[Allg] Verbeamtung mit Mitte 40 – lohnt es sich?

Begonnen von Td38, 02.04.2026 15:57

Vorheriges Thema - Nächstes Thema

Td38

Hallo liebe Gemeinde,
ich habe ggf. die Möglichkeit, mich kurz vor Erreichen der Altersgrenze noch verbeamten zu lassen.
Ich möchte möglichst genau durchrechnen, ob es sich finanziell lohnt.

Ziel: Langfristige finanzielle Gegenüberstellung von Verbleib im TV-L und Verbeamtung

-    Frage 1: Wo finde ich kompetente Ansprechpartner, die sich möglichst in ALLEN Aspekten gut auskennen und die Angelegenheit verlässlich und für meinen Fall individuell DURCHKALKULIEREN können, auch die verschiedenen SZENARIEN, s.u.

-    Frage 2: Woran sollte ich UNBEDINGT noch denken?

Ich habe mich bisher an verschiedene Stellen gewendet, die entweder nur Halbwissen oder Teilwissen für ihre spezifische Nische (Statusrecht ODER Versorgung ODER gesetzliche Rente, TV-L ODER Besoldung) haben, aber die Aspekte nicht für meinen Fall zusammenbringen können (Gewerkschaft, dbb,...).  ::)
Am LfF kann man mir (ein bisschen) weiterhelfen, aber erst wenn die Zusage da ist und alle Details vorliegen. Natürlich ohne verschiedene Szenarien durchzurechnen.

Folgende Aspekte sollten u.a. berücksichtigt werden:

-    Unterschiedliche Einstufungsszenarien bei Ernennung
-    durchschnittliche versus unterdurchschnittliche Beförderungszeiten / worst-case-Szenario
-    Anerkennung der bisherigen Beschäftigungszeiten als ruhegehaltsfähige Zeiten: gar nicht oder teilweise
-    Unterschiedliche steuerliche Behandlung (z.B. bei Versorgung, Freibeträgen,...)
-    PKV-Beiträge durchschnittlich oder mit Risikozuschlag
-    Günstiges Dienstwagenmodell mit privater Nutzung nur im TV-L möglich (Auto aber weiterhin nötig)
-    Ernennung zunächst in A10 oder A11 bei Übernahme einer A12-Stelle


HINTERGRUND:
-    Ledig, keine Kinder, Vollzeit (es soll auch nur dieses Szenario berechnet werden)
-    Alter 44 (Altersgrenze Verbeamtung hier 45)
-    Bisher 17 Jahre Vollzeit tarifbeschäftigt im TV-L, jetzt E11 Stufe 6 (gRV + Betriebsrente, freiwillig gKV)
-    Ich gehe davon aus, dass ich die amtsärztliche Untersuchung bestehe und ohne Öffnungsaktion in die PKV komme

Ich habe mich zwar inzwischen in die verschiedenen Themen eingelesen. Es gibt aber sicher einige Aspekte, die mir nicht einmal bewusst sind und ich suche noch jemanden mit Profiwissen.
Außerdem ist die Angelegenheit für mich doch sehr komplex und ich möchte mir rechtzeitig einen Überblicke verschaffen, bevor ich dann unter Zeitdruck die Entscheidung treffen muss.

Falls ich mich gesund verbeamten lasse, eine steile Karriere mache und 100 Jahre alt werde (davon noch viele Jahre schwer krank  :-\ ) ist die Verbeamtung finanziell bestimmt besser. Aber wo liegen die Grenzen?
  :-\

Danke vorab schon mal für Eure Unterstützung!  :)

FGL

Zitat von: Td38 in 02.04.2026 15:57-   Frage 2: Woran sollte ich UNBEDINGT noch denken?
Als Beamter gilt für Dich das Laufbahnprinzip und die Ämter sind regelmäßig zu durchlaufen. Es gibt keine Tarifautomatik, sondern mehr Geld gibt es nur, wenn der Dienstherr einen auch förmlich befördert. Auf eine Beförderung hat man keinen Anspruch.

Möchtest Du den Dienstherrn wechseln, dann bedarf dies der Versetzung durch den abgebenden Dienstherrn. Es gibt außer in den seltenen Fällen einer Ermessensreduzierung auf Null keinen Anspruch auf eine Versetzung, nur auf ermessensfehlerfreie Entscheidung über den Versetzungsantrag.

Dein gesamtes Rechtsverhältnis zum Dienstherrn ist gesetzlich geregelt. Während Du als Tarifbeschäftigter mit Deinem Arbeitgeber als vereinbaren kannst, was nicht gegen ein gesetzliches Verbot verstößt, sind Nebenabreden für den Beamten mit dem Dienstherrn nur möglich, wenn sie gesetzlich zugelassen sind.

Insofern: Guck nicht nur auf das Geld.

AIBVIRUS

Selbst ist die Frau und ich glaube nicht, dass der Querschnitt der Themen übergreifend durch den einen "Experten" beurteilt werden kann. Und wenn, würde das Beratungshonorar einen erklecklichen Teil der verbleibenden finanziellen Vorteile (egal wie es ausgeht) aufzehren. Im übrigen ist eine rein monetäre Gewichtung aus meiner Sicht nicht zielführend.

OptimistX

Vielleicht helfen ja meine Überlegungen aus dem letzten Jahr in einer ähnlichen Situation:

https://forum.oeffentlicher-dienst.info/index.php/topic,125832

Ich habe mich letzlich dafür entschieden, Berufserfahrung wurde mir auch vollständig anerkannt, PKV ist dank 90% Beihilfe in meinem Fall auch erträglich, brauchte die Öffnungsaktion nicht, habe aber ca 10% Risikozushchlag beim Beitrag bekommen.
Hinsichtlich der Pension solltest Du das Versorgungsgesetz Deines Landes (hast Du nicht genannt oder?) genau lesen, ich kann mir aber eigentlich nicht vorstellen, dass das im Vergleich zur Rente ein Nachteil darstellt.

Td38

Das ist sehr interessant. Im Gegensatz zu Dir @OptimistX hätte ich sicher erstmal für einige Jahre deutlich weniger Netto. Und je nach Einstufung und Beurteilungen / Entwicklung kann der Wendepunkt zu einem sehr unterschiedlichen Zeitpunkt stattfinden und entscheidet dann letztendlich auch über die Höhe der letzten Bezüge und damit über das Ruhegehalt.

Ansonsten zählen für mich natürlich nicht nur die monetären Kriterien. Für den Rest bräuchte ich aber vermutlich eher einen Therapeuten oder Coach. An dieser Stelle suche ich v.a. nach Unterstützung, was den finanziellen und arbeitsrechtlichen Part betrifft, um eine unter diesem Aspekt sorgfältig abgewogene Entscheidung treffen zu können.

(Insgesamt würde der Wechsel für mich einen großen Umbruch bedeuten, sowohl was das Arbeits- als auch das private soziale Umfeld betrifft, es wäre noch mal ein echter Neustart an einem ganz anderen Ort. Das hat für mich einerseits einen besonderen Reiz, es ist aber auch mit einigen Unsicherheiten verbunden. Für den Fall, dass ich den Wechsel in ein paar Jahren doch bedaure, möchte ich mir wenigsten halbwegs darüber im Klaren sein, was es finanziell bedeuten kann. Dies nur zur Klarstellung)


Buggula

Ich stand vor einer ähnlichen Entscheidung. Mir wurde jetzt, Ende 30, die Verbeamtung auf Probe angeboten. (E11, Stufe 5, TVöD-VKA nach A10, vermutlich Stufe 6, BW) netto 400-500 Euro weniger im Monat und zwei Stunden wöchentlich mehr arbeiten.

Nach über 10 Jahren glücklich im TVöD ist das jetzt der nächste Karriere-Schritt.

Wie sicher bist du dir, ohne Öffnungsaktion in die PKV wechseln zu können? Hast du schon alle ärztlichen Diagnosen und die Patientenquittung der GKV (zB durch einen spezialisieren Makler) den PKVs zur anonymen Risiko-Voranfrage vorgelegt?

Td38

Danke für den Hinweis, die Daten von der GKV sind angefordert und sollten nächste Woche kommen. Mit einem PKV-Anbieter hatte ich vorab mal ein kurzes Gespräch, er würde dann eine entsprechende anonyme Risikoabfrage bei ein paar Anbietern durchführen.

Welche Erfahrungen gibt es in ähnlichen Fällen mit
Probezeitverkürzung und insbesondere auch Einstufung?
Der rechtliche Rahmen hierzu wirkt etwas schwammig, es scheint in der Praxis doch ein großer Ermessensspielraum zu sein, zumindest die Gewerkschaft und der HPR sehen das so. Ist das korrekt oder gibt es doch verbindlichere Vorgaben / Fälle, auf die man sich berufen kann? (Bundesland = Bayern)

Da sich die Einstufung ja ganz wesentlich auf die weitere Entwicklung auswirkt, frage ich mich, wann ich diese Info erhalten kann. Bei verschiedenen Fragestellungen hier im Forum verstehe ich es so, dass die Info zur Einstufung, Anerkennung von Zeiten,... erst zur oder sogar Wochen nach der Ernennung weitergegeben wurde (@Buggula: Auch du schreibst ja "vermutlich Stufe 6", obwohl die Entscheidung wohl schon getroffen wurde / Ernennung schon erfolgt ist?).

Buggula

Bei könnte der Statuswechsel noch vor der Sommerpause klappen. Soweit ich informiert bin, wird die Erfahrungszeit in einem Bescheid festgesetzt. Da kann noch Zeit ins Land gehen. Wenn ich unzufrieden bin, steht mir der Rechtsweg offen.

Korrigiert mich bitte, wenn ich falsch liege

Hampelmann720

Ich würde mich vorher schlau machen wie lange man durchschnittlich wartet bis zu einer Beförderung. Wäre ja für dich auch ein großer Unterschied in Sachen Wartezeit auf dei A12 ob du in A10 oder A11 übernommen wirst.
Netto ist der Breakeven-Point (inkl. fehlendes "Weihnachtsgeld und 1 Std Mehrarbeit) meist bei A12 Stufe 6/7. Musst du dir also mal ausrechnen, ebenso der finanzielle Nachteil in Sachen Auto. Plus natürlich Pension / Rente (aaaaber.... als ob iregdnwer glaubt, dass das Pensionsniveau so bleibt) und zudem glaube ich bei den PKV Preisen landet man in 30 Jahren locker bei deutlich über 800€ (auch bei 30%) PKV Kosten.
Angesichts der Spirtpreise ist dagegen diese Ersparnis sicherlich auch nicht zu verachten  :o
Ich mache auch schon 1 Tag mehr Homeoffice. Keine Erhöhung in Sicht und wenn was kommen sollte .... dann deckt es nicht mal die Mehrkosten für den Spirt  :-X

Landesdiener

Zitat von: Td38 in 02.04.2026 15:57Frage 1: Wo finde ich kompetente Ansprechpartner, die sich möglichst in ALLEN Aspekten gut auskennen und die Angelegenheit verlässlich und für meinen Fall individuell DURCHKALKULIEREN können, auch die verschiedenen SZENARIEN, s.u.
Das Ding hat so viele Variablen, dass du da keine verlässliche Kalkulation aufstellen kannst. Ich würde versuchen, diese Variablen zu reduzieren oder zumindest in ihrer Ausprägung einzugrenzen: In welche Besoldungsgruppe und in welcher Stufe du einsteigst, sollte dir dein künftiger Dienstherr vorab mitteilen können, wenn er die entsprechenden Nachweise vorliegen hat und gewillt ist, sich diese Mühe vorab zu machen (weil er Interesse an dir hat). Das stellt ja dann schon mal einen grundlegenden Pfeiler dar. Ob deine Berufserfahrung auf die Probezeit angerechnet werden kann, sollte auch halbwegs verbindlich gesagt werden. Ob du dann wegen guter Leistung weiter verkürzen kannst oder ob im schlechtesten Fall die Probezeit verlängert wird oder du gar entlassen wirst, ist natürlich ein anderer Punkt. Auch die durchschnittlichen Beförderungszeiten helfen dir wenig.

Ein anderer Punkt wäre auch, wann du das Geld brauchst. Ist jetzt weniger und ab dem Punkt X dafür mehr leistbar/sinnvoll oder wäre jetzt mehr und dafür auf lange Sicht weniger besser. Z. B. weil aktuell ein teurer Kredit belastet.

GoodBye

Auch wenn wir im Länderforum sind, lies dir mal den Entwurf des BMI durch, oder das Ausschussgeplänkel aus Niedersachsen... und dann überlege dir genau, ob du wirklich Beamter werden willst. Dort kannst du sehen, was Dienstherr und Gesetzgeber von dir halten.

Td38

Einige Unbekannten sind inzwischen klarer, ich bitte Euch nochmal um Hilfe, verzweifle gerade an den Details.

Hier die gesammelten Kriterien:

Ich bin 44, bin nicht verheiratet und habe keine Kinder
ich arbeite im TV-L und habe das Angebot, mich verbeamten zu lassen (Posten A12/13).

Nach meinen Kalkulationen scheint sich das (finanziell) gar nicht zu lohnen.
Übersehe ich irgendwas Wesentliches?
Ich bin auch gern bereit, mir noch weitere Pluspunkte der Verbeamtung anzuhören, vllt habe ich auch da was übersehen (neben besserer Leistung in der PKV und vollen Bezügen bei längerer Krankheit)

Voraussetzungen für meine Berechnung:

- Übernahme in A11/6, Endamt spätestens in den letzten 2 Jahren A13/11 (hier: Bayern)
- Anerkennung der Zeiten, damit sind es am Ende die 40 Jahre
- Momentanes gesetzliches Netto 4350, danach noch Abzüge in Höhe von ca. 1250 für die freiwillige GKV
- GRV + VBL = Ansprüche bisher erreicht: ca. 1020+490
später (wenn weiter Vollzeit bis Regelaltersgrenze): ca. 2745+1065

- Versorgung: Meines Wissens werden GRV und VBL voll verrechnet, sodass ich in der Pension (spätestens nach Abzug der PKV-Beiträge (noch nicht bekannt, vermutlich hoch wegen Alter und evtl. Risiko, mal abwarten)) wohl schlechter dastehe.

- Verrechnung GRV/VBL: käme ich bei einem Wechsel irgendwie besser weg, falls ich später mal nur Teilzeit arbeite? (Gibt es dafür einen einfachen Rechner?)

Mir bereitet das gerade echt schon Schlafprobleme, weil ich gern wechseln würde, aber ich den Eindruck habe, dass es finanziell echt dumm wäre.  Mich überfordert die Komplexität darin einfach und die Entscheidung wird langsam dringend.Ich hoffe, jemand von Euch hat hier mehr Durchblick, vielen Dank schon mal!

Verfassungsmäßige

Bayern würde dich in A11 einstellen, gibt es dazu eine Norm? Normalerweise würdest du im Eingangsamt A9 eingestellt und dann stehst du gemäß deiner Annahme noch schlechter da. Da es kein Anspruch auf Beförderung gibt kann es auch sein, dass du Ewigkeiten brauchst bis A13, wenn du überhaupt bis da kommst.

Buggula

Hi!

Wenn A13 realistisch erreichbar ist, dann go! Ich mach gerade genau den selben Wechsel wie du. Ein paar Jahre wird es dauern, bis du ans alte Netto nach KV ran kommst. Aber dann geht es finanziell noch weiter, während du jetzt mit E11/5 langsam das Ende der Karriere erreicht hast.

Du hast spürbar bessere KV. Selbst mit Öffnungsaktion so viel besser als GKV. Außerdem unbegrenzte Fortzahlung der Bezüge im Krankheitsfall.

Du hast spürbar bessere Bezüge in der Rente. Wie sieht da die Rechnung aus?
Deine Anwartschaften in GRV und VBL werden doch erst verrechnet, wenn du die Ruhegehalthöchstgrenze von 71% überspringen würdest. Nimm das letzte Gehalt von A13*71% - Ist das eine Rente -stand jetzt- die dir schlaflose Nächte bereitet?

Übrigens steigt der Beihilfesatz von 50% auf 70% mit Eintritt in den Ruhestand. Also sinken die KV Beiträge sogar. (Während sie bei PKV-Arbeitnehmern steigen, weil der 50%-AG-Zuschuss wegfällt).

Falls ich was falsches geschrieben habe, bitte mich korrigieren. :)

B


clarion

Zur Rente gibt auch noch einen Zuschuss für die Krankenversicherung.

Ob es sich lohnt, hängt wesentlich davon ab, ob Du wirklich in A11 verbeamtet wirst und mit Mindeststehzeit hochbefördert wirst. Das Eingangsamt ist bei Ingenieuren A10 und bei Verwaltung A9. Sind die höherwertigen Stellen denn da?