Autor Thema: [Allg] Als Beamte/r freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen?  (Read 2987 times)

UnknownUser

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Hallo zusammen,

ich wurde mit 26 Jahren verbeamtet. Dass ich 40 Dienstjahre erreiche und die Höchstpension erhalte, ist sehr unwahrscheinlich, da auf jeden Fall auch noch Kinder geplant sind und ich dann mehrere Jahre in Teilzeit arbeiten werde.

Vor der Verbeamtung habe ich schon ein wenig in der freien Wirtschaft gearbeitet, sodass ich auch einen kleinen Rentenspruch habe.

Da ich niemals die Höchstpension erreichen werde, habe ich mich gefragt, ob es Sinn macht, zusätzlich freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen. Private Rentenversicherungen gibt es ja en Masse von verschiedenen Anbietern (Versicherungen, Banken), aber ich frage mich, ob freiwillige Einzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung nicht die sicherste Variante ist? Wenn ich ein Jahr lang monatlich den Mindestbeitrag von 96,72 € einzahle, würde dies 5,21 € Rente ergeben.

Hat jemand damit Erfahrungen oder ist es sinnvoller, eine gute private Rentenversicherung abzuschließen?

Vielen Dank!
« Last Edit: 07.02.2023 01:53 von Admin2 »

Schmitti

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Wenn ich 100 Euro/Monat fest für eine zusätzliche Altersvorsorge verplanen würde, würde ich damit einen All-World-ETF besparen.

Ozymandias

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Sind die 60 Monate voll bei der DRV?

Würde an der Stelle auch lieber mit ETFs oder Aktien sparen.
Dort gibt es gute kostengünstige Angebote. Private Rentenversicherungen haben teilweise hohe Gebühren, alles außer Nettotarife ist quasi Müll.

Mit dem Ersparten kann man dann auch machen was man will und bekommt es nicht nur stückchenweise zurück.

Organisator

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Hallo zusammen,

ich wurde mit 26 Jahren verbeamtet. Dass ich 40 Dienstjahre erreiche und die Höchstpension erhalte, ist sehr unwahrscheinlich, da auf jeden Fall auch noch Kinder geplant sind und ich dann mehrere Jahre in Teilzeit arbeiten werde.

Vor der Verbeamtung habe ich schon ein wenig in der freien Wirtschaft gearbeitet, sodass ich auch einen kleinen Rentenspruch habe.

Da ich niemals die Höchstpension erreichen werde, habe ich mich gefragt, ob es Sinn macht, zusätzlich freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen. Private Rentenversicherungen gibt es ja en Masse von verschiedenen Anbietern (Versicherungen, Banken), aber ich frage mich, ob freiwillige Einzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung nicht die sicherste Variante ist? Wenn ich ein Jahr lang monatlich den Mindestbeitrag von 96,72 € einzahle, würde dies 5,21 € Rente ergeben.

Hat jemand damit Erfahrungen oder ist es sinnvoller, eine gute private Rentenversicherung abzuschließen?

Vielen Dank!

100 € im Monat bringen also gut 5€ Rente pro Monat. Break-even also nach 20 Jahren Rentenbezug (ohne Zinseffekte). Wenn man lange genug lebt, rechnet sich das dann wohl nach 25-30 Jahren. Wenn man früher stirbt oder das Geld braucht, eher nicht.
--> Rechenenxempel.

Poincare

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Hauptfrage wäre für mich, ob sich ein steuerliche Vorteil ergibt. Die reine Rechnung ergibt bei einem Ruhestand mit 67, dass du ca. 85 Jahre alt werden musst, um bei 96,72 € x 12 Einzahlung deinen Einsatz über die 5,21 € wieder rauszuholen. Bei alternativer Anlage mit 2% Rendite (aktuelle Tagesgeldzinsen) müsstest du schon 108 Jahre alt werden, um deinen Einsatz wieder rauszuholen. Wenn die Rente auch um 2% jährlich angepasst wird, ist sind es wieder 85 Jahre.
Wenn du jetzt einen hohen Grenzsteuersatz hast und sich der Rentenbeitrag Steuermindernd auswirkt, haste wieder eine neue Rechnung, wobei die spätere Rente dann wieder mit deinem Grenzsteuersatz dann versteuert werden muss, der aber ggf. geringer ist.

UnknownUser

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Sind die 60 Monate voll bei der DRV?

Würde an der Stelle auch lieber mit ETFs oder Aktien sparen.
Dort gibt es gute kostengünstige Angebote. Private Rentenversicherungen haben teilweise hohe Gebühren, alles außer Nettotarife ist quasi Müll.

Mit dem Ersparten kann man dann auch machen was man will und bekommt es nicht nur stückchenweise zurück.

Ja, die 60 Monate sind erreicht.
Ich muss zugeben, ich kenne mich mit ETFs, Aktien etc. wirklich gar nicht aus. Deswegen dachte ich, wenn ich freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung einzahle, dann habe ich das Geld mehr oder weniger sicher.

Organisator

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Sind die 60 Monate voll bei der DRV?

Würde an der Stelle auch lieber mit ETFs oder Aktien sparen.
Dort gibt es gute kostengünstige Angebote. Private Rentenversicherungen haben teilweise hohe Gebühren, alles außer Nettotarife ist quasi Müll.

Mit dem Ersparten kann man dann auch machen was man will und bekommt es nicht nur stückchenweise zurück.

Ja, die 60 Monate sind erreicht.
Ich muss zugeben, ich kenne mich mit ETFs, Aktien etc. wirklich gar nicht aus. Deswegen dachte ich, wenn ich freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung einzahle, dann habe ich das Geld mehr oder weniger sicher.

Klar hast du das Geld sicher. Mit den damit verbundenen Konsequenzen (z.B. Auszahlung nur monatlich und erst ab 67).

HansGeorg

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Bedenke auch, das Geld was du ins Rentensystem steckst ist weg. Das Geld was du in ETF steckst ist dann noch da und jederzeit abrufbar.

Poincare

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Ja, die 60 Monate sind erreicht.
Ich muss zugeben, ich kenne mich mit ETFs, Aktien etc. wirklich gar nicht aus. Deswegen dachte ich, wenn ich freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung einzahle, dann habe ich das Geld mehr oder weniger sicher.

Du hast das Geld sicher. Aber dein Geld ist ja in 40 Jahren weniger Wert. Sicher hast du es auch auf dem Tagesgeld oder Girokonto. Die Frage ist eher, was du mit dem Geld mit welchem Risiko machen kannst, um mit 67 möglichst viel Kaufkraft zu haben. Rente, Tagesgeld, Festgeld, Anleihen sind Variante mit sehr hoher Sicherheit und wahrscheinlich weniger Kaufkraft am Ende, während Aktien, ETFs je nach Auswahl ein etwas höheres Risiko mit einer höheren Kaufkraft verbinden.

Wie hoch die Kaufkraft deines Geldes dann sein wird ist zum Teil Mathematik und zum Teil Orakel. Freiwillig in die Rentenversicherung einzuzahlen lohnt sich um so mehr, je später du es machst (weil dein Geld ansonsten weniger Zeit hätte, Rendite zu erzielen), und umso mehr Steuern du dadurch sparst (Geld, das du anlegst, reduziert nicht deine Steuer, Rendite muss versteuert werden).

ACDSee

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Ich verstehe die Frage nicht.

Nach 3 Jahren Einzahlungen über 100 € / Monat in einen weltweit gestreuten ausschüttenden ETF bekommst du selbst ohne Wachstum 3.600 € zusammen. Bei nur 2% Ausschütungsrendite sind das schon 72 € an Ausschüttungen (6 € monatlich) - ganz ohne Kapitalverzehr - und mit Freistellungsauftrag sogar steuerfrei. Der Wert der Anlage schwankt natürlich, aber es ist dein Geld (Sondervermögen) und wäre im Fall der Fälle täglich verfügbar.

Angesichts einer solchen Optionen wüsste ich nicht, warum ich mehr Geld als nötig in die Rente investieren sollte.


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Ich verstehe die Frage nicht.

Nach 3 Jahren Einzahlungen über 100 € / Monat in einen weltweit gestreuten ausschüttenden ETF bekommst du selbst ohne Wachstum 3.600 € zusammen. Bei nur 2% Ausschütungsrendite sind das schon 72 € an Ausschüttungen (6 € monatlich) - ganz ohne Kapitalverzehr - und mit Freistellungsauftrag sogar steuerfrei. Der Wert der Anlage schwankt natürlich, aber es ist dein Geld (Sondervermögen) und wäre im Fall der Fälle täglich verfügbar.

Angesichts einer solchen Optionen wüsste ich nicht, warum ich mehr Geld als nötig in die Rente investieren sollte.
nach 3 Jahren Einzahlungen in dieser Höhe würdest du 3x6€ = 18 € Rente monatlich bekommen.

Rentenonkel

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Aus dem Versicherungsverhältnis entsteht normalerweise auch ein Leistungsanspruch für den Fall der Krankheit oder der Erwerbsminderung, im Alter und zur Absicherung der Hinterbliebenen. Diese Vorteile kann man als Beamter allerdings nur teilweise nutzen. Gleichwohl ist diese Risikoabsicherung auch in dem freiwilligen Beitrag eingebaut und schmälert so die "Rendite".

Im Einzelnen bietet Ihnen die Rentenversicherung dabei:

Hilfe bei Krankheit

Sind Sie erkrankt, kann aus der Versicherung eine medizinische Maßnahme zur Rehabilitation erbracht werden. Sollten Sie darüber hinaus Ihren Beruf nicht mehr ausüben können, ist unter Umständen die Erbringung einer Leistung zur Teilhabe am Arbeitsleben (zum Beispiel Umschulung) möglich. Als Beamter ist man allerdings von diesen Leistungen ausgeschlossen.

Schutz bei Erwerbsminderung

Können Sie aus gesundheitlichen Gründen eine Erwerbstätigkeit im gewissen Umfang nicht ausüben, kann die Rentenversicherung aufgrund der gezahlten Pflichtbeiträge unter bestimmten Voraussetzungen eine Rente wegen Erwerbsminderung bewilligen. Freiwillige Beiträge tragen in der Regel nicht zur Erfüllung der Grundvoraussetzungen einer solchen Rente bei. Daher kann man sich so seinen Erwerbsminderungsschutz nicht aufrecht erhalten.

Wirtschaftliche Absicherung im Alter

Die freiwilligen Beiträge können, wie für Arbeitnehmer auch, zu einem Anspruch auf Regelaltersrente führen (für Geburtsjahrgänge nach 1963 ab dem 67. Lebensjahr). Es ist auch möglich, damit einen Anspruch auf eine vorgezogene Altersrente (zum Beispiel ab dem 63. Lebensjahr) zu erwerben, wenn man insgesamt mindestens 35 Jahre zusammen bekommt. Eine vorgezogene Altersrente ist aber gegebenenfalls mit einem Rentenabschlag verbunden.

Wirtschaftliche Absicherung der Hinterbliebenen

Bei Tod der/des Versicherten kann aus der Versicherung für Ihre Hinterbliebenen ein Anspruch auf Witwen- und Waisenrenten bestehen. Die freiwilligen Beiträge können so auch den Schutz für Hinterbliebene verbessern.

Finanzielle Unterstützung bei der Krankenversicherung im Alter


Die Rentenversicherung zahlt Ihnen als Rentner einen Zuschuss zu den Aufwendungen ihrer privaten Krankenversicherung. (zur Zeit 8,1 %)

Förderung bei der „Riesterrente“


Als Beamtin steht Ihne auch die Fördermöglichkeiten der sogenannten Riesterrente offen. Der Aufbau der staatlich geförderten zusätzlichen privaten Altersvorsorge wird so auch über das Beschäftigungsverhältnis als Beamtin ermöglicht. Gerade bei Teilzeit und mit kindergeldberechtigten Kindern ist die Förderung trotz aller Kritik sehr gut. Daher wäre der Aufbau einer staatlich geförderten Riester Rente anstelle der freiwilligen Beitragszahlung in die gesetzliche Rente eine überlegenswerte Alternative. Es bieten allerdings nicht mehr alle Anbieter Neuverträge an. Hilfe bei der Entscheidung für den richtigen Anbieter kann man sich über die Stiftung Warentest (Finanztest) oder die Verbraucherzentralen holen.


Opa

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Grundsätzlich ist die Option, Rentenpunkte zu erwerben, etwas für gut verdienende Menschen ab 50, die von einer hohen Lebenserwartung ausgehen. Das bei Finanztip geschilderte Modell steht erst ab dem 50. LJ zur Verfügung und lohnt sich in erster Linie deshalb, weil die freiwilligen Zahlungen als Altersvorsorge steuerlich absetzbar sind.

In deinem Fall gingest du ein hohes Risiko ein, weil Rente und Pension zusammentreffen. Hier gibt es Deckelungen, die dazu führen können, dass der insgesamt ausgezahlte Betrag geringer ist als die Summe von Rente und Pension eigentlich wäre. Und selbst das ist nicht kalkulierbar, weil sich die Rechtsgrundlagen in der langen Zeit bis zur Altersgrenze komplett verändern könnten. Wenn in 5 Jahren beschlossen würde, dass beim Zusammentreffen von Rente und Pension die Rentenanwartschaft der ruhegehaltsfähigen Zeit zugeschrieben wird und im Gegenzug der separate Rentenanspruch wegfällt, sind auch deine Beiträge weg.

Vor allem deshalb würde ich ebenfalls einen ETF-Sparplan starten.
Such dir einfach eine Direktbank ohne Kontoführungs- und Depotgebühren mit Sparplänen, bei denen keine Ordergebühr anfällt und leg los.

Die ersten Schritte werden bei Finanztip ganz gut erklärt.