nicht, weil auch dem das Leben schwer gemacht werden kann.
Das hat auch nichts damit zu tun, dass man keinen Arsch in der Hose hat, sondern mit Abwägen von Repressionen.
Und nein, deswegen muss man nicht den Arbeitsgeber wechseln, sondern nur wachsam sein und gut überlegen, was man wem sagt. Eine Verwaltung ist keine Demokratie.

Dann hat man aber den falschen Arbeitgeber (oder Dienstherrn). Ob im öD oder in der privaten Wirtschaft.
Und wenns um Beurteilungen bei Beamten geht, sind da wohl kaum die Duckmäuser und "ja und amen - Sager" die Leistungsträger und gut Beurteilten. Das ist ganz viel gefühlte Angst vor Konflikten wobei die Sorge vor Konsequenzen als Ausrede vor sich hergetragen wird.
Also in meiner Wahrnehmungswelt und Beamtenumfeld sind eben die Duckmäuser und ohne Arsch in der Hose selten und dann auch  max bei A8 oder A12 kurz vor Pension angekommen.

Die unbequemen und Querulanten, sind sicher eher mal etwas länger auf den A13er Posten bis sie hochrutschen und die Beförderung bekommen, aber sie sind auf den Posten, weil sie eben was drauf haben und mehr leisten als nur Still den Stiefel wegarbeiten.

Mag in der Kommunalverwaltung anders sein, ich kann nur von Länder- und Bundesbeamten reden

Organisator

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« Antwort #13 am: 30.11.2022 09:54 »
Natürlich sind "Ja und Amen - Sager" unter den als gut Beurteilten überrepräsentiert. Sind es doch diejenigen, die den Entscheidungsträgern den geringsten Ärger bescheren, weil sie sich brav in die Schafherde einordnen. Und es hat definitiv etwas mit "Arsch in der Hose" zu tun, komischerweise erlangen den viele Beamte dann doch in homöopathischen Dosen wieder, wenn auch sie mal am Ende der Karriere angelangt sind und sich daher nicht mehr der Beurteilungsfarce unterwerfen müssen.

Ich sehe es eher umgekehrt, wie auch von WDN geschrieben. ja-sager bringen die Themen kaum voran, weil sie vermeintliche Konflikte scheuen. Seine Führungskraft sachgerecht zu beraten ist häufig nur ein gefühlter Konflikt, sondern vielmehr zweckmäßig für die Zielerreichung. Solche konstruktiven Hinweise sind nicht unbequem und aus meiner Sicht auch kein Querulantentum sondern helfen allen weiter. Solche fähigen Leute sind dann nach meiner Erfahrung auch die, deren gläserne Decke höher ist als bei anderen.