Was kann man gewöhnlich im Bewerbungsverfahren realistisch verhandeln?

Begonnen von Modrian, 21.01.2026 18:38

Vorheriges Thema - Nächstes Thema

Modrian

Vielen Dank schonmal für die Erweiterung meines Horizonts.

Aber schon interessant. Kaum einer geht auf meine Frage mit Jobticket ein. Im Vorgespräch habe ich Fahrtkosten angesprochen und eine Lösung offen gelassen, weil ich mich ausdrücklich nur nicht verschlechtern möchte. Wurde scheinbar als Frechheit empfunden und dann ein vorgezogener Stufenaufstieg in Aussicht gestellt. Auch eure Meinungen gingen wenn dann in die Richtung.
Steht sich der Arbeitgeber im Vergleich zum Stufenaufstieg nicht wesentlich besser, wenn er mir eine Förderung oder gar das ganze Deutschlandticket als Goddie anbietet? O.o Sind steuerfreie 69 Euro. Mein Argument wäre abgefrühstückt + private Fahrten umsonst. Der Stufenaufstieg kostet ihn 110, langfristig sogar mehr. Verstehe ich nicht. Oder übersehe ich da etwas?

Edit. Bin glaub ich selbst draufgekommen. Jobticket bekomme ich für immer als Goddie, Stufenaufstieg bekomme ich zwangsläufig und der AG zahlt nur das oben drauf, was vorgezogen wird.

MoinMoin

Sorry, das du nur auf Goddies wie Jobticket aus bist habe ich in der Tat überlesen.

Da ist die Antwort: Nein, so was kann idR nicht individuell verhandelt werden, da es für so was entweder eine Regelung für alle oder keinen gibt.
Jobrad sieht man schon welche langen Kreis die Verwaltung da "ziehen" muss.

JahrhundertwerkTVÖD

Jobrad, Jobticket, Essenszuschuss, Getränkeautomat, Fitnesskurse etc. gibt es durchaus, aber wenn dann für alle und nicht in Einzel Regelungen.

Einzelregelungen betreffen meistens Stufenanerkennung, Vorziehen von Stufen, Zulagen usw

Bubi11

Sorry ich wollte halt damit sagen das es bei uns zumindest, also im ganzen Bezirk keine Goodies gibt für einzelne Bewerber. Es gibt ein vergünstigtes Leasing für alle Mitarbeiter, VL von knapp 7EUR, Zusatzrente und vergünstigten Einkauf in der Hauseigenen Apotheke. Pfleger in unseren Gesundheitseinrichtungen bekommen für 5 Fahrten in der Rufbereitschaft pro Monat einen 30EUR Einkaufsgutschein. Aber diese müssen sie halt auch erst zusammen bekommen. Ist alles in Dienstanweisungen geregelt.
Wie man vielleicht rausgehört hat gibt es bei uns das nicht das wir einen Bewerber unbedingt haben wollen. Konkret ausgedrückt wenn der das Angebotene nicht will, dann kommt halt Bewerber zwei dran. Wir schreiben auch dann mehrfach aus wenn es nicht passt.

Petar Tudzharov

Du übersiehst, dass es neben deiner eigenen auch die Perspektive des Arbeitgebers gibt.

Es ist nachvollziehbar und niemand kritisiert dich dafür, dich finanziell nicht schlechter stellen zu wollen. Ein Arbeitgeber braucht sich mit diesen Gedanken jedoch nicht zu beschäftigen, wenn er andere oder sogar besser geeignete Bewerber hat, die er zu geringeren Kosten bekommen kann.

Der Arbeitgeber kommt dir bereits entgegen, denn auf die in Aussicht gestellte Stufe 5 hättest du gar keinen Anspruch. Ein Anspruch besteht höchstens bis zur Stufe 3. Alles darüber ist freiwillig und insofern schon ein Entgegenkommen.

Ob du bei dieser Ausgangssituation weiter poker solltest, musst du letztlich selbst wissen. Mir jedenfalls erschließt sich nicht, weshalb der Arbeitgeber dein selbst verursachtes finanzielles Problem bei einem Wechsel zu seinem machen sollte.

Vollstrecker

Bei den "individuellen Goodies" kommen dann auch so Begriffe wie "geldwerter Vorteil" usw. auf, da es nicht tariflich festgelegt ist. Steuerlich ist das Ganze dann wohl auch nicht so einfach.
Das Jobrad z.B. war ja Teil der vorletzten Tarifverhandlungen. Hier könnten die Verwaltungen, wenn sie wollen.... ;)

Ich persönlich sehe es auch eher so bei solchen Sachen: Entweder alle oder keiner....was Goodies angeht. Der Verwaltungsaufwand hinter individuellen Regelungen sollte bestimmt auch nicht unterschätzt werden. Und für den AG wird es irgendwann sehr schwer mit Argumenten, wenn man hört: "Warum der, warum ich nicht?"

Bubi11

In den Gesprächen ist ja auch der Betriebsrat dabei und da kommt schon das Veto wenn etwas individuell verhandelt werden soll.

MoinMoin

Zitat von: Bubi11 in 23.01.2026 10:12In den Gesprächen ist ja auch der Betriebsrat dabei und da kommt schon das Veto wenn etwas individuell verhandelt werden soll.
Das ist bei uns genau anders rum.

Vollstrecker

Zitat von: MoinMoin in 23.01.2026 10:13Das ist bei uns genau anders rum.

Ah? Gleichbehandlung ist doch immer eines der obersten Gebote für einen PR!? Sonst macht man sich ja leicht angreifbar.

MoinMoin

Zitat von: Vollstrecker in 23.01.2026 11:05Ah? Gleichbehandlung ist doch immer eines der obersten Gebote für einen PR!? Sonst macht man sich ja leicht angreifbar.
Es werden doch alle gleich behandelt. Wenn jemand förderliche Zeiten fordert und man sonst niemanden bekommt, dann bekommt er die förderlichen Zeiten anerkannt.
Wenn jemand sie nicht bekommen konnte, weil damals die Leute Schlange standen, dann ist das doch keine Ungleichbehandlung.
Und der PR sollte doch schauen, dass die Leute entlastet werden und Kollegen an die Seite bekommen.

Bubi11

Zitat von: MoinMoin in 23.01.2026 11:54Es werden doch alle gleich behandelt. Wenn jemand förderliche Zeiten fordert und man sonst niemanden bekommt, dann bekommt er die förderlichen Zeiten anerkannt.
Wenn jemand sie nicht bekommen konnte, weil damals die Leute Schlange standen, dann ist das doch keine Ungleichbehandlung.
Und der PR sollte doch schauen, dass die Leute entlastet werden und Kollegen an die Seite bekommen.

Wenn jemand überlastet ist dann stellt man eine Überlastungsanzeige.
Finanziell wird bei uns zumindest keiner besser gestellt durch irgendwelche Sonderbehandlung. Der Betriebsrat sagt dann das halt der zweitbeste genommen werden muss.

MoinMoin

Zitat von: Bubi11 in 23.01.2026 12:47Wenn jemand überlastet ist dann stellt man eine Überlastungsanzeige.
Finanziell wird bei uns zumindest keiner besser gestellt durch irgendwelche Sonderbehandlung. Der Betriebsrat sagt dann das halt der zweitbeste genommen werden muss.

Der nicht geeignet ist, ok Bleistifte kann er anspitzen?
Fein fein....

Oder der Zweite ff ebenfalls förderliche Zeiten einfordert.
nehmen wir den letztplatzierten...
Fein fein..

Weiter so, die Überlastungsanzeigen sind natürlich schon raus, aber die Entlastung wird vom BR verhindert...
Fein fein ....

Gut das wir anders agieren

MeTe

ZitatGut das wir anders agieren

Das ist natürlich löblich aber nunmal (leider) nicht überall der Normalfall. Unser BR agiert auch eher im guten sozialischten Sinne: Jedem das Gleiche, ja keine Leistung belohnen (denn dann könnten sich ja andere unter Druck gesetzt fühlen -> Ganz Schlimm) und Vorteil entweder für alle oder halt keinen (= für keinen).

Bubi11

Der BR will ja schließlich wieder gewählt werden. Wir haben zwei Vollzeit Freigestellte und die handeln natürlich im Sinne der Mehrheit und nicht für einzelne. Zumal die Stellen unter EG9 bei weitem weiter verbreitet sind als die darüber. Deshalb wird natürlich nach deren Willen gehandelt auf Gleichberechtigung. Ob es richtig oder falsch ist will ich gar nicht urteilen. Ich zumindest will in meiner Abteilung auch eher Ruhe und Gleichberechtigung als Leistungsdruck. Die Arbeiten werden so und so erledigt, dann lieber mit einer guten Stimmung.

MoinMoin

Wir haben auch eine gute Stimmung, insbesondere, da wir unsere Stellen besetzt bekommen. Wenn der BR es aber verhindert, weil er der Meinung ist, dass man keine Zulagen zahlen soll, dann hebt das bestimmt die Stimmung.

Btw: Wenn jemand mit über 20 Jahren Berufserfahrung eingestellt werden soll und man ihm sagt, du bekommst nur Stufe 3 und da sitzt am Schreibtisch eine Kollege, der keine 10 Jahre dabei ist und wesentlich mehr Geld verdient, dann erhöht das bei euch die Stimmung??
Bei uns würden die Kollegen dem "neuen" die Stufe 6 gönnen.
Und das ist in den Augen aller Beteiligter (AN, PR/BR, AG) - bei uns zumindest - keine Sonderbehandlung.