Tarifrunde TV-L 2025 - Diskussion I

Begonnen von Admin, 15.11.2025 17:26

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MoinMoin

Zitat von: Zinc in 09.12.2025 10:43
Zitat von: MoinMoin in 09.12.2025 07:13
Zitat von: Zinc in 08.12.2025 18:59
Zitat von: Warnstreik in 08.12.2025 18:20
Zitat von: troubleshooting in 08.12.2025 11:14Vergesst es, Eure Wünsche interessieren keinen, weder auf der einen noch auf der anderen Seite.

Und wieso sind die im Vergleich recht guten Ergebnisse der letzten Jahre zustandegekommen? Bei allem Gemoser können sich die Ergebnisse verglichen mit anderen Abschlüssen (von z.T. sehr durchsetzungsstarken Gewerkschaften) nämlich durchaus sehen lassen.

Nö. Die Tarifentwicklung seit 2005 zeigt ja, dass wir mit unseren Ergebnissen im Vergleich zu den meisten anderen Verträgen immer reingeschissen haben, besonders im oberen Dienst bzw. in den gehobenen Entgeltgruppen. Gibt es bei öffentlicherdienst.info auch eine grafische Übersicht zu. Metaller müsste man sein, wenn man deren Entwicklungskurve betrachtet  ;D
Das BVerfG hat ja neulich in seinem Urteil schön die Entwicklungen errechnen lassen (leider nur von 1996 bis zum Jahr 2020)
Wenn ich dort also mir die Zahlen anschaue, dann ist die Steigerung des öD Tariflohns von 2005 bis 2020 zwischen 42% und 62% in der Endstufe je nach EG (liegt wohl an der Einführung der Stufe 6)
Der Verbrauchpreis Index stieg um 23% und der Nominallohnindex in Berlin um 36%
Finde ich sehr überraschend.
Also im Bezug zu den Metaller sind wir loser und zum Rest winner.

Winner? Du musst schon unterscheiden zwischen den einzelnen Tarifverträgen, auch im öffentlichen Dienst. Hier ging es ja nicht um einen Vergleich zur breiten Masse, sondern um Tarifverträge.
Leider habe ich keine Entwicklungsdaten von vergleichbaren Tarifen. Denn wenn man öD mit Metaller vergleicht ist das auch ein Vergleich unter vielen, der nichts über den Vergleich mit allen aussagt.

Also wenn du behauptest das der öD zum Vergleich der meisten anderen Verträgen reingeschissen haben, dann bitte schön, welche Vergleichsdaten hast du?

Johann

Eine geringere Arbeitszeit ist eine Erhöhung, die nicht wieder weginflationiert wird. Oder hat man bei IGM schon mal in den Verhandlungen gehört "Vor 10 Jahren habt ihr aber mal 2h weniger Arbeitszeit bekommen. Das sind 5% mehr Gehalt. Jetzt beschwert euch mal nicht, dass es jetzt halt mal 5% weniger als die Inflation gibt. Zusammengerechnet seid ihr immer noch bei einem Reallohn von 0."

Was man aber hört ist Dressel, wie er wieder auf die Entgeltentwicklung der letzten 12 Jahre guckt, alles zusammenzählt und sagt "In Summe steht ihr ja echt gut da. Dann kann es dieses Jahr ruhig mal weniger geben."
Exakt so machen sie es übrigens alle 2 Jahre bei jeder Tarifverhandlung. Da wird immer auf die vergangenen Tarifabschlüsse geguckt, zusammengezählt, dass man ja so und so viel Prozent mehr als die Inflation in Summe hat und deshalb kann man jetzt das was über der Inflation ist, jetzt unter der Inflation steigern.

Hätten wir aber bspw. eine Vereinheitlichung der Arbeitszeit auf bundesweit nur 39h bekommen, würde niemand auf die Idee kommen, das bei der nächsten Tarifverhandlung wieder gegen zu rechnen.
Die Stundenlohnsteigerung ist also wesentlich nachhaltiger, wenn man sich für weniger Arbeitszeit stark macht, als wenn man die selbe Leier fährt wie jedes Mal, dass lediglich die Entgelte linear um ca. die Inflation herum steigen und wenns mehr war, wird das nächstes Mal wieder abgezogen und man kommt Realstundenlohntechnisch überhaupt nicht von der Stelle auf einen Zeithorizont von 10 Jahren.

ignaz

Zitat von: Tante Hilde in 09.12.2025 11:11
Zitat von: Rowhin in 09.12.2025 11:09
Zitat von: Tante Hilde in 09.12.2025 11:05
Zitat von: Warnstreik in 09.12.2025 10:53
Nur damit es vollständig ist, es wird auch gefordert:
- Erhöhung der Schicht- und Wechseldienstzulagen
- Stufengleicher Aufstieg bei Höhergruppierung
- Erhöhung der Zeitzuschläge
- Diverse Verbesserungen für Azubis und Nachwuchskräfte (z.B. Einführung TV-Stud)


https://oeffentlicher-dienst.info/tv-l/tr/2025/pressemeldung.1.verdi.html
Wo steht die stufengleiche Höhergruppierung? Dazu habe ich nichts gelesen, evtl. wurde das verdi-intern behandelt? Hm... Angleichung der Bedingungen in Ost und West möchte Wernecke, ob damit die unterschiedlichen Wochenstunden gemeint sind?

Findet sich auch nicht bei ver.di, lediglich in den "Erwartungen" (also 1 Stufe unter "Forderungen"?) bei der dbb:

Zitat
Erhöhung der Attraktivität der Arbeitsbedingungen im Länderbereich, insbesondere durch stufengleiche Höhergruppierung und Erhöhung der Wechselschicht- und Schichtzulagen nach dem Vorbild des TVöD

Dort finden sich auch Punkte wieder wie der 1 Tag zusätzliche Urlaub für Gewerkschaftsmitglieder.

Ich hab es gefunden! Siehe: https://www.verdi.de/++file++693071e2f03889624b83f92f/download/TdL25_26_Tabelle_Synopse.pdf

Hier steht was mir vorher unbekanntes:
"Einstieg in Verhandlungen zur Reform der Entgeltordnung Länder" (Forderung) -  Mal Sehen (Antwort)

Was ist unter dieser Forderung nach einer Reform zu verstehen?

Rowhin

Zitat von: ignaz in 09.12.2025 13:11

Hier steht was mir vorher unbekanntes:
"Einstieg in Verhandlungen zur Reform der Entgeltordnung Länder" (Forderung) -  Mal Sehen (Antwort)

Was ist unter dieser Forderung nach einer Reform zu verstehen?

Ich nehme an, eine Neugestaltung der EGO, also eine neue Bewertung der einzelnen Tätigkeiten für die jeweiligen Entgeltgruppen. Einzelne Tätigkeiten könnten neuen EGs zugeordnet werden, und dann zur Herab- oder Höhergruppierung bestehender Verträge führen?

Denkbar wäre auch, bisher nicht durch die EGO erfasste Tätigkeiten in den Katalog aufzunehmen. Oder, oder, oder. Ohne dass hier etwas genauer definiert wird, was reformiert werden soll, kann das alles Mögliche sein.

Johann

Verdi würde sich wahrscheinlich wünschen, dass alle EG < 9a mit neuer EGO automatisch in EG 9a landen und alle EGs > E9b automatisch nach E9b herabgruppiert werden. Damit es immer noch einen Anreiz gibt, doch ein Studium zu machen, aber ansonsten verdienen Sesselpupser sowieso schon viel zu viel im Vergleich.

In dem Forderungsflyer verstehe ich folgenden Punkt, aber gleichzeitig verstehe ich ihn nicht:
"Stufe 2 der jeweiligen Entgeltgruppe für Nachwuchskräfte nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung/des Studiums"
Man könnte auch generell die Anzahl der Stufen reduzieren. Würde diese Forderung umgesetzt werden, würde Stufe 1 ab E5 aufwärts obsolet, wenn ich es korrekt verstehe. Dann kann man lieber die Stufe 6 streichen und alle Entgelte einmal der jeweils nächsten niedrigeren Stufe zuordnen. Stufe 1 hat dann das Entgelt der vorherigen Stufe 2 usw.

cyrix42

Naja, gemeint sein könnte durchaus einfach nur, dass Leute nach Abschluss einer Ausbildung/ dualem Studium im öD dann halt direkt in Stufe 2 landen und nicht mit neuem Vertrag erst einmal in Stufe 1. Das dürfte aber deutlich billiger sein als generell alle eine Stufe "hochzuhieven"...

btw: Die "Erwartungen" dürften deshalb keine "Forderungen" sein, weil sie ungekündigte Teile des TV-L betreffen.

Warnstreik

Zitat von: cyrix42 in 09.12.2025 15:29
Naja, gemeint sein könnte durchaus einfach nur, dass Leute nach Abschluss einer Ausbildung/ dualem Studium im öD dann halt direkt in Stufe 2 landen und nicht mit neuem Vertrag erst einmal in Stufe 1. Das dürfte aber deutlich billiger sein als generell alle eine Stufe "hochzuhieven"...

btw: Die "Erwartungen" dürften deshalb keine "Forderungen" sein, weil sie ungekündigte Teile des TV-L betreffen.

Was ja auch absolut sinnvoll ist - zum einen motiviert man die eigen ausgebildeten zu bleiben und zum anderen sind sie im Vergleich ja schon gut eingearbeitet.

ignaz

Eine Reform finde ich gut!

Vorschlag:
Alle Erfahrungsstufen rutschen 1 nach links - Stufe 2 wird zur 1 , 4 - > 3, 6 -> 5   und die neue 6 hat X% mehr als die 5. Erfahrungsstufe X = EG Zahl

EG6 Stufe 5 + 6% = Stufe 6
EG12 Stufe 5 + 12% = Stufe 6

Lohnt dann sich vielleicht eher langfristig motiviert zu arbeiten. Die aktuellen Stufe 6 Mitarbeiter muss man dann über ein paar Jahre überführen (Mit Sockel oder Ähnlichem).

Oder noch wilder

3 Statt 6 Stufen - 123 = 1 , 45 = 2, 6 (mit deutlichem Anreiz!!) Stufe 3


Muschebubu

Aus letzterem wird ein Schuh, keinesfalls sollte man Beschäftigten 15 Jahre die volle Bezahlung vorenthalten. Was sollte daran motivieren?

Zimm

Zitat von: Tante Hilde in 09.12.2025 11:11
https://www.verdi.de/++file++693071e2f03889624b83f92f/download/TdL25_26_Tabelle_Synopse.pdf
"Mindestens 300 Euro" -> "Da haben sie Schwierigkeiten mit (hätte Stauchung der Tabelle zur Folge, Schwierigkeiten bei Übertragung auf Beamt*innen...)."

Warum formuliert verdi das im Konjunktiv II, obwohl die Stauchung eine tatsächliche logische Folge ist?

DerSchmitti

Zitat von: Zimm in 10.12.2025 00:30
Zitat von: Tante Hilde in 09.12.2025 11:11
https://www.verdi.de/++file++693071e2f03889624b83f92f/download/TdL25_26_Tabelle_Synopse.pdf
"Mindestens 300 Euro" -> "Da haben sie Schwierigkeiten mit (hätte Stauchung der Tabelle zur Folge, Schwierigkeiten bei Übertragung auf Beamt*innen...)."

Warum formuliert verdi das im Konjunktiv II, obwohl die Stauchung eine tatsächliche logische Folge ist?
Mit Konjunktiv II werden im Deutschen vor allem Möglichkeiten, Annahmen, potenzielle Folgen und nicht realisierte Zustände beschrieben, also Aussagen mit eingeschränktem oder bedingtem Geltungsanspruch. In Tariftexten und Stellungnahmen von Gewerkschaften dient diese Form häufig dazu, aus einem diskutierten Rechenmodell (,,mindestens 300 Euro") gedanklich die Folgen zu entfalten, ohne zu behaupten, dass dieses Modell bereits gilt oder beschlossen ist. Durch ,,hätte ... zur Folge" wird signalisiert: Wenn dieses Modell angewendet würde, wären die genannten Effekte die (zu erwartende) Folge – es bleibt aber beim konditionalen, prüfenden Charakter.

NelsonMuntz

Zitat von: Zimm in 10.12.2025 00:30
Zitat von: Tante Hilde in 09.12.2025 11:11
https://www.verdi.de/++file++693071e2f03889624b83f92f/download/TdL25_26_Tabelle_Synopse.pdf
"Mindestens 300 Euro" -> "Da haben sie Schwierigkeiten mit (hätte Stauchung der Tabelle zur Folge, Schwierigkeiten bei Übertragung auf Beamt*innen...)."

Warum formuliert verdi das im Konjunktiv II, obwohl die Stauchung eine tatsächliche logische Folge ist?

verdi zitiert hier Aussagen der Arbeitgeber, trifft die Aussagen also nicht selbst. Unabhängig von mathematischen Realitäten könnte verdi selbst auch ganz andere Thesen faktisch ausformulieren, so z.B. "Ein Mindestbetrag wird den sozialen Frieden sichern und damit bis zur Spitze der Tabelle große Glücksgefühle in der Arbeitnehmerschaft erzeugen!"

... dann könnten die AG diese Aussage auch im Konjunktiv auf ihren Flugblättern rezitieren.

koalitionsabsicht

,,Weniger Prozente..."

und wie viele denn genau? Ich bin mir sicher, die AG-Seite hat nicht pauschal mit "joa, also 7% sind jetzt doch zu viel, wir könnten uns weniger vorstellen" geantwortet, sondern hat da schon eine Zahl gesagt, auch in Verbindung mit der fraglichen Laufzeit.
Ich mag das Framing der Gewerkschaften oft nicht.

Garfield

Zitat von: koalitionsabsicht in 10.12.2025 08:35
,,Weniger Prozente..."

und wie viele denn genau? Ich bin mir sicher, die AG-Seite hat nicht pauschal mit "joa, also 7% sind jetzt doch zu viel, wir könnten uns weniger vorstellen" geantwortet, sondern hat da schon eine Zahl gesagt, auch in Verbindung mit der fraglichen Laufzeit.
Ich mag das Framing der Gewerkschaften oft nicht.

Es verbietet der AG Seite doch niemand ihre Sicht zu kommunizieren und mit konkreten Zahlen zu untermauern.

Rowhin

Der einstudierte Tanz funktioniert halt so, dass nach außen hin zunächst nur die Verhandlungsführer auf AN-Seite konkrete Zahlen kommunizieren, während die AG-Seite, völlig egal welche Zahlen das waren, erstmal erwidert "das ist viel zu viel, das können wir nicht leisten".

Aber selbst wenn die AG-Seite sich jetzt hinstellen würde und offen allen sagen "2.4% sind darstellbar*", dann hätten sie ja nichts gewonnen. Die Verhandlungsführer der Arbeitgeber sind ja nicht auf Unterstützung der potenziell Streikenden angewiesen, von daher müssen sie auch keine Werbung machen, indem sie die Forderungen prominent nach außen tragen. Ihnen geht es - so realistisch sollte man schon sein - auch nicht um Arbeitgeberattraktivität oder sonst was, sondern in allererster Linie darum, die Wirkung des Ergebnisses auf den Haushalt möglichst gering zu halten.


*(Völlig fiktive Zahl unter 7 gewählt.)