Tarifrunde TV-L 2025 - Diskussion III

Begonnen von username, Gestern um 09:31

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MasterNoname89

Es geht darum, um wieviel sich der Lohn insgesamt erhöht.

Natürlich ist die Ausgestaltung und Laufzeit nicht ideal und 5,8% direkt rückwirkend zum 01.11. wäre besser und würde sich effektiv höher auswirken. Fakt ist aber, dass am Ende die 5,9 % stehen und das dann Ausgangspunkt für die nächste Runde ist.

Aber okay, die Betrachtungsweise und den Rechenweg hatte ich nicht ins Auge gefasst.

Rheini

Zitat von: MasterNoname89 in Heute um 16:02Es geht darum, um wieviel sich der Lohn insgesamt erhöht.

Natürlich ist die Ausgestaltung und Laufzeit nicht ideal und 5,8% direkt rückwirkend zum 01.11. wäre besser und würde sich effektiv höher auswirken. Fakt ist aber, dass am Ende die 5,9 % stehen und das dann Ausgangspunkt für die nächste Runde ist.

Aber okay, die Betrachtungsweise und den Rechenweg hatte ich nicht ins Auge gefasst.

Es ist halt wie immer. Nämlich was ist die Frage für die Antwort.

Wobei die AG eigentlich immer deine Version erzählen und leider auch oft die AN Vertreter, wenn Sie das Ergebnis ihren Mitgliedern verkaufen wollen.

An der Ladenkasse für die nächsten 27 Monate, zählt allerdings die andere Antwort.

Und wenn dir jemand erzählen will das es egal ist, bitte ihn doch um die 5.8% am Laufzeitanfang und Du wirst deine Antwort bekommen, ob es tatsächlich egal ist.

HinzKunz

Zitat von: MasterNoname89 in Heute um 15:37Wie kommt man bitte auf 3,1 % ?

Dadurch, dass die Erhöhung sich ja auf die vorherige Tabelle bezieht, ist Addition tatsächlich nicht der richtige Rechenweg.

Man kommt aber dabei sogar auf 5,9 % Erhöhung ;)

100 x 1,028 x 1,02 x 1,01 = 105,90456

Diese Rechnung lässt aber sowohl die Nullrunde der ersten 5 Monate als auch die unterschiedlichen Laufzeiten der Erhöhungen aussen vor.

Wenn ich die einzelnen Schritte konkret mit Zahlen hinterlege, komme ich auf eben rund 3,1%.

MasterNoname89

#213
Zitat von: HinzKunz in Heute um 16:20Diese Rechnung lässt aber sowohl die Nullrunde der ersten 5 Monate als auch die unterschiedlichen Laufzeiten der Erhöhungen aussen vor.

Wenn ich die einzelnen Schritte konkret mit Zahlen hinterlege, komme ich auf eben rund 3,1%.

Ich habs ;)

Mein Rechenweg wäre jetzt das Verhältnis zwischen Einkommen ohne Erhöhung zu Einkommen mit Erhöhung über die Laufzeit.

ohne Erhöhung 27 Monate x 1000 € (vereinfacht) = 27.000 €

mit Erhöhung 5x 1000 € + 11 x 1028 € + 10 x 1048 € + 1 x 1058 € = 27.846 €

-> Steigerung um 846 / 27.000 x 100 = 0,313 %

seberus

Zitat von: HinzKunz in Heute um 14:39Das Ergebnis ist noch schlechter als erwartet. Hinzu kommt, dass man als Gewerkschafter offensichtlich nicht rechnen können muss und dann auch noch das Märchen von +5,8% verbreitet wird.
Mit Nullrunde und der Erhöhung in drei Stufen komme ich über diese viel zu lange Laufzeit von 27 Monaten lediglich auf eine Erhöhung von 3,1%.
Meine Hoffnung ist, dass genügend Gewerkschaftsmitglieder gegen diese Einigung stimmen und in die nächste Verhandlungsrunde Leute entsandt werden deren Mathematikkentnisse über die Addition mit Zahlen kleiner 10 hinausgehen.

Stimmst du auch gegen das Ergebnis?
Bist du bei einem evtl. unbefristeten Streik dabei?

Rheini

Zitat von: seberus in Heute um 16:44Stimmst du auch gegen das Ergebnis?
Bist du bei einem evtl. unbefristeten Streik dabei?

Wird der Gewerkschaftsvorstand hart verhandeln?

HinzKunz

Zitat von: MasterNoname89 in Heute um 16:34Ich habs ;)

Mein Rechenweg wäre jetzt das Verhältnis zwischen Einkommen ohne Erhöhung zu Einkommen mit Erhöhung über die Laufzeit.

ohne Erhöhung 27 Monate x 1000 € (vereinfacht) = 27.000 €

mit Erhöhung 5x 1000 € + 11 x 1028 € + 10 x 1048 € + 1 x 1058 € = 27.846 €

-> Steigerung um 846 / 27.000 x 100 = 0,313 %

Genau das meine ich.

Länderknecht

Ich möchte auch einmal ungefragt meinen Senf in Form meiner Sichtweise hinzugeben:
Für mich stellt sich gerade als eher junger Mensch ein gesamtgesellschaftliches Problem mit dem Abschluss dar, wobei ich mir bei der Darstellung sicher wieder wenig Freunde machen werde: Seit ich 2018 richtig angefangen habe zu arbeiten, kam bei mir tendenziell immer mehr Kaufkraftverlust hinzu, getrieben durch die hohe Inflation und die Steigerung der Sozialversicherungsbeiträge. Insgesamt scheinen die fetten Jahre vorbei und ich kann froh sein, wenn ich mit meinem Hauptberuf meinen Lebensstandard erhalten kann und keinen Reallohnverlust hinnehmen muss. Von einer Steigerung scheine ich weit entfernt zu sein.
Was mich dabei aber wirklich gesamtgesellschaftlich nervt, ist, dass unsere Generationen somit die Verfehlungen der Politik der letzten Jahrzehnte zu spüren bekommt. Dabei rede ich vor allem über den demographischen Wandel einhergehend mit der Rentenpolitik. Für mich stellt es sich nämlich so dar, dass ich Wohlstandsverluste vor allem wegen der ganzen Pensionen, Renten und auch Zinszahlungen aufgrund von Schulden hinnehmen muss. Deutlich wird dies daran, wenn man sich bspw. die Rentenerhöhungen der letzten Jahre anschaut, die an die durchschnittliche Bruttolohnentwicklung gekoppelt ist:
2020 3,45%
2021 0,00%
2022 5,35%
2023 4,39%
2024 4,57%
Man setze diese Entwicklungen in den Vergleich der Tarifabschlüsse der letzten Jahre und wird merken, dass dort eine ordentliche Diskrepanz vorhanden ist. Möchte ich damit sagen, dass Renter kein Geld bekommen sollten? Sicher nicht. Aber ich denke, dass es ungerecht ist, wenn ich als junger Mensch Reallohnverluste hinnehmen muss, um damit am Ende Pensionäre und Rentner zu finanzieren, die auch nicht alle so arm sind, wie immer dargestellt wird. Schließlich konnten sich diese Generationen zu einem größeren Teil als heute noch Eigenheime als Altersvorsorge leisten.
Zum Glück mecker ich mit meiner E14 auf hohem Niveau und ich habe auch die Möglichkeit durch das Schreiben von Gutachten mir einen besseren Hauptverdienst zu ermöglichen. Dies ist aber im öffentlichen Dienst keine Selbstverständlichkeit und somit wird dieses Problem auch gerade für untere Gehaltsgruppen relevanter.

Rheini

Dann frag mal deine Eltern, wann sie nach einem Kauf einer Immobilie, in Urlaub gefahren sind und wohin.

Und dann frag dich, ob Du auch dazu bereit bist.

seberus

Zitat von: Rheini in Heute um 16:50Wird der Gewerkschaftsvorstand hart verhandeln?

schätzte mal wenn 80% der Beschäftigten des TV-L streiken, dann können die Verhandlungsführer auch einen auf "dicke Hose" machen.
Man sollte es mal versuchen.
Wenn's dann trotzdem nichts wird, würde ich vorschlagen wir lösen die Gewerkschaften auf.

Rheini

Oder man bemängelt wieder den niedrigen Gewerkschaftsanteil bei den Beschäftigten.

seberus

Zitat von: Rheini in Heute um 17:17Oder man bemängelt wieder den niedrigen Gewerkschaftsanteil bei den Beschäftigten.

zum Streiken muss man ja nicht in der Gewerkschaft sein

Rheini

Dennoch könnte es als Ausrede dienen, dass trotz 2. Verhandlungen, das Ergebnis nicht verbessert werden konnte.

Länderknecht

Zitat von: Rheini in Heute um 17:09Dann frag mal deine Eltern, wann sie nach einem Kauf einer Immobilie, in Urlaub gefahren sind und wohin.

Und dann frag dich, ob Du auch dazu bereit bist.

Ich weiß, dass so etwas auch mit Verzicht einhergeht. Leider beantwortet das nicht, warum wir nun hinnehmen sollen, dass die Rentenerhöhungen stärker ausfallen als unsere Lohnerhöhungen. Es ist schlichtweg eine Umverteilung, welche für mich mit Wohlstandsverlusten einhergeht.
Was mich persönlich angeht, bin ich ohnehin ein sehr genügsamer und sparsamer Mensch. Trotz allem ist es für uns auch mit zwei Vollzeitgehältern nicht möglich eine Immobilie zu finanzieren, wenn man davon ausgeht, dass auch noch Kinder dazukommen (mehr Kosten) und ein Gehalt auch teilweise wegbrechen (weniger Einnahmen) wird.
Und wenn ich noch auf die Frage der Eltern eingehen soll: Mein Vater konnte die Immobilie noch mit einem Gehalt finanzieren und trotzdem waren Urlaube zwei Mal pro Jahr in einer Ferienwohnung mit selbst kochen drin.
Es ist kein Geheimnis, dass unsere Generationen nicht an den Wohlstand der älteren werden anknüpfen können. Leider fühlen sich diese Generationen dann häufig persönlich angegriffen, wenn man dies vor Augen führt.

Rheini

Warum angegriffen?

Ich erzähle Dir nur meine Erfahrungen und die waren halt, dass viele Käufer jahrelang nich in Urlaub gefahren sind, Stullen von Zuhause mittags gegessen haben und erst nach Jahrzehnten man für 2 Wochen die Eifel gesehen hat