Arbeitsvorgang

Begonnen von TVLfan, 16.02.2026 13:24

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TVLfan

Hallo zusammen,

ich habe bezüglich dem Thema Arbeitsvorgang mal eine Frage...

Im Zuge der Tarifverhandlungen heißt es ja, dass die Arbeitgeberseite hier erneut Änderungen wollte, die es ermöglichen uns niedriger einzugruppieren. Ich bin nach den Urteilen "9a" eigentlich davon ausgegangen, dass dies abgewehrt wurde. Daher konnten keine anderen Änderungen in der Tarifrunde herbeigeführt werden.

Kann hier Jemand Licht ins dunkel bringen. Danke :)


TVOEDAnwender

Die TdL hat vor dem Hintergrund der sogenannten 9a-Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts eine Änderung der tariflichen Regelungen zum Arbeitsvorgang gefordert.

Hintergrund ist, dass das Bundesarbeitsgericht insbesondere in den Entscheidungen zur EG 9a den Arbeitsvorgang als eine einheitliche, zusammenhängende Arbeitsaufgabe definiert hat, die nicht künstlich in kleinste Einzeltätigkeiten zersplittert werden darf. Genau diese Zersplitterung hätte die Arbeitgeberseite tariflich erleichtern wollen.

Ziel war es im Ergebnis, die Bewertung von Tätigkeiten stärker zu fragmentieren, um Zeitanteile unterhalb der maßgeblichen Schwellenwerte zu drücken und damit niedrigere Eingruppierungen zu ermöglichen.

Diese Forderung ist in der Tarifrunde durch die Gewerkschaften abgewehrt worden. Die Arbeitgeberseite hat das Thema unter anderem mit der stufengleichen Höhergruppierung sowie mit der Lehrer EGO beziehungsweise der Paralleltabelle verknüpft und als Paketlösung ultimativ zur Bedingung gemacht.

Am Ende ist es bei der bisherigen Systematik des Arbeitsvorgangs geblieben. Die Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts gilt weiterhin fort.

JUSTIFY

Danke für die Infos.

Das würde ja bedeuten, dass dieses Argument immer wieder aus der Schublade kommt wenn Verhandlungen anstehen.


TVOEDAnwender

Zitat von: JUSTIFY in 17.02.2026 18:21Danke für die Infos.

Das würde ja bedeuten, dass dieses Argument immer wieder aus der Schublade kommt wenn Verhandlungen anstehen.


Genau so sieht es aus. Die TdL hat alle strukturellen Fragen ultimativ mit der Frage PE zum Arbeitsvorgang verknüpft. Es ist nicht zu erwarten, dass sie davon auch in 2028 abrücken wird.

Garfield

Zitat von: JUSTIFY in 17.02.2026 18:21Danke für die Infos.

Das würde ja bedeuten, dass dieses Argument immer wieder aus der Schublade kommt wenn Verhandlungen anstehen.



Ist ja im Prinzip auch die logische Schlussfolgerung aus dem Gerichtsurteil.
Der Einspruch gegen das Urteil wurde abgelehnt und klar darauf verwiesen, dass die aktuelle Fassung des TV-L eben genau so interpretiert wird.
Also muss die TDL schon den TV-L ändern, wenn sie an den Arbeitsvorgang nochmal ran will.

Ist ja auch der Grund, warum die Gewerkschaften bei den vielen gewünschten Verbesserungen im TV-L immer wieder zurückziehen und nur die Tabellen kündigen. Bei allem anderen befürchtet man mit diesem niedrigen Organisationsgrad haushoch zu verlieren und nachher einen schlechteren Tarifvertrag zu haben.

TVLfan

Zitat von: Garfield in 18.02.2026 11:58Ist ja im Prinzip auch die logische Schlussfolgerung aus dem Gerichtsurteil.
Der Einspruch gegen das Urteil wurde abgelehnt und klar darauf verwiesen, dass die aktuelle Fassung des TV-L eben genau so interpretiert wird.
Also muss die TDL schon den TV-L ändern, wenn sie an den Arbeitsvorgang nochmal ran will.

Ist ja auch der Grund, warum die Gewerkschaften bei den vielen gewünschten Verbesserungen im TV-L immer wieder zurückziehen und nur die Tabellen kündigen. Bei allem anderen befürchtet man mit diesem niedrigen Organisationsgrad haushoch zu verlieren und nachher einen schlechteren Tarifvertrag zu haben.
Zitat von: Garfield in 18.02.2026 11:58Ist ja im Prinzip auch die logische Schlussfolgerung aus dem Gerichtsurteil.
Der Einspruch gegen das Urteil wurde abgelehnt und klar darauf verwiesen, dass die aktuelle Fassung des TV-L eben genau so interpretiert wird.
Also muss die TDL schon den TV-L ändern, wenn sie an den Arbeitsvorgang nochmal ran will.

Ist ja auch der Grund, warum die Gewerkschaften bei den vielen gewünschten Verbesserungen im TV-L immer wieder zurückziehen und nur die Tabellen kündigen. Bei allem anderen befürchtet man mit diesem niedrigen Organisationsgrad haushoch zu verlieren und nachher einen schlechteren Tarifvertrag zu haben.

Von daher wissen wir dann, wie der Ablauf bei der nächsten Tarifrunde aussieht....
Da helfen auch keine 100 Seiten Diskussion ;)

Aleksandra

Zitat von: TVOEDAnwender in 17.02.2026 13:22Die Arbeitgeberseite hat das Thema unter anderem mit der stufengleichen Höhergruppierung sowie mit der Lehrer EGO beziehungsweise der Paralleltabelle verknüpft und als Paketlösung ultimativ zur Bedingung gemacht.
Puh, das ist heftig. Danke für die Info, finde es immer interessant zu erfahren mit welchen Bandagen da bei solchen Verhandlungen gekämpft wird.
Reallohnverlust seit Dienstantritt: 1,96%
2022: Inflation 6,9% - Verdi 1,8%
2023: Inflation 5,9% - Verdi 0%
2024: Inflation 2,2% - Verdi 9,03%
2025: Inflation 2,2% - Verdi 3,00%
2026: Inflation 2,2% - Verdi 3,99%

TVOEDAnwender

Ein zusätzliches Problem bei der ganzen Diskussion ist, dass das Thema Arbeitsvorgang tarifpolitisch eine erhebliche Tragweite hat. Würde man im Bereich der Länder auch nur geringfügig von der bisherigen Systematik abweichen, stünde das Thema sofort auch bei Bund und Kommunen sowie bei Sonderbereichen wie der Autobahn GmbH oder dem TV-Hessen auf dem Verhandlungstisch.

Die Tätigkeitsmerkmale und die Bewertung nach Arbeitsvorgängen bilden letztlich das Grundgerüst der Entgeltordnung im öffentlichen Dienst. Jede Veränderung im TV-L hätte deshalb zwangsläufig Signalwirkung für die anderen Tarifbereiche. Genau deshalb reagieren die Gewerkschaften bei diesem Thema traditionell sehr zurückhaltend. Das ist u.a. ja auch der Grund, warum bei den Entgeltordnungen so wenig Bewegung drin ist bzw. die TVöD-Entgeltordnung fast zwei Jahrzehnte gebraucht hat.

Man muss also sehen, dass es hier nicht nur um den Länderbereich bzw. die Justiz geht, sondern um die Stabilität der gesamten Eingruppierungssystematik im öffentlichen Dienst. Schon kleine Änderungen könnten erhebliche Folgewirkungen haben.

MoinMoin

Also die Problematik der stufengleichen HG könnte Verdi auch mit folgendem Angebot entschärfen:
Absenkung! des Lohnes um 1 Cent bei
5  S3
9a S 3
9b S 3 und S 4
12 S 3


 8)

Rowhin

Zitat von: TVOEDAnwender in 25.02.2026 10:26Würde man im Bereich der Länder auch nur geringfügig von der bisherigen Systematik abweichen, stünde das Thema sofort auch bei Bund und Kommunen sowie bei Sonderbereichen wie der Autobahn GmbH oder dem TV-Hessen auf dem Verhandlungstisch. [...]
Jede Veränderung im TV-L hätte deshalb zwangsläufig Signalwirkung für die anderen Tarifbereiche.

Klingt hier sehr unidirektional, oder meinst du, das wäre in alle Richtungen so? Wenn man strukturelle Themen im TVöD anpacken würde, würde dann auch im TV-L direkt Änderungen vorgenommen werden?

TVLfan

Genau das ist das Problem, auch für die Zukunft. Die Arbeitgeber wollen Veränderungen, die natürlich zu vielen Herabgruppierungen führen könnten bzw. bestenfalls Bestandsschutz für die Altverträge garantieren. Für Neueinstellungen würde es dann bitter werden.

Und egal ob TVÖD oder TVL, wenn einer was Schlechteres verhandelt kommt es für die andere Seite auch.

TVOEDAnwender

Zitat von: Rowhin in 25.02.2026 13:46Klingt hier sehr unidirektional, oder meinst du, das wäre in alle Richtungen so? Wenn man strukturelle Themen im TVöD anpacken würde, würde dann auch im TV-L direkt Änderungen vorgenommen werden?

Verhandlungen in den großen Flächentarifverträgen haben immer gegenseitige Auswirkungen, auch wenn sie formal nicht mehr zusammengehören und getrennt geführt werden.

Zwischen TdL und VKA bestehen selbstverständlich Abstimmungen. Die Tarifrunden werden jeweils genau beobachtet, und man informiert sich gegenseitig über den Stand der Verhandlungen. Wenn an einem Verhandlungstisch Zugeständnisse gemacht werden, wird dies am anderen Tisch von Arbeitgeberseite regelmäßig als Argument aufgegriffen.

Das gilt allerdings auch in die andere Richtung. Entgeltsteigerungen im TVöD entfalten regelmäßig eine gewisse Sogwirkung auf den TV-L, weil die Tarifrunde der Länder üblicherweise zeitnah im Anschluss stattfindet.

Rowhin

Zitat von: TVOEDAnwender in 26.02.2026 11:49Das gilt allerdings auch in die andere Richtung. Entgeltsteigerungen im TVöD entfalten regelmäßig eine gewisse Sogwirkung auf den TV-L, weil die Tarifrunde der Länder üblicherweise zeitnah im Anschluss stattfindet.

Dass der TV-L auch zeitlich "hinterherhinkt", wird ja immer wieder kritisiert. Wäre rein als Gedankenspiel durchaus interessant, was sich ändern würde, wenn sich das mal umdrehen würde. Natürlich extrem unwahrscheinlich, da dazu in einer Runde die Laufzeit des einen TV stark von der des anderen TV abweichen müsste.

JUSTIFY

Zitat von: Rowhin in 26.02.2026 12:06Dass der TV-L auch zeitlich "hinterherhinkt", wird ja immer wieder kritisiert. Wäre rein als Gedankenspiel durchaus interessant, was sich ändern würde, wenn sich das mal umdrehen würde. Natürlich extrem unwahrscheinlich, da dazu in einer Runde die Laufzeit des einen TV stark von der des anderen TV abweichen müsste.

Sehr interessantes Gedankenspiel. 😁 Werden wir aber wohl nicht mehr erleben. 😉