Autor Thema: Lohnt sich Arbeit noch?  (Read 33522 times)

BAT

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Antw:Lohnt sich Arbeit noch?
« Antwort #540 am: 20.12.2023 11:49 »
Das sind doch alles Einzelaspekte einer anderen, großen Sachlage. Und zwar das Umverteilen. Teils nicht mal in der vertikalen, wie man beim Elterngeld sieht.

Elterngeld, Wohngeld, Bürgergeld, etc. - man kann das ja alles gut finden, aber ist da nicht irgendwann auch mal Schluss damit? Insbesondre wenn der Sozialstaat bis in Akademikerhaushalte hineinragt.

Und ob die Lenkungswirkung dann wirklich so gut ist, bezweifele ich auch etwas. Ich denke, man sollte so Einiges ganz abschaffen (UVG, Wohngeld, Elterngeld/ Mütterrente und Rente mit 63 sowieso) und es den Leuten einfach mal aus Ihrem Einkommen belassen. Denn die Einkommenssteuer fällt ja schon bei recht niedrigen Einkommen bereits an.

Da gibt es doch Vorschläge, dass ab 2000 oder waren es 2500 Brutto überhaupt erst Lohnsteuer fällig wird. Dann lohnst sich arbeiten auch wieder.

Faunus

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Antw:Lohnt sich Arbeit noch?
« Antwort #541 am: 20.12.2023 12:21 »
Die Realität ist Dir auch eher fremd @BAT.

2500 brutto (E2/S3) mit einem Kind und Steuerklasse 3 sind laut "Gehaltsrechner ÖD" nur 22,83 EUR/mtl. an Steuern, die theoretisch abzuführen sind und entsprechend bei dem Jahreseinkommensteuerantrag zurückgeholt werden können. Da reicht es schon die haushaltnahen Dienstleistungen der Mietwohnung in einem Mehrfamilienhaus anzugeben und die 270 EUR werden vom FA zurückerstattet.
Dafür sind aber bei einem Ledigen (St.kK.I 242 EUR) wie einer 3-köpfigen Familie alle mit 204 EUR gesetztlich krankenversichert.

Im Jahre 2012 hat ein für mich beispielhafter Gehalt von 80.000 EUR mit 2 Kindern, verheiratete zu 0,0 EUR Steuern für das Jahr 2012 geführt - mit den entsprechenden "Rechnungseinreichungen" beim Finanzamt.



MoinMoin

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Antw:Lohnt sich Arbeit noch?
« Antwort #542 am: 20.12.2023 18:08 »
Das sind doch alles Einzelaspekte einer anderen, großen Sachlage. Und zwar das Umverteilen. Teils nicht mal in der vertikalen, wie man beim Elterngeld sieht.

Elterngeld, Wohngeld, Bürgergeld, etc. - man kann das ja alles gut finden, aber ist da nicht irgendwann auch mal Schluss damit? Insbesondre wenn der Sozialstaat bis in Akademikerhaushalte hineinragt.

Und ob die Lenkungswirkung dann wirklich so gut ist, bezweifele ich auch etwas. Ich denke, man sollte so Einiges ganz abschaffen (UVG, Wohngeld, Elterngeld/ Mütterrente und Rente mit 63 sowieso) und es den Leuten einfach mal aus Ihrem Einkommen belassen. Denn die Einkommenssteuer fällt ja schon bei recht niedrigen Einkommen bereits an.

Da gibt es doch Vorschläge, dass ab 2000 oder waren es 2500 Brutto überhaupt erst Lohnsteuer fällig wird. Dann lohnst sich arbeiten auch wieder.
Um mit deinen Worten zu reden, dass ist doch unfug, für die 4k Familie, mit 2500 Brutto, die dann nur 13€ weniger Lohnsteuer zu bezahlen hätte🤦‍♀️

BAT

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Antw:Lohnt sich Arbeit noch?
« Antwort #543 am: 20.12.2023 19:00 »
Nein, die Einwände sind Unfug, da im Bereich des Bürgergeld-Bezuges gar keine Unterschiede durch andere Besteuerungen eintreten. Nicht mal die 13 €

Warnstreik

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Antw:Lohnt sich Arbeit noch?
« Antwort #544 am: 21.12.2023 09:23 »
Elterngeld, Wohngeld, Bürgergeld, etc. - man kann das ja alles gut finden, aber ist da nicht irgendwann auch mal Schluss damit? Insbesondre wenn der Sozialstaat bis in Akademikerhaushalte hineinragt.

Natürlich ragt der Sozialstaat in Akademikerhaushalte rein - absichernd über Renten-/Pflege-/Kranken-/Arbeitslosenversicherung oder steuernd via Elterngeld oder kostengünstige/Kostenfreie Bildung und Kinderbetreuung.

Und ob die Lenkungswirkung dann wirklich so gut ist, bezweifele ich auch etwas. Ich denke, man sollte so Einiges ganz abschaffen (UVG, Wohngeld, Elterngeld/ Mütterrente und Rente mit 63 sowieso) und es den Leuten einfach mal aus Ihrem Einkommen belassen. Denn die Einkommenssteuer fällt ja schon bei recht niedrigen Einkommen bereits an. Da gibt es doch Vorschläge, dass ab 2000 oder waren es 2500 Brutto überhaupt erst Lohnsteuer fällig wird. Dann lohnst sich arbeiten auch wieder.

Wie schon angesprochen: offenbar hast du wenig Erfahrung/Relation zur Steuerwirklichkeit in Deutschland. Du kannst gerne alles oben zur Debatte stellen, da kann man drüber diskutieren. Aber man sollte nicht so tun, als ob das Gros der Betroffenen das dann über weniger Steuern kompensieren könnten.


Schmitti

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Antw:Lohnt sich Arbeit noch?
« Antwort #545 am: 21.12.2023 09:32 »
Forscher: Aufhebung von Hartz-IV-Sanktionen schadet
Zitat
Das Aussetzen von Sanktionen bei Verstößen gegen Hartz-IV-Regelungen im vergangenen Jahr hatte eine negativere Auswirkung auf die Vermittlung von Arbeitslosen als alle Bürgergeld-Regelungen zusammen. Das geht aus einer Untersuchung des Nürnberger Arbeitsmarktforschers Enzo Weber hervor, die er auf der Social-Media-Plattform Linkedin veröffentlichte.
Die Bundesregierung hatte im zweiten Halbjahr 2022 vor der Einführung des Bürgergeldes ein Sanktionsmoratorium verhängt und auf Kürzungen der Zuwendung im Falle von Verstößen gegen die Hartz-IV-Regelungen praktisch verzichtet.
In diesem Zeitraum sank die Zahl der Hartz-IV-Empfänger, die in den Arbeitsmarkt wechselten, wegen des Moratoriums der Untersuchung Webers zufolge um 6,9 Prozent. "Der gemessene Moratoriumseffekt bedeutet, dass sieben von 100 Jobaufnahmen, die zuvor in einem Monat stattgefunden hätten, danach nicht mehr zustande kamen. Das liegt in einer spürbaren und kritischen Größenordnung", sagte Weber.

Bürgergeld: Viel diskutierter Efekt tritt nicht ein
Das Bürgergeld habe nicht den viel diskutierten Effekt erzeugt, dass Menschen Arbeit aufgeben und lieber das Bürgergeld in Anspruch nehmen. "Noch nie gingen so wenige Menschen aus Jobs neu in die Grundsicherung wie heute", sagte Weber. Die Zahl der Abgänge aus dem Bürgergeld in Jobs steige allerdings derzeit auch nicht, mit der Bürgergeldeinführung habe es hier einen negativen Effekt von 2,6 Prozent gegeben.

Linkedin: https://www.linkedin.com/pulse/b%25C3%25BCrgergeld-sanktionsmoratorium-wirtschaftsabschwung-verl%25C3%25A4ngert-weber-olsgf

BAT

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Antw:Lohnt sich Arbeit noch?
« Antwort #546 am: 21.12.2023 09:55 »


Natürlich ragt der Sozialstaat in Akademikerhaushalte rein -

Nicht Sozialversicherung mit Sozialleistungen verwechseln oder in einen Topf werfen.

Abgesehen davon, dass ich nie davon gesprochen habe, dass alles ausgeglichen wird, fallen die meisten Leistungen, die o. g. wurden betragsmäßig auch bei deren Abschaffung nicht weg.

Ich bitte alle Foristen sich mal mit der Realität des Staatswesens vertraut zu machen.  ;)

Warnstreik

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Antw:Lohnt sich Arbeit noch?
« Antwort #547 am: 21.12.2023 11:16 »
Abgesehen davon, dass ich nie davon gesprochen habe, dass alles ausgeglichen wird, fallen die meisten Leistungen, die o. g. wurden betragsmäßig auch bei deren Abschaffung nicht weg..  ;)

Ruder doch nicht immer zurück - du willst Elterngeld und Wohngeld abschaffen und es "...ihnen aus ihrem Einkommen belassen...". Sag doch wie du es wirklich meinst statt Geringverdiener als Argument vorzuschieben: Du willst Sozialleistungen streichen damit alle mit höherem Einkommen steuerlich entlastet werden. Die Meinung ist doch völlig ok, wieso schiebst du dann Geringverdiener als Profiteure vor?

BAT

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Antw:Lohnt sich Arbeit noch?
« Antwort #548 am: 21.12.2023 11:24 »
Nein, du hast mein Posting nicht durchdrungen.

Ich möchte den ausufernden Sozialstaat nicht. Und da geht es nicht um Finanzen.

Es geht um Paternalismus. Der muss weg. Was da letztens Endes für den Einzelnen bei rumkommt, darauf habe ich mich nie eingelassen.

Teils kann doch sogar mehr sein als mit Sozialleistungen. Dauerhaft sowieso.

Warnstreik

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Antw:Lohnt sich Arbeit noch?
« Antwort #549 am: 21.12.2023 12:21 »
Ich möchte den ausufernden Sozialstaat nicht. Und da geht es nicht um Finanzen.


...und es den Leuten einfach mal aus Ihrem Einkommen belassen. Denn die Einkommenssteuer fällt ja schon bei recht niedrigen Einkommen bereits an.

Da gibt es doch Vorschläge, dass ab 2000 oder waren es 2500 Brutto überhaupt erst Lohnsteuer fällig wird. Dann lohnst sich arbeiten auch wieder.

Na was denn nun? Du bringst doch die Mittelverwendung erst ins Spiel...

Wenns dir nicht um die Ausgaben dafür geht - was spricht denn deiner Meinung nach dagegen, werdenden Eltern im ersten Jahr zu unterstützen, was spricht dagegen Frauen damit ein kleines Stück Unabhängikeit zu geben? Was spricht dagegen einen kleinen Teil des Rentenmalus, der durch Kindererziehung (die  ja leider oft noch bei Frauen liegt) entsteht auszugleichen, wohlwissend, dass sie neue Einzahler großziehen? Was spricht dagegen Menschen, die 45! Jahre in die Rente eingezahlt haben, zwei Jahre früher in diese zu entlassen (was nicht mit 63 sondern bald mit 65 ist)? Viele sind dann eh kaum arbeitsfähig und Akademiker betrifft das eh nicht.

"Zuviel Sozialstaat" ist irgendwie ein komisches Argument - weil es viel zu viele Dinge zusammenfasst, außer man will eben auf die Finanzen hinaus (was du ja nicht willst). Es gibt für viele Dinge Argumente - z.B. bei arbeitsfähigen Bürgergeldbeziehern. Da finde ich aber eine Begründung, wieso es besser wäre dieses Element einzukürzen statt zu behalten, angebracht.

Am Ende brauchen wir aber auch nicht streiten da wir eh nicht zusammenkommen in dem Thema - ich würde nur gern verstehen was deine Motive bzw. deine Intention ist.  Wo fühlst du dich denn eingeengt, weil Eltern Elterngeld beziehen oder eine Mutter/ein Vater 3 Rentenpunkte gutgeschrieben bekommen? Auch Wohngeld musst du nicht beantragen ;-)

Hugo Stieglitz

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Antw:Lohnt sich Arbeit noch?
« Antwort #550 am: 21.12.2023 13:26 »
Zitat
Was spricht dagegen Menschen, die 45! Jahre in die Rente eingezahlt haben, zwei Jahre früher in diese zu entlassen (was nicht mit 63 sondern bald mit 65 ist)? Viele sind dann eh kaum arbeitsfähig und Akademiker betrifft das eh nicht.
Die Tatsache, dass genau diese Generation zu wenig Kinder in die Welt gesetzt hat, um die eigene Rente zu bezahlen, während die gleiche Generation davon profitiert mit vielen Geschwistern die Lasten der eigenen Elterngeneration auf viele Köpfe verteilt zu sehen.

BAT

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Antw:Lohnt sich Arbeit noch?
« Antwort #551 am: 21.12.2023 13:44 »

Am Ende brauchen wir aber auch nicht streiten da wir eh nicht zusammenkommen in dem Thema - ich würde nur gern verstehen was deine Motive bzw. deine Intention ist.  Wo fühlst du dich denn eingeengt, weil Eltern Elterngeld beziehen oder eine Mutter/ein Vater 3 Rentenpunkte gutgeschrieben bekommen? Auch Wohngeld musst du nicht beantragen ;-)

Nö, das kommen wir nicht.

Ich bin einfach dafür, den Leuten mehr Freiheit zu geben. Der Staat muss nicht alles regeln, egal ob das im Einzelfall "positiv" oder "negativ" ist.
Davon ab, das Geld kommt oft nicht bei den Richtigen an. Gerade Zuschüsse des Staates im Bereich Wohnen, sei es das Wohngeld, aber auch die Eigenheimzulage, Baukindergeld" kommen mindestens zur Hälfte bei den Anbietern dieser Leistungen an. Man kann insofern das Wohngeld auch als Vermietergeld bezeichnen, um hier den Schleier zu lüften.
Nimm die weggefallene E-Auto-Förderung. Schwupss wird dieser Betrag von den Unternehmen übernommen.

Auch die Rentenpunkte sind eine Quersubventionierung, eine Verzerrung unseres rechtlichen Rahmens. Denn der Gesetzgeber hat im BGB Unterhaltsverpflichtungen im Familienkontext festgeschrieben. Wir wissen das gar nicht mehr, aber reich wird man durch Kinder nicht durch Rentenpunkte, sondern durch die Unterstützung der Kinder im Alter.

(ich bin aber ganz offen dafür, "Arbeit" anders zu definieren. Also nicht nur reine Beschäftigungsverhältnisse hierunter laufen zu lassen. Bei diesem Ansatz stellt sich die Frage, warum man sich, wenn man private Unterhaltsangelegenheiten vergesellschaftet mit drei Rentenpunkten zufrieden gibt.)

Etc. pp...

BAT

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Antw:Lohnt sich Arbeit noch?
« Antwort #552 am: 21.12.2023 13:53 »
Zitat
Was spricht dagegen Menschen, die 45! Jahre in die Rente eingezahlt haben, zwei Jahre früher in diese zu entlassen (was nicht mit 63 sondern bald mit 65 ist)? Viele sind dann eh kaum arbeitsfähig und Akademiker betrifft das eh nicht.
Die Tatsache, dass genau diese Generation zu wenig Kinder in die Welt gesetzt hat, um die eigene Rente zu bezahlen, während die gleiche Generation davon profitiert mit vielen Geschwistern die Lasten der eigenen Elterngeneration auf viele Köpfe verteilt zu sehen.

Nicht drauf eingehen. Es gibt bisher kein valides Argument für eine abschlagsfreie, frühere Rente. Zunächst müssen die Befürworter eine sachgerechte Begründung abliefern.

tina92

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Antw:Lohnt sich Arbeit noch?
« Antwort #553 am: 22.12.2023 11:42 »
Doch gibt es. 45 Jahre Einzahlung ins System muss reichen.
Mir ist derjenige mit 45 Jahren Einzahlung lieber, als der mit mit 70 in Rente geht und nur 30 Jahre hat.
Auch der letzte Tagträumer wird irgendwann aufwachen und feststellen, dass unser Sozialsystem nicht unbegrenzt so weiterbestehen kann.
Ich darf nicht mit dem Porsche meines Nachbarn fahren, weil ich mich nicht an der Finanzierung beteiligt habe.

BAT

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Antw:Lohnt sich Arbeit noch?
« Antwort #554 am: 22.12.2023 11:44 »
Doch gibt es. 45 Jahre Einzahlung ins System muss reichen.


Das ist sicher sehr gut begründet.  ::)