Autor Thema: Lohnt sich Arbeit noch?  (Read 33517 times)

Bauernopfer

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Antw:Lohnt sich Arbeit noch?
« Antwort #435 am: 04.12.2023 14:45 »
Ich selbst würde als Zugewanderter ganz sicher auch in meinen Integrationsbemühungen scheitern, wenn ich dort, wo mir eigentlich geholfen werden soll, auf Menschen träfe, die mich wegen meines kulturellen Hintergrunds von vornherein ablehnen.
Ich würde erst keine Integrationsbemühungen entwickeln, wenn ich in Massenunterkünfte gepackt würde, vom selbständigen Erwerb des Lebensunterhalts (erstmal) abgeschottet würde bis irgendein Antrag nach Wochen/Monaten mal entschieden wird, den ich vielleicht nicht 100%ig korrekt ausgefüllt habe, weil mein Sprachkurs später anfängt, überfüllt ist, oder abgesagt wird, und ich in den Nachrichten mitbekomme, dass in Deutschland der Staat erstmal den Staat verklagt um zu klären, welche Umwege ein Steuereuro erst gehen muss, bis er in irgendeiner Art von Integrationförderung landen könnte, wenn Staat dafür das Personal hätte...

Die Rahmenbedingungen, damit aus Migration Integration wird, sind in Deutschland einfach grottenschlecht. Seit Jahren. Als Merkel sagte "Wir schaffen das", hätte es lauten müssen "Wir schaffen das, wenn..." und dann folgt eine Aufzählung mit mind. einem dutzend Spiegelstrichen an Voraussetzungen, von denen die meisten von Staat/Politik bis heute nicht geschaffen wurden. Und diese Diskrepanz zwischen Wollen und Können des Staates, Menschen zu integrieren, ihnen damit zu helfen, die ist für einen großen Teil der Ablehnung in der Bevölkerung verantwortlich. Der Rest sind ein paar rechte Spinner.
Und ich halte es nicht gerade für ein Patentrezept, diesbezüglich für mehr Zustimmung und Unterstützung zu sorgen, in dem man einfach alle, die v.a. vom Staat mehr Integrationsvoraussetzungen erwarten und zunehmend daran zweifeln, das Integration ohne diese überhaupt funktionieren kann, auch gleich zu rechten Spinnern erklärt.
Du sprichst mir aus der Seele. Nicht jeder, der die in diesem Thread beschriebenen Mißstände beklagt, ist ein Feind/Gegner von Flüchtlingen/Asylanten. Es muß aber erlaubt sein, die Wurzeln des Übels zu finden, in diesem Fall meiner Meinung nach die vom Staat geschaffenen Rahmenbedingungen. Deshalb auch mein früherer Hinweis, dass hinterfragt werden muß, warum im Bezug auf Integration bestimmte Quoten in anderen Ländern besser sind. Ein Blick über den Tellerrand hinaus bedeutet keineswegs ein Schielen in die rechte Ecke.

Organisator

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Antw:Lohnt sich Arbeit noch?
« Antwort #436 am: 04.12.2023 15:51 »
Deshalb auch mein früherer Hinweis, dass hinterfragt werden muß, warum im Bezug auf Integration bestimmte Quoten in anderen Ländern besser sind. Ein Blick über den Tellerrand hinaus bedeutet keineswegs ein Schielen in die rechte Ecke.

So siehts aus. Rechte oder irgendeine andere Ecke wirds erst dann, wenn man verkürzt nur die genehmen Argumente aufführt, statt alles zu betrachten.

Schmitti

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Antw:Lohnt sich Arbeit noch?
« Antwort #437 am: 05.12.2023 11:59 »
Es muß aber erlaubt sein, die Wurzeln des Übels zu finden, in diesem Fall meiner Meinung nach die vom Staat geschaffenen Rahmenbedingungen.
Dazu ein aktueller Artikel des SWR: Warum fast 90 Prozent der Ukrainer in der Region Trier nicht arbeiten:
Zitat
...Für einen Deutschkurs hat sich Anastasia Berezhna zwar angemeldet, wann sie ihn beginnen kann, ist aber völlig ungewiss. "Die meisten Deutschkurse in der Region sind bis Ende 2024 ausgebucht", sagt Sascha May. "Und wenn dann Plätze frei sind, sind sie oft zu weit entfernt."

Viele Ukrainerinnen hätten zudem keinen Führerschein und mit dem Bus sei es teilweise schwierig zur richtigen Zeit an den richtigen Ort zu kommen. Auch das Jobcenter Trier-Saarburg bezeichnet die mangelnde Ausstattung des Öffentlichen Nahverkehrs als schwerwiegendes Problem, das "oftmals ein rechtzeitiges Erreichen der Arbeitsstelle unter Berücksichtigung der Betreuungszeiten unmöglich macht."

Doch nicht immer ist es das fehlende Auto, das zu Problemen führt. Sascha May berichtet von einem ukrainischen Vater mit acht Kindern, dem er einen Job als Bauhelfer vermittelt habe. "Er hat gesagt, dass er dem deutschen Staat nicht auf der Tasche liegen will", berichtet May. Als der Mann nach dem ersten Monat auf seine Lohnabrechnung geschaut habe, sei er aber entsetzt gewesen. Obwohl er 180 Stunden gearbeitet habe, habe das Jobcenter sein Gehalt aufstocken müssen. Auch das Jobcenter Trier-Saarburg bestätigt dem SWR auf Anfrage, dass der Abstand zwischen Lohn und staatlichen Leistungen "in einigen Fallgestaltungen in der Realität kaum noch existiert."

Und mit dem letzten Absatz landen wir auch gleich wieder ein stückweit näher an der Ausgangsfrage hier, ob sich Arbeit noch lohnt.

BAT

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Antw:Lohnt sich Arbeit noch?
« Antwort #438 am: 05.12.2023 12:04 »
Nein, bei acht Kinder bleibt sowieso nix über.

Später mal.

MoinMoin

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Antw:Lohnt sich Arbeit noch?
« Antwort #439 am: 05.12.2023 12:13 »
Und mit dem letzten Absatz landen wir auch gleich wieder ein stückweit näher an der Ausgangsfrage hier, ob sich Arbeit noch lohnt.
Nun als alleinerziehender Vater mit 8 Kinder dürften 90% der öD Beschäftigten Bürgergeldempfänger sein.
Ist schon eine Frechheit, dass ein Bauhelfer damit nicht über die Runden kommt ohne staatlichen Zuschuß.

Warnstreik

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Antw:Lohnt sich Arbeit noch?
« Antwort #440 am: 05.12.2023 13:16 »
Und mit dem letzten Absatz landen wir auch gleich wieder ein stückweit näher an der Ausgangsfrage hier, ob sich Arbeit noch lohnt.
Nun als alleinerziehender Vater mit 8 Kinder dürften 90% der öD Beschäftigten Bürgergeldempfänger sein.
Ist schon eine Frechheit, dass ein Bauhelfer damit nicht über die Runden kommt ohne staatlichen Zuschuß.

Und ob er alleinerziehend ist, wird noch nichtmal gesagt.

Mit 8 Kindern ist man schon recht häufig ein Sozialfall - außer man ist Beamter, da wirds vergolten. (Am Ende zahlt der Staat aber so oder so drauf)

Thomber

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Antw:Lohnt sich Arbeit noch?
« Antwort #441 am: 05.12.2023 15:15 »
Zitat
Mit 8 Kindern ist man schon recht häufig ein Sozialfall - außer man ist Beamter, da wirds vergolten.
Wieso? Bekommen Beamte mehr Kindergeld, oder was meinst Du?

MoinMoin

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Antw:Lohnt sich Arbeit noch?
« Antwort #442 am: 05.12.2023 15:33 »
Zitat
Mit 8 Kindern ist man schon recht häufig ein Sozialfall - außer man ist Beamter, da wirds vergolten.
Wieso? Bekommen Beamte mehr Kindergeld, oder was meinst Du?
Das BVerG hat doch festgestellt, dass einem Beamten ab dem drittem Kind ein Aufschlag auf dem Sold zusteht, welches - vereinfacht gesagt - Grundsicherung plus 15% ist (Netto versteht sich).
Daher müssen diese Kinderzuschläge für die B/R Besoldung auch höher ausfallen als für die unteren A Besoldungen.

BATKFMaui

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Antw:Lohnt sich Arbeit noch?
« Antwort #443 am: 05.12.2023 18:45 »
Zitat
Mit 8 Kindern ist man schon recht häufig ein Sozialfall - außer man ist Beamter, da wirds vergolten.
Wieso? Bekommen Beamte mehr Kindergeld, oder was meinst Du?
Das BVerG hat doch festgestellt, dass einem Beamten ab dem drittem Kind ein Aufschlag auf dem Sold zusteht, welches - vereinfacht gesagt - Grundsicherung plus 15% ist (Netto versteht sich).
Daher müssen diese Kinderzuschläge für die B/R Besoldung auch höher ausfallen als für die unteren A Besoldungen.

https://oeffentlicher-dienst.info/c/t/rechner/beamte/nw?id=beamte-nrw&g=A_9&s=4&f=3&fstand=v&mst=VI&zulageid=10.1&zulageid=10.2&z=100&zulage=&stkl=1&r=0&zkf=

beamtenjeff

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Antw:Lohnt sich Arbeit noch?
« Antwort #444 am: 06.12.2023 08:21 »
Ich selbst würde als Zugewanderter ganz sicher auch in meinen Integrationsbemühungen scheitern, wenn ich dort, wo mir eigentlich geholfen werden soll, auf Menschen träfe, die mich wegen meines kulturellen Hintergrunds von vornherein ablehnen.
Ich würde erst keine Integrationsbemühungen entwickeln, wenn ich in Massenunterkünfte gepackt würde, vom selbständigen Erwerb des Lebensunterhalts (erstmal) abgeschottet würde bis irgendein Antrag nach Wochen/Monaten mal entschieden wird, den ich vielleicht nicht 100%ig korrekt ausgefüllt habe, weil mein Sprachkurs später anfängt, überfüllt ist, oder abgesagt wird, und ich in den Nachrichten mitbekomme, dass in Deutschland der Staat erstmal den Staat verklagt um zu klären, welche Umwege ein Steuereuro erst gehen muss, bis er in irgendeiner Art von Integrationförderung landen könnte, wenn Staat dafür das Personal hätte...

Die Rahmenbedingungen, damit aus Migration Integration wird, sind in Deutschland einfach grottenschlecht. Seit Jahren. Als Merkel sagte "Wir schaffen das", hätte es lauten müssen "Wir schaffen das, wenn..." und dann folgt eine Aufzählung mit mind. einem dutzend Spiegelstrichen an Voraussetzungen, von denen die meisten von Staat/Politik bis heute nicht geschaffen wurden. Und diese Diskrepanz zwischen Wollen und Können des Staates, Menschen zu integrieren, ihnen damit zu helfen, die ist für einen großen Teil der Ablehnung in der Bevölkerung verantwortlich. Der Rest sind ein paar rechte Spinner.
Und ich halte es nicht gerade für ein Patentrezept, diesbezüglich für mehr Zustimmung und Unterstützung zu sorgen, in dem man einfach alle, die v.a. vom Staat mehr Integrationsvoraussetzungen erwarten und zunehmend daran zweifeln, das Integration ohne diese überhaupt funktionieren kann, auch gleich zu rechten Spinnern erklärt.
Du sprichst mir aus der Seele. Nicht jeder, der die in diesem Thread beschriebenen Mißstände beklagt, ist ein Feind/Gegner von Flüchtlingen/Asylanten. Es muß aber erlaubt sein, die Wurzeln des Übels zu finden, in diesem Fall meiner Meinung nach die vom Staat geschaffenen Rahmenbedingungen. Deshalb auch mein früherer Hinweis, dass hinterfragt werden muß, warum im Bezug auf Integration bestimmte Quoten in anderen Ländern besser sind. Ein Blick über den Tellerrand hinaus bedeutet keineswegs ein Schielen in die rechte Ecke.

Ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass alle die sich darüber tiefergehende Gedanken machen und Missstände ungeschönt aufzeigen die wahren Helfer und Freunde der Demokratie sind - ähnlich wie ein guter Kumpel der einem mal offen und ehrlich die Meinung sagt. Und alle anderen nicht wirkliches Interesse haben bzw. sogar noch falsche Tipps geben müssen.

Schweigen über die Missstände ist in diesem Zusammenhang absolut demokratieschädigend. Man überlege nur was die CDU in Richtung Bildungspolitik alles an Schönung im Kontext Migration gemacht haben, z.B. PISA-Statistiken entwertet durch die nicht sachgerechte Konsolidierung von Daten, z:B. der Entfernung des Herkunftslandes als Angabe eines Schülers/Schülerin. Es wurden Teilnahmen an PISA bewusst ausgesetzt. Förderschulen würden unter dem Deckmantel der "Inklusion" abgeschafft, eine Inklusion die heute nicht mal ansatzweise funktioniert, denn es fehlt an speziellem Personal damit förderungsbedürftige Menschen nicht zu kurz kommen und zukünftige Spitzenleistungsträger von morgen nicht unterfordert und gelangweilt sind. Von der fehlenden Sprachförderung an fast allen Schulen mal ganz zu schweigen.

Und hier hört das alles nicht auf, denn irgendwie hängt irgendwo alles miteinander zusammen, auch Bildungspolitik mit dem Arbeitsmarkt und Lohnentwicklung. Es gibt in Europa Länder mit entsprechendem Bildungsniveau die ein gewisses Lohnniveau aufrecht halten können, z.B. die Schweiz, Schweden oder (Überraschung!) Deutschland! Aber dieses Niveau werden wir nicht halten können, wenn es so weiter geht. Und ich befürchte die Weichen können in diesem Fall auch nicht spontan umgestellt werden. Die Ausbildungszeit einer Lehrkraft dauert min. 5 Jahre.

Was bedeutet das wiederum für unseren Wohlstand? Ziemlich viel! Denn die Genies und Leistungsträger von gestern und vorgestern haben durch ihre Innovationen Deutschland zu einem Innovationsland gemacht, mit entsprechendem Exportpotenzial. Ohne Innovation und der Beteiligung an aufstrebenden Marktsegmenten bei denen wir mit Fachexpertise glänzen können, wird es zwangsläufig einen deutlichen Verlust des Wohlstandes geben.

Im Übrigen alles die Nachwirkungen von 2005-2020 Schwarz-Rot und die Ampel darf auch diesen Karren aus den Dreck ziehen....oder auch nicht, wir werden sehen. Es kotzt einfach nur noch an. Reiß dich zusammen mein Freund, Deutschland, so kann es nicht weiter gehen. Du musst etwas an dir ändern, ich helfe dir, aber wenn du nicht willst, sehe ich nicht dabei zu wie du ins Elend stürzt.
« Last Edit: 06.12.2023 08:35 von beamtenjeff »

BAT

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« Antwort #445 am: 06.12.2023 09:06 »
Fakt ist nun mal das die Einnahmen des Staates auf Rekord Niveau sind und dennoch nicht genug da ist.

Weil man sich halt nicht alle Wünsche erfüllen kann und muss.

Und nun evtl. ein Energiesoli? Bei den bereits hohen Belastungen der Mitte? Bei den Erfahrungen mit dem Einigungs-Soli?

Nee, danke.

Warnstreik

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« Antwort #446 am: 06.12.2023 12:05 »
Fakt ist nun mal das die Einnahmen des Staates auf Rekord Niveau sind und dennoch nicht genug da ist.

Weil man sich halt nicht alle Wünsche erfüllen kann und muss.

Und nun evtl. ein Energiesoli? Bei den bereits hohen Belastungen der Mitte? Bei den Erfahrungen mit dem Einigungs-Soli?

Nee, danke.

Seh ich genauso. Es wird Zeit zum einen Schattenhaushalte zu beenden - was nicht heißt, dass man das Geld nicht braucht und nicht abrufen sollte. Man könnte/sollte aber konkret zwischen Betrieb und Investition unterscheiden. Dass man für große Investitionen auch höhere Kredite braucht ist klar - sonst lebt man von der Substanz auf Kosten der Zukunft. Wir sind das mit großem Abstand am wenigsten verschuldete Industrieland der Welt. Und das ist auch gut so. Hier steckt aber das Potential um wichtige Zukunftsinvestitionen zu tätigen - diese amortisieren sich aber eben erst später. Dieses sollte man aber offen und ehrlich machen und nicht über die Umwidmung von Sonderhaushalten.


Hugo Stieglitz

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Antw:Lohnt sich Arbeit noch?
« Antwort #447 am: 06.12.2023 14:25 »
Fakt ist nun mal das die Einnahmen des Staates auf Rekord Niveau sind und dennoch nicht genug da ist.

Weil man sich halt nicht alle Wünsche erfüllen kann und muss.

Und nun evtl. ein Energiesoli? Bei den bereits hohen Belastungen der Mitte? Bei den Erfahrungen mit dem Einigungs-Soli?

Nee, danke.

Seh ich genauso. Es wird Zeit zum einen Schattenhaushalte zu beenden - was nicht heißt, dass man das Geld nicht braucht und nicht abrufen sollte. Man könnte/sollte aber konkret zwischen Betrieb und Investition unterscheiden. Dass man für große Investitionen auch höhere Kredite braucht ist klar - sonst lebt man von der Substanz auf Kosten der Zukunft. Wir sind das mit großem Abstand am wenigsten verschuldete Industrieland der Welt. Und das ist auch gut so. Hier steckt aber das Potential um wichtige Zukunftsinvestitionen zu tätigen - diese amortisieren sich aber eben erst später. Dieses sollte man aber offen und ehrlich machen und nicht über die Umwidmung von Sonderhaushalten.
Auch das weicht die notwendige Priorisierung der Haushaltsmaßnahmen auf. Selbst wenn wir eine geringere Verschuldung haben (der Einäugige ist unter den Blinden der König), so haben wir viele implizite Schulden, die gar nicht in der Statistik erfasst sind. Auch sollte man berücksichtigen, dass der ROI nicht sicher ist, die Zinsen aber auch für gescheiterte Investitionen auf jeden Fall gezahlt werden müssen und damit den künftigen Ausgabenspielraum begrenzen. In der Privatwirtschaft übt die mögliche Insolvenz eine gewisse Disziplin auf Unternehmen aus. Beim Staat steht zu befürchten, dass dann abermals neue Einkommensquellen gesucht werden.

Ich erinnere mich, dass vor Corona bestimmte Parteien mehr Verschuldung gefordert haben, weil die Zinsen so niedrig waren. Während Corona haben sie mehr Verschuldung gefordert, um die Folgen der Pandemie zu bewältigen. Während der Gasmangellage wurden mehr Schulden gefordert, um die Energiepreissteigerungen abzufedern und jetzt wird nach mehr Schulden gerufen, um Investitionen zu tätigen.

Warum? Weil der Politiker Angst hat, dass der Bürger ihn nicht mehr wählt, wenn er ihm direkt in die Tasche packt. Dann verschiebt man es lieber in die Zukunft und hofft, dass er sicht nicht mehr daran erinnert.

BAT

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« Antwort #448 am: 06.12.2023 14:34 »

Warum? Weil der Politiker Angst hat, dass der Bürger ihn nicht mehr wählt, wenn er ihm direkt in die Tasche packt. Dann verschiebt man es lieber in die Zukunft und hofft, dass er sicht nicht mehr daran erinnert.

Bei einigen Sachen muss man politisch sicher aufpassen bzw. die Wahrheit kostet Stimmen. Z. B. wird die Klimabilanz von Haustieren (selbst von FFF oder letzte Generation) nie thematisiert (30 KG - Hund = eine Flugreise auf die Kanaren pro Jahr).

Davon ab, merken wir überhaupt noch, wovan wir reden? Eine Schuldenbremse? Wie wäre es mit Schuldenabbau? Die Schuldenbremse ist ja schon eine "Asi"-Haushaltspolitik. Aber ich werde auch meine Darlehen an die Bank für die Immobilie einstellen mit dem Kommentar, ich hätte jetzt eine Schuldenbremse eingeführt.  ;)

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« Antwort #449 am: 07.12.2023 11:50 »
Davon ab, merken wir überhaupt noch, wovan wir reden? Eine Schuldenbremse? Wie wäre es mit Schuldenabbau? Die Schuldenbremse ist ja schon eine "Asi"-Haushaltspolitik. Aber ich werde auch meine Darlehen an die Bank für die Immobilie einstellen mit dem Kommentar, ich hätte jetzt eine Schuldenbremse eingeführt.  ;)

Haben wir - in der aktuellen Legislatur ist die Schuldenquote von ~70% auf ~65% gefallen. Tendenz: fallend.

Gleichzeitig haben wir einen großen Investitionsstau - dieser wird uns in vielen Ecken noch auf die Füße fallen, einige Punkte sind/werden aber angegangen. Ansonsten ist es bei Staaten ähnlich wie in Unternehmen: Es ist schlicht verschenktes Potential KEIN Fremdkaptial für sinnvolle und zukunftsrelevante Investitionen zu nutzen. Nicht sinnvoll ist es, Haushaltslöcher mit Krediten zu stopfen.

Was mich an der Bewältigung der letzten Krisen gestört hat ist, dass man versucht hat alles mit Geld zuzuschütten - eben weil man nicht das politische Ziel sondern die Wähler im Blick hatte: Die Energiepreis- und vor allem Spritpreisbremse war hohl. Hohe Förderungen für E-Autos und Ladesäulen, auch hohl.  Helikoptergeld an Haushalte, die eh in der Krise Geld horten. Das Kurzarbeitergeld indes (z.B. während Corona) ist prima - imo auch mal ein sehr positives Beispiel für deutsche Steuerungspolitik. Sie hat den Konsum gestärkt und hat die Firmen schnell wieder Einsatzbereit gemacht, als noch nicht klar war, wie lange die Krise dauert.

Aber zurück zu den Investitionen: Das sollte und muss man imo von den laufenden Kosten trennen und die maximalhöhe via Anteil am BiP berechnen. Dazu gehört aber auch, dass man das Geld dann sinnvoll ausgibt, was die Bundeswehr z.B. nicht kann. Das Geld in Schulbau und auch Digitalisierung der Schulen ist indes super angelegt und es funktioniert auch (zumindest bei uns in der Umgebung)