Autor Thema: Was bedeutet "mindestens 500 Euro" in der Praxis?  (Read 4118 times)

RsQ

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Ich wollte es in nicht den Tarifverhandlungen-Thread packen, da eher Verständnissache:

Was steckt eigentlich hinter dieser "Mindestens 500 Euro mehr"-Forderung im Tarifstreit? Würde das so durchgesetzt und für alle, bei denen die Steigerung (bspw. also die geforderten +10,5 %) darunter liegt, umgesetzt, gäbe es doch teils deutliche Gehaltssprünge bis ~25 %.

Was ich nicht verstehe: Würde das nicht das aktuelle EG-Gefüge völlig verzerren und die ohnehin kleine Lücke zwischen unteren, mittleren und hohen EG nicht noch mehr schließen, bzw. sogar ad absurdum führen? Oder bekämen die "höheren" dann eine Art Ausgleich-Aufschlag?

Ganz plumper Vergleich:

2000 € + 500 € = +25 %
3000 € + 500 € = +17 %
5000 € + 10,5 % = 10,5 %

Habe ich da einen Denkfehler?  ???

Sozialarbeiter

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Antw:Was bedeutet "mindestens 500 Euro" in der Praxis?
« Antwort #1 am: 22.03.2023 10:05 »
Ja, richtig, du hast da keinen Denkfehler.

Organisator

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Antw:Was bedeutet "mindestens 500 Euro" in der Praxis?
« Antwort #2 am: 22.03.2023 10:06 »
Ich wollte es in nicht den Tarifverhandlungen-Thread packen, da eher Verständnissache:

Was steckt eigentlich hinter dieser "Mindestens 500 Euro mehr"-Forderung im Tarifstreit? Würde das so durchgesetzt und für alle, bei denen die Steigerung (bspw. also die geforderten +10,5 %) darunter liegt, umgesetzt, gäbe es doch teils deutliche Gehaltssprünge bis ~25 %.

Was ich nicht verstehe: Würde das nicht das aktuelle EG-Gefüge völlig verzerren und die ohnehin kleine Lücke zwischen unteren, mittleren und hohen EG nicht noch mehr schließen, bzw. sogar ad absurdum führen? Oder bekämen die "höheren" dann eine Art Ausgleich-Aufschlag?

Ganz plumper Vergleich:

2000 € + 500 € = +25 %
3000 € + 500 € = +17 %
5000 € + 10,5 % = 10,5 %

Habe ich da einen Denkfehler?  ???

Nein, genau richtig erkannt. Auch die Folgen daraus sind zutreffend beschrieben. Eine weitere Folge wäre noch, dass die Entgelte der unteren Entgeltgruppen durch Sockelbeträge der Vergangenheit so stark gestiegen sind, dass eine Einstellung z.B. einer Reinigungskraft dadurch nicht mehr wirtschaftlich ist und solche Tätigkeiten fremd zu vergeben sind.

Sozialarbeiter

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Antw:Was bedeutet "mindestens 500 Euro" in der Praxis?
« Antwort #3 am: 22.03.2023 10:11 »
Naja,
der Mindestlohn ist ja auch in relativ kurzer Zeit von 9,50€ auf 12,-€ angestiegen. Das ist auch eine Erhöhung von über 20% in 2 Jahren?

SimsiBumbu

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Antw:Was bedeutet "mindestens 500 Euro" in der Praxis?
« Antwort #4 am: 22.03.2023 12:01 »
Natürlich zerstören die das EG-Gefüge. Ein Abstand zwischen zwei Entgeltgruppen von 300 Euro ist bei 10 % Inflation einfach ausgedrückt nur noch 270 Euro "wert" Eigentlich müsste der Abstand künftig unter Berücksichtigung der Inflation ca. 330 Euro betragen. Mindestbeträge sorgen dafür, dass der Abstand zwar absolut gleich bleibt, aber relativ schrumpft.

Bastel

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Antw:Was bedeutet "mindestens 500 Euro" in der Praxis?
« Antwort #5 am: 22.03.2023 13:25 »
Naja,
der Mindestlohn ist ja auch in relativ kurzer Zeit von 9,50€ auf 12,-€ angestiegen. Das ist auch eine Erhöhung von über 20% in 2 Jahren?

Das macht es nicht besser. Was denkst du wie sich die Gesellen mit einem Stundenlohn von 14€ freuen, wenn der ungelernte Straßenkehrer plötzlich 12€ bekommt. Leistung lohnt sich nicht.

RsQ

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Antw:Was bedeutet "mindestens 500 Euro" in der Praxis?
« Antwort #6 am: 22.03.2023 14:21 »
Mindestbeträge sorgen dafür, dass der Abstand zwar absolut gleich bleibt, aber relativ schrumpft.
Jein. Diejenigen, den 10,5 % (als Beispiel) nah an den 500 € liegen, hätten vor allem das Nachsehen. Okay, diese Gruppe hat jetzt nicht unbedingt Geldsorgen, aber um bestimmte Berufsfelder wettbewerbsfähig zu halten, sollte es auch es auch ein erkennbar höheres Einkommensniveau bleiben. Wenn der 500-€-Profiteur überdurchschnittlich an den 10,5-%-Standardfall heranrückt ...

Casa

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Antw:Was bedeutet "mindestens 500 Euro" in der Praxis?
« Antwort #7 am: 22.03.2023 14:30 »
An der Untergrenze ist nicht zu rütteln. Daher wird das Lohnniveau zwangsläufig steigen. Die Einordnung der höheren Arbeitsentgelte wird aber dem Markt überlassen, also Angebot und Nachfrage. Insoweit muss der Handwerker selbst aktiv werden und ein höheres Arbeitsentgelt fordern oder sich bei einem anderen Arbeitgeber bewerben, wenn er mehr verdienen möchte.

Ein Geselle hat eine deutlich höhere Einkommensperspektive, als der Ungelernte. Diese Perspektive in en höheres Arbeitsentgelt umzusetzen, obliegt ihm.
Insoweit geht die Aussage, Arbeit lohnt sich nicht, fehl.


Problematisch ist eher der eigene Standpunkt der von oben herab blickenden Person. "Der kann so wenig und bekommt fast so viel wie ich." Oder "der Bürgergeldempfänger arbeitet nicht und bekommt fast so viel wie ich."

In der eigenen kleinen "Bubble" mag das ein legitimes Argument sein. Wenn wir unsere Gesellschaft aber als ein großes System sehen, in dem verschiedene Faktoren ineinander greifen, wird es verständlicher.

Faktor 1, Wahrung der Verfassung: Das Grundsicherungsniveau darf nicht unterschritten werden, Art. 1 I, 20 I GG.

Faktor 2, politisch / gesetzgeberisch gewollt, aber auch gesellschaftlich und wirtschaftlich von Bedeutung, der der arbeitet soll mehr haben. -> Wenigstens Mindestlohn.

Faktor 3, der der besser qualifiziert ist, soll mehr haben. Keine Lohnuntergrenze für Gesellen. -> aber Markt regelt.
Hier verringert sich der Einfluss des gesetzlichen Rahmens / eines Mindestniveaus und es wird Eigeninitiative notwendig. Gleichwohl bietet das Gesetz Vorteile für Arbeitnehmer, die er selbst beanspruchen muss, da sie kein Automatismus sind.
Beispiel: Betriebsratsgründung, gewerkschaftliche Organisation, Bildungsurlaub, Arbeitsplatzwechsel, Aufstiegsfortbildung usw.


Vielleicht ist es sinnvoll weniger Zeit mit Missgunst zu verbringen und die eigenen Freiheiten und Möglichkeiten wahrzunehmen, um die eigene Position zu verbessern.

Im Übrigen arbeitet der Straßenkehrer 40h die Woche, ebenso wie der Geselle, ebenso wie der Meister und ebenso wie der Wissenschaftler. Allein die Ausbildung unterscheidet sich. Dafür sollen die, die mehr Zeit in Bildung investiert haben, besser entlohnt werden. Die Frage ist nur, wie viel mehr. Da sind wir wieder bei den Möglichkeiten und ob man sie wahrnimmt.
Gib mir ein Minus, wenn dir meine Beiträge gefallen. :-)

maiklewa

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Antw:Was bedeutet "mindestens 500 Euro" in der Praxis?
« Antwort #8 am: 22.03.2023 15:41 »
10,5 %, mind aber 500 €!

Finde den Fehler!

Wir werden was unterhalb der Inflationsrate bekommen, keine Einmalhahlungen etc. und die blöden AN-Vertreter werden es als Sieg feiern!

Deutsche sind einfach zu dumm und zu weich und zu inkonsequent, was wirklich Brauchbares zu erhalten. War schon immer so!

MrBurnz

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Antw:Was bedeutet "mindestens 500 Euro" in der Praxis?
« Antwort #9 am: 22.03.2023 16:25 »
Ja, richtig, du hast da keinen Denkfehler.

Doch hat er, weil die Lücke zwischen Gehältern nicht kleiner wird, sondern genauso groß/klein bleibt und nichts ad absurdum geführt wird.

MoinMoin

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Antw:Was bedeutet "mindestens 500 Euro" in der Praxis?
« Antwort #10 am: 22.03.2023 16:28 »
10,5 %, mind aber 500 €!

Finde den Fehler!

Wir werden was unterhalb der Inflationsrate bekommen, keine Einmalhahlungen etc. und die blöden AN-Vertreter werden es als Sieg feiern!

Deutsche sind einfach zu dumm und zu weich und zu inkonsequent, was wirklich Brauchbares zu erhalten. War schon immer so!
Ich bin deutsch und habe fast immer das bekommen was ich haben wollte, und brauchbar war es immer zu 100%.

Da die sogenannte blöden AN Vertreter mich nicht vertreten und somit keine AN Vertreter sein können, sondern nur Gewerkschafter sind, können sie auch Siege feiern wie es ihnen Spaß macht.

Wenn du durch sie vertreten wirst, dann liegt es an dir nächstes mal andere Vertreter zu wählen, das macht aber der blöde, dumme, weiche Deutsche nicht.

RsQ

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Antw:Was bedeutet "mindestens 500 Euro" in der Praxis?
« Antwort #11 am: 22.03.2023 16:40 »
Ja, richtig, du hast da keinen Denkfehler.

Doch hat er, weil die Lücke zwischen Gehältern nicht kleiner wird, sondern genauso groß/klein bleibt und nichts ad absurdum geführt wird.

Aber ist es nicht so, dass untere/mittlere Einkommen damit überproportional steigen? Siehe mein Ausgangsbeispiel:

Zitat
2000 € + 500 € = +25 %
3000 € + 500 € = +17 %
>5000 € + 10,5 % = 10,5 %

(5000 € mal willkürlich gewählt, weil hier die 10,5 % nah an de 500 € liegen)


Schokobon

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Antw:Was bedeutet "mindestens 500 Euro" in der Praxis?
« Antwort #12 am: 22.03.2023 16:47 »
Beispiel:
0,00 Euro Brutto für Arbeitslosen
1.000,00 Euro Brutto für Gemüseschnippler
2.000,00 Euro Brutto für Amtsleiter

Hier bekommt der Amtsleiter das doppelte Gehalt.

--> Beide bekommen nun 15 Jahre lang jährlich eine Sozialismuspauschale von meinetwegen 500,00 Euro

8.500,00 Brutto für Gemüseschnippler
9.500,00 Brutto für Amtsleiter

Wer will jetzt noch Amtsleiter sein??


MrBurnz

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Antw:Was bedeutet "mindestens 500 Euro" in der Praxis?
« Antwort #13 am: 22.03.2023 16:48 »
Ja, richtig, du hast da keinen Denkfehler.

Doch hat er, weil die Lücke zwischen Gehältern nicht kleiner wird, sondern genauso groß/klein bleibt und nichts ad absurdum geführt wird.

Aber ist es nicht so, dass untere/mittlere Einkommen damit überproportional steigen? Siehe mein Ausgangsbeispiel:

Zitat
2000 € + 500 € = +25 %
3000 € + 500 € = +17 %
>5000 € + 10,5 % = 10,5 %

(5000 € mal willkürlich gewählt, weil hier die 10,5 % nah an de 500 € liegen)

Die Lücke in € bleibt aber gleich. Das Gesamtniveau steigt nur.

MrBurnz

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Antw:Was bedeutet "mindestens 500 Euro" in der Praxis?
« Antwort #14 am: 22.03.2023 16:50 »
Beispiel:
0,00 Euro Brutto für Arbeitslosen
1.000,00 Euro Brutto für Gemüseschnippler
2.000,00 Euro Brutto für Amtsleiter

Hier bekommt der Amtsleiter das doppelte Gehalt.

--> Beide bekommen nun 15 Jahre lang jährlich eine Sozialismuspauschale von meinetwegen 500,00 Euro

8.500,00 Brutto für Gemüseschnippler
9.500,00 Brutto für Amtsleiter

Wer will jetzt noch Amtsleiter sein??

Dann ist das aber so ein Egoding vom Amtsleiter, wenn er sich mit 1000 € mehr Gehalt nur wohl fühlt, solange es das doppelte des Gemüseschnipplers ist.