Tarifrunde TV-L 2025 - Diskussion I

Begonnen von Admin, 15.11.2025 17:26

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cyrix42

Zitat von: IchLiebeBeamtentum in 18.11.2025 14:09
Geht man weiter zurück, vergrößert sich der hier dargestellte Reallohnverlust erheblich.

Das ist doch Quark. Es wurde oft genug durchgerechnet, dass sich die Gehälter im öD tendenziell oberhalb der Inflationsrate entwickeln. Natürlich ist in Krisen ein Reallohn-Verlust zu verzeichnen, der dann erst später langsam aufgeholt und durch einen Kaufkraftgewinn ersetzt wird...

Zitat
Das Gehalt eines befreundeten Oberarztes hat sich in den letzten 5 Jahren verdoppelt.

Und mein Nachbar fährt nen Jaguar. Und? Inwiefern ist das von Relevanz?

IchLiebeBeamtentum

Hätte Herr Dressel nicht besser sagen können.
Naja, und die Berufsgruppe der Ärzte hat wahrscheinlich bessere Druckmittel.
Unsere Berufsgruppe ist vielleicht nicht wichtig genug.

DiVO

Zitat von: Kalimochero in 18.11.2025 09:40
1. Lohnentwicklung der letzten Jahre
2021: +1,4 %
2022: +2,8 %
2023: 0 % (keine Erhöhung)
2024: +200 € Sockelbetrag (vereinfacht als +3,8 % angesetzt)
2025: +5,5 %
Wenn man diese Werte einfach addiert, kommt man auf etwa +13,5 % Lohnsteigerung in fünf Jahren.

2. Inflation im gleichen Zeitraum
2021: +3,1 %
2022: +6,9 %
2023: +5,9 %
2024: ca. +2,2 %
2025: Prognose grob +2 %
Addiert man diese Raten, landet man bei rund +20 % Preissteigerung im Zeitraum 2021–2025.

3. Was heißt das unterm Strich?
Vergleicht man nur die einfachen Summen:
Löhne: ca. +13,5 %
Preise: ca. +20 %
Dann liegt man grob bei einem Rückstand von etwa 6–7 Prozentpunkten hinter der Inflation.
Rechnet man das konsequent als Index (also mit Zinseszinseffekten, statt nur zu addieren), ergibt sich in etwa:
Lohnindex: ca. +14 %
Preisindex: ca. +22 %

Daraus ergibt sich ein Reallohnverlust von ungefähr 8% über die Jahre 2021–2025.

In jedem Ratgeber über Gehaltsverhandlungen steht sinngemäß:

"Fordern Sie niemals eine Gehaltserhöhung mit der Begründung, dass Ihre persönlichen Lebenshaltungskosten gestiegen sind und Sie deshalb mehr Geld benötigen. Sie haben zu Beginn des Beschäftigungsverhältnisses ein Vertragsangebot mit einem entsprechenden Gehalt unterschrieben. Warum soll sich Ihnen Ihr Arbeitgeber nun mehr zahlen, wenn Sie mit dem vertraglich vereinbarten Gehalt nicht mehr zurechtkommen?
Argumentieren Sie lieber mit dem Mehrwert, den Sie für Ihren Arbeitgeber inzwischen generieren. Haben Sie einen lukrativen Kunden an Land gezogen? Oder haben Sie schwierige Projekte schneller als geplant umgesetzt? Das sind Punkte, die Sie in einer Gehaltsverhandlung aufführen sollten."

Und hier jaulen die Leute auf niedrigstem Niveau herum und argumentieren mit Reallohnverlust. Das würde mich als Arbeitgeber ehrlich gesagt null interessieren. Das machen die Leute nur, weil im öD weder Innovationsdruck, Wettbewerb noch Verkaufsdruck herrscht. Geld kommt ja so oder so rein. Also kann man es ja auch einfach verteilen.

Man stelle sich diese Situation mal in einem Industriebetrieb vor: Umsatz stagniert gegenüber dem Vorjahr oder ist rückläufig. Mitarbeiter fordern Gehaltssteigerung über der Inflation, um Reallohnsteigerungen zu erhalten. Arbeitgeber baut 10 % der Belegschaft ab, verkauft einen unrentablen Geschäftszweig, um zusätzliche Liquidität zu erhalten und/oder investiert massiv in Optimierung der Arbeitsabläufe und entlässt dann Mitarbeiter.

cyrix42

@IchLiebeBeamtentum: Also wenn die AN-Seite, so wie du, mit gefühlten Wahrheiten um die Ecke kommt, dann wäre ich doch schon daran interessiert, dass wenigstens die AG-Seite bei den Fakten bleibt...

Zum Glück geht die Verhandlungsführung der AN-Seite dann doch auch etwas sinnvoller vor.

IchLiebeBeamtentum

#64
Man stelle sich in dieser Situation mal Äpfel und Birnen vor und versuche sie miteinander zu vergleichen.

IchLiebeBeamtentum

Zitat von: cyrix42 in 18.11.2025 14:31
@IchLiebeBeamtentum: Also wenn die AN-Seite, so wie du, mit gefühlten Wahrheiten um die Ecke kommt, dann wäre ich doch schon daran interessiert, dass wenigstens die AG-Seite bei den Fakten bleibt...

Zum Glück geht die Verhandlungsführung der AN-Seite dann doch auch etwas sinnvoller vor.

Zum Glück geht die Verhandlungsführung der AN-Seite nicht nur nach einem engen Meinungskorridor vor.

IchLiebeBeamtentum

#66
Zitat von: IchLiebeBeamtentum in 18.11.2025 15:05
Zitat von: cyrix42 in 18.11.2025 14:31
@IchLiebeBeamtentum: Also wenn die AN-Seite, so wie du, mit gefühlten Wahrheiten um die Ecke kommt, dann wäre ich doch schon daran interessiert, dass wenigstens die AG-Seite bei den Fakten bleibt...

Zum Glück geht die Verhandlungsführung der AN-Seite dann doch auch etwas sinnvoller vor.

Aber in punkto Aggression könnte sich die AN-Seite ruhig mal an dir orientieren.

Faunus

Zitat von: DiVO in 18.11.2025 14:29
"Fordern Sie niemals eine Gehaltserhöhung mit der Begründung, dass Ihre persönlichen Lebenshaltungskosten gestiegen sind und Sie deshalb mehr Geld benötigen.

Das ist im ÖD nicht  angekommen und die, die tatsächlich was leisten, gehen oder richten sich ihre Spielwiese ein  ;).

Zitat von: DiVO in 18.11.2025 14:29
Man stelle sich diese Situation mal in einem Industriebetrieb vor: Umsatz stagniert gegenüber dem Vorjahr oder ist rückläufig. Mitarbeiter fordern Gehaltssteigerung über der Inflation, um Reallohnsteigerungen zu erhalten. Arbeitgeber baut 10 % der Belegschaft ab, verkauft einen unrentablen Geschäftszweig, um zusätzliche Liquidität zu erhalten und/oder investiert massiv in Optimierung der Arbeitsabläufe und entlässt dann Mitarbeiter.

Ähm... Bayern's Söder will bis 2040 (also innerhalb von 13 Jahren) 10.000 Stellen streichen. Das geht auch im ÖD.

Warnstreik

Zitat von: DiVO in 18.11.2025 14:29
In jedem Ratgeber über Gehaltsverhandlungen steht sinngemäß:

"Fordern Sie niemals eine Gehaltserhöhung mit der Begründung, dass Ihre persönlichen Lebenshaltungskosten gestiegen sind und Sie deshalb mehr Geld benötigen. Sie haben zu Beginn des Beschäftigungsverhältnisses ein Vertragsangebot mit einem entsprechenden Gehalt unterschrieben. Warum soll sich Ihnen Ihr Arbeitgeber nun mehr zahlen, wenn Sie mit dem vertraglich vereinbarten Gehalt nicht mehr zurechtkommen?
Argumentieren Sie lieber mit dem Mehrwert, den Sie für Ihren Arbeitgeber inzwischen generieren. Haben Sie einen lukrativen Kunden an Land gezogen? Oder haben Sie schwierige Projekte schneller als geplant umgesetzt? Das sind Punkte, die Sie in einer Gehaltsverhandlung aufführen sollten."

Und hier jaulen die Leute auf niedrigstem Niveau herum und argumentieren mit Reallohnverlust. Das würde mich als Arbeitgeber ehrlich gesagt null interessieren. Das machen die Leute nur, weil im öD weder Innovationsdruck, Wettbewerb noch Verkaufsdruck herrscht. Geld kommt ja so oder so rein. Also kann man es ja auch einfach verteilen.

Ja Mensch - nun sind wir aber genau deshalb bei TARIFverhandlungen und nicht bei Gehaltsverhandlungen. Da haben sich irgendwann mal die kleinen, auswechselbaren (was prozentual mehr sind als man meinen würde) zusammengeschlossen um der Macht des Kapitals etwas entgegenzustellen. Daraus hat sich in den Jahrzehnten ein ganz gutes Gleichgewicht entwickelt wie ich finde.

In Forderungen fließen natürlich verschiedenste Gründe ein - die Inflation gehört durchaus dazu. Genauso gibt es in Zeiten, die für eine Firma schwierig sind auch Zugeständnisse von der anderen Seite.

Vollender

Gibt's Details dazu wie die Forderungen zustande gekommen sind? Ich kann mir schwer vorstellen dass durchgeführte Umfragen solch ein Ergebnis gebracht haben. Was waren Ergebnisse der Umfragen? Sind diese für Mitglieder ersichtlich?

Meierheim

Naja, es gab eine Umfrage bei VERDI. Habe versucht daran teilzunehmen aber im letzten Schritt hieß es dann, dass nur die Meinung von Gewerkschaftsmitgliedern berücksichtigt wird. Bei dem Organisationsgrad denke ich lag der Fokus auf einem hohen Sockelbetrag.

DiVO

Zitat von: Faunus in 18.11.2025 15:38
Zitat von: DiVO in 18.11.2025 14:29
"Fordern Sie niemals eine Gehaltserhöhung mit der Begründung, dass Ihre persönlichen Lebenshaltungskosten gestiegen sind und Sie deshalb mehr Geld benötigen.

Das ist im ÖD nicht  angekommen und die, die tatsächlich was leisten, gehen oder richten sich ihre Spielwiese ein  ;).

Zitat von: DiVO in 18.11.2025 14:29
Man stelle sich diese Situation mal in einem Industriebetrieb vor: Umsatz stagniert gegenüber dem Vorjahr oder ist rückläufig. Mitarbeiter fordern Gehaltssteigerung über der Inflation, um Reallohnsteigerungen zu erhalten. Arbeitgeber baut 10 % der Belegschaft ab, verkauft einen unrentablen Geschäftszweig, um zusätzliche Liquidität zu erhalten und/oder investiert massiv in Optimierung der Arbeitsabläufe und entlässt dann Mitarbeiter.

Ähm... Bayern's Söder will bis 2040 (also innerhalb von 13 Jahren) 10.000 Stellen streichen. Das geht auch im ÖD.

Innerhalb von 13 Jahren 10.000 Stellenabbau ist doch ein Witz - allein schon der Zeitraum. Da werden einfach Stellen nicht mehr nachbesetzt.
In der Firma meiner Frau,  amerikanischen Konzern, werden global innerhalb eines Jahres 11 % aller Stellen abgebaut. Das nenne ich Zeitplan.

IchLiebeBeamtentum

Warum so aggressiv?
Unfassbar, wie unentspannt hier einige Teilnehmer sind.

Vollender

Zitat von: IchLiebeBeamtentum in 18.11.2025 17:37
Warum so aggressiv?
Unfassbar, wie unentspannt hier einige Teilnehmer sind.

Dazu den Fragen völlig ausgewichen. Was waren Ergebnisse der Umfragen? Sind diese für Mitglieder ersichtlich? Ergänzung: Warum so ein Geheimnis?

Lämpel

Zitat von: Maggus in 18.11.2025 17:09
Als Nichtmitglied hat es Dir egal zu sein, wie die Forderung der Mitglieder zustande kommt.

Verdi schreibt allerdings selbst: "Mit einer Forderung von sieben Prozent mehr Geld im Monat – mindestens aber 300 Euro zusätzlich, um die unteren Lohngruppen zu stärken, starten wir in die Verhandlungen für die rund 2,5 Millionen Beschäftigten der Länder." (Hervorhebung von mir.)

Nicht-Mitglieder werden also nicht gehört, aber selbstverständlich trotzdem zum Verdi-Vorteil vereinnahmt? "Nerv mich nicht, während ich für dich spreche"?