Alle in Gewerkschaft: Tatsächlich bessere Tarifergebnisse?

Begonnen von Ingenieur007, 24.02.2026 08:44

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Warnstreik

Zitat von: wicked0815 in 26.02.2026 17:50Der heutige Abschluss bei der Autobahn AG, nur ein paar Tage nach dem im TV-L, hat für mich eines gezeigt.
Gut das ich diese Woche mit lautem Trara meine Mitgliedschat gekündigt habe.
Der TV-L interessiert die nicht.
Außerdem herrscht bei den sogenannten Vertretern schon auf unterster Ebene so ein Klüngel, dass dieser nicht mehr zu durchdringen ist.


Jetzt überlegen wir mal zusammen - und das ganz nüchtern - was das noch gezeigt haben könnte:
1. die Autobahn GmbH hat 70 mal weniger Angestellte als der TV-L und ist somit viel spezialisierter.
2. Der Organisationgrad ist deutlich höher
3. Man kann Verkehr an den neuralgischsten Knotenpunkte lahmlegen (und hat das in diesem Arbeitskampf auch getan)
4. Das Potential von Beamten als Streikbrecher (jaja, das ist der falsche Ausdruck) ist so gut wie nicht existent.

Am Ende ist alles ein Machtkampf - wenn man hier keine Waffen hat, dann gibt man früher auf. Und ja, umso schlechter die Bewaffnung wird, umso mehr kann ich auch jeden verstehen, der sich zurückzieht. Das liegt aber nicht daran, dass "...der TV-L DIE nicht interessiert..." - wieso sollte das so sein? Wieso sollte Bund oder Kommunen oder Autobahn GmbH "die" mehr interessieren?

wicked0815

Zuerst mal habe ich natürlich meine Mitgliedschaft in der Gewerkschaft nach fast 30 Jahren gekündigt.


Zitat von: Warnstreik in 26.02.2026 23:531. die Autobahn GmbH hat 70 mal weniger Angestellte als der TV-L und ist somit viel spezialisierter.
Die Straßenbauverwaltungen der Länder gehören dem TV-L an und sind mindestens genauso spezialisiert.
Das es weniger Angestellte gibt liegt auf der Hand dafür können aber die Angestellten im TV-L nichts

2. Der Organisationgrad ist deutlich höher
Ist das wirklich so? Wo sind die Zahlen die das belegen.
Die Aussage kommt gerne von den Gewerkschaften ohne Nachweise.

3. Man kann Verkehr an den neuralgischsten Knotenpunkte lahmlegen (und hat das in diesem Arbeitskampf auch getan)
Können die Länder auch aber mehr als drei, vier Brezelveranstaltungen wollten die Gewerkschaften nicht

4. Das Potential von Beamten als Streikbrecher (jaja, das ist der falsche Ausdruck) ist so gut wie nicht existent.
Im Verhältnis richtig.

Es gab schon vor den Verhandlungen genug Defizite zwischen dem TV-L und den anderen TV. Vor allem dem TV-A.
Wieso wurden die Forderungen nicht so aufgestellt, dass man eine Angleichung zumindest hätte theoretisch erreichen können?
Weder bei den Tabellenlöhnen noch bei der JSZ oder anderen Boni konnte man das erreichen.

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.
Bei beiden Verhandlungen das gleiche gefordert, in den Ländern nach kürzester Zeit und ein paar Pseudostreiks aufgegeben um dann bei der Autobahn mehr zu bekommen als man gefordert hat.
Daran sieht man wo die Prioritäten liegen.
Macht sich auch besser auf Facebook und insta.
Kritische Kommentare, und ich meine explizit nur die sachlichen, werden ignoriert oder gelöscht.

Daher bleibe ich bei meinen Aussagen. Der TV-L interessiert die nicht.



MoinMoin

#77
Zitat von: wicked0815 in 27.02.2026 06:54Zuerst mal habe ich natürlich meine Mitgliedschaft in der Gewerkschaft nach fast 30 Jahren gekündigt.


Es gab schon vor den Verhandlungen genug Defizite zwischen dem TV-L und den anderen TV. Vor allem dem TV-A.
Wieso wurden die Forderungen nicht so aufgestellt, dass man eine Angleichung zumindest hätte theoretisch erreichen können?
Weder bei den Tabellenlöhnen noch bei der JSZ oder anderen Boni konnte man das erreichen.

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.
Bei beiden Verhandlungen das gleiche gefordert, in den Ländern nach kürzester Zeit und ein paar Pseudostreiks aufgegeben um dann bei der Autobahn mehr zu bekommen als man gefordert hat.
Daran sieht man wo die Prioritäten liegen.
Macht sich auch besser auf Facebook und insta.
Kritische Kommentare, und ich meine explizit nur die sachlichen, werden ignoriert oder gelöscht.

Daher bleibe ich bei meinen Aussagen. Der TV-L interessiert die nicht.



Ja da sieht man wo die Prioritäten der Arbeitgeber sind und wo die Macht der Angestellten ist.
Bei der Autobahn haben die Angestellte, vertreten durch die Gewerkschaft halt mehr Macht, als die Angestellten im TVL.
Das wissen die Gewerkschaften und das wissen die Arbeitgeber, nur du scheinst das mit "die Gewerkschaft wollte nicht" zu verwechseln.

Meinst du im Ernst, dass der AG grossartig eingeknickt wäre, wenn ein paar 1000 Angestellte ein paar Tage nicht arbeiten gehen?
Der Bürger hätte es nur durch die Presse mitbekommen, dass da im TVL welche streiken.
Die Lehrer haben Beamte an der Seite, die den Laden aufrecht halten und wo sonst würde der Bürger Druck auf die AG ausüben?
Der einzige Bereich, in dem bei diesem Abschluss es katastrophal abgelaufen ist, ist der Gap, der jetzt durch die JSZ entsteht.
Sonst ist es doch so, dass der TVL nur bisserl hinterher hingt.

Garfield

Hahaha ist das eine geile Logik!
"Die gut organisierte Gewerkschaft im TV-Autobahn hat mit ihren heftigen Streiks den Verkehr lahmgelegt und viel mehr erkämpft als die 5 Hansele die im TV-L auf der Straße waren, also hab ich meine Mitgliedschaft gekündigt"  ;D  ;D  ;D

Ich komme immer mehr zum Schluss, dass uns im Länderbereich einfach niemand mehr helfen kann.
Zum Glück bin ich kein Finanzminister, ich würde bei der nächsten Länderrunde erstmal 2 Jahre Nullrunde ansetzen.

MoinMoin

Zitat von: TVOEDAnwender in 26.02.2026 16:08Stellen wir doch mal andersrum die Frage: Alle raus aus den Gewerkschaften: Tatsächlich bessere Tarifergebnisse?
Btw: Unsere Putzfrauen und Küchenhilfen ... haben nichts mehr davon in Verdi gewesen zu sein. Die sind jetzt bei den externen die diesen Job erledigen.
Traurig aber wahr.

wicked0815

Zitat von: MoinMoin in 27.02.2026 07:09Ja da sieht man wo die Prioritäten der Arbeitgeber sind und wo die Macht der Angestellten ist.
Bei der Autobahn haben die Angestellte, vertreten durch die Gewerkschaft halt mehr Macht, als die Angestellten im TVL.
Das wissen die Gewerkschaften und das wissen die Arbeitgeber, nur du scheinst das mit "die Gewerkschaft wollte nicht" zu verwechseln.

Meinst du im Ernst, dass der AG grossartig eingeknickt wäre, wenn ein paar 1000 Angestellte ein paar Tage nicht arbeiten gehen?
Der Bürger hätte es nur durch die Presse mitbekommen, dass da im TVL welche streiken.
Die Lehrer haben Beamte an der Seite, die den Laden aufrecht halten und wo sonst würde der Bürger Druck auf die AG ausüben?
Der einzige Bereich, in dem bei diesem Abschluss es katastrophal abgelaufen ist, ist der Gap, der jetzt durch die JSZ entsteht.
Sonst ist es doch so, dass der TVL nur bisserl hinterher hingt.


Also ich war 2006 insgesamt 110 Tage im Streik. Hat doch damals auch irgendwie geklappt.

Bei der letzten Tarifrunde hat uns ein leitender Gewerkschaftsfunktionär auf der Heimfahrt von einer Veranstaltung klar gesagt, dass es im Bereich der Länder keine längerfristigen Streiks geben wird weil A von den Gewerkschaften nicht gewollt und B eh kein Geld dafür da wäre.

Selbst wenn es niemanden interessiert hätte, ohne es zu versuchen wird man es nie wissen.

Ingenieur007

Daher braucht es eine ehrliche Bestandsaufnahme und Anpassung bei Gewerkschaften. In Sichtweite? Eher nicht.

daseinsvorsorge

Zitat von: Ingenieur007 in 27.02.2026 12:44Daher braucht es eine ehrliche Bestandsaufnahme und Anpassung bei Gewerkschaften. In Sichtweite? Eher nicht.
Wo ist ihre ,,Anpassung" in Sichtweite ? Sie haben mehrfach mindestens 4 Möglichkeiten aufgezeigt bekommen, damit Sie nicht mehr auf die Abschhlüsse der Gewerkschaften angewiesen sind.

Anstatt endlich selber aktiv zu werden, trommeln Sie weiter und hoffen, dass sich Gewerkschaften ,,anpassen". Nochmals meine Frage dazu: welchen Sinn soll das - insbesondere für Sie-ergeben.

Ingenieur007

Es geht schlichtweg um die weitere Existenz der Gewerkschaften. Die wir definitiv brauchen. Aber auch hier gilt das bekannte Motto: "Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.."

Die Diäten der Abgeordneten steigen offenbar um 4,2 Prozent zum 1. Juli 2026. Das entspricht einem satten Plus von knapp 500 Euro im Monat. Wie will man da den TV-L Abschluss vermitteln?

Verdimmtnochmal

Zitat von: Ingenieur007 in 27.02.2026 13:47Es geht schlichtweg um die weitere Existenz der Gewerkschaften. Die wir definitiv brauchen. Aber auch hier gilt das bekannte Motto: "Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.."

Die Diäten der Abgeordneten steigen offenbar um 4,2 Prozent zum 1. Juli 2026. Das entspricht einem satten Plus von knapp 500 Euro im Monat. Wie will man da den TV-L Abschluss vermitteln?

Im TV-L ist kein Geld da, das Geld wird für die Abgeordneten benötigt. Ist doch ganz klar.

daseinsvorsorge

Zitat von: Ingenieur007 in 27.02.2026 13:47Es geht schlichtweg um die weitere Existenz der Gewerkschaften. Die wir definitiv brauchen. Aber auch hier gilt das bekannte Motto: "Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.."

Die Diäten der Abgeordneten steigen offenbar um 4,2 Prozent zum 1. Juli 2026. Das entspricht einem satten Plus von knapp 500 Euro im Monat. Wie will man da den TV-L Abschluss vermitteln?
Verstehe ich das jetzt so richtig: Sie opfern sich auf, weil Sie das große Ganze nicht aus dem Blick verlieren wollen? Das nenne ich mal"Leidenschaft".

Aber was haben Abschlüsse im TVL mit der Diätenerhöhung formal zu tun? Was man fordern könnte, wäre die Anpassung der Diäten an die durchschnittlichen Erhöhungen aller AN im ÖD und nicht aller AN in Deutschland.

Aber auch hier können Sie ganz ohne Gewerkschaften aktiv werden: Schreiben Sie einfach Ihren Bundestagsabgeordneten an und schildern Sie das Dilemma. Also mehr Briefe als Kommentare schreiben- dann erhalten Sie vielleicht die Anpassung, die Sie verdient haben.

Ingenieur007

Es zeigt sich exemplarisch schön das Kernproblem im gewerkschaftlichen Denken. Reflexion? Kritik annehmen? Prozesse überdenken? Darum werden Gewerkschaften in einigen Jahren nur noch Randthema sein. Obwohl wir sie mehr brauchen werden als je zuvor. Mein Angebot steht. Gerne stehe ich beratend zur Verfügung  :)

daseinsvorsorge

ZitatEs zeigt sich exemplarisch schön das Kernproblem im gewerkschaftlichen Denken. Reflexion? Kritik annehmen? Prozesse überdenken? Darum werden Gewerkschaften in einigen Jahren nur noch Randthema sein. Obwohl wir sie mehr brauchen werden als je zuvor. Mein Angebot steht. Gerne stehe ich beratend zur Verfügung  :)
Ich habe gerade mit Frank Werneke telefoniert. Er bittet Sie, sich am Montag direkt mit den Funktionären an Ihrem Wohnort zusammen zu setzen.

Möglicherweise hätten diese Gespräche auch Auswirkungen Auf die BTK, die das Tarifergebnis - nach Mitgliederbefragung -ja noch formal absegnen muss.

Garfield

Zitat von: Ingenieur007 in 27.02.2026 17:26Es zeigt sich exemplarisch schön das Kernproblem im gewerkschaftlichen Denken. Reflexion? Kritik annehmen? Prozesse überdenken? Darum werden Gewerkschaften in einigen Jahren nur noch Randthema sein. Obwohl wir sie mehr brauchen werden als je zuvor. Mein Angebot steht. Gerne stehe ich beratend zur Verfügung  :)

Wie geht es dir damit, dass du gerne Ratschläge verteilen würdest, die niemand hören will?

Meine Schwiegermutter hat nämlich ein ähnliches Problem, daher mein ehrliches Interesse.

Ingenieur007

Darum verlieren die Gewerkschaften weiter stetig Mitglieder. Dann soll es so sein.