Tarifrunde TV-L 2025 - Diskussion III

Begonnen von username, 14.02.2026 09:31

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Warnstreik

Zitat von: Sithlord in Heute um 08:10Warum gibt es 1 % erst im Januar 2028, wenn der Tarifvertrag bereits in diesem Monat endet?
Danach kommen doch die Tarifverhandlungen für 2029, und spätestens ab April gibt es dann wahrscheinlich eine neue Erhöhung.
Diese 1 % sollte man lieber zusammen mit der Erhöhung im März 2027 anpassen.

Antwort kurz: Weil es so verhandelt wurde. Antwort lang: Jede Partei hat bestimmte Vorstellungen und Punkte, die sie erreichen will. Für die Gewerkschaft ist eine möglichst hohe (feste!) Tabellenerhöhung wichtig. Für die Länder sind z.B. die Haushalte wichtig - da gibt es diesen Schlag Prozente eventuell nur, wenn es im neuen Haushaltsjahr liegt. Genau wie die Startzeitpunkte der anderen Erhöhungen ist das Verhandlungssache und im Detail geht es dann um kleinigkeiten.

NelsonMuntz

Zitat von: cyrix42 in Gestern um 21:58Die Höhe der Auszahlung hat doch wenig mit der Frage zu tun, um wie viel im Durchschnitt die Gehälter angehoben werden.

Wenn man der Meinung wäre, die Lohnerhöhung wären nur 3,16%; von welchem Wert aus startet dann die nächste Tarif-Runde? Richtig, nicht von 103,16% des Ausgangswerts 2025, sondern von den 105,9%, die man bis dahin durch die Erhöhung erreicht hat; also eben jenen durchschnittlichen 2,56% Lohnerhöhung pro Jahr im Zeitraum November 2025 bis Januar 2028...

Jein. Du hast natürlich völlig Recht, aber wenn ich mich in einen Arbeitgeber hineinversetze, dann hat das Volumen meiner Gesamtpersonalkosten in einem Haushaltsjahr schon eine gewisse Bedeutung. Im Rahmen einer Verhandlung ermöglicht eine späte Erhöhung dann auch mehr Prozente (was dann final auch in einer höheren, durchschnittlichen Lohnerhöhung mündet). Von daher verstehe ich die Kritik an den Nullrunden nicht immer.

MonteCristo

#437
Zitat von: Aleksandra in Heute um 01:16Niemand sagt der Zeitpunkt habe keine Relevanz. Aber er ist vergleichsweise unwichtig in Bezug auf die Gesamterhöhung. Ist es ein Ärgernis? Ja, aber mehr auch nicht.

Ich hatte ja schon angedeutet, dass die AG-Vertreter wegen ihrer Haushaltsplanung das strecken wollen. Ob man das jetzt gut findet oder nicht, der Zeitpunkt der Erhöhung ist ein Faktor in den Verhandlungen. Würde Verdi auf eine zeitnahe Erhöhung bestehen, dann gäbe es als Kompromiss dann hinterher weniger Gesamtprozente.

Am Ende ist eine verspätete Erhöhung auch nur sowas wie eine "negative Einmalzahlung". Bei der vorletzten Tarifverhandlung habe ich die Einmalzahlung auch nicht in die Prozente einbezogen. Nettes Gimmick, mehr aber nicht. Es ist auf lange Sicht nicht relevant. Ob positive oder negative Einmalzahlung kann eigentlich nur jemanden interessieren der in 2-3 Jahren in Rente geht. Wer noch 10, 20, 30 Jahre vor der Brust hat, den müssen vor allem die Tabellenerhöhungen interessieren, weil diese langfristig wirken. Und da gibt es nun einmal 5,9% nach 27 Monaten im TVL.

Und noch was anderes: die "dicksten" Erhöhungsstufen kommen hier auch zuerst. Erst 2,8%, dann 2,0% und dann ganz am Ende die 1,0%. Das hätte ja auch andersrum sein können. Man hätte auch mit 1,0% starten können. Das wird komischerweise nicht gesehen... Alles Verhandlungssache. Man darf davon ausgehen dass auch das Teil des Kompromisses war. Verspätete Erhöhung (Wunsch AG), aber dafür dann im Gegenzug die dicksten Erhöhungen zuerst (Wunsch Verdi).

Warnstreik hatte die Relevanz der Erhöhungszeitpunkte in Frage gestellt, darauf hatte ich reagiert.
Das"nur ein Ärgernis" ist übrigens bares Geld. Und ja, darüber ärgere ich mich.


Ansonsten sind die Ausführungen absolut korrekt. Nicht zu vergessen, dass die AG Seite ein zu vergebenes Volumen im Kopf hat.
Sie haben die Gründe beschrieben, ich die Folge daraus.

Pädi07

Zitat von: Sithlord in Heute um 08:10Warum gibt es 1 % erst im Januar 2028, wenn der Tarifvertrag bereits in diesem Monat endet?
Danach kommen doch die Tarifverhandlungen für 2029, und spätestens ab April gibt es dann wahrscheinlich eine neue Erhöhung.
Diese 1 % sollte man lieber zusammen mit der Erhöhung im März 2027 anpassen.
Mit Sicherheit wird es nicht so laufen. Eher wahrscheinlich ist, dass eine Tarifeinigung (nach mind. 3 Runden) etwa im April/Mai erfolgt. Zuzüglich einiger Nullmonate wird eine neue Erhöhung dann erste Ende 2028 oder sogar erst zum 01.01.29 (im besten Falle zum November/Dezember 28) erfolgen (Nebeneffekt: geringere JSZ in 28). D.h. in 2028 steht jetzt schon eine (nur) 1%-ige Erhöhung fest, unabhängig davon, wie andere Tarifverhandlungen (allen voran TvÖD) für 2028 abschneiden. Meine Vermutung ist, dass spätestens in diesem Jahr die Schere wieder weiter auseinandergehen wird.

Garfield

Zitat von: Pädi07 in Heute um 09:45Mit Sicherheit wird es nicht so laufen. Eher wahrscheinlich ist, dass eine Tarifeinigung (nach mind. 3 Runden) etwa im April/Mai erfolgt. Zuzüglich einiger Nullmonate wird eine neue Erhöhung dann erste Ende 2028 oder sogar erst zum 01.01.29 (im besten Falle zum November/Dezember 28) erfolgen (Nebeneffekt: geringere JSZ in 28). D.h. in 2028 steht jetzt schon eine (nur) 1%-ige Erhöhung fest, unabhängig davon, wie andere Tarifverhandlungen (allen voran TvÖD) für 2028 abschneiden. Meine Vermutung ist, dass spätestens in diesem Jahr die Schere wieder weiter auseinandergehen wird.

Für dich steht jetzt schon fest, dass bei einer Tarifverhandlung im April/Mai 2028 eine Erhöhung frühestens zum 01.01.2029 beschlossen wird und damit 2028 nur 1% Erhöhung greifen wird.
Wow, das ist ja mal ne starke Glaskugel.

NelsonMuntz

Zitat von: Garfield in Heute um 09:54Für dich steht jetzt schon fest, dass bei einer Tarifverhandlung im April/Mai 2028 eine Erhöhung frühestens zum 01.01.2029 beschlossen wird und damit 2028 nur 1% Erhöhung greifen wird.
Wow, das ist ja mal ne starke Glaskugel.

Sagen wir es mal so: Sollte eine Art Wirtschaftswunder die Kassen der öffentlichen Haushalte mit Geldern fluten, dann gäbe es sicher eine Möglichkeit, recht zeitnah eine weitere Erhöhung in 2028 zu platzieren.

Da ich an solche Wunder aber weniger glaube, sehe ich diese 1% hier auch taktisch platziert, um die darauf folgende etwas später zu setzen. Okt. oder Nov. 28 halte ich nicht für unrealistisch.

Aleksandra

Zitat von: NelsonMuntz in Heute um 10:31Sagen wir es mal so: Sollte eine Art Wirtschaftswunder die Kassen der öffentlichen Haushalte mit Geldern fluten, dann gäbe es sicher eine Möglichkeit, recht zeitnah eine weitere Erhöhung in 2028 zu platzieren.
Selbst dann nicht. Es wird nie so sein, dass auf einmal mehr Geld da ist und man sich sagt, ja super, jetzt können wird die Löhne für unsere MA mal ordentlich erhöhen. So funktionieren die Haushalte nicht.

Wenn der Stand der Kassen ein Indikator für Lohnerhöhungen wäre, dann dürfte es tatsächlich nie eine Lohnerhöhung im ÖD geben. Weil Geld fehlt immer im Haushalt. Und ich halte es auch für wichtig sich diese Logik gar nicht erst zu eigen zu machen. "Klamme Kassen" darf nie ein Argument für ausbleibende Lohnerhöhungen sein. Von daher sind "volle Kassen" (die es eh nie geben wird) auch kein Argument für üppige Lohnerhöhungen.
Reallohnverlust seit Dienstantritt: 1,96%
2022: Inflation 6,9% - Verdi 1,8%
2023: Inflation 5,9% - Verdi 0%
2024: Inflation 2,2% - Verdi 9,03%
2025: Inflation 2,2% - Verdi 3,00%
2026: Inflation 2,2% - Verdi 3,99%

Garfield

Zitat von: NelsonMuntz in Heute um 10:31Sagen wir es mal so: Sollte eine Art Wirtschaftswunder die Kassen der öffentlichen Haushalte mit Geldern fluten, dann gäbe es sicher eine Möglichkeit, recht zeitnah eine weitere Erhöhung in 2028 zu platzieren.

Da ich an solche Wunder aber weniger glaube, sehe ich diese 1% hier auch taktisch platziert, um die darauf folgende etwas später zu setzen. Okt. oder Nov. 28 halte ich nicht für unrealistisch.


Wenn man sich die letzten Tarifrunden anschaut ist eine Erhöhung nach Abschluss der Regelfall, kein Wunder. Somit wären wir im Normalfall bei einer Erhöhung ab Juni/Juli 2029.
Dass die AG versuchen könnten das nach hinten zu schieben, um die JSZ Berechnungsmonate zu umgehen wäre zwar möglich, aber wie gesagt kein Normalfall.

Daher finde ich es schon erstaunlich wenn jemand jetzt schon sagt 1% Erhöhung im gesamten Jahr 2028 stünde schon fest. Denn selbst bei deiner prognostizierten Erhöhung im Oktober wäre das nicht der Fall.

Aleksandra

Zitat von: Garfield in Heute um 11:10Daher finde ich es schon erstaunlich wenn jemand jetzt schon sagt 1% Erhöhung im gesamten Jahr 2028 stünde schon fest. Denn selbst bei deiner prognostizierten Erhöhung im Oktober wäre das nicht der Fall
nein, das wäre auch wirklich dreist und selbst Verdi würde das nicht mit sich machen lassen.
Aber: natürlich hat das Auswirkungen auf den Spielraum in den Verhandlungen.
So wie ich das sehe ist ein wesentlicher Aspekt auf Seiten der AG-Verbände die Planungen des jeweiligen Haushaltsjahres. Sagen wir mal man kalkuliert mit 2,5% für ein Jahr für Lohnerhöhungen. Dann ist 1% davon schon durch die Erhöhung im Januar weg. Dann bleiben für den Rest von 2028 nur noch weitere 1,5% übrig, um dann in Summe auf die 2,5% zu kommen.

Von daher ja: Stellt euch schon mal darauf ein, dass es bei der nächsten Tarifverhandlung für 2028 nicht grade ein üppiges Upgrade geben wird. Dafür wird es dann aber in 2029 wieder höher ausfallen.
Reallohnverlust seit Dienstantritt: 1,96%
2022: Inflation 6,9% - Verdi 1,8%
2023: Inflation 5,9% - Verdi 0%
2024: Inflation 2,2% - Verdi 9,03%
2025: Inflation 2,2% - Verdi 3,00%
2026: Inflation 2,2% - Verdi 3,99%

Warnstreik

Zitat von: Aleksandra in Heute um 11:01Selbst dann nicht. Es wird nie so sein, dass auf einmal mehr Geld da ist und man sich sagt, ja super, jetzt können wird die Löhne für unsere MA mal ordentlich erhöhen. So funktionieren die Haushalte nicht.

Wenn der Stand der Kassen ein Indikator für Lohnerhöhungen wäre, dann dürfte es tatsächlich nie eine Lohnerhöhung im ÖD geben. Weil Geld fehlt immer im Haushalt. Und ich halte es auch für wichtig sich diese Logik gar nicht erst zu eigen zu machen. "Klamme Kassen" darf nie ein Argument für ausbleibende Lohnerhöhungen sein. Von daher sind "volle Kassen" (die es eh nie geben wird) auch kein Argument für üppige Lohnerhöhungen.

Der springende Punkt - und da sind wir am Ende beim Thema Reallohn - ist doch die Inflation. Je nachdem wie stark die (aktuelle) Teuerung zum Zeitpunkt der Verhandlungen ausgeprägt ist, desto besser laufen die Verhandlungen. So war die Tarifrunde 2023 sowohl im TVöD als auch im TV-L historisch superhoch und selbst der 25/26-Abschluss muss sich hier nicht verstecken.

Das Problem mit den leeren/vollen Kassen ist natürlich für den TV-L ein Problem. Hamburg hat in den letzten Jahren immer "volle Kassen" gehabt. Gefüttert auch durch die vergleichsweise hohen Lebenshaltungskosten, welche sich aber viele Einwohner auch leisten können. Das sieht in anderen Ländern wie Berlin oder MV eben anders aus. Mit einer E10 kann man in MV oder in Sachsen außerhalb der Metropolen super leben. In Hamburg, Berlin oder München muss man schon etwas schauen. Vor allem ist dort dann die Konkurrenzsituation eine andere - die PW saugt dann viele ab.

In der IG-Metall ist der Flächentarifvertrag nach Gebieten unterteilt. Das wäre für den öffentlichen Dienst auch deutlich sinnvoller als nach dem Dienstherren zu unterscheiden.

Albeles

Realistisch betrachtet, wird der AG keine Erhöhung 2028 vor den relevanten Monaten für die JSZ mitmachen. "Es gab ja schon 1%" wird als Argument angeführt. Und ob Verdi stark genug Verhandelt, halte ich für recht fragwürdig. Ich rechne 2028 tatsächlich mit keiner weiteren Erhöhung, aber wäre positiv überrascht, sollte da was kommen. Dann würde ich liebe höhere % im nächsten Jahr mitnehmen wollen. Gerne eine 4 vorne. (Okay...jetzt träume ich etwas) Lieber positiv überrascht, als nachher mit langem Gesicht da sitzen und sich ärgern.
Das ist aber meine persönliche Meinung und darf natürlich von jedem kritisiert werden.

NelsonMuntz

Zitat von: Warnstreik in Heute um 11:28Der springende Punkt - und da sind wir am Ende beim Thema Reallohn - ist doch die Inflation. Je nachdem wie stark die (aktuelle) Teuerung zum Zeitpunkt der Verhandlungen ausgeprägt ist, desto besser laufen die Verhandlungen. So war die Tarifrunde 2023 sowohl im TVöD als auch im TV-L historisch superhoch und selbst der 25/26-Abschluss muss sich hier nicht verstecken.

Wenn Du den Reallohn ansprichst, dann musst Du hier bei dem "historisch superhohen" Abschluss aber auch anmerken, dass ein Reallohnerhalt dadurch nicht erreicht wurde, weil die Inflation ebenfalle einen "superhohen" Wert angenommen hat und dieser bereits Ende 2021 erheblichen Druck auf den Reallohn ausgeübt hat.

Ich will das gar nicht schlechtreden, technisch betrachtet fand ich den Abschluss 2023 sehr gut umgesetzt, aber die Gleichung "Hohe Inflation = Hoher Tarifabschluss" bedeutet ja nicht automatisch hohen Jubel ;)

Grundsätzlich ist die Reallohnentwicklung natürlich immer auch abhängig vom Betrachtungszeitraum.

@Alexandra: Du hast natürlich vollkommen Recht. Selbst mit einem öffentlichen Budget in Höhe des BIP wären die Kassen klamm und kein Geld übrig ;) - Andererseits würden kräftige Reallohnzuwächse in anderen TV und sich relativ betrachtet eher füllende Kassen mehr Raum für die Entgelte im öD schaffen.

Zu den 1% in 2028: Wenn die wirtschaftlich Entwicklung weiter schwach bleibt, dann ist das absolut ein Argument für eine späte und auch eher kleine Erhöhung in diesem Jahr (2028) des kommenden TVs.

Ist aber natürlich Spekulation. Ich finde den Abschluss grob in Ordnung, auch wenn viele den Eindruck erwecken, sie müssten nun die kommenden Jahre (gemeinsam mit den Beamten ohne aA) nächtens flaschensammelnd durch die Straßen streifen, um über Wasser bleiben zu können ;)

Takimo

Weiß jemand wo man als "Verdianer" den Link zu der Urabstimmung bekommt? Die Webseite ist furchtbar, vielleicht soll man es auch gar nicht finden...

Kommt da noch ein Mailing?

Albeles


Ich würde vor den Kollegen her laufen und volle Flaschen in leere verwandeln, falls das irgendjemanden hilft  :D

Albeles

Zitat von: Takimo in Heute um 12:39Weiß jemand wo man als "Verdianer" den Link zu der Urabstimmung bekommt? Die Webseite ist furchtbar, vielleicht soll man es auch gar nicht finden...

Kommt da noch ein Mailing?
Es wird eine Mitgliederbefragung vom 23. Februar bis zum 9. März 2026 stattfinden. Die Teilnahme ist online möglich, wir veröffentlichen den Zugang am 23. Februar.