Tarifrunde TV-L 2025 - Diskussion II

Begonnen von Rowhin, 16.01.2026 17:02

Vorheriges Thema - Nächstes Thema

Frogger


Ein Finanzsenator mit B11 verhandelt für die TBs und am Ende wird das Ergebnis stets auf die Beamten übertragen.

Sitzen am Tisch denn auch TBs, die wissen, wie viel mehr Netto für die, die nicht streiken dürfen, aber für uns verhandeln, dort hängen bleibt?

Mit ner B11 - 17k Brutto (und sehr viel Netto, weil B und nicht E) davon zu sprechen, das die Forderungen überzogen sind, lässt tief blicken..

Das wird dann wohl auch meine letzte Runde im TVL werden... ein Wechsel zum TVÖd kam für mich bis dato überhaupt nicht in Frage, da wir meistens nur etwss länger warten mussten. Mit der aktuellen 10% Differenz, der peinlichen JSZ für hohe EGs und der Mehrarbeit von mind. 6 Tagen im TVL (39h, 1 Tag Urlaub mehr ab 27) hat man ja fast keine Wahl mehr.

Dann soll es wohl so sein...

Neue Mitarbeiter kommen zwar rein und denken, geil...öffentlicher Dienst. Nach spätestens 2 Jahren wacht man dann auf und sieht die massiven Unterschiede in den Tarifen. Eine langfristige Bindung qualifizierten Personals höherer EGs ist scheinbar kein Ziel. Man kauft dann lieber externe für mind. 1000 Netto am Tag ein. Outsourcing...sind ja AndersKosten...

IchLiebeBeamtentum

Zitat von: blondie in Heute um 15:05... ,,Am nächsten Tag in den Behörden fragen die anderen nett, ob es denn Kaffee und Eintopf gab oder obs kalt war...."

Das war natürlich klar, dass selbst draußen auf der Straße ,,die anderen" ihre Sklaven brauchen und scheinbar haben. Und dann aber hinten herum die lauteste Stimme, wenn es doch Sockelbeträge gibt und sie nicht gut dabei abschneiden.

Steve 69

Der Organisationsgrad war in den unteren EG schon immer höher.  Es ist aber nicht so,  als wären die oberen EG schon immer so spärlich vertreten gewesen.  Man hat sie förmlich aus der Gewerkschaft getrieben,  da in den Verhandlungen der letzten Jahre nur noch die unteren EG in den Blick genommen.  Sozialkomponente schön und gut. "Oben" wurde aber völlig vernachlässigt. Somit wurde nicht nur der Abstand zum TVÖD immer größer,  es wurde die Tabelle zudem immer mehr gestaucht. 

ACDSee

#588
Zitat von: Frogger in Heute um 15:07Ein Finanzsenator mit B11 verhandelt für die TBs und am Ende wird das Ergebnis stets auf die Beamten übertragen.

Das wird von Bundesland zu Bundesland verschieden umgesetzt. Oft auch nochmal zeitlich versetzt. Insbesondere bei tariflichen Regelungen, die sich nicht 1:1 in prozentuale Steigerungen umrechnen lassen,  finden sich teils kreative Wege der "systemgerechten Übertragung".

Die Übertragung der zumeist schlechten Tarifabschlüsse hat die Problematik der amtsangemessenen Alimentation zudem verschlimmert. Man läuft der Preisentwicklung hinterher. Insbesondere die Übertragung von Sockelbeiträgen läuft zudem gegen das Abstandsgebot.

Die ritualisierte Übertragung der Ergebnisse ist für die Beamten regelmäßig kein besonders positiv besetztes Erlebnis und wird auch seit Jahrzehnten von diesen beklagt.

Zitat von: Frogger in Heute um 15:07Sitzen am Tisch denn auch TBs, die wissen, wie viel mehr Netto für die, die nicht streiken dürfen, aber für uns verhandeln, dort hängen bleibt?

Nein. Netto ist im Einzelfall von vielen Komponenten abhängig und über die Übertragung auf die Landesbeamten machen sich die Landesfinanzministerien erst nach dem Tarifabschluss Gedanken. Das geht dann als Gesetzentwurf in den jeweiligen Landtag ein. Erwartete Aufwüchse der Kosten - in Bezug auf prozentuale Änderungen der Bruttobesoldung - kann man hingegen umgehend abschätzen.

Zitat von: Frogger in Heute um 15:07Mit ner B11 - 17k Brutto (und sehr viel Netto, weil B und nicht E) davon zu sprechen, das die Forderungen überzogen sind, lässt tief blicken..


Die Aussagen beziehen sich nicht auf den Einzelnen, sondern auf die Gesamtausgaben im Landeshauhalt. Wenn ein Senator statt bisher 65% jetzt 70% Personalausgaben am Haushalt hat, kann er natürlich so argumentieren. Er ist kein Arbeitnehmervertreter.

Zitat von: Frogger in Heute um 15:07Das wird dann wohl auch meine letzte Runde im TVL werden... ein Wechsel zum TVÖd kam für mich bis dato überhaupt nicht in Frage, da wir meistens nur etwss länger warten mussten. Mit der aktuellen 10% Differenz, der peinlichen JSZ für hohe EGs und der Mehrarbeit von mind. 6 Tagen im TVL (39h, 1 Tag Urlaub mehr ab 27) hat man ja fast keine Wahl mehr.

Dann soll es wohl so sein...

Neue Mitarbeiter kommen zwar rein und denken, geil...öffentlicher Dienst. Nach spätestens 2 Jahren wacht man dann auf und sieht die massiven Unterschiede in den Tarifen. Eine langfristige Bindung qualifizierten Personals höherer EGs ist scheinbar kein Ziel. Man kauft dann lieber externe für mind. 1000 Netto am Tag ein. Outsourcing...sind ja AndersKosten...


Herzlich willkommen zurück in der Realität.

Ingenieur007

Zitat von: Steve 69 in Heute um 15:20Der Organisationsgrad war in den unteren EG schon immer höher.  Es ist aber nicht so,  als wären die oberen EG schon immer so spärlich vertreten gewesen.  Man hat sie förmlich aus der Gewerkschaft getrieben,  da in den Verhandlungen der letzten Jahre nur noch die unteren EG in den Blick genommen.  Sozialkomponente schön und gut. "Oben" wurde aber völlig vernachlässigt. Somit wurde nicht nur der Abstand zum TVÖD immer größer,  es wurde die Tabelle zudem immer mehr gestaucht. 

Gewerkschaften veröffentlichen nach meiner Kenntnis keine detaillierten Mitgliederstatistiken nach Entgeltgruppen. Daher bleibt vieles Spekulation. GEW und dbb bringen etliche Beschäftigte/Beamte auch aus akademischen und gehobenen Laufbahnen ein. Daher vermute ich insgesamt einen höheren Anteil höherer EG als gerne suggeriert wird. Gegenbeweis? Gerne. Mit Quelle bitte. Im übrigen waren vor 20 Jahren die Interessen höherer EG schon nicht sonderlich von Interesse. Bei vermutlich höherem Grad der Organisation

Frogger

Zitat von: ACDSee in Heute um 15:27Nein. Netto ist im Einzelfall von vielen Komponenten abhängig und über die Übertragung auf die Landesbeamten machen sich die Landesfinanzministerien erst nach dem Tarifabschluss Gedanken. Das geht dann als Gesetzentwurf in den jeweiligen Landtag ein. Erwartete Aufwüchse der Kosten - in Bezug auf prozentuale Änderungen der Bruttobesoldung - kann man hingegen umgehend abschätzen.

Der einzige Punkt hier, verhandeln auch TBs für die TBs mit der Antwort "Nein", ist ausreichend.

Mag rechtlich so sauber sein... hat für mich ein Geschmäckle sondergleichen

Wer am Tisch sitzt, aber nur teilweise oder gar nicht nachvollziehen kann, wie die Realität für die Menschen aussieht, für die man verhandelt...wie soll da richtiger intrinsischer Verhandlungsdruck aufkommen?

Verfassungsmäßige

Zitat von: Frogger in Heute um 15:07Ein Finanzsenator mit B11 verhandelt für die TBs und am Ende wird das Ergebnis stets auf die Beamten übertragen.

Sitzen am Tisch denn auch TBs, die wissen, wie viel mehr Netto für die, die nicht streiken dürfen, aber für uns verhandeln, dort hängen bleibt?

Mit ner B11 - 17k Brutto (und sehr viel Netto, weil B und nicht E) davon zu sprechen, das die Forderungen überzogen sind, lässt tief blicken..

Das wird dann wohl auch meine letzte Runde im TVL werden... ein Wechsel zum TVÖd kam für mich bis dato überhaupt nicht in Frage, da wir meistens nur etwss länger warten mussten. Mit der aktuellen 10% Differenz, der peinlichen JSZ für hohe EGs und der Mehrarbeit von mind. 6 Tagen im TVL (39h, 1 Tag Urlaub mehr ab 27) hat man ja fast keine Wahl mehr.

Dann soll es wohl so sein...

Neue Mitarbeiter kommen zwar rein und denken, geil...öffentlicher Dienst. Nach spätestens 2 Jahren wacht man dann auf und sieht die massiven Unterschiede in den Tarifen. Eine langfristige Bindung qualifizierten Personals höherer EGs ist scheinbar kein Ziel. Man kauft dann lieber externe für mind. 1000 Netto am Tag ein. Outsourcing...sind ja AndersKosten...


Der kriegt 123 Prozent von B11 und kratzt an der 20 k Grenze

Frogger

Zitat von: Verfassungsmäßige in Heute um 16:17Der kriegt 123 Prozent von B11 und kratzt an der 20 k Grenze

123% meines aktuellen Gehaltes wären für mich angemessen (meine Empfindung) und ich wäre sofort in der Gewerkschaft. Wie stelle ich das an? 16.5 für befristete Zeit mit Abwanderungsangeboten einholen mal außen vor.


Johann

Zitat von: ACDSee in Heute um 15:27Die Übertragung der zumeist schlechten Tarifabschlüsse hat die Problematik der amtsangemessenen Alimentation zudem verschlimmert. Man läuft der Preisentwicklung hinterher. Insbesondere die Übertragung von Sockelbeiträgen läuft zudem gegen das Abstandsgebot.
Ist auch mit ein Grund dafür, dass einige Bundesländer die Sockelbeträge mittlerweile in Prozente umrechnen, die auf die gesamte Tabelle angewendet werden. Weil die Stauchung sonst die Verfassungsmäßigkeit noch mehr also sowieso schon gefährdet. Dabei sind die Abstände im Vergleich zu TBs ab dem zweistelligen Bereich noch ausgesprochen lohnenswert.

Im Moment wird bei uns Abteilungsintern eine kleine Führungsstelle ausgelobt mit E13/A13g. In meiner Abteilung sind die meisten E11 und die 3 Beamten sitzen auf A11 Stellen. Kein TB hat irgendeine Motivation, sich darauf zu bewerben, vor allem keiner, der nicht die Stufe 5 bereits erreicht hat, weil er direkt wieder in der Stufe zurückfallen würde.
Gemeldet haben sich bisher nur 2 der Beamten, weil sich der Mehraufwand da noch einigermaßen rechnet. Insbesondere wenn man die deutlich höhere Pension mit einbezieht.

Zitat von: Frogger in Heute um 16:37123% meines aktuellen Gehaltes wären für mich angemessen (meine Empfindung) und ich wäre sofort in der Gewerkschaft. Wie stelle ich das an?
Vermutlich indem du anfängst zu Golfen.

Tagelöhner

Immerhin wird die Stelle sowohl für TBs als auch Beamte ausgeschrieben. Es gibt nicht wenige Behörden, in denen derartige Stellen sogenannte "Funktionsstellen" sind, auf denen man grundsätzlich gar keine TBs einstellt.
Nur mit ausgeprägtem Sinn für Humor weiterlesen: Ich habe nichts gegen Beamte, wirklich! Die tun ja nix! :-)

JUSTIFY

Zitat von: Tagelöhner in Heute um 17:37Immerhin wird die Stelle sowohl für TBs als auch Beamte ausgeschrieben. Es gibt nicht wenige Behörden, in denen derartige Stellen sogenannte "Funktionsstellen" sind, auf denen man grundsätzlich gar keine TBs einstellt.
[/quot

Also ausgeschrieben werden sie bei uns für alle. Häufig mit dem Hinweis, dass es für TB keine Höhergruppierung gibt. 🤣 Das System ist so krank..... Ich bewerbe mich doch nicht auf eine Stelle, in der ich nichts bekomme. Da bleiben halt einige in ihrem Mikrokosmos und andere wechseln zu besseren Arbeitgebern.


Tagelöhner

Zitat von: JUSTIFY in Heute um 18:03Also ausgeschrieben werden sie bei uns für alle. Häufig mit dem Hinweis, dass es für TB keine Höhergruppierung gibt. 🤣 Das System ist so krank..... Ich bewerbe mich doch nicht auf eine Stelle, in der ich nichts bekomme. Da bleiben halt einige in ihrem Mikrokosmos und andere wechseln zu besseren Arbeitgebern.

Würde mich auch nicht wundern. Man kommt damit formal der "Vorgabe" nach die Stelle nicht nach Status sondern selbstverständlich rein "objektiv" nach dem grundrechtlichen Prinzip der Eignung, Befähigung und fachlichen Leistung zu besetzen. Am Ende macht man es halt für TBs einfach so unattraktiv, dass sich keiner bewirbt und hat so am Ende auch noch Geld gespart, da TBs mit höheren Entgeltgruppen dank Sozialabgaben und Lohnnebenkosten im laufenden Haushalt oft teurer sind, außerdem schafft man Entwicklungsspielräume und Perspektiven im Beamtenbereich, die Sippe fördert sich also selber.
Nur mit ausgeprägtem Sinn für Humor weiterlesen: Ich habe nichts gegen Beamte, wirklich! Die tun ja nix! :-)

JUSTIFY

Zitat von: Tagelöhner in Heute um 18:16Würde mich auch nicht wundern. Man kommt damit formal der "Vorgabe" nach die Stelle nicht nach Status sondern selbstverständlich rein "objektiv" nach dem grundrechtlichen Prinzip der Eignung, Befähigung und fachlichen Leistung zu besetzen. Am Ende macht man es halt für TBs einfach so unattraktiv, dass sich keiner bewirbt und hat so am Ende auch noch Geld gespart, da TBs mit höheren Entgeltgruppen dank Sozialabgaben und Lohnnebenkosten im laufenden Haushalt oft teurer sind, außerdem schafft man Entwicklungsspielräume und Perspektiven im Beamtenbereich, die Sippe fördert sich also selber.

Exakt. Genauso sehe ich das auch.