Tarifrunde TV-L 2025 - Diskussion II

Begonnen von Rowhin, 16.01.2026 17:02

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oeffiHansel

Exemplarische prozentuale Steigerung des Jahresbrutto von 2010 bis 2025

E2/4:  +40%
E8/4:  +33%
E9(b): +30%
E14/4: +29%

Inflation +39%

Danke an Muschebubu

daseinsvorsorge

Zitat von: NelsonMuntz in Heute um 11:08Gar nicht ;)

Du bist nur nicht in der Lage die Konsequenzen schwindender Gewerkschaftsmacht abzusehen, wenn der Organisationsgrad weiter sinkt.


Wenn der Ograd einer Gewerkschaft sinkt, könnte man - wenn man denn unbedingt wollte- selbst aktiv werden und eine eigene Gewerkschaft gründen oder eine bereits bestehende zb der dbb- tarifunion kapern und dort endlich die Interessen vertreten, die bislang untergegangen sind.

Aber Irgendwie habe ich so den Eindruck, dass diese Konsequenz überhaupt nicht in Betracht kommt, sondern man sich seit Jahren daran abarbeitet, wie schlecht etc. Eine Gewerkschaft ist. Welchen Sinn soll das langfristig ergeben?

Maggus

Heute um 11:07
Zitat von: Ornaki in Heute um 10:54
Also bei uns haben die Arbeitgeber gesagt das die Stufengleiche Höhergruppierung in den letzten Jahren von Verdi nicht beachtet wurde, da sie laut ihrer (Verdi) Aussage "zu wenig bringt" und man lieber auf eine höhere Prozentuale Erhöhung ginge und dafür die Stufengleiche Höhergruppierung geopfert hat.

Zitat von: Umlauf in Heute um 11:07Na das ist ja wieder so eine geile Sichtweise.
Wahrscheinlich sehen sie es als total unsozial, dass niedrigere EG weniger Differenz in absoluten Zahlen haben als die oberen.

Wenn es gegen die zweistelligen EG geht, steht verdi parat.

Vielleicht sollte man auch nochmal nachdenken.
In den letzten Jahren war der Mehrheit der Beschäftigten große Gehaltszuwächse wichtig. Also ordentliche Steigerung in der Tabelle.
Eine stufengleiche Höhergruppierung bieten die Arbeitgeber wohl kaum ohne eine Gegenleistung an - was dann zu deutlich weniger Zuwachs in der Tabelle geführt hätte.
Und wenn die Arbeitgeber eine stufengleiche Höhergruppierung als add on hätten haben wollen, dann würde das niemand ausschlagen.

 :o wenn ich sinngemäß hier lese, dass die Gewerkschaft die großzügigen Angebote der Arbeitgeber ablehnt. Vor jeder Verhandlungsrunde lese ich auch immer, dass die Arbeitgeber sagen, dass ihre Kassen prall gefüllt sind und sie mehr denn je an ihre Beschäftigten ausschütten möchten. Aber die böse/blöde Gewerkschaft fordert ja immer nur Kürzungen ... und leider setzen sich die Arbeitgeber in den Verhandlungen einfach nicht durch.  (Ironie off)

Karleby

Tatsächlich finde ich diese immerwährende Forderung nach einem Sockelbetrag auch falsch. Ja, man hat in den unteren EG mehr Mitglieder und ja, das liegt eben auch daran, dass man die Interessen der höheren EG nur nachrangig vertritt. Tatsächlich wirtschaftet man damit aber auch den ÖD herunter, denn die Probleme, qualifiziertes Personal zu finden, stellen sich nach meinen Eindrücken v.a. in den oberen EG-Gruppen. Während man bei Beamten in den Gruppen A13 plus vielleicht noch Rechtsanwälte, Ärzte und Mathematiker findet, die etwas können - wobei man schon dort wohl wegen des Gehalts sicher nicht besten bekommt (evtl. noch infolge Idealismus) - stelle ich mir das im TVL schon schwieriger vor. Wäre ich ein Architekt, der halbwegs was auf sich hält, würde ich jedenfalls für E13 oder E11 sicher nicht arbeiten - tut mir leid. Und ja, im Studium habe auch für E5 gearbeitet, aber mittlerweile liegt halt ein fertiges Studium dazwischen und die unterschiedlichen Ausbildungszeiten und Arbeitsanforderungen müssen sich halt auch in der Vergütung niederschlagen. Dass es mit E5 wirtschaftlich schwierig ist, bestreitet niemand, aber das muss dann eben wirklich eher über unterstützende Sozialpolitik geregelt werden. Wenn man aber nicht bald die höheren EGs in den Blick nimmt - und das wollen ja die Arbeitgeber eigentlich auch - wirtschaftet man den Laden einfach insgesamt runter und das kann ja eigentlich auch nicht die Intention für Verdi sein. Insofern müsste man schon bereit sein, dieses Jahr auf Sockelbeiträge zu verzichten und eine Erhöhung der JSZ für die oberen EGs zuzulassen. In meinen Augen wäre es sogar notwendig, für die oberen EGs höhere prozentuale Steigerungen vorzusehen als für die unteren EGs, aber das wird sich wahrscheinlich politisch endgültig nicht mehr durchsetzen lassen...

Admin

Zitat von: RichterBW94 in Heute um 11:08Um die Diskussion mal wieder durch ein paar Fakten aufzulockern: Arbeitgeber und Gewerkschaften liegen offensichtlich noch "meilenweit" auseinander.

https://oeffentlicher-dienst-news.de/tarifverhandlungen-oeffentlicher-dienst-der-laender-das-beinhaltet-das-angebot-der-arbeitgeber/

Das hier Beschriebene ist nicht das vom Stern angesprochene (zweite) Angebot, sondern nur das "Angebot" vom 16./17.01. das eigentlich nur "Eckpunkte" beinhaltet.

RichterBW94

Zitat von: Admin in Heute um 11:29Das hier Beschriebene ist nicht das vom Stern angesprochene (zweite) Angebot, sondern nur das "Angebot" vom 16./17.01. das eigentlich nur "Eckpunkte" beinhaltet.


Danke für den Hinweis. Die Nachricht war tatsächlich als "neu" (vor 1 Stunde) gekennzeichnet.

Warnstreik

Zitat von: oeffiHansel in Heute um 11:15Exemplarische prozentuale Steigerung des Jahresbrutto von 2010 bis 2025

E2/4:  +40%
E8/4:  +33%
E9(b): +30%
E14/4: +29%

Inflation +39%

Danke an Muschebubu

Wo kommen denn diese Zahlen her? Die sind schlicht falsch. Ich habe nur die 14/4 nachgerechnet und die liegt bei +~45%, die 9b bei +47%. Der Rest wird dann auch falsch sein, die sind dann auch höher.

Sockelbetragsliebhaber

Ich lese hier meistens nur mit, aber jetzt bin ich wieder an einem Punkt angekommen, an dem ich meine Verärgerung kaum noch zurückhalten kann. Ehrlich gesagt glaube ich schon lange nicht mehr, dass die Gewerkschaft wirklich die Interessen aller Mitglieder vertritt – und die der zweistelligen EGs schon gar nicht. Wer da noch Mitglied ist, dem kann man kaum noch helfen. Ich würde es mir anders wünschen, aber man muss die Realität sehen.

Auch den Verantwortlichen bei Verdi vertraue ich schon lange nicht mehr. Viele wechseln nach ihrer Zeit in der Gewerkschaft direkt in die Politik – da gibt es Zusammenhänge, die zumindest merkwürdig wirken.

Und jetzt, in der dritten Verhandlungsrunde, fängt man am ersten zusätzlichen Tag plötzlich an, ,,ernsthaft" zu verhandeln. Ganz ehrlich: Ich fühle mich da einfach nur verarscht.

Dann noch die ganzen ,,Vielschreiber" hier. Manche von euch können mir nicht erzählen, dass sie nicht bei Verdi beschäftigt sind oder gerade in Potsdam herumhängen. Jeder, der aufmerksam mitliest, weiß genau, wen ich meine. Macht endlich euren Job und hört auf, weiter zu spalten.

Tut mir leid für die deutlichen Worte, aber das alles ist wirklich schwer zu ertragen.

MoinMoin

Zitat von: daseinsvorsorge in Heute um 10:12Und weil diese so enttäuscht waren, sind diese erst gar nicht eingetreten oder aus der Gewerkschaft ausgetreten. Nochmals- das ist völlig ok. Aber dann verhandeln diese doch für sich selber- oder wie sehen Sie das?
Und die, die in der Gewerkschaft sind, die verhandeln nichts mit dem AG?
Wie doof sind die denn? Die wollen keine förderliche Zeiten anerkannt haben oder gar eine Zulage?
Weil sie in der Gewerkschaft sind?
Es verhandelt IMMER der AN mit dem AG selber.
Nur das der AN der in der Gewerkschaft ist, nicht schlechter als TV bezahlt werden kann, der der nicht in der Gewerkschaft ist, dem könnte der AG auch weniger zahlen, macht er aber nicht, warum auch immer....



oeffiHansel

Zitat von: Warnstreik in Heute um 11:45Wo kommen denn diese Zahlen her? Die sind schlicht falsch. Ich habe nur die 14/4 nachgerechnet und die liegt bei +~45%, die 9b bei +47%. Der Rest wird dann auch falsch sein, die sind dann auch höher.


Aus den Tabellenwerten hier einfach die Jahreswerte genommen... aber ich prüfe das gerne

Muschebubu

Zitat von: daseinsvorsorge in Heute um 11:19Wenn der Ograd einer Gewerkschaft sinkt, könnte man - wenn man denn unbedingt wollte- selbst aktiv werden und eine eigene Gewerkschaft gründen oder eine bereits bestehende zb der dbb- tarifunion kapern und dort endlich die Interessen vertreten, die bislang untergegangen sind.

Aber Irgendwie habe ich so den Eindruck, dass diese Konsequenz überhaupt nicht in Betracht kommt, sondern man sich seit Jahren daran abarbeitet, wie schlecht etc. Eine Gewerkschaft ist. Welchen Sinn soll das langfristig ergeben?

Welchen Sinn hat es eigentlich – um in deiner Systematik zu bleiben – immer mit dem Finger auf ,,die anderen" zu zeigen? Wenn Gewerkschafter wie du reflexartig erklären, die Beschäftigten seien selbst schuld, läuft doch etwas grundlegend schief.

Hat sich ver.di jemals ernsthaft gefragt, warum so viele Kolleginnen und Kollegen austreten – und warum der Trend anhält? Warum sich Beschäftigte nicht mehr vertreten fühlen? Oder ist es einfacher, mangelnde Solidarität zu unterstellen, statt Selbstkritik zu üben?

Vielleicht wäre die sinnvollere Frage nicht: ,,Warum wechseln die Leute nicht einfach die Gewerkschaft?" Sondern: Was läuft so, dass Menschen gehen? Und was müsste sich ändern, damit sie bleiben – oder zurückkommen?

Der Vorschlag, man solle sich halt eine andere Gewerkschaft ,,kapern", ist da ehrlich gesagt kein Lösungsansatz, sondern Ausdruck des Problems. Wer Interessen vertreten will, sollte zuerst zuhören – und sich fragen, warum Vertrauen verloren geht.


DerUnger

Zitat von: oeffiHansel in Heute um 11:15Exemplarische prozentuale Steigerung des Jahresbrutto von 2010 bis 2025

E2/4:  +40%
E8/4:  +33%
E9(b): +30%
E14/4: +29%

Inflation +39%

Danke an Muschebubu

Das passt hinten und vorne nicht.

E2/4:  +58%
E8/4:  +49%
E9(b): +46%
E14/4: +44%

Inflation +35%

Das sind die Werte die ich gefunden habe. Ist also deutlich über der Inflation seit 2010.

NoRhWe

Zitat von: DerUnger in Heute um 12:20Das passt hinten und vorne nicht.

E2/4:  +58%
E8/4:  +49%
E9(b): +46%
E14/4: +44%

Inflation +35%

Das sind die Werte die ich gefunden habe. Ist also deutlich über der Inflation seit 2010.

Sorry, die Inflation war seit 2010 bei 38,4%. (Und dein erster Beitrag sagte noch 29% Inflation - super nachbearbeitet!) Nachzurechnen beim Statistischen Bundesamt.
https://www.destatis.de/DE/Themen/Wirtschaft/Preise/Verbraucherpreisindex/Methoden/Internetprogramm.html

Dagegen ist aber in der Tat der TV-L von 2010 für die EG 14/5 bis 2025 um 44% gestiegen. Die unteren EG werden sicherlich nicht schlechter stehen.

DerUnger

Zitat von: NoRhWe in Heute um 12:27Sorry, die Inflation war seit 2010 bei 38,4%. (Und dein erster Beitrag sagte noch 29% Inflation - super nachbearbeitet!) Nachzurechnen beim Statistischen Bundesamt.
https://www.destatis.de/DE/Themen/Wirtschaft/Preise/Verbraucherpreisindex/Methoden/Internetprogramm.html

Dagegen ist aber in der Tat der TV-L von 2010 für die EG 14/5 bis 2025 um 44% gestiegen. Die unteren EG werden sicherlich nicht schlechter stehen.

stimmt, da habe ich mich vertan. Die E15/5 ist um 40% gestiegen und liegt damit dann immernoch über der Inflation seit 2010, wenn man dann noch der E15Ü und E15/6 einbezieht, die es damals noch gar nicht gab ist man da auch deutlich über der Inflationsrate, selbst im schlechtesten Falle.

Warnstreik

Zitat von: Muschebubu in Gestern um 22:50Tschuldigung, wenn ich deine Beiträge lese, platz mir die Hutschnur. Das Beamte sich nicht zu Wort melden müssten, okay. Für die wird jetzt nicht verhandelt und auch sonst nicht, darüber befindet der Haushaltsgesetzgeber und unter Berücksichtigung der Rechtsprechung des BVerfG. Tarifbeschäftigte dürfen sich aber sehr wohl äußern und das unabhängig der grundsätzlichen Möglichkeit, mit dem Arbeitgeber selbst verhandeln zu können. Ich darf ja wohl eine Meinung haben, dass mich diese Gewerkschaft noch nie vertreten hat und bei nahezu jeder Verhandlungsrunde bestätigt, dass gesparte Beiträge sinnvoll anders verwendet werden können. Wenn du das nicht ertragen kannst, dann ist vielleicht dieses Forum nicht der richtige Platz. Scheinbar brauchst du das aber doch, sonst würdest du dich hier ja nicht ständig aufhalten. Und in einer Demokratie wirst auch du aushalten müssen, dass es andere Meinungen gibt. Aber schön zu sehen, was man als Gewerkschafter offenbar von freier Meinungsäußerung hält. Nicht viel, wenn es nicht die eigene Meinung ist!? Auch die Meinung darfst du haben und einige andere hier haben eine andere. Ich stelle mal die Behauptung auf, wären hier nur noch Gewerkschaftler unterwegs, dieses Forum wäre wahrscheinlich deutlich wenig aktiv.

Du kannst hier sagen was du willst - feel free. Ich habe auf die immer wieder provokative Frage gewantwortet (zugegeben, ein wenig zugespitzt), was die Gewerkschafter denn denken würden. Wenn du meinst, dass du deine Beiträge auch anders besser nutzen kannst: Das ist dir unbelassen. Dann verhandelt aber auch niemand für dich und dann ist hier auch Kritik an den Verhandlern auf Arbeitnehmerseite schlicht fehl am Platze. Du kannst natürlich trotzde meckern, aber dann muss man auch mit der Antwort leben, vor allem wo sie doch explizit angefragt wurde.

Der TV-L ist ziemlich schwach wegen der vielen Beamten und wenig Branchen, die Druck ausüben können. Genau deshalb wäre es umso wichtiger an einem Strank zu ziehen. Die Sockelbeträge in Zeiten von hoher Inflation sind tatsächlich ja auch aus einem demokratischen Prozess entstanden - die Forderungen werden auch nicht ausgewürfelt. Ich bin selbst kein Verdi-Mitglied und finde es derzeit auch nicht gut Sockelbeträge zu fordern. 2023 hingegen war es angebracht - eben weil es ein Unterschied ob jemand die Infaltion mit gutem Gehalt über kleinere Konsumanpassungen aussitzen kann oder ob man seinen Wochenendeinkauf kaum noch bezahlen kann. Aber nochmal: Derzeit bin ich der Meinung ist es an der Zeit von Sockelbeiträgen abzusehen und tatsächlich auch etwas für die höher qualifizierten zu tun - schlicht um Wettbewerbsfähig zu sein. Wenn diese Meinung aber innerhalb der Gewerkschaft garnicht artikuliert oder vertreten wird? Da sind wir wieder am Anfang...