Tarifrunde TV-L 2025 - Diskussion III

Begonnen von username, 14.02.2026 09:31

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AlexaLexa

https://rp-online.de/nrw/landespolitik/nrw-beamte-profitieren-staerker-vom-tarifabschluss-als-angestellte_aid-147792773

Meine verbeamteten Kollegen sind mal wieder besser dran als ich, bei gleichen Aufgaben. Nicht nur, dass sie schnell befördert wurden, jetzt gibt es auch wahrscheinlich mehr Geld für Beamte als Angestellte. Das ist schon bitter..

Johann

Zitat von: Warnstreik in Gestern um 09:04@Johann
Die großen Renditen werden am Aktienmarkt gemacht. Der ist aber garnicht so groß wie man denken würde, ich glaube so um die 130 Billionen USD. Um unsere jetzigen Rentenzahlungen komplett zu substituieren (ist nur ein Gedankenexperiment, wird so nie passieren) müssten wir undgefähr 8 Billionen USD (nur Deutschland) on Top packen. Diese Größenordnung bewegt sogar den weltweiten Aktienmarkt und is in der Breite garnicht möglich.
Es könnte so einfach sein: Die Beiträge bekommen einen politischen Deckel (zB 20%), die Lebensarbeitszeit setzt man einmal neu fest und an Renten zahlt man das aus, was reinkommt. Das Beamtentum bezieht man mit ein indem die Steigerung der Rentenbeiträge von den Erhöhungen der Besoldung abgezogen werden und die Altersbezüge sich prozentual genauso entwickeln wie die gesetzliche Rente.
Dazu kommt ein Pfändungsgeschütztes Altersvorsogedepot, indem man bis zu einem bestimmten Betrag (ohne zusätzliche Förderung) steuerfrei für das Alter vorsorgen kann. Da können Tagesgelder genauso drin sein wwei Festgeld, Aktien und meinetwegen auch Optionen und Zertifikate. Die Erträge werden dann in der Rente versteuert und das ganze ist Pfändungssicher und wird bei der Berechnung von Sozialleistungen nicht berücksichtigt.
Der norwegische Staatsfonds hat pro Kopf gerechnet ca. 350k Einlagen (gesamt ca. 2 Billionen Euro). Bei konservativen 4% jährlicher Entnahme, um nicht aufzehren zu müssen, reicht das für eine unendliche Rentenzahlung in Höhe von fast 1.200€ im Monat. Ohne jegliche Zuzahlung durch Steuergelder oder Umlageabgaben aus Erwerbsarbeit.
Für das selbe Niveau bräuchte Deutschland ca. 30 Billionen Euro an Einlagen. Das wären in der Tat etwa 1/4 der weltweit in Aktien steckenden Vermögen. Ob das realistisch ist, müsste man vermutlich im Ernstfall erproben. Zumindest wäre so geklärt, wieso Aktienkurse immer weiter steigen, obwohl die erwarteten Einkünfte die Kurse bei weitem nicht mehr abbilden können.

Das von dir angesprochene Altersvorsorgedepot soll ja im Grunde genau so kommen. Nur eben mit staatlichen Anreizen in Form von direkten Zulagen und der steuerlichen Absetzbarkeit. Allerdings halte ich es schon für richtig, wenn Optionen da nicht als Form von Altersvorsorge anerkannt werden. Das ist ja doch eher was für sehr kurzfristige Investitionsentscheidungen.

Zitat von: DiVO in Gestern um 15:34Apropos Riester und meckern: Gerade auf einem Nachrichtenportal gelesen, dass das neue Vorsorgedepot im Gegensatz zu Riester ja nicht mehr zum Schonvermögen gezählt und bei Sozialleistungen voll angerechnet werden wird.
Das ist nicht richtig, wenn man dem FAQ des BMF glauben darf:
https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/FAQ/reform-der-privaten-altersvorsorge.html
Darin heißt es zu der Frage "Was passiert mit dem angesparten Vermögen, wenn ich in der Anspar- oder Auszahlungsphase in die Grundsicherung rutsche / gepfändet werde o. ä.?" unter anderem:
ZitatBeiträge zu sowie Leistungen aus Altersvorsorgeverträgen erfahren im Sozialrecht allerdings eine Privilegierung: Das Altersvorsorgevermögen ist geschützt, soweit es steuerlich gefördert wurde und muss daher insoweit nicht verwertet werden. Eine steuerliche Förderung kann nur bis zur Förderhöchstgrenze nach § 10a Einkommensteuergesetz (EStG) erfolgen. Besteht das Altersvorsorgevermögen aus einem geförderten und einem ungeförderten Teil, ist der ungeförderte Teil nicht geschützt und daher zu berücksichtigendes Vermögen. Soweit die Berechtigten das Altersvorsorgevermögen vorzeitig schädlich verwenden, ist das gesamte Altersvorsorgevermögen jedoch nach den allgemein sozialrechtlichen Vorschriften zu behandeln und zur Bedarfsdeckung einzusetzen, soweit die allgemeinen Vermögensfreibeträge überschritten werden.

Damit sich die zusätzliche Altersvorsorge am Ende auch für Geringverdiener wirklich auszahlt, wurde mit Inkrafttreten des Betriebsrentenstärkungsgesetzes zum 1. Januar 2018 die Anrechnung von Zusatzrenten auf die Grundsicherung begrenzt. Nach § 82 Absatz 4 und 5 des Zwölften Buches Sozialgesetzbuch bleibt daher ein Sockelbetrag von 100 Euro zuzüglich 30 Prozent der diesen Betrag übersteigenden Zusatzrente bis zu dem Höchstbetrag von derzeit 281,50 Euro (50 Prozent der Regelbedarfsstufe 1 in 2025/26) anrechnungsfrei. Die Regelbedarfsstufen und damit der anrechnungsfreie Höchstbetrag unterliegen einer jährlichen Anpassung.
Demnach sind Einzahlungen bis 1.800€ Eigenbetrag im Jahr plus Zulagen vor Pfändung geschützt und falls man in die Grundsicherung rutscht, hat man grundsätzlich monatlich 100€ Freibetrag und bei den darauf folgenden 605€ werden 70% angerechnet und nur alles was darüber hinausgeht wird dann voll auf die Grundsicherung angerechnet.
Damit sollte das Altersvorsorgedepot genauso funktionieren wie Riester auch.

Zitat von: AlexaLexa in Gestern um 19:24https://rp-online.de/nrw/landespolitik/nrw-beamte-profitieren-staerker-vom-tarifabschluss-als-angestellte_aid-147792773

Meine verbeamteten Kollegen sind mal wieder besser dran als ich, bei gleichen Aufgaben. Nicht nur, dass sie schnell befördert wurden, jetzt gibt es auch wahrscheinlich mehr Geld für Beamte als Angestellte. Das ist schon bitter..
Du vergisst aber, dass deine verbeamteten Kollegen dafür nicht völlig legal alle 2,5 Jahre auf 2 Tage ihres Entgelts verzichten und der Arbeit fernbleiben können.

cyrix42

Zitat von: DiVO in Gestern um 15:34Ich finde es ja amüsant, wie zuerst geschrien wird "Im Leben nicht" und dann, wenn man es zeigt kommt als Reaktion "17 Jahre sind ein viel zu kurzer Vergleichszeitraum".

Nein, ich habe nicht über 17 Jahre "gemeckert", sondern nur herausgestellt, dass der Einstiegszeitpunkt (und auch der Verlauf seither) eher günstig gewählt waren/ sind.

Zum Vergleich: Der S&P 500 hat sich in der Zeit etwa ver-7-facht; wäre man kurz vor der Dotcom-Blase Anfang der 2000er eingestiegen, wäre es nur eine ver-5-Fachung gewesen -- bei dann aber 25 Jahren Laufzeit. Das hat natürlich deutliche Auswirkungen auf die Rendite, die aber immer noch deutlich über Sparbuch und auch Festgeld liegt. Allerdings: Bis die Höchststände vor dem 1929er-Crash und der damaligen Weltwirtschaftskrise wieder erreicht wurden, hat es bis in die Mitte der 1950er gedauert...

Will sagen: Als Zubrot ist eine kapitalgedeckte Rente schon sinnvoll -- den Lebensstandard sichern kann sie aber nicht; dazu ist das Risiko, dass es auch mal deutliche Entwertungen geben kann, zu hoch. Und ja, auf lange Sicht geht es an den Börsen immer aufwärts. Aber "lange Sicht" kann halt auch schon mal Jahrzehnte bedeuten. Und darauf, dass sich die Märkte in 20 Jahren nach einer deutlichen Abschwung-Phase wieder erholen, kann man ggf. als Neurentner halt dann doch nicht warten, wenn man *jetzt* das Geld braucht...

DiVO

Zitat von: cyrix42 in Gestern um 23:47Nein, ich habe nicht über 17 Jahre "gemeckert", sondern nur herausgestellt, dass der Einstiegszeitpunkt (und auch der Verlauf seither) eher günstig gewählt waren/ sind.

Zum Vergleich: Der S&P 500 hat sich in der Zeit etwa ver-7-facht; wäre man kurz vor der Dotcom-Blase Anfang der 2000er eingestiegen, wäre es nur eine ver-5-Fachung gewesen -- bei dann aber 25 Jahren Laufzeit. Das hat natürlich deutliche Auswirkungen auf die Rendite, die aber immer noch deutlich über Sparbuch und auch Festgeld liegt. Allerdings: Bis die Höchststände vor dem 1929er-Crash und der damaligen Weltwirtschaftskrise wieder erreicht wurden, hat es bis in die Mitte der 1950er gedauert...

Will sagen: Als Zubrot ist eine kapitalgedeckte Rente schon sinnvoll -- den Lebensstandard sichern kann sie aber nicht; dazu ist das Risiko, dass es auch mal deutliche Entwertungen geben kann, zu hoch. Und ja, auf lange Sicht geht es an den Börsen immer aufwärts. Aber "lange Sicht" kann halt auch schon mal Jahrzehnte bedeuten. Und darauf, dass sich die Märkte in 20 Jahren nach einer deutlichen Abschwung-Phase wieder erholen, kann man ggf. als Neurentner halt dann doch nicht warten, wenn man *jetzt* das Geld braucht...

Ich habe das auch nicht als Allheilmittel angepriesen. Für uns ist das eben einer von mehreren Bausteinen, mit denen wir unser Alter finanzieren werden. Ich bin auch ehrlich gesagt froh, dass meine Frau und ich jeweils relativ früh angefangen haben hier etwas zu unternehmen.

Ich persönlich glaube, dass hier sehr großer sozialer Sprengstoff in dem Thema steckt in der Zukunft. Auf der einen Seite der 70jährige, der gerade mit 48 % in Rente geht und daneben der Rentner, der früh in seine Altersvorsorge investiert hat und mit 65 Jahren in Rente gegangen ist und das gleiche Geld jeden Monat auf sein Konto bekommt wie vorher. Wird spannend werden.

MoinMoin

Zitat von: cyrix42 in Gestern um 23:47Will sagen: Als Zubrot ist eine kapitalgedeckte Rente schon sinnvoll -- den Lebensstandard sichern kann sie aber nicht; dazu ist das Risiko, dass es auch mal deutliche Entwertungen geben kann, zu hoch. Und ja, auf lange Sicht geht es an den Börsen immer aufwärts. Aber "lange Sicht" kann halt auch schon mal Jahrzehnte bedeuten. Und darauf, dass sich die Märkte in 20 Jahren nach einer deutlichen Abschwung-Phase wieder erholen, kann man ggf. als Neurentner halt dann doch nicht warten, wenn man *jetzt* das Geld braucht...
Es gibt Untersuchungen, die zeigen, dass man in den letzten 100 Jahren bei entsprechenden Haltezeit >10 Jahren nie Verluste gemacht hätte (egal wann eingestiegen) und Gewinne beim Dax 8% pa der Durchschnitt ist.
Natürlich nur wenn man auf die gesamte Wirtschaft und nicht punktuelle gewettet hat.